Das muß mal gesagt werden ...

Hier könnt ihr alles posten was mit Judo zu tun hat

tom herold
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Das muß mal gesagt werden ...

Beitrag von tom herold »

Da hat doch schon wieder jemand nicht zugehört ...


Im “Judomagazin” Nr. 10 / 07 findet sich ein Artikel, in welchem deutlich wird, wie sehr traditionelle Jûdôka und Wettkampf-Sportler aneinander vorbeireden.
Unter dem Titel “Mit Gefühl und Kraft” lesen wir:
“Topwettkämpfer bringen technische Glanzstücke hervor. Fachmann Ulrich Klocke, 7. Dan, belegt dies mit vier Beispielen von Konteraktionen gegen Fußtechniken, die allesamt beim Otto World Cup 2007 i Hamburg aufgenommen wurden.”

1. Beispiel:
Zu sehen ist ein O-Uchi-Gari des Griechen Iliadis gegen den Franzosen Brisson, der halbherzig einen Ko-Soto-Gake angesetzt hatte.
(Judomagazin 10 / 07, S. 41)

2. Beispiel:
Zu sehen ist weiterhin ein Ko-Uchi-Gari der Brasilianerin Silva (die ich erst für einen Mann hielt!!) gegen die Spanierin San Miguel, die mit Ko-Uchi-Makikomi angegriffen hatte.
(Judomagazin 10 / 07, S. 42)

3. Beispiel:
Zu sehen ist auch, wie sich die dicke, schwere Russin Donguzashvili einfach nach vorn lehnt und ihre Gegnerin umkippt, als diese mit O-Soto-Gari attackiert. Da man dies ja irgendwie nennen muß, hat man es als “O-Soto-Otoshi” bezeichnet.
(Judomagazin 10 / 07, S. 43)

4. Beispiel
Wir sehen, wie der Israeli Sheinmann sich mit einem fürchterlich gebolzten, enorm kraftbetonten Te-Guruma gegen den Polen Krawczyk und dessen O-Soto-Gari durchsetzt.
(Judomagazin 10 / 07, S. 44)

Gut, das sind halt Bilder eines Wettkampfs. Na und?
Zum ersten Beispiel: wenn man, so wie der Franzose es hier tut, einen nach vorn gebeugten Gegner mit Ko-Soto-Gake angreift und dabei selbst beinahe im Hohlkreuz steht, dann ist es kein Wunder, wenn man weggehauen wird. Was der Grieche Iliadis da tut, ist gut und richtig - aber eine besonders hervorzuhebende “Supertechnik” ist das ganz sicher nicht.

Zum zweiten Beispiel: die Brasilianerin steht ebenfalls nach vorn geneigt da, und das ist sicher nicht die optimale Ausgangsposition für den Ko-Uchi-Makikomi der Spanierin. Die Brasilianerin Silva lehnt sich einfach noch weiter nach vorn und plumpst auf die Spanierin drauf. Kann man machen, ist eine an dieser Stelle sinnvolle Bewegung. Aber was ist denn daran nun so unglaublich toll? Die Brasilianerin hat einen eklatanten Fehler ihrer Gegnerin ausgenutzt. Prima! Glückwunsch! Aber das ist es doch wohl, was man von einem Jûdôka erwarten darf, oder? Und nebenbei - wieso es für dieses simple Umdrücken Ippon gab, erschließt sich mir nicht so recht.

Zum dritten Beispiel:
Meint Klocke das ernst? DAS soll ein Beispiel für die von ihm so bejubelte “Vielzahl wunderschöner, technisch und ästhetisch ansehnlicher Lösungen” sein? Eine - mit Verlaub - dicke Tante vom Typ “russische Kugelstoßerin” steht nach vorn geneigt da und läßt ihre Gegnerin erst mal einen O-Soto-Gari ansetzen. Dann neigt sie sich bedächtig noch weiter nach vorn, drückt mit viel Kraft diese Gegnerin einfach um und plumpst hinterher.
Wunderschön, technisch und ästhetisch ansehnlich, doch, doch ...
Zum 4. Beispiel:
Wunderbar! Es ist beeindruckend, wie der Israeli Sheinmann seinen Gegner wunderschön hochhebt, ihn dann technisch und ästhetisch anspruchsvoll erst mit dem Schultergelenk und dann mit dem Kopf kraftvoll in die Matte haut, um den Polen danach über den mit dem ganzen Körpergewicht belasteten Kopf auf den Rücken zu kippen. Mit Gefühl und Kraft? Letzteres ganz sicher ...
So also sieht für Klocke gutes Jûdô aus.

