Randori???

Hier geht es um die Trainingsgestaltung,-methodik,-formen.
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Reaktivator
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Re: Randori???

Beitrag von Reaktivator »

st.gregor hat geschrieben:Ach Reaktivator,
werden Dir diese
2) "Judo der Zukunft":
Wenn jemand Kano oder andere zitiert, die auch nur ansatzweise andeuten, daß Judo jemals Entwicklungspotential hatte oder hat, handelst Du Dir garantiert direkt wütende Proteste einiger Ultra-Traditionalisten ein, die jegliche Weiterentwicklung des Judo negieren und/oder zumindest strikt ablehnen. Wenn Du denen jetzt aufzeigst, daß u.U. sogar Kano selbst sein Judo weiterentwickelt sehen wollte, zerstörst Du garantiert deren Judo-Weltbild und provozierst u.U. auch wieder ellenlange Diskussionen....
dümmlichen und erfolglosen Provokationen denn nie über?
@"st.gregor": Wenn Du Dich von meinen Äußerungen provoziert fühlst, hat das doch vielleicht einen Grund...!?
Und wenn ich mit meinen Äußerungen zum Nachdenken anrege, sind sie zumindest nicht erfolglos....
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st.gregor

Re: Randori???

Beitrag von st.gregor »

Leider wieder falsch, eben dadurch das ich Deine dümmliche Provokation als solche erkenne werde ich nicht von ihr provoziert. Ich verstehe auch nicht ganz, was dieser penetrante Unsinn von deiner Seite immer wieder soll. Die meisten User in diesem Forum haben durchaus bemerkt, dass es zwischen den Positionen der Traditionalisten und der Sportjudoka reichlich Unvereinbarkeiten gibt, die einfach ausgehalten werden müssen. Die Meisten können das auch aushalten und (mit etwas Mühe) auch die Positionen der Gegenseite tolerieren. Es fördert weder die sachliche Auseinandersetzung noch die Klärung der Positionen, wenn Du mit deinen provokanten Statements (erfreulich erfolglos) versuchst einen emotional begründeten Streit anzuzetteln.
Es wäre erfreulich, wenn Du derartige Versuche zukünftig unterlassen könntest. Danke für Deine Mühe...

Stephan

P.S.: Wenn Du "zum Nachdenken anregen" möchtest, könnten vielleicht Argumente weiterhelfen (nur für den Fall das Du mit Polemik nicht weiterkommst...)
Reaktivator
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Re: Randori???

Beitrag von Reaktivator »

st.gregor hat geschrieben:Wenn Du "zum Nachdenken anregen" möchtest, könnten vielleicht Argumente weiterhelfen
Gerne: Wirf doch einfach einmal einen Blick in diverse andere Threads, da findest Du z.B. das:
Reaktivator hat geschrieben:(...) genau das ist es doch, was meine Wenigkeit und andere schon seit Jahr und Tag auch hier in diesem Forum zu vermitteln versuchen: Judo ist sehr vielseitig!

(...) da hat jeder seine individuellen Spielräume, ganz unabhängig von irgendwelchen Vereins- oder Verbandsstrukturen.
Denke doch einfach einmal ernsthaft darüber nach!
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Lin Chung
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Re: Randori???

Beitrag von Lin Chung »

Reaktivator hat geschrieben:
(...) genau das ist es doch, was meine Wenigkeit und andere schon seit Jahr und Tag auch hier in diesem Forum zu vermitteln versuchen: Judo ist sehr vielseitig!
...dann verstehe ich nicht, warum du die KKstler Ultratraditionalisten nennst, wo du selbst nicht die Vielseitigkeit des Judo anzweifelst. Im Grunde möchtest du doch auch ein bisschen Traditionalist sein oder? ;)

Meiner Meinung nach sollten sich die Judokas öffnen, um auch das zu lernen, was einem im Judo noch fehlt. An was es uns mangelt, hat Tom ja schon in einem anderen Thread aufgezählt.
Wie oft wollt ihr noch die Hand wegschlagen, die er euch reicht?
Grüße
Norbert Bosse
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Re: Randori???

