medizinische Indikation (2.Dan)

Hier geht es um Fragen und Inhalte zu den Kyu und Dan Prüfungen
HBt.
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Die Randori no kata

Beitrag von HBt. » 02.03.2017, 12:38

@Fritz,
Ich sehe da folgende Vorteile:
- Die Vorbereitung auf Dan-Grad wird etwas entkrampfer, wenn sich bspw. jemand auf den 2.Dan vorbereitet und dort bei der Katame-no-Kata bleibt und ein Braungurt
im Verein möchte den 1.Dan haben, könnte dieser sich dann auch mit Katame-no-Kata beschäftigen und diese ebenfalls zeigen.
- Kata jenseits der Randori-no-Kata würden bereits eher in die Aufmerksamkeit unsere Judoka rücken, d.h. die Wissensbasis hier würde sich in der Gesamtheit verbreitern - was die
Voraussetzung wäre, daß die tradierten Kata überhaupt wieder als lebendiges Trainings-Werkzeug in die Ausbildung der Judoka gelangen können ...
Oh,
hier bin ich skeptisch.

1. Stufe: Nagewaza, also Nage no kata
2. Stufe: zusätzlich Katamewaza, also hier die Katame no kata

finde ich linear richtiger im Kano'schen System, als noch später oder sogar schon am Anfang (das ist zu früh). Aber bitte lass uns darüber nicht streiten und festnageln.
Mit dem "richtigen Händchen" darf es Ausnahmen geben, argumentativ kann man sich nicht wirklich dagegenstellen / verschließen. Will man es 'festschreiben', benötigt man unterschiedliche Ordnungen und Kennzeichnungen. Unter Umständen kann dann auch einfach mit dem 1.Kyu das markierte Karriereende erzielt sein. Je nach getroffener Entscheidung. Schwieriges Thema und offtopic.

Anton_D1
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Re: medizinische Indikation (2.Dan)

Beitrag von Anton_D1 » 03.03.2017, 09:11

Fritz hat geschrieben:
Anton_D1 hat geschrieben:Interessante Diskussion. ich frage mich allerdings - bei allem Verständnis für dauerhaft Erkrankte und Behinderte - warum man mit kaputten Knien eine Dan-Prüfung ablegen will, bei dem die Kata auf den Knien zentraler Bestandteil ist. Ich würde da eher in andere sportliche Richtungen wechseln, die nicht kniebelastend sind, anstatt mit zig Sondergenehmigungen und Ausnahme-Regeln das Ding mit Gewalt durchziehen...
Was soll denn ein geprüfter Dan-Grad aussagen? Letztlich soll er doch nur einen Fortschritt im Judo dokumentieren.
Warum soll ein chronisch Knie-Kranker nicht auch Fortschritte im Judo machen und dokumentieren dürfen? Warum soll er in
andere sportliche Richtungen wechseln, wenn doch gerade sein Herz am Judo hängt? Wenn er dort vielleicht sogar für seinen Verein da ist,
Leute trainiert usw.? Wenn ihm Judo hilft, mit seiner Erkrankung besser umzugehen?
Ein chronisch Knie-Kranker kann keine Fortschritte in der Katame-no-kata machen, weil er gesundheitlich nicht in der Lage ist, sie auszuführen. Er kann Fortschritte in anderen Bereichen des Judo erzielen. Kann man nicht stattdessen auch zB eine SV-Kata vorführen? Es gibt alternativen innerhalb von Judo. Man muß nicht immer alles gleich dramatisieren.

HBt.
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Beitrag von HBt. » 03.03.2017, 10:55

Anton_D1 hat geschrieben: Ein chronisch Knie-Kranker kann keine Fortschritte in der Katame-no-kata machen, weil er gesundheitlich nicht in der Lage ist, sie auszuführen. Er kann Fortschritte in anderen Bereichen des Judo erzielen. Kann man nicht stattdessen auch zB eine SV-Kata vorführen? Es gibt alternativen innerhalb von Judo. Man muß nicht immer alles gleich dramatisieren.
Anton_D1,
bitte erläutere Deine These. Eines ist doch wohl klar: mit den Einschränkungen Knie und/oder Rücken kann man kein Judo betreiben und auf absolut gar keinem Fall kann man sich oder andere Menschen "verteidigen", SV-Situation. Selbst weglaufen funktioniert nicht.

Ein für alle einleuchtendes Beispiel:
gestern Abend lag ich blöderweise auf der Couch und schaute mir einen Film an, als ich mich zur Nachtruhe begeben wollte, spürte ich eine mächtige Kontraktion der geraden Rückenstrecker (rechtsseitig) ...
viele werden dieses Szenario kennen ---> weder gestern Nacht noch heute ist es mir möglich, irgendeinen Sport zu betreiben, ich gehe ganz, ganz vorsichtig und extrem langsam.

HBt. hat auch Rücken, neben Knie, Hüfte und Halswirbelsäule ---> ohne eine "disziplinierte Diät" / nennen wir es Hygiene / Pflege läuft da gar nichts mehr ---> doch Katame no kata läuft immer! außer ich bin so dämlich und achte nicht auf mich,
"habe Rücken", liege auf der Couch oder sitze auf ungeeigneten Möbeln & im Auto.

Ach' eines noch: alle meine persönlichen Einschränkungen sind unfallbedingt / Kampf / Training / vieles selbstverschuldet (über Jahrzehnte).

