Ju-Do und der Geist des Judos

Hier könnt ihr alles posten was mit Judo zu tun hat

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Christian
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Re: Ju-Do und der Geist des Judos

Beitrag von Christian »

Bitte kehrt sachlich (auch wenn das hier nicht ganz einfach ist) zum Thema zurück und verlasst die persönliche Schiene,
ansonsten ist dieser Beitrag zu. :danke
schöne Grüße
Christian
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judoka50
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Re: Ju-Do und der Geist des Judos

Beitrag von judoka50 »

Wie Tom sagt: son Forum ist gar nicht wirklich dazu da, Wissen auszutauschen und kritisch Fakten zu überprüfen.
Hier versammelt sich die Gemeinde zur gemeinsamen Andacht. Alle glauben dasselbe und da stören wir nur.
Ist dir mal aufgefallen, dass Kritik immer weniger erwünscht ist.
Gleich heißt es man ist unsachlich, wenn man unbequeme Fragen stellt.
Ich glaube nicht, dass man die Kritik auf das Forum hier beziehen sollte. Da habe ich schlechtere Erfahrungen in einem anderen Forum in dieser "einseitigen" Richtung sammeln dürfen. Hier ist es an sich recht neutral, auch wenn man manchmal versucht, eine Meinung in eine Ecke zu drängen. Insgesamt dennoch offen, interessant und lehrreich.
Na - ja, wenn man mal diesen Part hier mal nicht so ernst nimmt, insbesondere wenn man versucht Spirit und Geist an Religion, Esoterik usw. zu knüpfen. Irgendwie albern....
Auch die Befragung Richtung Fußball.... usw. :BangHead - einfach überflüssig und albern. Anscheinend fehlt doch einigen der schlichte einfache Glaube an unseren gemeinsamen Sport. (Übrigens, wenn er einfacher wäre, nennte er sich Fußball und dann wäre auch eine Befragung überflüssig.) Übrigens spüre ich auch irgendwie einen Judogeist in mir, ansonsten wäre ich nicht so verrückt und würde u. A. sogar mit behinderten Menschen Judo betreiben... (Na ja, wenn ich mir einige Beiträge ansehe, wäre es ja fast die gleiche Zielgruppe :ironie3 )
Wenn ich dann noch sehe, dass das Ganze kurz vor dem Abkippen auf "Belästern" anderer Homepages von Judovereinen abgleitet (wurde mit abgöttischer Freude in einem anderen Forum bis zum Erbrechen betrieben, vermutlich haben sich deshalb auch kurzfristig die passenden Gäste eingeklinkt) bekomme ich irgendwie einen Brechr...... Habt ihr nichts anderes zu tun, als Kritik an "anderen" zu betreiben. Wenn ich mir vorstelle, wieviel Arbeit sich einige junge Leute machen, um eine Homepage für ihren Judosport aufzubauen. Da wäre eine nette sachlich aufklärende eMail bestimmt hilfreicher.
Betrachtet man dann die kurzen Einwände der "Gäste" dann kann ich mir vorstellen, dass euch einige Beiträge hier im Forum bestimmt überfordert hätten. Insoweit ist es dann natürlich schwer, den tatsächlichen Informationsgehalt eines Forums zu beurteilen.
Mir fallen zudem auch immer wieder die positiven Kritiken für das Forum auf - daher musste ich diesen Beitrag einfach noch, auch entgegen Christians Bitte, schreiben :dontknow
Viele Grüße
U d o
crusher
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Re: Ju-Do und der Geist des Judos

Beitrag von crusher »

Na - ja, wenn man mal diesen Part hier mal nicht so ernst nimmt, insbesondere wenn man versucht Spirit und Geist an Religion, Esoterik usw. zu knüpfen. Irgendwie albern....
Ach so?
Und das hier ist doch auch von dir:
Anscheinend fehlt doch einigen der schlichte einfache Glaube an unseren gemeinsamen Sport.
?????