Nun schreibt er dazu euphorisch:
“Kritik greift zu kurz

Kritiker des Wettkampfsports haben viele Jahre lang immer wieder vorgetragen, dass das Wettkampfjudo zu einer technischen Verarmung und zu einer Beschränkung auf nur wenige, sehr wirksame Techniken führe. Ich sehe dies nach jahrelanger, intensiver Auseinandersetzung mit dem nationalen und internationalen Judo als Spitzensport ganz anders. Ich glaube, dass die intensive Beschäftigung mit dem Judo, die zahllose Menschen in allen Erdteilen betreiben, nicht nur Weltmeister und Olympiasieger aus allen Erdteilen mit sich bringt, sondern auch eine Vielzahl wunderschöner, technisch und ästhetisch ansehnlicher Lösungen entwickelt, um im Judowettkampf einen Ippon zu erzielen.”
(Judomagazin 10 / 07, S. 40)
(Nota bene: daß eine Sportart, die “olympisch” ist, und in der Weltmeisterschaften veranstaltet werden, auch Olympiasieger und Weltmeister hervorbringt, sollte doch wohl selbstverständlich sein. Warum das also betonen?)
So, und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Erstens gibt es kaum “neue, moderne” Lösungen im Bereich der Wurftechniken.
Beispiel gefällig?
Viele Jûdôka glauben, daß etwa Wurftechniken, bei denen ein Bein des Gegners gegriffen und weggerissen wird, sich erst im sportlichen Wettkampf-Jûdô entwickelt haben, also eher „moderne“ oder gar „russische“ Techniken sind. Das aber ist ein Irrtum. So ist bspw. Kuchiki-Daoshi eine Wurftechnik, die dem Tenshin-Shinyo-Ryû Jû Jutsu und damit dem Koryû Bûjutsu entstammt.
Und warum gab es im traditionellen Jûdô so etwas wie den “Khabarelli” nicht? Ganz einfach - das ist eine tolle, aber ausschließlich im reglementierten Sport anwendbare Bewegungsfolge (von Technik möchte ich da nicht sprechen, denn der “Khabarelli” widerspricht in seiner Ausführung dem ersten und obersten Prinzip des Jûdô, dem “Seiryoku Zen’yo”). Aus diesem Grunde findet man derlei unökonomische, kraftaufwendige und selbstgefährdende Techniken nicht im Jûdô. Bewegungsfolgen wie der Khabarelli sind das, was Kano “Kunstwürfe” nannte. Daß solche Dinge heute dennoch als “gutes, technisch anspruchsvolles Jûdô” gelten, läßt erkennen, wie wenig man allgemein vom Jûdô noch weiß.
Zweitens geht es im Jûdô, folgt man Kanos Texten, eben nicht primär darum, im sportlichen Wettkampf “einen Ippon zu erzielen”! Genauer gesagt, geht es darum eben NUR und ausschließlich im Wettkampfsport.
Nun wissen wir aus Kanos Texten (ja, wenn man sie doch endlich mal lesen würde!!!), daß der Wettkampf eine eher untergeordnete Bedeutung hat, sozusagen als Kontrollmöglichkeit dessen dient, was man im Training gelernt hat.
Dazu schreibt Kano:
„(1) Da sind jene, die Wettkampfsportarten angreifen und sagen, daß wir in Japan unsere eigenen Kampfkünste (Bûjutsu) haben, welche ausgezeichnet geeignet sind für körperliche und geistige Erziehung, so daß wir es nicht nötig haben, uns Probleme aufzuladen welche mit einem Import irgendwelcher Sportarten verbunden sind. Wenn wir unser eigenes Bûjutsu praktizieren, dann sind wir dem Geist des japanischen Volkes aufs Natürlichste verbunden, und es ist gleichzeitig ein Training unserer eigenen Tugenden. Importierte Sportarten werden diesen Geist auch vorzutäuschen versuchen, und wir sollten uns gegen das Fremde behaupten.
(2) Dann gibt es da jene, welche die guten Aspekte des Sports betonen und sagen, daß auch Jûdô bekanntgemacht und verbreitet werden sollte als eine Form des Wettkampfsports, und daß es in seiner Praxis komplett reduziert werden sollte auf eine wettkampftaugliche, sportliche Form, gleich vielen anderen Sportarten.
Keiner dieser Standpunkte ist korrekt, und man muß sagen, daß keiner dieser Standpunkte die Beziehung zwischen Jûdô und anderen Sportarten definiert.
Wie ich oft erklärt habe, ist Jûdô ein WEG, welcher eine große Universalität ausdrückt.
In der Vielzahl seiner Anwendungen gibt es viele verschiedene Blickwinkel, so z.B. vom Standpunkt der Kampfkunst aus, vom Standpunkt der Körpererziehung aus, in Bezug auf die Kultivierung der Intelligenz und der Tugend, und es gibt Methoden, Jûdô auf die Belange des täglichen Lebens zu übertragen.
Wettkampfsport ist eine Art von Sport, in dem es um den Kampf bis zum Sieg geht, das beinhaltet ein natürliches Training des Körpers. Es ist auch eine System moralischer Kultur.
Wenn Wettkampfsport korrekt dieser Linie folgt, dann hat er große Erfolge im physischen und auch psychischen Training vorzuweisen, und darüber kann es keinen Streit geben.
Aber der Inhalt des Wettkampfsportes ist simpel und sehr begrenzt, während der Inhalt des Jûdô sehr komplex und weitgefaßt ist. Wettkampfsport beinhaltet nur einen kleinen Teil des Jûdô. Natürlich kann man Jûdô als einen simplen Wettkampfsport ansehen, und es mag genügen, das so zu tun. Aber der vollständige, ultimative Inhalt des Jûdô kann so nicht vermittelt werden. Man kann bemerken, daß es in unseren Tagen die Absicht gibt, Jûdô dahin zu drängen, daß es den Richtlinien eines Wettkampfsportes folgt, doch man darf nicht vergessen, was die wirkliche Essenz des Jûdô ist und worin diese liegt.“
(KANO Jigoro „What we learn from Jûdô“ in : Trevor Legget „The Spirit of Budô“ S. 99)

