Ein kurzer Bericht aus meiner Perspektive
Vor einer echten Ewigkeit war ich (mit meinem Team, Freunden & Partnern) selbst
Ausrichter, Veranstalter, Trainer, Familienpapa und aktiver Teilnehmer an eben einer Veranstaltung wie dieser hier.
Heute (und natürlich gestern)' als interessierter Zuschauer auf der Tribüne, mit durchaus gemischten Gefühlen im Vorfeld der Veranstaltung - einer deutschen Judomeisterschaft. Ganz bewusst hatte ich mich in der Vergangenheit
zurückgezogen ... und ich brenne noch, noch genauso wie vor vierzig Jahren,
"als ich ein kleiner Junge war" [E. Kästner]. Meine Familie weiß: ich bin ein Abhängiger - wer weiß, wie die Droge Judo auf mich wirkt?
Judo wirkt, nachhaltig - ganz egal was ich sonst noch so treibe.
Zum heutigen Wettkampftag fiel mir sofort eine alte Schlagzeile ein: "Begeisterung pur". Selbstverständlich gab es einige Nebensätze, doch heute, stimmt diese Überschrift wieder einmal 100prozentig. Die derzeitige Spitze innerhalb der Kategorie Katame no Kata hat mich begeistert, das Feld lag sehr dicht bei einander und die Platzierten haben mit allem Respekt und aller Achtung gewonnen. Sehr gute Leistungen mit riesigem Potential, einfach schön und das sah man
dann auch. Junge Newcomer mit Spitzenleistung(en). Und sie haben sich so herzlich & offen über ihren Erfolg gefreut, einmalig - so etwas habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Auch als Zuschauer eine emotionale Angelegenheit, wenn man den Sport liebt.
Ebenso in der Ju no kata, verdient gewonnen haben ... beinahe schon natürlich - Ulla Loosen und Wolfgang Dax-Romswinkel, doch in meinen Augen war es knapp, denn dicht gefolgt, hätte auch das zweitplatzierte Paar verdient die Spitze einnehmen können. Auf jeden Fall war es knapp, während die anderen Platzierungen (bis Platz 6) schon deutliche Unterschiede zeigten. Doch wie will man individuelle Leistungen bewerten, nach dem Bewertungssystem ist alles klar (leicht ist es für die Wertungsrichter aber auf gar keinen Fall) und eindeutig, aber dabei gewesen zu sein, sich mit den anderen Athleten gemessen zu haben

. Eine Freude auf jeden Fall - und das sah man als Zuschauer auch ganz deutlich, langes Händeschütteln, Umarmungen, Gratulationen schlossen sich an.
Ich erinnere mich an ganz andere Tage, mit Konkurrenz, Konkurrenz mit durchaus unangebrachten Kommentaren unter den Sportlern ... heute war die Veranstaltung durchdrungen von Fairness und Anerkennung, das ist wenigstens mein Eindruck. Selbstverständlich war nicht alles friedlich und freundlich (auf der Tribüne), doch irgendwie sind wir Judoka alle eine Familie

und diesen familiären Eindruck hatte ich in den vergangenen zwei Tagen. Die gesamte Atmosphäre war familiär, freundlich und mit teilweise sehr guten Leistungen der Sportler. Ich konnte viele alte Bekannte ausmachen, teilweise stellen sie sich sogar noch der jungen Konkurrenz, aber wie ich schon sagte: eigentlich gab es keine Konkurrenz, das kenne ich deutlich schärfer. Nein, es war (ich vermute für alle ...) eine große Freude.
Die SG-Misburg hat mit ihrer kleinen Judoabteilung eine großartige Meisterschaft bewältigt & auf die Beine gestellt, aber im kleinen Rahmen

. Großartige Medienpräsenz gab es leider nicht, nämlich keine. So etwas ist eine bittere Pille - und ich hätte mir schon im Vorfeld mehr Zuspruch seitens der Presse gewünscht, vor allem für die vielen Helfer der Judoregion Hannover.
Gab es einen Kontrast? Ja, den gab es: G-Judo.
Unglaublich, im positiven Sinne, kein Superlativ greift hier - und trotzdem: phantastisch.
Links auf der Matte
- adrette Schwarzgurte, perfekt sitzende Judoanzüge, Rückenaufnäher mit blauen, horizontalen Streifen (Name, Landesverband, Verein, Logo ...), alles perfekt und trotzdem dezent, schlicht, nicht überzogen
rechts auf der Matte
- normale Anzüge und farbige Gürtel, eine Gruppe der Nage no kata, drei Techniken rechts und links incl. judotypischer Etikette, entsprechend der Formalie Kata.
---> G-Judo, Inklusion!
So etwas hat es bis zum heutigen Tag noch nicht gegeben. Was passiert dort? Spannend, wirklich spannend, wenn man so wie ich völlig frei und unschuldig (mit voller Aufmerksamkeit und Konzentration) an diesen Wettkampf herangeht, ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde.
Nach jedem Paar war ich etwas (naja) traurig, weil es so schnell vorbei war, viel zu schnell. Außer jeglicher Konkurrenz und normal sterblichem Leistungsgedanken, beeindruckend. Einfach großartig, ich könnte nicht sagen, wer welche Einschränkung zu meistern hat. Man kann es als Zuschauer nicht sehen. Auch hier gingen an diesem Tag die Platzierungen in meinen Augen, wenn man den überhaupt werten will (und es wurde nach dem normalen Maßstab bewertet), korrekt und fair in Ordnung. Wertungsrichter könnte ich hier nicht sein, trotzdem gab es deutlich bewertbare Unterschiede in dem Gezeigten. Und auch mir ist das Siegerpaar gestern schon aufgefallen (mit konzentrierter Vorbereitung).
Inklusion

.
Für die kommenden Jahre sollten wir allen Judoka ermöglichen, ihre Träume zu erfüllen, es fehlen normale Judoka als Uke, als Partner ... als Partner für Tori (es fällt mir mittlerweile schwer die Schubladen, z.B. G-Judo zu akzeptieren, im abgrenzenden oder wertenden Sinne zu bedienen). Eingeschränkt sind wir alle, mehr oder weniger ---> heute konnte man in Hannover Misburg Inklusion erleben, auf einem, nicht gerade unbedeutendem Event.