(Hatte keine Lust mich einzuloggen)
Sascha
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Hofi
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Re: Ju-Do und der Geist des Judos

Beitrag von Hofi »

Hi!
Der Bezug zur Religion wurde nach meinem Verständnis des Fadens gerade von denjenigen hereingebracht, die das Vorhandensein eines Geistes des Judo (was ich persönlich als Grundgedanken bzw. dahinterstehende Idee verstehe) verneinen.
Und jetzt, wo u.a. durch Mitesco das Vorhandensein eines solchen in den Schriften der großen Judomeister bis hin zu Kano selbst durch Zitate belegt ist, es also keineswegs eine religiöse Glaubensfrage darstellt, zieht man sich beleidigt zurück.
Finde ich irgendwo schade.
Bis dann
Hofi
Wer die Wahrheit sagt, braucht ein verdammt schnelles Pferd.

Heimat ist dort, wo man von der Dorfbevölkerung, die einen duzt, gelyncht wird.
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judoka50
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Re: Ju-Do und der Geist des Judos

Beitrag von judoka50 »

zieht man sich beleidigt zurück. Finde ich irgendwo schade.
Hallo Hofi - eine ansich in anderen Fäden ebenfalls schon praktizierte Handlungsweise.
Nicht schön, u.U. auch schade wenn es sich teils um interessante Diskussionen handelte.
Aber so etwas kennt man ja aus dem Alltagsleben...........
Viele Grüße
U d o
tutor!
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Jigoro Kano und der "Spirit of Judo"

Beitrag von tutor! »

Auch Jigoro Kano hat im damaligen "Judo-Magazine" versucht, den "spirit of judo" zu erklären und zu verbreiten. Dies schien ihm einige Probleme zu bereiten, aber auch von besonderer Bedeutung für ihn zu sein. Lesen wir in den "Judo-Memoirs" von Watson auf Seite 101 im Kapitel 70 "Essence of Judo:
J. Kano, aus Watson, Seite 101 hat geschrieben: In order to explain the real purpose of judo, a column was devoted to the ways one´s spirit can be cultivated bey means of hard training. (...)
Although these efforts helped somewhat in the gradual diffusion of judo practice and were welcomed, nevertherless, the progagation of the judo spirit was largely unsuccessful. (...) It was therefore imperative that they be taught correctly and given proper understanding of the judo spirit.

Since the essays appearing in this column were intended to inform the students of the spirit of Kodokan judo and the right methods of applying the techniques, I myself wrote painstakingly on these subjects. Although I often delivered lectures on such topics, ...
Damals wie heute scheint es also Probleme mit dem allgemeinen Verständnis gegeben zu haben.....

Ein paar Seiten weiter, auf Seite 107, lesen wir unter dem Titel "Benefiting Oneself and Others":
J. Kano, aus Watson, Seite 107 hat geschrieben: We must not be merely passive citizens, but make efforts to promote this mode of social intercourse (Anmerkung: die Rede ist von jita kyoei) and contribute to the advancement of society.
Um was ging es dabei:
J. Kano, aus Watson, Seite 107 hat geschrieben: Therefore, in order for one to live peaceably with one´s fellows, a relationship fostering mutual help and co-operation is preferable. This means that we should be willing to give consideration to the opinion of others and to show an inclination to compromise. That is to say, we should adopt the practice of bringing benefits not only to ourselves but also to others.
Es geht also um die Einhaltung dessen, was Kano selbst als "moral code" bezeichnet hat - mit dem Ziel der Entwicklung und des Fortschritts der Gesellschaft als Ganzes.

Religionen - egal welche - beinhalten ebenfalls einen "moral code". Allerdings unterscheiden sie sich voneinander. Ein Problem ist, dass es je nach Religion unterschiedliche Auslegungen und Spielarten gibt. Daher ist ein universelles Prinzip, das unabhängig von Religion allein auf den "unwiederlegbaren Gesetze der Logik" basiert, erforderlich. Diesem "moral code" können alle Mitglieder einer Gesellschaft folgen - unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit.

Wer genau hinschaut, wird erkennen, dass es Kano darum geht, eine von Religion(en) unabhängige Morallehre zu etablieren, die sich in keiner Weise auf Religion beruft, keinerlei religiöse Praxis beinhaltet, sich allein auf Logik gründet, aber dennoch nicht im Widerspruch zu Lehren des Konfuzianismus, des Buddhismus oder des Christentums steht.