„Wenn Wettkampfsport korrekt dieser Linie folgt ... ist er auch ein System moralischer Kultur.“ Das muß man sich angesichts diverser Doping-Skandale doch gleich noch einmal durchlesen ...

Offenbar ist es unter Jûdôka heute üblich, die eindeutigen und nicht fehlzuinterpretierenden Worte des Gründers zu ignorieren.
“Wettkampfsport beinhaltet nur einen kleinen Teil des Jûdô” schreibt Kano.
Wenn man das gelesen hat, wie kann man dann immer noch bestreiten, daß dieser kleine Teil , da er heute als “das Ganze” angesehen wird, zunehmend technisch verarmen muß?

So, und nun können wir am Beispiel des Artikels von Ulrich Klocke sehr schön illustrieren, was dabei herauskommt, wenn man sich auf den “kleinen Teil” des Jûdô, nämlich den bloßen sportlichen Wettkampf nach immer absurderen Regeln konzentriert.
Der Wettkampf ist eine Laborsituation. Niemand muß dort um sein Leben fürchten. Niemand hat einen echten Gegner - man hat einen sportlichen Kontrahenten. Und das ist nun einmal etwas ganz anderes!
Die Kampfzeit ist begrenzt. Es gibt feste Regeln, und der Gegner kann disqualifiziert werden, wenn er zu “böse” wird.
Die Beleuchtung ist meist gut bis sehr gut, man rauft ... ääähh, kämpft auf einer ebenen Matte, ein Mattenarzt ist anwesend, und vor allem hat man nur einen einzigen Kontrahenten, de außerdem unbewaffnet ist. Nun kann man das ja alles so machen. Dagegen ist nichts einzuwenden.
ABER: man sollte nicht so tun, als sei DAS dann noch Jûdô im Sinne des Gründers.
Ich bin bereit, zuzugestehen, daß auch der Wettkampfsport seine Berechtigung hat und daß Jûdô als Sportart immer noch besser ist als gar kein Jûdô.
ABER: auch wenn Ulrich Klocke das nicht wahrhaben will, das heute praktizierte Wettkampfjudo führt definitiv zu einer technischen Verarmung, verglichen mit der Gesamtheit der Lehrinhalte des authentischen Jûdô.
Es ist kaum als “technische Vielfalt” zu bezeichnen, wenn von dieser oder jener Wurftechnik diese oder jene Variante eine Zeit lang in Mode ist.
Die “Vielzahl wunderschöner, technisch und ästhetisch ansehnlicher Lösungen ... um im Judowettkampf einen Ippon zu erzielen”, von denen Klocke spricht, sind genau das: Kunstwürfe.
Und so etwas funktioniert eben nur und ausschließlich in der determinierten Laborsituation des streng reglementierten Wettkampfs.
In einer SV-Situation etwa ist so etwas nicht zu gebrauchen.
Wer nun das Gegenteil behauptet, ist entweder bedenklich ahnungslos und hat noch nie ernsthaft um sein Leben kämpfen müssen - oder er lügt.
Und da sind wir auch schon bei der nachweisbaren technischen Verarmung des Wettkampfjudo angelangt.
Wie sieht es denn im Bodenkampf aus? Wo finden wir denn da all die “wunderschönen, technisch und ästhetisch ansehnlichen Lösungen”, von denen Klocke spricht?
