Das regelmäßige Judotraining bietet natürlich ganz andere Möglichkeiten -
es findet einmal wöchentlich statt (2 Stunden).
a) kontinuierlich und ausdauernd an etwas arbeiten - ist bei Drogenabhängigen sehr schwierig und bedarf viel Motivation, da sie gewohnt sind, viele Dinge kurz und exzessiv zu betreiben
b) das Training kann für verhaltensauffällig/aggressiv veranlagtes
Klientel genutzt werden, um innere Spannungen, Aggression gefahrlos in geregeltem Rahmen abzubauen
c) die im Training gewonnenen Erfahrungen und Verhaltensmuster können zeitnah in der Psychotherapie aufgearbeitet werden
d) Stärkung des Selbstbewußtseins von denjenigen Pat., die ein geringes Selbstwertgefühl haben und dieses versucht haben, durch die Droge wettzumachen - gerade auch Frauen
e) Hinarbeitung auf eine KYU - Prüfung
- der erfolgreiche Abschluß ist hierbei besonders wichtig, da sehr viele
Klienten nichts oder nur wenig in ihrem bisherigen Leben fertig gemacht haben
f) einen Weg zeigen, um diesen evtl. nach der Therapie weiterzugehen -
in einem Verein mit sozialer Integration
Es wird versucht Themen wie GEWALT, AGGRESSION, HANDGREIFLICHKEITEN in einzelnen Gesprächen aufzugreifen und punktuell zu besprechen - Möglichkeiten aufzuzeigen mit Konflikten
anders umzugehen - gerade auch die rechtlichen Seiten, was ist ein Angriff, was Notwehr?!
Dies geschieht in Form von kleinen Rollenspielen, wo Angriffe simuliert werden - was macht es mit mir???!!! Wie kann ich anders reagieren???
Um was geht es eigentlich???
Die Therapie erfolgt in unserer Klinik nach einem Punktesystem - d.h.
je mehr Punkte sich eine Patientin/Patient erarbeitet, desto mehr Freiheiten sind angesagt.
Die Wichtigkeit des JUDO erweist sich dadurch, daß die Teilnehmer
speziell zum Training geschickt werden und die Teilnahme durch eine bestimmte Anzahl von Punkten honoriert wird!
ABSCHLIESSENDE GEDANKEN
Um der Drogentherapie überhaupt eine Chance auf Erfolg geben zu können, ist ein persönlicher Bezug zwischen Klient - Personal am allerwichtigsten.
Ohne diesen persönlichen Bezug ist es schier unmöglich, Zugang zu den Pat. zu bekommen.
Das JUDO dient mir persönlich hierbei als ideales Medium - die Leute sehen auch mich nicht als einen abgehobenen "Schliesser", sondern als
Mensch mit Stärken und Schwächen.
Ich kann durch mein TUN Vorbild sein und einen Weg aufzeigen. Ob dieser angenommen wird oder nicht müssen die Klienten selbst entscheiden (DEN HEBEL UMLEGEN).
Es ist ein gegenseitiges GEBEN UND NEHMEN - man sollte es als Mitarbeiter schaffen, eine gegenseitige Atmosphäre so zu gestalten,
daß Positives und Negatives (Grenzüberschreitungen, Sanktionen, etc.)
so verarbeitet werden, daß dies nicht jedesmal zu einem VOLKSAUFSTAND wird, sondern man sich in geregeltem Rahmen wieder miteinander beschäftigt (IST ALLERDINGS NICHT GANZ EINFACH).
Im Jahr 2006 haben ungefähr 60% derjenigen Patientinnen/Patienten, die
bei uns mit JUDO in Verbindung gekommen sind, die Therapie auch regulär beendet!!!
Im Vergleich zu den anderen Klienten ist die ein überdurchschnittlicher Erfolg!
Wie vieles im Leben ist auch dies nicht der Weisheit letzter Schluss, und nichts 100prozentiges.
Es ist eine Möglichkeit Menschen eine Perspektive aufzuzeigen - und wenn nur einer es über einen gewissen Zeitraum schafft, diesen Weg zu gehen, ist dies meiner Meinung nach schon ein Erfolg.
Es ist als Drogenabhängiger ein lebenslanger Kampf, indem er sich immer wieder von neuem gegen die DROGE entscheiden muss - JUDO KANN HELFEN DIESEN KAMPF ZU GEWINNEN!
Gruß Ralf