Wer Judo auch nur ansatzweise in die Nähe von Religionen rückt, hat Kano in keiner Weise verstanden!
I founded a new system for physical culture and mental training as well as for winning contests. I called this "Kodokan Judo",(J. Kano 1898)
Techniques are only the words of the language judo (Cichorei Kano, 24.12.2008)
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Starker Tabak

Beitrag von HBt »

Liebe Gemeinde,
ihr werdet unsachlich - euch scheinen die Argumente auszugehen. Ich für meinen Teil, bin nicht im mindesten beleidigt (ganz im Gegenteil), warum sollte ich? Warum sollte sich z.B. Meier-Müller-Schulze beleidigt zurückziehen?

Die Debatte ist in m.A. einfach beendet, logische Schlußfolgerungen wurden nicht erbracht, Beispiele fehlen - seiryoku zenyo u. jita kyoei nicht verstanden, sondern fälschlicherweise verklärt und mit dem 'Geist des Judo' gleichgesetzt, wenn ich das jetzt richtig verstanden habe.

Gruß
Helge


PS Für die Formulierung 'Gemeinde' möchte ich mich vorab entschuldigen, Entschuldigung. Vielleicht trifft es Community besser?

Ergänzung:
Tutor war wieder einmal schneller ;) - weitestgehend Konsens
crusher
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Re: Ju-Do und der Geist des Judos

Beitrag von crusher »

Wer Judo auch nur ansatzweise in die Nähe von Religionen rückt, hat Kano in keiner Weise verstanden
!
Richtig.
Genau das habe ich gesagt.
Ich habe vorher auch gesagt, dass das Geschwafel um den Geist des Judo, der nicht richtig erklärbar ist, aber trotzdem durch das Dojo weht, großer Quatsch ist.
Genauso ist es Quatsch, wenn Jupp erst erklärt, dass dieser Geist was Immaterielles ist und nur gespürt werden kann und dann nichts dagegen sagt, daß der Geist den 12. Dan haben soll.
Ja und dann fordert Judoka50 den "einfachen und schlichten Glauben" ein.
Das soll nicht religiös sein?
Nein Tutor, nicht wir haben Judo in die Nähe von Religion gerückt.
Es ist albern jetzt so zu tun, als ob wir gesagt hätten, Judo wäre religiös.
Wir haben das Gegenteil gesagt.
Mitesco spricht von "daran glauben" und Judoka50 auch.
Jupp erklärt, man muss den "Geist spüren" oder so und wer gegen diesen nicht erklärbaren Geist verstößt, darf, wie Jupp sagt, "kein Judo machen".
Das sind religiös gefärbte Aussagen.

Sascha
tutor!
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Re: Starker Tabak

Beitrag von tutor! »

HBt hat geschrieben:seiryoku zenyo u. jita kyoei nicht verstanden, sondern fälschlicherweise verklärt und mit dem 'Geist des Judo' gleichgesetzt, wenn ich das jetzt richtig verstanden habe.
Ich würde es anders formulieren:

in seiryoku zenyo u. jita kyoei manifestiert sich der "spirit of judo", was man durchaus mit "Geist des Judo" übersetzen kann. "Geist" hat aber noch weit über "spirit" hinausgehende Bedeutungen, weswegen die Übersetzung nicht ideal ist. "Geist des Judo" ist und bleibt eine Metapher, wie Lino sehr schön formuliert hat.

Niemand hat hier irgendwie Judo (religiös) verklärt - es wurde lediglich in einigen Beiträgen unterstellt, dass hinter der Formulierung "Geist des Judo" eine spirituell-esoterische Geisteshaltung stecken würde, die so manchem als Religion oder Religionsersatz dienen würde.
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Mitesco
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Offenheit bitte

Beitrag von Mitesco »

tutor! hat geschrieben:...
in seiryoku zenyo u. jita kyoei manifstiert sich der "spirit of judo", was man durchaus mit "Geist des Judo" übersetzen kann. "Geist" hat aber noch weit über "spirit" hinausgehende Bedeutungen, weswegen die Übersetzung nicht ideal ist. "Geist des Judo" ist und bleibt eine Metapher, wie Lino sehr schön formuliert hat.

