Mein erstes Judo-Turnier

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michael_norwich
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Mein erstes Judo-Turnier

Beitrag von michael_norwich » 03.12.2014, 03:06

Liebe Forumsgemeinde,

ich habe mich soeben neu hier im Forum angemeldet, bin 24 Jahre alt und wohne derzeit studienbedingt in Norwich (UK). Hier betreibe ich seit Anfang September 2014 in einem super tollen Club Judo.

Nun habe ich am vergangenen Sonntag (30. November) und damit drei Monate nach Beginner meiner "Judokarriere" erstmals an einem lokalen Turnier teilgenommen. Zuvor habe ich von anfangs 94 kg deutlich abgespeckt und konnte so in der u81kg Gruppe starten. Natürlich war ich vor dem Turnier sehr aufgeregt und kenne natürlich auch noch nicht so viele Techniken. Dennoch dachte ich mir, dass es eine gute Idee sei, möglichst frühzeitig mit der Teilnahme an Wettkämpfen anzufangen, um einen Eindruck von der Atmosphäre und den Anforderungen zu bekommen. Glücklicherweise war das Turnier unterteilt in eine Gruppe bis einschließlich zum 2. Kyu und eine andere Gruppe für alle darüber. Geholfen hat es mir aber nicht. Ich war im Teilnehmerfeld mit Abstand der Unerfahrenste. Meine vier Kämpfe habe ich alle verloren. Dennoch hat es mir viel Spaß gemacht. Da es hier in England mit der Feedbackkultur mitunter etwas schwierig ist (viel Lob, wenig Kritik), möchte ich gerne eure Meinung zu meiner Performance hören. Vielleicht habt ihr ja ein paar Tipps und Ratschläge für einen blutigen Anfänger parat. Ich danke euch dafür jedenfalls schon im Voraus!

Mein erster Kampf (ich trage den weißen Gürtel):


Mein zweiter Kampf (ich trage den blauen Gürtel):


Mein dritter Kampf (ich trage den blauen Gürtel):


Mein vierter Kampf (ich trage den blauen Gürtel):


Nochmals herzlichen Dank für jede Art von Rückmeldung im Voraus!

Beste Grüße
Michael

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Re: Mein erstes Judo-Turnier

Beitrag von Shinbashi » 03.12.2014, 13:31

Hallo Michael,

zuerstmal Respekt für das Einstellen der Videos ! Die ganze Veranstaltung hat eher Randori - Charakter und das ist gut so. Das solltest du noch öfter tun, um die Grundlagen zu lernen und zu festigen.
Im ersten Kampf hast du bei 0:12 eine gute Gelegenheit und gehst nur halbherzig rein bzw. nicht konsequent weiter.
Im zweiten seid ihr gleichwertig unerfahren.
Im dritten machst du große Schritte und gehst schön breitbeinig (wie in den anderen Kämpfen auch) und die Fußtechnik ist die logische Konsequenz. Das war eine Einladung.
Im vierten hast du wieder bei 0:12 eine Gelegenheit, die ungenutzt verstreicht.

Als Fazit würde ich sagen: Weiter an den Grundlagen feilen und Randori machen.
Gruß
Shinbashi

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michael_norwich
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Re: Mein erstes Judo-Turnier

Beitrag von michael_norwich » 03.12.2014, 18:17

Hey Shinbashi,

vielen Dank für deine Kommentare. :danke

Viel hat es mir jetzt nicht abverlangt, die Videos hier einzustellen. Mit Videos von Siegen kann man selber meist nicht so viel lernen :D Aber aus meinen Niederlagen möchte ich ja gerne etwas ziehen.

Zum Thema Schritte: Lieber tunlichst maximal hüftbreit halten, wenn ich das richtig verstehe?

Etwas amüsiert hat mich, dass du meinen Gegner und mich im zweiten Kampf für gleichwertig unerfahren hältst. Ich habe ihn nämlich nach dem Kampf mal gefragt: Er betreibt seit 11 Jahren Judo.

Mein Trainer hier hat gesagt, ich solle nicht so viel Raum lassen und lieber etwas dichter rangehen. Was ich mich dazu immer frage: Ist es dann für den Gegner nicht noch leichter, irgendwo einen Fuß dazwischen zu bekommen?