Doch Katame no kata geht!
(allerdings nicht bei akuten Beschwerden, dann geht gar nichts).

#
SV als Form

Ist ja noch weniger wert als eine Simulation.

##
Mein Eindruck zur Verneinung der Katame no kata (Prüfungfach zum 2. Dan) ist vergleichbar mit einem "strampelnden und kreischenden Kleinkind, das nicht in die Badewanne will".

Eine Selbstverteidigungskata ist kein adäquater Ersatz für die geforderte Kata, unabhängig von meiner Sichtweise müsste man dann entweder die Kime no kata oder Kodokan Goshinjutsu einfordern. Nichts Selbstgestricktes! Allerdings schließt sich die Kime no Kata wegen des IDORI-Teiles wieder aus, kann man dieses erstklassig demonstrieren*, funktioniert es auch mit Katame no kata.

*wobei man hier ja etwas lernt und schult, das schon wieder etwas über "die Geforderte" hinausgeht und durchaus auf ihr aufbaut (wenn man so will, vielleicht ist's ein kleines bisschen konstruiert, vielleicht)

Also SV, NEIN.

Gruß,
HBt.
Zuletzt geändert von HBt. am 03.03.2017, 15:17, insgesamt 1-mal geändert.

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Wahlmöglichkeiten

Beitrag von HBt. » 03.03.2017, 11:23

Ok.

Anton_D1,
ich möchte Dir beipflichten und damit auch Fritz:

warum schaffen wir nicht Wahlpflichtfächer, also ein Baukastensystem
(jeder Prüf-u. Übling stellt sich sein eigenes Programm zusammen, alles wird fein säuberlich dokumentiert und begründet ---> auf dem Weg zum 5. Dan, als momentan letzte Prüfungsmöglichkeit, müssen allerdings alle Inhalte abgefrühstückt werden)?

Wir haben einen großen Karton mit Puzzelteilen und zum finalen Abschluss muss 'es komplett sein', dass Bild / der Kodokan Judoka.

Diese Frage stelle ich in den Raum ;-)

Shorn
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Re: medizinische Indikation (2.Dan)

Beitrag von Shorn » 19.03.2017, 20:55

"geht nicht - gibt's nicht!"
Fritz hat in seinem Beitrag ungefähr erwähnt, dass ich trotz Behinderung die Prüfung zum ersten Dan gemacht habe, bei auch die Nage-no-kata Bestand war. Und nun bin ich seit einiger Zeit dabei, mich in die Katame-no-kata einzuarbeiten.

Das ich körperlich behindert bin, hab ich und auch andere ja schon mehrmals erwähnt; ich habe eine rechtsseitige Hemiparese zusammen mit einer spastischen Lähmung, die verursacht, dass ich mein rechter Arm und mein rechtes Bein teilweise und zeitweise nur schlecht oder gar nicht bewegen kann.

Ich bin nun so weit, dass ich die gesamte Katame-no-kata ganz grob machen kann; mit ein paar Einschränkungen. Speziell bei der Gruppe der Haltegriffe verlagern wir, mein Uke und ich, die Ausführung von der - von Tori gesehen - rechten auf die linken Seite. Würger kann ich teilweise nur andeuten, weil ich die rechten Hand nicht einsetzen kann und bei den Hebeln rutscht mir teilweise mein rechtes Bein weg (speziell beim Hiza-Gatame und Ashi-Garami). Generell ist das Rutschen auf den Knien schon ein bisschen "gewöhnungsbedürftig", das Ausstellen des linken Knie geht auch nur "holperisch".

Aber, wo es mir als Judo-ka drauf ankommt, ist, diese Kata vom Grundsatz her zu können, zu spüren, was in den einzelnen Gruppen gemacht wird, wie ich die einzelnen Verteidigungen gegen Uke's Angriffe abzuwehren kann. Und das könnte mir gelingen, wenn ich noch fleißig übe; ich bin ja erst im Anfang, und so eine Kata brauch seine Zeit, besonders, wenn man körperbehindert ist.

Vom Vorschlag, auf einzelne Teile der Prüfung - auch mit einem ärztlichen Attest - zu verzichten, halte ich nun überhaupt nichts. Jede Kyu-Stufe, jeder Dan-Grad sagt was darüber aus, was die oder der in der Lage ist, zu machen. Und wenn man bereit ist, eine Prüfung zu machen, sollte man auch sehen, wie man die Prüfer überzeugen kann, dass man das Wissen und die Fähigkeiten für den jeweiligen Grad der Prüfung hat!

Insofern gilt immer wieder der Grundsatz, den ich oben hin geschrieben habe :-) .
Shorn aka Ludger

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Danke (es ist eine Ehre)

Beitrag von HBt. » 20.03.2017, 11:23

Lieber Shorn,

Du bist einfach gewaltig :D und ein großartiger Judoka. Ein passendes Kompliment kann man nur sehr schwer finden.

Herzlichen Dank für Deinen Beitrag.

Gruß,
HBt.

Der Müller
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Re: medizinische Indikation (2.Dan)

Beitrag von Der Müller » 23.03.2017, 13:46

Lieber Shorn,

ich verneige mich vor Dir!

Dein Statement ist - wie es Helge bereits ausdrückte - gewaltig und großartig. Du bist ein/der Ansporn für jeden Judoka.

Auch von mir einen Herzlichen Dank für Deinen Beitrag.
Gruß
Jochen

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