Beitrag von Reaktivator »

Lin Chung hat geschrieben:
Reaktivator hat geschrieben:
(...) genau das ist es doch, was meine Wenigkeit und andere schon seit Jahr und Tag auch hier in diesem Forum zu vermitteln versuchen: Judo ist sehr vielseitig!
...dann verstehe ich nicht, warum du die KKstler Ultratraditionalisten nennst
@"Lin Chung": Daß Du es nicht verstehst, liegt daran, daß ich "die KKstler" doch gar nicht Ultratraditionalisten nenne.
Abgesehen davon, daß ich generell gegen unzulässige Pauschalierungen bin, verstehe ich mich selbst auch als "KKstler", so daß das nun wirklich wenig Sinn ergeben würde....
Als "Ultra-Traditionalisten" habe ich einmal ironisch selbsternannte "Traditionalisten" bezeichnet, die noch traditionalistischer sein wollen als die Traditionalisten und auch noch da Traditionen glauben erkennen zu können, wo gar keine Traditionen vorhanden sind.
(vgl. auch meinen früheren Hinweis auf den kultursoziologischen Ansatz der sog. "invented traditions")
Lin Chung hat geschrieben:Im Grunde möchtest du doch auch ein bisschen Traditionalist sein oder?
Was heißt "möchtest ... sein"? Und wieso nur "ein bisschen"? Ich bin Traditionalist - durch und durch.
Genau deshalb habe ich ja auch ein weiteres Judo-Verständnis und wende mich gegen jede einseitige - sei es tatsächliche oder nur suggerierte - Einengung von Judo.
(vgl. auch mein o.a. von Dir selbst angeführtes Zitat: "Judo ist sehr vielseitig!")
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Re: Randori???

Beitrag von tutor! »

Reaktivator hat geschrieben: (vgl. auch meinen früheren Hinweis auf den kultursoziologischen Ansatz der sog. "invented traditions")
Jetzt wird es heftig! Nicht emotional, sondern wissenschaftlich gesehen. Gut, dass das hier ein Randori-Faden ist, sonst könnte ich der Versuchung kaum widerstehen.
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Re: Randori???

Beitrag von Lin Chung »

Jetzt wird es heftig! Nicht emotional, sondern wissenschaftlich gesehen. Gut, dass das hier ein Randori-Faden ist, sonst könnte ich der Versuchung kaum widerstehen.
... tu dir keinen Zwang an... :D
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Norbert Bosse
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Re: Randori???

Beitrag von Jupp »

Nur ein Hinweis in eigener Sache:
ab der Ausgabe 11/08 scheint Oliver Kauer-Berk (Chefredakteur des Judo-Magazins, der offiziellen Fachzeitschrift des DJB) einige der Artikel zum Thema Randori als Serie abzudrucken.

Wer also an Randori-Artikeln interessiert ist, kann - unabhängig von der Randori-Broschüre - hier auch in den kommenden Monaten die wichtigsten Artikel - reichhaltig illustriert - nachlesen.

Jupp
HBt

Kito Ryu: to take freedom

Beitrag von HBt »

Jupp hat geschrieben:(..) einige der Artikel zum Thema Randori als Serie abzudrucken.
Wer also an Randori-Artikeln interessiert ist, kann - unabhängig von der Randori-Broschüre - hier auch in den kommenden Monanten die wichtigsten Artikel - reichhaltig illustriert - nachlesen.
Jupp
Oh, ich habs gesehen (Partner und ein Leben lang ;) ) und gelesen, freue mich auf die Artikel. Warum nehmen wir das Chaos in den Griff?
(..) the ran method of the Kito Ryu was modified by Kano, who renamed it randori, meaning "to take freedom" (..) the ryu of combative arts that most directly influenced the development of Kodokan Judo (..) "es folgt eine Liste von 11 Schulen, die ich nicht alle abschreiben möchte"
-wieder Otaki/Draeger, was dieses Buch alles hergibt, erfreut mich immer wieder aufs Neue.