Wieviele Kämpfe werden denn im Boden heute noch durch Hebel gewonnen? Wieviele durch Würgegriff? Und wo sind eigentlich all die dem Jûdô eigenen Bein- und Fußhebel hingekommen ...?
Und wo, bitte sehr, finden wir denn heute noch Dôjô, in denen die enorm effektiven Atemi-Waza des Jûdô tatsächlich noch anwendungsbereit gelehrt werden?
Möchte mir jemand einreden, die “Ausbildung zum SV-Lehrer des DJB” würde diese Dinge auch nur ansatzweise beinhalten?
Und wo, bitte sehr, lieber Herr Klocke, finden wir denn heute noch ein Dôjô, in welchem der Umgang mit den wichtigsten Waffen des Jûdô gelehrt wird? In welcher deutschen Turnhalle, in der “modernes Wettkampfjudo” betrieben wird, kann man heute noch als Jûdôka von seinem Jûdô-Lehrer wenigstens den Umgang mit Schwert (Katana), Dolch (Tanto) und Stock (Hanbo) erlernen - von Kusarigama, Jitte usw. mal ganz abgesehen?
Und bitte, bitte kommen Sie mir jetzt nicht mit der unsinnigen Behauptung, Waffentechniken habe es “im Jûdô nie gegeben”.
Wo wird den tatsächlich noch der bereich der Uke-Waza in seiner Gesamtheit unterrichtet?
Wo lernt der Jûdôka den noch etwas über Kappo / Kuatsu?
Wo lernt er denn noch etwas über die Gyokku Ho, die Kyushin Ho, die Renko Ho?
Ja, ja, ich weiß - das alles ist “für den modernen Wettkampfsport unerheblich”.
Das ist so ungefähr das gleiche, als wenn man - wie einer meiner Schüler dazu schrieb - die Klinge einer (Streit-) Axt entfernt, den klingenlosen Stiel hochhebt und behauptet: “Dies ist eine Axt. Andere Äxte gibt es nicht. Die Axt war nie als Werkzeug gedacht und schon gar nicht als Waffe. Aber man kann, nachdem wir alles Überflüssige entfernt haben, nun ganz, ganz prima und verletzungsfrei damit spielen. Laßt uns für dieses Spiel strenge Regeln aufstellen - und seht nur, wie vielseitig, ästhetisch und technisch anspruchsvoll dann automatisch alles wird, was wir mit diesem Stück Holz anfangen!”
Nun fehlt nur noch, daß jemand treuherzig behauptet, wenn es ganz schlimm käme, könne man doch den (klingenlosen) Axtstiel dem bösen Gegner ganz doll auf den Kopf hauen ... wenn es denn unbedingt sein müsse. In Wahrheit aber sei der Stiel zum Spielen da - und eine technische Verarmung könne man aus dem Entfernen der Klinge aber nun ganz gewiß nicht ableiten.
Und zum Schluß muß dann bitte noch jemand auftreten, der Weltmeister im Spielen mit dem klingenlosen Axtstiel ist und der im Brustton der Überzeugung behauptet, es habe nie eine Klinge gegeben ...
Wie ich schon sagte, wir reden aneinander vorbei, da wir von sehr unterschiedlichen Dingen sprechen.
Klocke spricht von Sport und Spiel und befleißigt sich einer selektiven Wahrnehmung. Das ist sein gutes Recht.
Die Schlußfolgerungen, die er daraus zieht, sind jedoch von einer bedenklichen Unwissenheit geprägt.
Vielleicht doch mal den einen oder anderen Text Kanos lesen ...?
Auch wenn’s wehtut ...