Niemand hat hier irgendwie Judo (relogiös) verklärt - es wurde lediglich in einigen Beiträgen unterstellt, dass hinter der Formulierung "Geist des Judo" eine spirituell-esoterische Geisteshaltung stecken würde, die so manchem als Religion oder Religionsersatz dienen würde.
Vielleicht ist es alles auch ein Problem der Sprache und des Übersetzen... Wir in Holland haben bei 'Geest' auch eine religiöse Ebene, aber wir haben dafür den Unterscheid zwischen 'geest' mit kleiner Buchstabe (für alle nicht-religiöse Bedeutungen) und 'Geest' mit großer Buchstabe wie z.B. 'Heiliger Geist'. Im englischer Sprache hat man auch 'spirit' and 'Holy Spirit'. Klarer. Was aber auch wieder klar macht, daß Kano nie spricht über 'Spirit' mit großem Buchstaben, und also nicht religiös... sondern moralisch, wie ich schon betont habe.

Ich habe hier aber noch ein kleines Problem. Selbstverständlich hat jeder Judoka das Recht, seine eigene Meinung zu formulieren über jede religiöse Äußerung. Auch das Recht an nichts zu glauben. Wenn ein Judoka aber wirklich Kano versteht und die tiefere Sinne des Jita Kyoei, sollte er vielleicht auch ein bisschen 'japanischer' über Religionen denken. Ich spüre hier bei manchen Mitgliedern eine Art 'aufgeklärtes' Denken, wobei man ganz übereinstimmend mit europäische Theorien vom Atheismus und Laizismus jeden religiösen 'Einfluß' auf das Judo beinahe ausrotten will. Ich denke sowas ist ganz und klar nicht im Sinne Kanos. Er war wie jeder zivilisierter Japaner tief überzeugt, daß Religionen manche Übereinstimmungen haben mit den Idealen des Judo. Ich denke, daß jede Polarisation zwischen Judo und Religion nicht nur zwecklos ist, sondern auch nichts zu tun hat mit der Offenheit, die jeder Judoka haben soll für jeden Mensch dem er begegnet, auf der Matte oder draußen. Für Zusammenarbeit.
Buddhism, Confucianism and Christianity each have their own guiding principles which may be found through study, but this is very difficult. I often have occasion to exchange opinions with authorities on Buddhism, Confucianism and Christianity. Those who have made such profound study and cultivated their minds, say the same I do: the path may differ, but in the end the aims of both religion and learning are ultimately the same, and I consider these authorities as my colleagues. (...) So, through judo, we are teaching a principle that can work together with the highest principles of Buddhism and Christianity and the exhaustive studies of philosophers, one which, like the other great philosophies and religions, can be put into action.

Jigoro Kano, Mind over Muscle, p. 82

Mitesco (http://www.mitesco.nl)

"Man kann man sagen, dass die Lehre von Judo einen aus der Tiefe der Verstimmung in ein Stadium energischer Tätigkeit mit einer frohen Hoffnung in die Zukunft führen kann." Jigoro Kano
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kastow
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Re: Ju-Do und der Geist des Judos

Beitrag von kastow »

Interessanterweise hat diese Diskussion die meisten - aber nicht alle - Bedeutungen des Wortes Geist erfasst. Ich erlaube mir, das Ganze geschichtlich einzuordnen und zu ergänzen:
  • - In seiner ursprünglichsten bekannten Form, dem Germanischen, stand Geist nur für das Gespenst, den nächtlich spukenden Geist.

    - In Zuge der Christianisierung nahm das Wort "Geist" dann noch die Bedeutung des hebräischen "ruah" (Sturmwind, Zornhauch, Atem Gottes, Heiliger Geist") auf. Allerdings geschah dieses auf dem Umweg über das griechische "pneuma" (Luftstrom, Anhauch, Atem, Geist Gottes) und des lateinischen "spiritus" (Hauch, Atem, Lebensmut, Seele, Geist).

    - Die Alchimisten des Mittelalters nannten den destillierten reinen Alkohol "Spiritus". Auch diese Bedeutung kennen wir z.B. im Weingeist.

    - Im Zuge der Säkularisierung unterschied man dann Geistigkeit und geistig im Gegensatz zu Geistlichkeit und geistlich.

    - Anschließend nahm das Wort "Geist" dann noch die Bedeutung des französischen "esprit" (z.B. in "ein Mann von Geist", "geistreich", "Schöngeist", "Geist haben" oder auch "Witz haben") auf.