Die Weiterentwicklung fand also gar nicht im 20ten und 21ten-Jahrhundert statt, sehe ich das richtig? offtopic zwar, aber mal eine Betrachtung aus anderer Perspektive wert.
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kastow
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Re: Randori???

Beitrag von kastow »

Reaktivator, 05.12.2008, 02:40 Re: Alltags- und Übungskleidung
Keiko ("Training") wird beim Jūdō heutzutage übrigens de facto als Synonym für "Randori" verwendet - während man in Bezug auf Kata von Renshū (wörtl. "Übung") spricht:
keiko o suru: trainieren (wörtl. "Training machen") = (hauptsächlich) Randori machen
kata o renshū suru: Kata üben
http://www.dasjudoforum.de/forum/viewto ... 84f5881ad1

Du schreibst "heutzutage". Wurde "Keiko" denn ursprünglich für etwas anderes verwendet?

Somit fallen also Yaku-soku-geiko und Kakari-geiko methodisch heutzutage auf jeden Fall in den Bereich Randori.
Herzliche Grüße,

kastow

Since the establishment of Kôdôkan jûdô, jûdô has become something that should be studied not only as a method of self-defence but also as a way of training the body and cultivating the mind. (Jigorô Kanô: MIND OVER MUSCLE)
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Re: Randori???

Beitrag von Reaktivator »

kastow hat geschrieben:Du schreibst "heutzutage". Wurde "Keiko" denn ursprünglich für etwas anderes verwendet?
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die von mir beschriebene Einengung nicht u.U. erst später erfolgte - und habe deshalb rein prophylaktisch die Einschränkung "heutzutage" hinzugefügt, zumal dadurch ja offen bleibt, ob es früher auch schon so war oder nicht....
kastow hat geschrieben:Somit fallen also Yaku-soku-geiko und Kakari-geiko methodisch heutzutage auf jeden Fall in den Bereich Randori.
Yakusoku-geiko und Kakari-geiko könnte man zwar i.d.T. unter einen weiter gefaßten Begriff Randori packen - jedoch würde ich erstens keinen Kausalzusammenhang zu meiner sprachlichen Ergänzung herstellen (sprich: kein "somit"), zweitens würde ich generell einzelne begriffliche Fragen nicht überbewerten bzw. zu dogmatisch sehen (zumal ja die Begriffe "Yakusoku-geiko" und "Kakari-geiko" schon wieder spezielle Trainingsformen sind - an die man sicherlich nicht als erstes denkt, wenn man einfach nur von "Keiko" spricht), und drittens käme dann ja auch wieder die Frage, wie es denn früher war (d.h. konkret, ab wann denn überhaupt diese Begriffe verwendet wurden), was aber schon wieder ein ganz anderes Thema wäre....
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HBt

heutige Randoriformen!

Beitrag von HBt »

Hallo Carsten,
methodisch und praktisch triffst Du den Nagel auf den Kopf, für mich sind es eindeutig Randoriformen.
Jupp
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Re: Randori???

Beitrag von Jupp »

Hallo Forum,
ich möchte den Randori-Faden wieder aufnehmen.
In den letzten Posts wurden die Begriffe Yakosoku-geiko, Kakari-geiko mit Randori in Verbindung gebracht. Ich habe in einem anderen Faden das Thema "Judo für Oldies" angesprochen.
Wie seht Ihr die Möglichkeiten und Grenzen des Randori für "Oldies" (sagen wir für Ältere ab ca. 30 Jahren (+/-), die "im Leben stehen" (Beruf, Familie, Kinder usw.).
Wie bereitet Ihr Randori in Stand und Boden vor?
Auf welche Verhaltensweisen legt Ihr wert?
Gebt Ihr Regeln aus, was - im Gegensatz zu einem wirklich "freien Üben" - gemacht werden soll bzw. nicht gemacht werden darf?

Meine Oldies sollen z.B. kein Standrandori machen, sondern nur Yakosuko-geiko oder Aufgabenrandori (wie in der DJB-Prüfungsordnung), dafür aber viel und harte (d.h. anstrengende) Bodenrandori.