Tom
tom herold
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Noch etwas dazu ...

Beitrag von tom herold »

Ich darf vielleicht noch einfügen, was Isao Okano dazu schrieb:
„Die zunehmende weltweite Popularität hätte eigentlich die Qualität des Jûdô verbessern müssen, aber leider kann nicht vorbehaltlos davon ausgegangen werden, daß dies der Fall ist. Die Grundidee des japanischen Jûdô basiert darauf, große Stärke mit wenig Kraft zu kontrollieren. Gegenwärtig ist Jûdô (im Wettkampf) auf Wurf- und Bodentechniken beschränkt; aber jene, die es praktizieren, neigen dazu, sich auf das erstere zu konzentrieren und das letztere zu vernachlässigen. Das hat dazu geführt, daß dem Körpergewicht ungerechtfertigterweise zu viel Bedeutung beigemessen wurde und man bei Wettkämpfen Gewichtsklassen einrichtete. Darüber hinaus geben jene, die an internationalen Wettkämpfen teilnehmen, der körperlichen Stärke den Vorrang und richten ihr Training nach kraftbezogenen Gesichtspunkten aus, da sie mehr am Sieg als an einer wirklichen Entwicklung interessiert sind. Diese Umstände haben eine Krise im modernen Jûdô hervorgerufen, und es ist unsere Verpflichtung, etwas dagegen zu tun ... Es gibt viele Versuche, die gegenwärtigen Probleme im Jûdô zu lösen; aber ich denke, daß es am wichtigsten ist, die Beziehung zwischen Ju-Jitsu und Jûdô wieder sichtbar zu machen, um die Bedeutung der Körperbewegung und die Art und Weise, die Balance des Gegners zu brechen, klar zu erkennen, und ernsthafte Gedanken den verschiedenen Stellungen und den so wichtigen Jûdô-Grundtechniken zu widmen. Man sagt, daß sich der Horizont des heutigen Jûdô eingeengt und verzerrt habe. Aber das Wesen des Jûdô ist viel größer und tiefer, als man glauben mag. In Verbindung mit der Entwicklung eines Jûdô, daß das Beste in seinem Wesen klar erkennen läßt, müssen wir der Theorie des Jû Jutsu mit seinen Schlägen, Tritten und Griffen mehr Aufmerksamkeit widmen, auch wenn wir diese Techniken im Wettkampf nicht anwenden. Solch eine Studie würde ein enthüllendes Licht auf die Körperbewegungen und die Möglichkeiten werfen, die Bodenarbeit, die Grundstellungen und das Gleichgewicht des Gegners zu stören:“
(Okano in: Vital Judo: Groundwork, New York 1976)

Wie ich schon am Anfang dieses Beitrags schrieb - da hat wieder mal jemand nicht zugehört, als japanische Sensei etwas zu erklären versuchten ...

Tom
Lin Chung
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Beitrag von Lin Chung »

Bin der Meinung, man sollte sich mehr um das Judo als Kampfkunst und nicht um den Wettkampf an sich kümmern. Dann werden auch wieder mehr Kinder und Erwachsene Judo lernen und sei es nur um körperlich fit zu bleiben.

Hatte vor kurzem ein Gespräch mit meiner Tochter. Ihr Lehrer fragte die Kinder, was sie gerne als Sport machen wollen, Judo oder Wrestling.
Die Antwort war klar. Judo ist für die Jungen nicht so interessant. Durch Überredung und dem Hinweis zu helfen von meiner Seite, hat sich der Lehrer entschlossen,nun das Judo zu unterrichten.
Grüße
Norbert Bosse
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kastow
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Beitrag von kastow »

Dann werden auch wieder mehr Kinder und Erwachsene Judo lernen und sei es nur um körperlich fit zu bleiben.
Naja, wenn körperliche Fitness der einzige Grund für das Training ist, verflacht Judo ebenfalls.
Herzliche Grüße,

kastow

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Beitrag von Lin Chung »