    - Die aufkommende Esoterikwelle verband das Wort Geist dann noch mit den englischen "sprites" der spiritistischen Sitzungen (Gläserrücken u.ä.)
Kleine Bemerkung zum Schluss: Während das englische "spirit" recht klar umrissen ist, beinhaltet das englische "ghost" ebenfalls mehrere Bedeutungen.

Ich hoffe, damit habe ich etwas Klarheit schaffen können.

Wer dieses Thema vertiefen möchte, dem empfehle ich die Seiten 42 - 48 des Buches "Die europäische Sprachengemeinschaft" von M. Wandruszka, ISBN 3-7720-1766-5.
Herzliche Grüße,

kastow

Since the establishment of Kôdôkan jûdô, jûdô has become something that should be studied not only as a method of self-defence but also as a way of training the body and cultivating the mind. (Jigorô Kanô: MIND OVER MUSCLE)
HBt

'Spirit of ...'

Beitrag von HBt »

http://www.amazon.com/s/ref=nb_ss_gw?ur ... Dave+Lowry

Hallo Carsten,
hast Du schon Lowry gelesen? Ich komme zur Zeit nicht mehr weg von seinen Büchern, einfach nur genial.

Ich empfehle allen Forianern dringend 1) In the Dojo und 2) Sword and Brush, insbesondere um 'dieses Thema' zu vertiefen.
kastow hat geschrieben:Interessanterweise hat diese Diskussion die meisten - aber nicht alle - Bedeutungen des Wortes Geist erfasst. Ich erlaube mir, das Ganze geschichtlich einzuordnen und zu ergänzen: (..)
Kleine Bemerkung zum Schluss: Während das englische "spirit" recht klar umrissen ist, beinhaltet das englische "ghost" ebenfalls mehrere Bedeutungen. Ich hoffe, damit habe ich etwas Klarheit schaffen können.
Nö, nicht wirklich ;).

Was hältst Du von Norberts These?
Lin Chung hat geschrieben:Dieser sogenannte Geist, man möge mir verzeihen, ist nichts anderes als die Grundregeln, an die man sich halten sollte, damit ein homogenes Miteinander auf und neben der Matte stattfindet.
tutor!
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Re: 'Spirit of ...'

Beitrag von tutor! »

HBt hat geschrieben: Ich empfehle allen Forianern dringend 1) In the Dojo und 2) Sword and Brush, insbesondere um 'dieses Thema' zu vertiefen.
Alternativ und/oder ergänzend:

Der gemeinsame Weg von Schwert und Pinsel - eine ziemlich ausführliche und dicke Dissertation aus dem Jahr 2006 mit vielen Zitaten aus einigen Densho.
http://tobias-lib.ub.uni-tuebingen.de/f ... 2455&la=de

Allerdings sollten wir nicht vergessen, dass es hier um Jûdô geht - genauer: um J. Kanos Kodokan Jûdô...
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Re: Ju-Do und der Geist des Judos

Beitrag von Jupp »

Da ich mit meinem Artikel im Judo-Magazin 4-2009 wohl einen Anstoß zur hier stattfindenden Diskussion gegeben habe, die mich in ihrer Heftigkeit sehr überrascht, möchte ich allen Forumsteilnehmern den Artikel zur Verfügung stellen.
Vielleicht geht es dann einigen anderen auch so wie dem Zauberlehrling, der gar nicht weiß, was er mit seinem Tun angerichtet hat.
Hier also der Artikel, den ich im Zusammenhang mit meiner Serie über Randori leicht variiert habe und schon vor Jahren in "Judo anwenden" (Bonn 2006, S. 15) unter dem Titel "Wie sich der "Geist des Judo" in fairem Verhalten auf der Judomatte wiederspiegelt" veröffentlicht habe:
Vom „Geist des Judo“ – wie verinnerlichte Werte das Judo-Handeln steuern
Das Judo-Regelwerk
Die Judo-Wettkampfregeln verbieten, „irgendeine Handlung zu begehen, die den Nacken oder die Wirbelsäule des Gegners verletzten könnte oder gegen den Geist des Judo ist.“ (Kampfregeln der IJF, deutsche Fassung, S. 26). Solche Handlungen werden von Kampfrichtern im Wettkampf mit Hansoku-make, der direkten Disqualifikation bestraft und führen zum sofortigen und vollständigen Ausschluss vom jeweiligen Wettbewerb.
Während man Angriffe auf den Nacken oder die Wirbelsäule des Gegners noch erkennen und z.B. über Video nachweisen kann, sind Verstöße gegen „den Geist des Judo“ oft nur schwer während eines Kampfes (Wettkampf, aber auch Randori) festzustellen, zu beurteilen und zu bewerten.
Ganz sicher gibt es Fälle, wo der Verstoß gegen den „Geist des Judo“ offenkundig ist, wenn z.B. der Gegner geschlagen oder der Kampfrichter lautstark beschimpft wird. Bei anderen Handlungen sind sich die Kampfrichter jedoch oft nicht einig, ob sie als Verstoß gegen den „Judogeist“ zu werten sind oder nicht.