Jupp
HBt

ü30, ü40, ü50, ü60

Beitrag von HBt »

Nur ein kurzes Statement (muß zum Training - ü40 im Randori mit u11, u14 & u17) hierzu:
Randori muß jederzeit,
unabhängig vom Alter,
von der Altersdifferenz,
von der "bürotypischen Unbeweglichkeit" ... mit jedem möglich sein.

Später mehr
tutor!
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Re: Randori???

Beitrag von tutor! »

Erwachsene Breitensportler haben bei mir i.d.R. ein striktes Verbot von Sutemi-waza aller Art im Randori. An allererster Stelle steht dabei Tani-otoshi, gefolgt von Yoko-otoshi und Uki-waza. Überehrgeizige - vor allem Männer - neigen dazu, bei einem gegnerischen Angriff, aber auch bei eigenem Angriff den Partner zu Boden zu zerren, wodurch es zu Verletzungen kommen kann.

Daher die Regeln im Standrandori:
- keine Sutemi
- wenn ich werfe, bleibe ich selber im Stand (also auch keine Maki-komi o.ä)!

Das gilt wohlgemerkt für diejenigen, die derartige Techniken nicht kontrolliert anwenden können.
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Fritz
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Re: Randori???

Beitrag von Fritz »

Jupp hat geschrieben:Wie bereitet Ihr Randori in Stand und Boden vor?
Auf welche Verhaltensweisen legt Ihr wert?
Gebt Ihr Regeln aus, was - im Gegensatz zu einem wirklich "freien Üben" - gemacht werden soll bzw. nicht gemacht werden darf?
Also bei uns wissen die Fortgeschrittenen eigentlich,
daß sie Rücksicht auf weniger Fortgeschrittene zu nehmen haben. D.h. im wesentlichen nur
Techniken anzuwenden haben, die der weniger Fortgeschrittene auch kennt bzw. sicher fallen kann.

(In den Kindergruppen muß man allerdings regelmäßig und vehement auf diesen Sachverhalt hinweisen.)

Bei "blutigen Anfängern" (gerade Fallübung gelernt und ein zwei, Würfe) gebe ich prinzipiell
die Aufgabe vor: Freies "Gehen" auf der Matte, die Würfe probieren, Uke darf auch mal ausweichen
usw. mit der Zeit bekommt es dann immer mehr kämpferischen Charakter....
Ansonsten vernachlässige ich zur Zeit fast komplett den "Kampf um die Faßart",
sie sollen anfassen und sich bewegen.

Bei den Jugendlichen u. Erwachsenen machen wir gelegentlich zu Erwärmungszwecken
Bodenrandoris mit "viel Kullern und nur halbem Krafteinsatz", bei manchen klappt es recht gut, bei
anderen nicht so gut...
Im Wesentlichen wird sich an die Wettkampfregeln hinsichtlich der "erlaubten" Techniken
vorgegebenen Einschränkungen gehalten, gut - gelegentlich zeige ich ihnen dann schon mal einen
Bein-/Fußhebel, wenn es die Situation einfach mal ergibt,
allerdings mehr so zur "Horizonterweiterung" und nicht, um nun eine Aufgabe zu erzwingen ;-)

Ansonsten versuche ich die üblichen Punkte in die Köpfe hineinzubekommen:
- Lockerheit, Bewegung,
- aufrechte Körperhaltung im Stand,
- ruhiges, kontrolliertes Arbeiten im Boden...
- beim Standrandori möglichst immer den Übergang zum Boden mitüben.

Wenn jemand halbwegs ernsthaft erschöpft ist, dann darf er auch gerne ne Pause machen.
Mit freundlichem Gruß

Fritz
Jupp
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Re: Randori???

