tutor! hat geschrieben:Randori beinhaltet IMHO heutzutage zu viel defensiven Griffkampf. Um nicht zu fallen, versuchen die viele, den Partner nicht angreifen zu lassen. Für viele ist die Zerstörung oder Nicht-Zulassung des Griffs des Partners das Mittel der Wahl. Im Bestreben selbst eine 2:1 oder 2:0 Griffüberlegenheit herzustellen und dabei eine 0:2 oder 1:2 Griffunterlegenheit zu vermeiden, werden die Gelegenheiten zur erfolgreichen Durchführung von Würfen gegenseitig minimiert.
Eben darum verlange ich von meinen Üblingen, daß sie so schnell wie möglich anfassen,
auch wenn der Griff im ersten Moment nur suboptimal ist, besser ein Griff als kein Griff...
Dieses ständige Umfassen und Griff ändern macht sie eh im Wettkampf angreifbar.
Das von "Tutor!" dargestellte Extrem kenne ich eigentlich nur von beobachteten Randoris (auf
Sommerschulen o.ä.) wo offensichtlich klar leistungssportlich orientierte Leute dies üben,
ich denke, unter dem Aspekt, daß man mit Losreiß-Gegnern zu tun haben könnte, kann man auch die
Sache als Aufgabenrandori gestalten... Aber für die regulären Randoris ist es Verschwendung
von Übungszeit...
Die Hoffnung bleibt, daß solch Verhalten ab 1.1.09 durch die dann gültigen Regeln etwas "ausstirbt"...
tutor! hat geschrieben:]Wenn ich meinen Partner angreifen lasse, muss ich mich darauf verlassen können, nicht in die Matte "gestampft" zu werden. Deshalb meine Regel: Tori bleibt für seine Würfe auf den Füßen stehen! Keine Sutemi, keine Maki-komi und keine Übergänge zum Boden!
Meine Erfahrung ist, daß man bei Sutemi nicht mehr in den Boden gestampft wird, als man bei jedem
anderen Wurf gestampft werden kann. Was manchmal weh tut, ist wenn man z.B.
bei Uki-Waza /Yoko-Otoshi doch noch übersteigt und aufs Knie gezogen wird. Dann nach erinnert man
sich an den eigenen Leitspruch: Fallen ist keine Schande

Meist liegt der Drang am Übersteigen
dann doch daran, daß Tori die Technik noch nicht zu 100% beherrscht, naja wenn er es nicht im Randori
üben kann, wo dann?
Was ich hasse, sind diese "Maki-Komi", die eigentlich Tachi-Waza sind, wo sich der Tori aber
(um "cool" zu wirken) noch unnötigerweise großspurig über Uke rollt (war eine Zeit lang bei Uchi-Mata
eine verbreitete Unsitte - ich meine jetzt nicht, daß Tori durch zuviel Schwung das Gleichgewicht
nach vorn verliert und ne Rolle locker über Uke macht, um nicht auf ihn draufzulatschen!),
so etwas zeige ich nicht, so etwas möchte ich auch nicht sehen.
tutor! hat geschrieben:Wenn ich nicht weiß und nicht lerne, wie ich verteidigen kann und soll, werde ich immer fallen - was natürlich im Randori auch nicht soooo viel Spaß macht. Also muss technisch korrektes Verteidigen geschult werden - und zwar mindestens so intensiv wie die Wurftechniken selbst!
Das ist richtig... Für mich hat sich als Vorteil erwiesen, wirklich "bewußt" die Arme locker zu halten, daß
ermöglicht mir tatsächlich oft noch rechtzeitig auszuweichen. Und wenn dann doch ein Wurf des Partners
durchkommt, dann ist der in der Regel sauber und das Fallen macht Spaß...
Da einiger meiner Trainingskameraden alte Wettkämpfer aus einer Zeit waren, wo Armkraft, bzw.
"Schraubstockgriffe" wohl gerade erfunden worden sind, möchte ich hier noch einmal eine Lanze
für die Sutemi-Waza brechen, diese sind m.M. nach genau gegen diesen Kampfstil geeignet
Ein "Trick" um davon wegzukommen, ist verblüffend einfach: Man setze die Zeit eines Randoris einfach
deutlich länger an. Nach ca. 5 min läßt in der Regel die Armkraft o.g. Altwettkämpfer deutlich nach
und dann werden sich auch lockerer
tutor! hat geschrieben:Die beste Übung hierfür nach meiner Erfahrung. Einer greift an, der Angegriffen legt beide Hände anstatt zu fassen nur auf die Schulter des Angreifers, damit er zwar die Bewegungen des Angreifers spürt, aber nicht sperren kann. die Aufgabe ist nun, durch Ausweichen und Blocken zu verteidigen.
Sehr gute Idee, das muß ich unbedingt mal ausprobieren...
tutor! hat geschrieben:Die heutige Trainingsrealität sieht leider so aus, dass überwiegend Techniktraining mit dem Lieblingspartner (mit dem immer alles klappt) und kampforientiertes Randori gemacht wird.
Das mit dem Lieblingspartner kann man unterbinden, in dem man immer drei zusammensteckt.
Wir üben dann immer etwas Nage-Komi, will ich die Jüngeren etwas dabei konditionell belasten,
dann stehen von jedem Tripel, zwei an der gegenüberliegenden Seite der Matte als Uke und der dritte
macht Pendelläufe zwischen diesen beiden und wirft sie abwechselnd, idealerweise einen von beiden "links",
(z.B. 10mal werfen oder 1 min lang, danach ist der nächste dran).
Bei den Älteren gehe ich es in der Regel ruhiger an, die stehen dann relativ dicht beieinander und
während einer wirft, kann der andere in Ruhe aufstehen, dabei wirft einer also zweimal, danach ist
der nächste dran... usw... Wird danach ne Technik erklärt, bleiben die drei weiterhin zusammen,
so kann im Idealfall einer immer drauf achten, ob der, welcher gerade übt, es auch korrekt ausführt,
frei nach dem Motto: Fehler bei anderen zu finden ist leichter
Ansonsten gibt es auch Leute, die halt gerne miteinander üben, und solange es nicht ausartet
("Ich übe aber nur mit ihr!"), ist es kein Problem... Schließlich sollen sie ja auch etwas Spaß
beim Training haben...
Bei den Jugendlichen in der Erwachsenengruppe ist es im Randori so,
daß ein Teil gern "unter sich" bleiben würde, so man sie ließe, ein paar andere gehen
aber auch von sich aus auf die Älteren, Fortgeschritteneren zu.
Aber da ist es halt Aufgabe des Übungsleiters geeignet zu lenken...
@tutor!: Bei Deinen Prozenten hast Du eine wichtige Trainingsform ausgelassen:
Tandoku-Renshu. Wird oft unterschätzt, aber sollte eigentlich nicht fehlen...