Dein Fazit werde ich auf jeden Fall aufgreifen und mich im clubinternen Randori noch mehr reinhängen.

Beste Grüße
Michael

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Re: Mein erstes Judo-Turnier

Beitrag von Freeman » 03.12.2014, 20:17

Für mich ist am auffälligsten, dass du extrem anfällig für vermeintlich leichte Fußangriffe nach hinten bzw. schräg hinten bist. Mein Tip: Arbeite im Training beim Randori vorrangig mit besseren Fußkämpfern und definierter Aufgabenstellung. Ziel für dich muss es dann sein, den Fußangriff zu ahnen und mit einer Reaktion, z.B. wegnicken nach hinten, zu reagieren. Auch muss man bei Aktionen nach hinten nicht sofort über den Hintern auf den Rücken rollen. Dazwischen passiert sehr viel, so dass sich eine Festhaltetechnik auch vermeiden lässt. Und noch eins. Bei der ersten Kesa-Katame: Nimm die Hand, die du beim Gegner zeitweise an der Schulter hast, an seine Hüfte und greife dein anderes Handgelenk.

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Re: Mein erstes Judo-Turnier

Beitrag von Peter el Gaucho » 10.12.2014, 16:28

Ein paar Tipps von mir:

1.) Übe dich im geschmeidigen und sicheren Bewegen auf der Matte (Beinarbeit).

2.) Übe dich im Erhalten deines Gleichgewichts, wenn du dich über die Matte bewegst.

3.) Übe dich im reaktionsschnellen Ausweichen gegen Angriffe oder Finten mit Fußwurftechniken.

4.) Suche dir zwei Wurftechniken aus, die dir sehr gefallen und die dir liegen. Übe diese beiden Wurftechniken sehr viel und achte vorallem auf Griffe (Kumi-kata) und wettkampfrelevante Wurfeingangstechniken.

Dazu kann dir dein Trainer ganz sicher sehr viel dazu sagen und dir helfen bezüglich der Details und der Übungsformen. Mit diesen vier Tipps wirst du in den nächsten Wettkampf deutlich sicherer und deutlich kompetenter gehen.

Ansonsten noch ein fünfter Tipp: Eine Fußballmannschaft aus dem Norden Deutschlands (1. Bundesliga) hatte Mal wieder eines von vielen Spielen verloren im Jahr 2014. Anschließend konnte ich in den Internetnachrichten folgenden Satz lesen: „Eine konkrete Spielidee war nicht zu erkennen gewesen.“ Dieses Problem haben nicht nur Fußballer, sondern auch Judoka, wobei letztere eher von einer „Kampfidee“ sprechen. Auf Turnieren kann man sehr häufig sehen, dass etliche Judoka hoch motiviert in den Kampf gehen, den „Wilden“ machen und am Ende war keinerlei konkrete Kampfidee zu erkennen gewesen.
Fortgeschrittene Judoka haben dafür eine andere Bezeichnung: „Wettkampfstrategie“. In deinem persönlichen Fall wollen wir die Sache aber noch nicht kompliziert machen, d.h. für deine nächsten Turniere brauchst du noch keine ausgefeilte Wettkampfstrategie. Aber trotzdem solltest du dir wenigstens ein paar Gedanken machen, auf welche konkrete Art und Weise, du eine Position der Überlegenheit über deinen Gegner erreichen willst, damit du aus dieser starken Position heraus deinen finalen Wurf einleiten kannst. Mache dir einfach nur grundlegende Gedanken und lasse dir dazu Tipps von deinem Trainer geben, die du dann zuerst im Übungskampf und anschließend auf einem Turnier praktisch ausprobierst. Nicht mehr und nicht weniger.
Ich denke es ist ziemlich wichtig, dass man als Wettkämpfer nach dem ersten „Hajime“ eine konkrete Vorstellung hat, was man anschließend auf der Matte machen will, was tatsächlich zielführend (effektiv und effizient) ist. Das ist ein Prozess.
"Beklage dich nicht über die Dunkelheit. Zünde eine Kerze an." (Konfuzius)

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