Beitrag von Jupp »

Lieber HBT,
Deinem Statement, dass "Randori jederzeit, unabhängig vom Alter, von der Altersdifferenz, von der "bürotypischen Unbeweglichkeit" ... mit jedem möglich sein muss" kann ich uneingeschränkt zustimmen.
Das Ziel ist bekannt, mich aber interessiert der Weg zum Ziel - oder: "Wie kann ich diese sehr komplexe und schwierige Fertigkeit (Randori machen) meinen Schülern vermitteln?"

Also: wie geht Ihr methodisch vor?

In diesem Zusammenhang sind die Angaben von tutor ("keine Sutemi-waza - vor allem kein Tani-otoshi - und keine Makikomi!") ebenso interessant, wie die Hinweise, die Fritz seinen Schülern gibt (- Lockerheit, Bewegung, - aufrechte Körperhaltung im Stand, - ruhiges, kontrolliertes Arbeiten im Boden; - beim Standrandori möglichst immer den Übergang zum Boden mitüben). Auch sein Hinweis auf "Horizonterweiterung" durch gelegentliche Fußhebel ist bedenkenswert.

Ich glaube, dass wir noch mehr von diesen Tipps oder Erfahrungen hier austauschen müssen, damit wir verstehen, wie man Randori erfolgreich einführen bzw. vermitteln kann.

Jupp
tutor!
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Re: Randori???

Beitrag von tutor! »

Schauen wir doch einfach einmal, woran Randori heute verbreitet leidet. Methodisch gehen wir dann so vor, dass wir versuchen, die Probleme zu vermeiden bzw. zu beheben.

Randori beinhaltet IMHO heutzutage zu viel defensiven Griffkampf. Um nicht zu fallen, versuchen die viele, den Partner nicht angreifen zu lassen. Für viele ist die Zerstörung oder Nicht-Zulassung des Griffs des Partners das Mittel der Wahl. Im Bestreben selbst eine 2:1 oder 2:0 Griffüberlegenheit herzustellen und dabei eine 0:2 oder 1:2 Griffunterlegenheit zu vermeiden, werden die Gelegenheiten zur erfolgreichen Durchführung von Würfen gegenseitig minimiert.

Wir haben es also mit Partnern zu tun, die gegenseitig verhindern wollen, dass der andere "zu etwas kommt".

Das ist eine Frage der Einstellung zum Randori, das für viele doch ein ergebnisorientierter Kampf ist. Aber auch eine Frage von intelligentem Training. Denn wer immer nur verhindern will, dass der Gegner angreift, braucht sich nicht zu wundern, dass der seine Fähigkeiten technisch korrekt zu verteidigen (Ausweichen, Blocken usw.) eben nicht entwickeln kann - mangels Gelegenheit, die er sich selber nimmt, indem er verhindert, dass der Partner angreifen kann.

Intelligent trainiert der, der seinen Partner auch im Randori mehr oder weniger ungehindert angreifen lässt. Nur dann entwickelt sich Reaktionsvermögen!

Jetzt zu den methodischen Schlussfolgerungen!

Wenn ich meinen Partner angreifen lasse, muss ich mich darauf verlassen können, nicht in die Matte "gestampft" zu werden. Deshalb meine Regel: Tori bleibt für seine Würfe auf den Füßen stehen! Keine Sutemi, keine Maki-komi und keine Übergänge zum Boden!

Wenn ich nicht weiß und nicht lerne, wie ich verteidigen kann und soll, werde ich immer fallen - was natürlich im Randori auch nicht soooo viel Spaß macht. Also muss technisch korrektes Verteidigen geschult werden - und zwar mindestens so intensiv wie die Wurftechniken selbst!

Die beste Übung hierfür nach meiner Erfahrung. Einer greift an, der Angegriffen legt beide Hände anstatt zu fassen nur auf die Schulter des Angreifers, damit er zwar die Bewegungen des Angreifers spürt, aber nicht sperren kann. die Aufgabe ist nun, durch Ausweichen und Blocken zu verteidigen.

Dies beginnen wir im Yakosuku-geiko mit steigender Intensität der Angriffe und vielen Partnerwechseln.

