Jupp hat geschrieben:Hallo Califax,
kann es sein, dass Deine Vorstellungen von Breitensportlern im Judo und die Vorstellungen derjenigen in den Vereinen des DJB, die breitsportliche Angebote machen, so weit auseinanderliegen, dass es nicht einmal Schnittmengen, geschweige denn größere gemeinsame Ansichten gibt?
Das kommt jetzt ziemlich vom Thema ab, aber:
Schnittmengen gibt es schon. Und es gibt ja auch einige wenige Judovereine, in denen ich mich wohlfühlen könnte.
Nur eben nicht hier vor Ort. Ich hab die Leute in meinem Judoverein gemocht, und ich glaube, der Trainer war auch neugierig, was aus mir werden könnte. Da gab es schon Schnittmengen, bei der Lust am Kampf zum Beispiel.
Aber wenn innerhalb weniger Wochen die sinnlose Kraftmeierei mehr Zerrungen und Gelenkverletzungen verursacht, als ich in einem ganzen Jahr im BBT gesehen habe,
wenn man sich nicht mal dafür interessiert, wie die Kata heißt, die man für die Prüfung nachahmt,
wenn eine ganze Reihe von Gokyo Waza angeblich nur zum Angucken aber nicht für den Kampf taugen,
wenn man es voller Verachtung ablehnt, Judo-Atemi zu trainieren, so daß spätestens die Blaugurte für ihre Wehrfähigkeit zum MT wechseln...
Im Ninjutsu-Dojo habe ich eine andere Atmosphäre gefunden. Weniger Sportmief, mehr Lust und Interesse an kulturellen Hintergründen und effektiven Nahkampfmethoden. Und vor allem lebendige Kata, Atemi und Waffen ins Training integriert, viel mehr Fokus auf lebenslange Gesundheit und geistige Entwicklung. Und nicht diese panische Scheuklappensucht, diese Angst vor der Konkurrenz. Da redet man sich nicht naserümpfend ein, man könne sich auf mangelnde Fähigkeiten auch noch was einbilden.
Wenn die Konkurrenz vom MT soviel besser ist, daß sie uns verhauen könnte, dann sind das deshalb keine Barbaren, sondern dann müssen wir eben besser trainieren. Punkt.
Und Fußball? Herrrjemine, bei der WM hat es das Finale gebraucht, um uns mal einen einzigen Abend vom Training abzuhalten. Wir hatten nicht mal eingeschränkte Teilnehmerzahl während der der restlichen Spieltage.
Niemand hier akzeptiert Fußball als Alternative zum Training, nicht mal die weicheste Wellnessfraktion.
Die meisten schauen sich aller Jubeljahre mal ein WM-Finale an und fragen sich das ganze Spiel, welches Trikot zu welcher Mannschaft gehört und ob man das ohne sehr viel Bier überhaupt erträglich finden kann...
Wir brauchen hier keine alberne Safari, keine Sportabzeichen und keine Zusatzbespaßung mit Popmusik.
Wir wollen lernen. Die einen wollen nur ein bißchen Wellness - ok. Die bleiben eben im Anfängerlevel und spielen nur ein bißchen Samurai.
Wer kämpfen lernen will, geht weiter und wird dabei nicht verachtet und gebremst sondern angeleitet, gefördert und ermutigt. Sowas ist auch im Judo möglich. Das habe ich gesehen, gefühlt, erlebt. Man muß Judo nur für voll nehmen. Das ganze Paket. Die komplette hocheffektive Nahkampfausbildung mit ihren gesundheitlichen und geistigen Aspekten.
Mit wievielen Sportvereinen es da Schnittmengen gibt, ist mir im Grunde wurscht und auch nicht Thema des Threads. Ich brauche keine Sportvereine mehr, um Judo zu lernen. Mir ist es auch wurscht, ob das, was ich letztlich auf der körperlichen Schiene übe, Taijutsu, Yawara, Jujutsu, Judo, Bujutsu, Budo oder Nahkampf heißt.
Aber: das war ja alles nicht Thema dieses Threads. Es ging ja hier eher um Mitgliederwerbung und ob der DJB da hilfreich sein könnte.
Edit:
Jupp hat geschrieben:Vielleicht ist es auch ganz gut, wenn die von Dir genannten Zielgruppen ("Security-Leute und Freizeitmuskelprotze" sowie die "Frustrierten aus anderen Kampfkünsten") besser nicht zum Judo gehen. "Diejenigen, die ihre "normale" Kampfkunst um Bodenkampf erweitern wollen", sind sicherlich beim Judo sehr gut aufgehoben - allerdings eher in einer der höherklassigen Wettkampfgruppen, also dort, wo im Randori wirklich hart am Boden gekämpft wird und nicht im Breitensport.
Von den beiden Co-Trainern meines ehemaligen Judovereins war übrigens einer ein Muskelprotz (und wahrlich ein angsteinflößender Fleischberg!), der bei allen Dorffesten als Ordner und Zeltsecurity aufpassen muß, und der andere Polizist, MTler und ebenfalls Muckibudengänger. Wenn die beiden besser nicht zum Judo gehen sollen, gibt es in diesem Verein kein Judo mehr. Soviel zu Deiner Arroganz, Jupp.
Und warum jemand das ganze Judoprogramm nehmen soll, wenn er sich speziell für Bodenkampf interessiert und ansonsten schon eine andere Kampfschule trainiert, weiß ich ehrlich gesagt nicht.
"To possess a high grade means nothing. Ever since martial arts were born, the grade of someone is what he can do in battle."
(Kacem Zoughari.)