Naja, wenn körperliche Fitness der einzige Grund für das Training ist, verflacht Judo ebenfalls.
...geht es noch? Das Judo was in den Vereinen gezeigt wird, ist nur ein Abklatsch von dem was es mal war. Die meisten erwachsenen Leute, die noch so spät mit dem Judo anfangen, die wollen etwas für die Gesundheit tun. Mit zunehmenden Alter macht man halt keine großen Sprünge mehr.
Ob das Judo verflacht, hängt nun mal davon ab, was der Trainer zeigt.
Wenn er das nicht vernünftig rüber bringt, ist das halt klar.
Grüße
Norbert Bosse
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Syniad
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Beitrag von Syniad »

Lin Chung hat geschrieben:Die meisten erwachsenen Leute, die noch so spät mit dem Judo anfangen, die wollen etwas für die Gesundheit tun.
Das mag der Hauptgrund sein, weshalb "Ältere" ins Training KOMMEN, aber mit etwas Glück ist es nicht der Grund, weshalb sie BLEIBEN (zumal sie dann auch fast jeden anderen Sport ausüben könnten).
Man findet nicht immer (nur), was man sucht ;) .

Viele Grüße,
Sonja
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Karatetiger
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Beitrag von Karatetiger »

Lin Chung hat geschrieben:Ob das Judo verflacht, hängt nun mal davon ab, was der Trainer zeigt.
Und selbst darin steckt ein Problem. Denn wenn im heutigen Judo so viel weggelassen wird und dieser Misstand schon Jahre anhält, dann ist ein heutiger Lehrer (sofern er nicht schon wirklich lange dabei ist) gar nicht mehr fähig, richtiges Judo zu lehren, weil es ihm selbst nicht beigebracht wurde. Man kann eben nur das vermitteln, was man selbst weiß und einige Lehrer tun dies sicherlich nach bestem Gewissen.
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kastow
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Beitrag von kastow »

Ich wollte eigentlich darauf hinaus, dass Judo weit mehr als ein Fitness-Sport ist. Es geht doch um lebenslanges Lernen, soziales Miteinander, koordinative Körperbeherrschung (eben nicht nur Audauer!), usw.

Wer nur wegen der Fitness Judo betreibt, fördert letztendlich das Ausdauer- und kraftbetonte Gezerre im Randori oder Nage-komi (nach dem Motto: Warum mit Technik werfen, mit Kraft forder ich doch meine Ausdauer viel stärker) oder wechselt doch ganz schnell in ein entsprechendes Studio.

Selbstverständlich fördert Judo die Fitness, aber das ist nur ein Nebeneffekt unseres schönen Sport.
Zuletzt geändert von kastow am 25.11.2007, 21:52, insgesamt 1-mal geändert.
Herzliche Grüße,

kastow

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Beitrag von Lin Chung »

Fitness bedeutet nun mal nicht unbedingt Kraftmeierei.
Je älter man wird, desto steifer wird man, wenn man nichts dagegen tut.
Also Sport treiben. Sicher kann man auch andere Sportarten nutzen.

Aber das hat nichts mit dem Niedergang des Judo zu tun.
Karatetiger beschrieb es treffend
Denn wenn im heutigen Judo so viel weggelassen wird und dieser Misstand schon Jahre anhält, dann ist ein heutiger Lehrer (sofern er nicht schon wirklich lange dabei ist) gar nicht mehr fähig, richtiges Judo zu lehren, weil es ihm selbst nicht beigebracht wurde. Man kann eben nur das vermitteln, was man selbst weiß und einige Lehrer tun dies sicherlich nach bestem Gewissen.
Grüße
Norbert Bosse
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Beitrag von kastow »

M.E. bedingen sich beide Aussagen. Selbstverständlich gibt es viele ÜL, denen nicht alle Inhalte ordentlich vermittelt wurden. Dazu zähle ich mich auch. Und? Soll ich jetzt resignieren nur weil mein innerer Schweinehund mir diese Lösung nahelegt?