Will man wirklich gutes Randori entwickeln, sollte die Verteilung der Trainingsformen im Stand (neben dem Neuerlernen von Techniken) etwa folgendermaßen aussehen:
  • 20% Uchi-komi und Nage-komi (Vorsicht: keine "dummen" Wiederholungen)
  • 20% Yakosoku-geiko
  • 20% "klassisches" Verteidigungsverhalten
  • 30% technikorientiertes Randori (angreifen lassen)
  • 10% kampforientiertes Randori (auf Ergebnis kämpfen)
Die heutige Trainingsrealität sieht leider so aus, dass überwiegend Techniktraining mit dem Lieblingspartner (mit dem immer alles klappt) und kampforientiertes Randori gemacht wird.
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Re: Randori???

Beitrag von Fritz »

tutor! hat geschrieben:Randori beinhaltet IMHO heutzutage zu viel defensiven Griffkampf. Um nicht zu fallen, versuchen die viele, den Partner nicht angreifen zu lassen. Für viele ist die Zerstörung oder Nicht-Zulassung des Griffs des Partners das Mittel der Wahl. Im Bestreben selbst eine 2:1 oder 2:0 Griffüberlegenheit herzustellen und dabei eine 0:2 oder 1:2 Griffunterlegenheit zu vermeiden, werden die Gelegenheiten zur erfolgreichen Durchführung von Würfen gegenseitig minimiert.
Eben darum verlange ich von meinen Üblingen, daß sie so schnell wie möglich anfassen,
auch wenn der Griff im ersten Moment nur suboptimal ist, besser ein Griff als kein Griff...
Dieses ständige Umfassen und Griff ändern macht sie eh im Wettkampf angreifbar.
Das von "Tutor!" dargestellte Extrem kenne ich eigentlich nur von beobachteten Randoris (auf
Sommerschulen o.ä.) wo offensichtlich klar leistungssportlich orientierte Leute dies üben,
ich denke, unter dem Aspekt, daß man mit Losreiß-Gegnern zu tun haben könnte, kann man auch die
Sache als Aufgabenrandori gestalten... Aber für die regulären Randoris ist es Verschwendung
von Übungszeit...
Die Hoffnung bleibt, daß solch Verhalten ab 1.1.09 durch die dann gültigen Regeln etwas "ausstirbt"...
tutor! hat geschrieben:]Wenn ich meinen Partner angreifen lasse, muss ich mich darauf verlassen können, nicht in die Matte "gestampft" zu werden. Deshalb meine Regel: Tori bleibt für seine Würfe auf den Füßen stehen! Keine Sutemi, keine Maki-komi und keine Übergänge zum Boden!
Meine Erfahrung ist, daß man bei Sutemi nicht mehr in den Boden gestampft wird, als man bei jedem
anderen Wurf gestampft werden kann. Was manchmal weh tut, ist wenn man z.B.
bei Uki-Waza /Yoko-Otoshi doch noch übersteigt und aufs Knie gezogen wird. Dann nach erinnert man
sich an den eigenen Leitspruch: Fallen ist keine Schande ;-) Meist liegt der Drang am Übersteigen
dann doch daran, daß Tori die Technik noch nicht zu 100% beherrscht, naja wenn er es nicht im Randori
üben kann, wo dann?
Was ich hasse, sind diese "Maki-Komi", die eigentlich Tachi-Waza sind, wo sich der Tori aber
(um "cool" zu wirken) noch unnötigerweise großspurig über Uke rollt (war eine Zeit lang bei Uchi-Mata
eine verbreitete Unsitte - ich meine jetzt nicht, daß Tori durch zuviel Schwung das Gleichgewicht
nach vorn verliert und ne Rolle locker über Uke macht, um nicht auf ihn draufzulatschen!),
so etwas zeige ich nicht, so etwas möchte ich auch nicht sehen.
tutor! hat geschrieben:Wenn ich nicht weiß und nicht lerne, wie ich verteidigen kann und soll, werde ich immer fallen - was natürlich im Randori auch nicht soooo viel Spaß macht. Also muss technisch korrektes Verteidigen geschult werden - und zwar mindestens so intensiv wie die Wurftechniken selbst!
Das ist richtig... Für mich hat sich als Vorteil erwiesen, wirklich "bewußt" die Arme locker zu halten, daß
ermöglicht mir tatsächlich oft noch rechtzeitig auszuweichen. Und wenn dann doch ein Wurf des Partners
durchkommt, dann ist der in der Regel sauber und das Fallen macht Spaß...
Da einiger meiner Trainingskameraden alte Wettkämpfer aus einer Zeit waren, wo Armkraft, bzw.
"Schraubstockgriffe" wohl gerade erfunden worden sind, möchte ich hier noch einmal eine Lanze
für die Sutemi-Waza brechen, diese sind m.M. nach genau gegen diesen Kampfstil geeignet ;-)