Die Judo-Prinzipien
Im „Geist des Judo“ müssen sich die beiden von Jigoro Kano genannten Prinzipien „bester Einsatz der geistigen und körperlichen Kräfte“ (technisches Prinzip) und „durch gegenseitiges Helfen beiderseitigen Fortschritt erreichen“ (moralisches Prinzip) widerspiegeln. Diese Prinzipien bestimmen die Grenzen des Judo, sie legen fest, was nicht mehr erlaubt und toleriert werden darf.

Werte müssen in der Diskussion bleiben
Diese Prinzipien sind die Werte (und die Grenzen), die auch die Kampfregeln bestimmen. Als Werte bedürfen sie einer ständigen Überprüfung, Diskussion und Neubestimmung und müssen sich an den jeweiligen gesellschaft-lichen Rahmenbedingungen messen lassen. Sie sind nicht automatisch immer gültig, endgültig festgeschrieben, unveränderbar.
Die ständige Diskussion um diese Judo-Werte, die den „Geist des Judo“ ausmachen, ist notwendig, damit sich in den Köpfen der Judo-Ausübenden festsetzt, wie man sich in einem Judokampf zu verhalten hat – jenseits der festgeschriebenen (offiziellen) Wettkampfregeln.

Legal und legitim sind große Unterschiede
Die Diskussion um den „Geist des Judo“ ist die Diskussion um Fairness in unserem Sport, um die Grenzen des Machbaren, um die Unterscheidung zwischen legal (gesetzestreu) und legitim (erlaubt), darum, ob man „echt“ gewonnen hat, mit fairem Einsatz.
Es geht um die theoretische Beziehung zwischen (geschriebener) Regel und (gefühlter) Fairness. Nur auf diesem Hintergrund lassen sich Fragen diskutieren wie
· Ist alles erlaubt, was nicht durch Wettkampfregeln verboten ist?
· Darf man im Wettkampf (oder auch im Randori) einen Ippon erzielen, der die eigene Unversehrtheit oder die des Gegners/Partners aufs Spiel setzt?
· Soll man Kämpfer bestrafen, die ihre Techniken so ausführen, dass ihre Gegner auf den Kopf oder die Schulter fallen müssen?
· Soll man als Trainer Handlungen der eigenen Sportler tolerieren, die dem Gegner Verletzungen (auch blaue Flecken) zufügen – ganz gleich ob absichtlich oder aus Ungeschick?
· Ist der Judo-Wettkampfsport geeignet, die Achtung vor dem Gegner, dessen persönliche Rechte, noch in dem Maße zu gewährleisten, wie Kano es sich mit seinem „moralischen Prinzip“ wohl gedacht hat?

Trainer müssen Antworten finden
Trainer, die ihre Schüler in Randori und Shiai ausbilden (so sollte es sein!!) müssen sich dieses Probleme bewusst sein und Antworten bereit haben, wenn sie Verstöße gegen den „Geist des Judo“ entdecken. Sie müssen eingreifen und dann begründen können, welche Werte unser Handeln und das unserer Judoschüler bestimmen sollen."
Die Motivation für meinen Artikel bestand vor allem darin, dass ich bei Wettkämpfen - auf allen Ebenen, von Kindern bis Hochleistungssportlern - immer wieder beobachtet habe, dass die Wettkampfregeln sehr "strapaziert" wurden durch - wie ich finde - unfaires Verhalten, das nicht durch die Kampfrichter bestraft wurde (bzw. durch das Regelwerk nicht bestraft werden konnte).