Wenn ich ein ordentlicher ÜL bin, muss ich doch gerade an mir selbst arbeiten. Egal, ob meine Defizite von den Fehlern meines ÜLs oder meiner eigenen Faul- oder Dummheit herrühren. Wie sagt Tom Herold immer wieder: Judo verpflichtet zu lebenslangem Lernen.

Heutzutage kann sich jeder die nötigen Infos besorgen. Dafür gibt es Lehrgänge, DVDs und Internet. Das bedeutet aber auch, dass ich zusätzlich zum Training weitere Zeit ins Judo stecken muss. Dafür muss ich aber eben Interesse am Judo und nicht nur an Fitness haben. Für den Erhalt letzterer ist das ja gar nicht nötig. Darunter leidet dann aber doch irgendwann die Technik und somit kommt es eben doch zu Kraftmeierei. Oder, noch schlimmer, zu Judo-Tanzeinlagen.

Wie Syniad schon sagt: entweder erkennen Neulinge die Schönheit unseres Sports oder sie wenden sich wieder ab und einem anderen Fitnesssport zu. Warum sich also unter Preis verkaufen und vorrangig mit dem durchaus erwähnenswerten Nebeneffekt der Fitness werben? Judo bietet doch viel mehr!
Herzliche Grüße,

kastow

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Beitrag von Lin Chung »

Judo bietet doch viel mehr!
...das Sportjudo jedenfalls nicht.
Grüße
Norbert Bosse
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Beitrag von kastow »

??? Sorry, das verstehe ich jetzt nicht. Auf der einen Seite hebst du die Fitness, sprich den sportlichen Teil hervor. Auf der anderen Seite bemängelst du genau diese Versportlichung. Ich denke, gerade die kampfkünstlerischen Aspekete sprechen doch gegen die Fitnessbetonung.
Herzliche Grüße,

kastow

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Beitrag von Lin Chung »

Soll ich das jetzt so verstehen, dass du jeder Kampfkunst den Fitnessaspekt absprechen willst?
Das ist jetzt aber ziemlich arm.
Grüße
Norbert Bosse
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Beitrag von kastow »

Lies dir meine obigen Beitrage bitte noch einmal aufmerksam durch, dann kannst du deine Frage selbst beantworten.
Herzliche Grüße,

kastow

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Beitrag von Hofi »

Lin Chung hat geschrieben:
Judo bietet doch viel mehr!
...das Sportjudo jedenfalls nicht.
Also wenn Du glaubst, dass "Sportjudo" nicht mehr als z.B Fussball bietet, dann brauchen wir eine Diskussion eigentlich gar nicht anfangen.
Und ich denke genau die Einstellung ist es, warum "Sportjudoka" und "Kampfkünstler" aneinander vorbeireden.
Bis dann
Hofi
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Heimat ist dort, wo man von der Dorfbevölkerung, die einen duzt, gelyncht wird.
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Beitrag von Lin Chung »

"Sportjudo" nicht mehr als z.B Fussball bietet
...habe ich nicht behauptet.
Grüße
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Beitrag von Lippe »

Stimmt, die Behauptung war, dass "Sportjudo" nicht mehr als "Fitness" zu bieten hat.
kastow hat geschrieben:Wie Syniad schon sagt: entweder erkennen Neulinge die Schönheit unseres Sports oder sie wenden sich wieder ab und einem anderen Fitnesssport zu. Warum sich also unter Preis verkaufen und vorrangig mit dem durchaus erwähnenswerten Nebeneffekt der Fitness werben? Judo bietet doch viel mehr!
Lin Chung hat geschrieben:...das Sportjudo jedenfalls nicht.
Lin Chung
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Beitrag von Lin Chung »

okay, dann schreib ich das anders: Die Kampfkunst Judo bietet mehr als der Kampfsport Judo.
Grüße
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Beitrag von kastow »

Etwas konkreter bitte, Norbert: Inwieweit unterscheiden sich denn Kampfkunst und Kampfsport im Bereich der Fitness?
Herzliche Grüße,

kastow

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Beitrag von judoka50 »

Die Kampfkunst Judo bietet mehr als der Kampfsport Judo
Wobei es für jeden, auf seine eigene Zielrichtung abgestimmt, in allen Richtungen Power bis zum Umfallen gibt. Oder verstehe ich Fitnesssssss falsch.
Übrigens wenn Judo einfacher zu lernen wäre, könnte man es einfach Fußball nennen.
Viele Grüße
U d o
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