Ein "Trick" um davon wegzukommen, ist verblüffend einfach: Man setze die Zeit eines Randoris einfach
deutlich länger an. Nach ca. 5 min läßt in der Regel die Armkraft o.g. Altwettkämpfer deutlich nach
und dann werden sich auch lockerer ;-)
tutor! hat geschrieben:Die beste Übung hierfür nach meiner Erfahrung. Einer greift an, der Angegriffen legt beide Hände anstatt zu fassen nur auf die Schulter des Angreifers, damit er zwar die Bewegungen des Angreifers spürt, aber nicht sperren kann. die Aufgabe ist nun, durch Ausweichen und Blocken zu verteidigen.
Sehr gute Idee, das muß ich unbedingt mal ausprobieren...
tutor! hat geschrieben:Die heutige Trainingsrealität sieht leider so aus, dass überwiegend Techniktraining mit dem Lieblingspartner (mit dem immer alles klappt) und kampforientiertes Randori gemacht wird.
Das mit dem Lieblingspartner kann man unterbinden, in dem man immer drei zusammensteckt.
Wir üben dann immer etwas Nage-Komi, will ich die Jüngeren etwas dabei konditionell belasten,
dann stehen von jedem Tripel, zwei an der gegenüberliegenden Seite der Matte als Uke und der dritte
macht Pendelläufe zwischen diesen beiden und wirft sie abwechselnd, idealerweise einen von beiden "links",
(z.B. 10mal werfen oder 1 min lang, danach ist der nächste dran).
Bei den Älteren gehe ich es in der Regel ruhiger an, die stehen dann relativ dicht beieinander und
während einer wirft, kann der andere in Ruhe aufstehen, dabei wirft einer also zweimal, danach ist
der nächste dran... usw... Wird danach ne Technik erklärt, bleiben die drei weiterhin zusammen,
so kann im Idealfall einer immer drauf achten, ob der, welcher gerade übt, es auch korrekt ausführt,
frei nach dem Motto: Fehler bei anderen zu finden ist leichter ;-)
Ansonsten gibt es auch Leute, die halt gerne miteinander üben, und solange es nicht ausartet
("Ich übe aber nur mit ihr!"), ist es kein Problem... Schließlich sollen sie ja auch etwas Spaß
beim Training haben...
Bei den Jugendlichen in der Erwachsenengruppe ist es im Randori so,
daß ein Teil gern "unter sich" bleiben würde, so man sie ließe, ein paar andere gehen
aber auch von sich aus auf die Älteren, Fortgeschritteneren zu.
Aber da ist es halt Aufgabe des Übungsleiters geeignet zu lenken...
@tutor!: Bei Deinen Prozenten hast Du eine wichtige Trainingsform ausgelassen:
Tandoku-Renshu. Wird oft unterschätzt, aber sollte eigentlich nicht fehlen...
Mit freundlichem Gruß

Fritz
HBt

worst case: do's and dont's

Beitrag von HBt »

TACHIWAZA
Wie derzeit (wahrscheinlich flächendeckend) Randori geführt wird, scheint klar zu sein:
- Ich will dominieren - siegen - kämpfe verbissen um den vermeintlich besten Griff - lass mich nicht werfen - blockiere, vermeide jede Aktion, störe alle möglichen Vorbereitungen meines Gegners - Bewege mich kaum - Habe unbändige Kraft, kann mich leider nicht mehr bewegen (wahrscheinlich nie so richtig), bin steif wie ein Bock oder weich wie Pudding.