Ich wollte darauf hinweisen, dass ein solches Verhalten durch die Trainer bei ihren Schützlingen angesprochen werden soll, damit diese sich "fair" verhalten. Und "fair" ist eben etwas anderes (bzw. mehr) als regelgerecht. Dieses Verständnis für "Fairness in unserem Sport jenseits der Regeln" ist, was sich nach meiner Auffassung mit "Geist des Judo" umschreiben lässt. Dass man darüber streiten kann, was fair ist und was nicht, habe ich ja auch geschrieben und dass eine solche Einstellung, eine solche Haltung zu den Gegnern sich eben nicht genau in Worte fassen lässt, ist eben auch jedem klar, der sich mit solchen Gedanken beschäftigt.

Im "Geist des Judo" spiegelt sich eine grundsätzlich friedliche Haltung zu den Menschen wieder, die Kano ausdrücklich für sich in Anspruch genommen hat. Diese grundsätzliche "Friedfertigkeit", die übrigens nichts mit Wehrlosigkeit zu tun hat, lässt eben nicht jedes Tun rechtfertigen, jenseits aller Gesetze und Legalität.

Das kann man nun verstehen wollen oder man will es nicht verstehen. Man kann akzeptieren, dass das eigenen Handeln vom "Geist des Judo" beeinflusst wird oder man akzeptiert es nicht.

Jupp
Zuletzt geändert von Fritz am 29.04.2009, 23:54, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Artikel als Zitat gerahmt, zwecks besser Lesbarkeit
st.gregor

Re: Ju-Do und der Geist des Judos

Beitrag von st.gregor »

Im "Geist des Judo" spiegelt sich eine grundsätzlich friedliche Haltung zu den Menschen wieder, die Kano ausdrücklich für sich in Anspruch genommen hat.
Quelle bitte.
Diese grundsätzliche "Friedfertigkeit", die übrigens nichts mit Wehrlosigkeit zu tun hat, lässt eben nicht jedes Tun rechtfertigen, jenseits aller Gesetze und Legalität.
Diesen Satz habe ich trotz intensiver Bemühungen nicht verstanden. Wer hat versucht mit (Kanos?) "Friedfertigkeit"(?) welches Tun "jenseits aller Gesetze und Legalität" zu rechtfertigen?

Ratlos... :dontknow

Stephan
gast

Re: Ju-Do und der Geist des Judos

Beitrag von gast »

Nein Jupp. Du hast nicht den Anstoß zu der Diskussion gegeben.
Das war das Editorial im Judo Magazin.
Lies einfach noch mal HBT's Eingangspost.
Und bezieh nicht auf dich, was nicht mit dir zu tun hat.
Obwohl ich deinen Artikel im Judo Magazin auch komisch fand.
pmhausen

Re: Ju-Do und der Geist des Judos

Beitrag von pmhausen »

st.gregor hat geschrieben:
Im "Geist des Judo" spiegelt sich eine grundsätzlich friedliche Haltung zu den Menschen wieder, die Kano ausdrücklich für sich in Anspruch genommen hat.
Quelle bitte.
Watson zitiert Kano:
Therefore, in order for one to live peaceably with one´s fellows, a relationship fostering mutual help and
co-operation is preferable. This means that we should be willing to give consideration to the opinion of
others and to show an inclination to compromise. That is to say, we should adopt the practice of bringing
benefits not only to ourselves but also to others.
Unter anderem. Ich finde schon, daß man die Summe dessen, was man im Watson findet, als grundsätzlich
friedfertige Haltung bezeichnen darf.
st.gregor hat geschrieben:
Diese grundsätzliche "Friedfertigkeit", die übrigens nichts mit Wehrlosigkeit zu tun hat, lässt eben nicht jedes Tun rechtfertigen, jenseits aller Gesetze und Legalität.
Diesen Satz habe ich trotz intensiver Bemühungen nicht verstanden.
Friedfertig zu sein, bedeutet nicht, Toleranz zu üben, wenn es jemand anders erwiesenermaßen nicht ist.
Unabhängig davon ob das, was der andere tut, legal ist - auch legalem aber illegitimem Handeln anderer
muß man entschieden begegnen.

