flegar schreibt. "Im JVR (Kosten der anderen Verbände kenne ich nicht) wird mit der Trainer-Ausbildung Nepp und Gewinnmaximierung für den Verband betrieben. In den letzten Jahren stiegen im JVR die Gebühren für die Ausbildung erheblich, während gleichzeitig die Leistungen gesenkt bzw gestrichen wurden. Diese gestrichenen Leistungen müssen von den TeilnehmerInnen mittlerweile zusätzlich bezahlt werden."
Solche Anschuldigungen sind nicht fair, so lange Du hier nicht auch die tatsächlichen Kosten benennst. So wie Du es schreibt, handelt es sich schlicht und einfach um Deine persönliche Meinung, die jedoch niemand teilen kann, der die von Dir behaupteten Sachverhalte nicht nachprüfen kann.
Ich möchte Dir ein Beispiel aus dem NWJV nennen. Für eine 60-stündige Trainer-B-Ausbildung zahlen die Teilnehmer 400.- € pro Person.
Das hört sich zunächst einmal nach viel Geld an - ist es ja auch.
Aber: die Ausbildung wird an 4 Wochenenden jeweils von Freitagabend bis Sonntagmittag in sehr schönen Sportschulen durchgeführt, mit zwei Übernachtungen in Zweibettzimmern, 2 x Abendessen, 2 x Frühstück und 1 Mittagessen.
Dazu sind bei jeder Theorie- oder Praxiseinheit jeweils zwei Referenten anwesend, die auch befragt werden können bzw. die sich auch in den Unterricht einbringen (wobei natürlich jeweils ein Referent für das Thema hauptverantwortlich ist).
Ein solches Wochenende kostet also 100.- € mit ÜN und Vollpension und jeweils 15 Stunden Unterricht! Rechnet man also pro Tag 27,50 .- € für die Vollpension (ist von mir mir viel zu niedrig geschätzt, kostet in der Sportschule Hennef z.B. deutlich mehr!), blieben 45 € übrig für die 15 Stunden Unterricht, was 3.- € pro Unterrichtsstunde für eine Person macht.
Zusätzlich erhalten die Teilnehmer für die meisten Unterrichtsstunden schriftliche Materialien kostenlos! Wenn man also 20 Teilnehmer für einen solchen Kurs gewinnen kann, bleiben pro WE als Honorar für die beiden Referenten 60.- € (20x3.- €) für 15 Stunden Unterricht bzw. 7-8 Stunden eigenverantwortlichen Unterricht mit jeweils entwprechender Vorbereitung.
Dass also die von den Teilnehmern aufgebrachten 400.- € die Kosten für eine solche Trainer-B-Ausbildung bei weitem nicht decken, kann sich jeder selber mit ein bischen Verstand ausrechnen, auch wenn man weiß, dass es von den Landessportbünden Zuschüsse zu solchen Ausbildungen gibt.
Mir leuchtet auf diesem Hintergrund nicht ein, wie ein sehr kleiner Verband mit seiner "Trainer-Ausbildung Nepp und Gewinnmaximierung für den Verband betreiben" (Zitat flegar) kann.
Ich weiß z.B., dass für Weiterbildungen über einen ganzen Tag (d.h. 6- 8 Unterrichtseinheiten) von den Teilnehmern des JVR nur 5.- € genommen werden (steht so in der Satzung). Selbst wenn 50 Judoka an einer solchen Weiterbildung teilnehmen, frage ich mich, welche qualifizierten Referenten mit 250.- € für Fahrtkosten/Verpflegung und 6-8 Unterrichtseinheiten (also einen ganzen Tag) gewonnen werden können? Also sind solche Veranstaltungen auch für die Verbände immer ein "Zuschussgeschäft", denn es entstehen ja auch weitere Kosten, z.B. für die Halle, häufig für Kaffe und Kuchen, Spesen für denjenigen, der die Veranstaltung organisiert, Kosten für die Geschäftsstelle (Verwaltung) usw.).
Dies wird von Vielen, die sich über zunehmende Kosten bescheren, oft überhaupt nicht berücksichtigt.
Auf der einen Seite wird gewünscht, dass der Verband mehr für seine Mitglieder tun soll (bessere, günstigere und mehr Lehrgänge)!
Auf der anderen Seite aber wird den Verbandsmitgliedern empfohlen, ihr Geld lieber anderen Verbänden zukommen zu lassen, weil diese möglicherweise Ausbildungen "günstiger" anbieten können.
Abgesehen davon, dass sich dadurch kein Lehrgang wird günstiger organisieren lassen, wird das Ergebnis dann langfristig sein, dass man sich im Turnverein als "C-Trainer" ausbilden lässt - ohne eine Judo-Qualifikation gewonnen zu haben.
Dann hat man zwar Geld gespart, aber eben nichts an Judo-Qualität hinzugewonnen.
Der Verein bekommt dann möglichweise dieselben Zuschüsse vom Landessportbund, nicht aber vom Judoverband!
Und: d
er Verein kann dann zwar vielleicht besser seine Kids im Turnen schulen - im Judo aber eben nicht (es sei denn, man ist der Meinung, außer den hohen Kosten bietet die Trainer-Ausbildung auch inhaltlich nichts ifür die Judoka...).
Ob flegars "ehrliche Meinung zu den Kosten für eine Trainer-Ausbildung im Judo" (Zitat) vielleicht doch nicht gut und weit genug durchdacht ist?
fragt sich
Jupp