Dieses Szenario stellt in meinen Augen leider noch immer den Durchschnitt / Normalfall dar, ist somit der Defacto-Standard, ein absolutes dont do it.
Mögliche Ursachen:
1) Angst vor dem Fallen und vor Verletzungen
2) mangelnde Bewegungsfähigkeit
3) mangelnde geistige, kognitive, intellektuelle Fähigkeiten


Die Zieldefinition ist mittlerweile hoffentlich klar, ...
_________________________________________________________________________________________________________

Methodisch (didaktisch) ist weiteres Vorgehen eigentlich auch sonnenklar, einschränkend oder bereichernd aber auch wieder sehr individuell lösbar, deshalb sind Kochrezepte zwar eine Lösung, aber nicht die Einzige.

1. muß ein Konsens gefunden werden, was ist Randori, was beinhaltet Randori, wie kann man ein Randori führen und bestimmen?! Den Üblingen muß bewußt sein, dass
a) Randori ein Spiel ist (sein kann)
b) ein Spiel nur Spaß u. Freude (der Gewinn; hier natürlich die Bewegungsfähigkeit, Lösung/Ziel der Pkt. 1,2 & 3 u.a.) macht, wenn beide Partner zum Zuge kommen.
c) Vertrauen (u. Rücksichtnahme) oberstes Gebot ist
d) Kraft (Verspannung == Bewegungslosigkeit) gegen Kraft immer zu Unfällen führt.

Als Marschrichtung: neben 'den Regeln' könnte ein Beobachter (ÜL/TR, aber auch der Randoripartner) Tipps und Hinweise geben, um das Spiel in die gewünschte Richtung zu lenken.

Rezept
Im Yakusoku-geiko-Stil beginnen; d.h. Vertrauen geben, lass dich werfen, konzentriere dich auf ein perfektes Ukemi. Wie? Mit Eindrehtechniken (Drehwürfen!) auf zwei Beinen. Vermeide zu Beginn (darf ein langer Beginn sein) den Hüftblock (Tanden), jegliches Sperren (Unsinn -> tut nur weh, führt zu Schmerzen...) u.s.w.
Steigere langsam die Intensität; d.h. mehr Bewegung, baue Kumikata mit ein (nicht übertreiben, nur ein bißchen stören) oder wirf (etwas, angemessen) schneller (PW, Vorsicht: hier könnte es passieren, daß ihr einen Block provoziert, Verkrampfung == Angst) oder härter.
Tempo wieder rausnehmen, Partner zum Zuge kommen lassen. Fordert den Partner (Uke, einer dominiert immer ;) ) auf, die letzte Technik mehrfach zu wiederholen, finde einen sinnvollen Konter (Stichwort: Vertrauen -> Tobi-goshi, evtl. Tani-otoshi oder Yoko-guruma -> Ura-nage), weiche aus.
Jetzt könnte die Richtung kippen, Kakari-geiko. Also schnell einigen, wo man hin will (Steuerung durch die Spieler oder durch den Beobachter).

Zusammenfassend, mit geschlossenen Bedingungen starten und mit offenen enden. Als Umsetzung empfehlen sich Judoka/Partner, die die notwendige Kompetenz schon mitbringen, z.B. TR spielt mit Übling und gibt (bekommt) permanent Feedback.


NEWAZA
Die Bodenarbeit bietet einen riesigen Vorteil, man hat Zeit und fällt nicht mehr: Ausnutzen; permanentes Angreifen / Verteidigen
-> viel Bewegung, rollen, drehen ... -> und wieder Tempo raus.

Randori (Judo) ein Spiel.

Nachtrag:
Fritz u.Tutor waren wieder schneller, haben methodisch/praktisch schon auf vieles hingewiesen. Es ergänzt und fügt sich langsam zu einem gemeinsamen Bild, finde ich :D
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