„Halbseitige Lähmung“ hört sich sehr schlimm an, aber ich kann mir nicht helfen: Fakt ist einfach, dass ich eine Hemiparese habe. Dies hält mich aber nicht davon ab Judo zu machen!
Zunächst einmal:
Es war eine Prüfung, wie jeder Nicht-Behinderte sie gemäß der Prüfungsordnung für Dan-Grade ablegen muss. Ich hatte mich natürlich schon in der Wartezeit/Vorbereitungszeit intensiv darauf vorbereitet, nahm am Dan-Vorbereitungskurs teil und lernte den umfangreichen theoretischen Stoff auswendig. Daneben habe ich mir auch zusätzlich Rat zu bestimmten Techniken von Nicholas Schäfer geholt, der ja bereits Dan-Prüfungen abgelegt und auch Dan-Prüfungen abgenommen hat. Ebenso war ich auch bei seiner Prüfung zum 3. Dan am 29. Mai 2014 dabei, um einen Eindruck zu gewinnen, wie ein Körperbehinderter abgeprüft werden kann. So konnte ich mich auch ein wenig mental auf meine Prüfung vorbereiten, so dass ich hoffentlich nicht ganz so nervös sein würde. Mir war die Prüfung und das Bestehen derselben äußerst wichtig, so dass ich alles getan habe, um mich halbwegs gut vorzubereiten. Denn trotz Handicap wollte ich unbedingt eine „richtige Dan-Prüfung“ und nichts geschenkt bekommen - und sollte ich durchfallen, so wollte ich mit erhobenem Haupt durchfallen!
Zuerst wurde die
Nage-no-kata abgeprüft. Bei der Ausführung waren einige Besonderheiten enthalten: Einige Würfe in der ersten Gruppe wurden nur angedeutet, bei anderen Würfen unterblieb die rechte Führhand, viele Würfe erschienen unförmig, weil das rechte Bein immer wieder außer Kontrolle geriet. Trotzdem habe ich als Behinderter die gesamte
Nage-no-kata durchgeführt und sie wurde auch vom Prüfungskomitee als „in Ordnung“ befunden.
Die beiden anderen Teile, in denen das Stand- und das Bodenprogramm abgeprüft wurden, unterschieden sich nicht von dem, was die anderen geprüft wurden. Ich musste Standtechniken und meine Spezialtechnik –
Tani-otoshi – mitsamt Übungsformen erklären, mich zu theoretische Fragen äußern, von den „Stand in den Boden“-Techniken demonstrieren, und verschiedene Bodenangriffe und -verteidigungen erläutern und ausführen. Also nichts Besonderes, außer, dass auf die Tatsache Rücksicht genommen wurde, dass die Techniken im Wesentlichen nur links gezeigt werden konnten.
Hier möchte ich hervorheben, auch in Bezug auf meinen Anspruch auf eine „richtige Dan-Prüfung“: Ich fühle mich von der Prüfungskommission durchweg fair behandelt.
An „Gleich-Behinderte“: Macht die Prüfungen, macht Randoris, macht überhaupt Judo, vor allem das für „Nicht-Behinderte“! Man hat so viel Spaß, so viel Ansporn dabei, wenn man erst einmal die „Anfangs-Ängste“ überwunden hat

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Und: nochmal vielen Dank für die vielen Glückwünsche