Oder anders ausgedrückt: friedfertig zu sein bedeutet eben nicht, die andere Wange hinzuhalten.

Gruß,
Patrick

Tippfehler nach Hinweis von Tutor korrigiert: "Haltung" war gemeint, nicht "Handlung".
Zuletzt geändert von pmhausen am 29.04.2009, 18:30, insgesamt 1-mal geändert.
tutor!
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Re: Ju-Do und der Geist des Judos

Beitrag von tutor! »

pmhausen hat geschrieben: Unter anderem. Ich finde schon, daß man die Summe dessen, was man im Watson findet, als grundsätzlich
friedfertige Haltung bezeichnen darf.
Kano verfolgte eindeutig das Ideal einer friedlich gedeihenden Welt, was auch in den Zielen der Kodokan Kulturvereinigung klar zum Ausdruck gebracht wird.
Watson, Seite 110 hat geschrieben: Objectives:
(...)
4. To seek peaceful elimination of racial prejustice wordwide by the promotion of cultural pursuits
General principles:
(...)
3. The perfection of oneself and society is the basis for global properity
Durch die Überseereisen und die Eindrücke der Zerstörung nach dem 1. Weltkrieg entwickelte Kano zunehmend ein globales Denken.. BTW: er war auch von dem englischen Gedanken des "Fair-play" angetan und schrieb sinngemäß, dass man Wettkämpfe mit Moralerziehung verknüpfen müsse - ganz in dem Sinn, wie Jupp es oben beschrieben hat.
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Re: Ju-Do und der Geist des Judos

Beitrag von crusher »

Ich würde es gut finden, wenn Jupp selber antwortet, wenn er gefragt wrd.

St Gregor hatte geschrieben, dass er einen Satz von Jupp nicht versteht.
Den hier:
Diese grundsätzliche "Friedfertigkeit", die übrigens nichts mit Wehrlosigkeit zu tun hat, lässt eben nicht jedes Tun rechtfertigen, jenseits aller Gesetze und Legalität.
Ich verstehe auch nicht, was das heißen soll.
Ich möchte mal eine Erklärung mit richtigen Beispielen, damit man das versteht.
Die Erklärung soll aber von Jupp selber kommen.
Ich würde mich dafür schämen, wenn jemand anders erklären muss, was ich meine.

Ich finde das der Faden jetzt ganz schön weg geht vom Thema.
Das Thema war der Geist des Judos und was der bedeutet.
Wir sind aber jetzt irgendwie da gelandet ob Kano ein Pazifist war.
War er aber nicht.
Wenn jemand kein Pazifist ist, heißt das nicht, daß er Krieg gut findet.

Soll jetzt der Geist des Judos so was wie Pazifismus sein. Oder wie ist das gemeint, was tutor über Wettkämpfe geschrieben hat.


Sascha
st.gregor

Re: Ju-Do und der Geist des Judos

Beitrag von st.gregor »

Also das mit der Friedfertigkeit Kanos (im politischen Kontext) halte ich für eher zweifelhaft, Kano betont - und zwar vor und nach dem Ersten Weltkrieg die Notwendigkeit einer starken Armee und verwendet sich auch für die sog. "militärische Erziehung" in den Schulen. Das aber ist jetzt nicht unbedingt ein pazifistischer Ansatz, sondern - typisch Kano - ein pragmatischer: Ein schwaches Land wird immer leicht Opfer einer äußeren Aggression, also ist militärische Stärke eine Frage der Vernunft.
Bitte selbst mal nachlesen bei Niehaus, S.194ff, ich hab keine Lust das alles abzutippen.

Also: Mit der "Friedfertigkeit" Kanos ist das nicht so einfach, denn Frieden erwächst aus Stärke, aus Wehrhaftigkeit, nicht aus Wehrlosigkeit (jede andere Position von jemandem, dessen bedeutensde Schöpfung eine Kampfkunst ist wäre auch sonderbar).
Friedfertigkeit kann sich nur der (militärisch oder kämpferisch) Starke leisten...

Stephan

P.S.: Danke für die Versuche mir Jupps Satz zu erklären, aber ich hab es leider noch immer nicht verstanden... :dontknow
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