@Fritz: Tim v. Dohlen ist einer meiner Schüler - und ein sehr erfahrener Judoka noch dazu. Aus diesem Grunde war es nicht nötig, daß ich oder einer meiner Dan-Träger seine Fragen beantworten.
Tim v. Dohlen hat diese Fragen gestellt, um eine Debatte in Gang zu bringen, in deren Verlauf sich wohl herausgestellt hätte (so meine Erfahrung) daß kaum jemand der hier so eifrig postenden Wettkampf-Judoka ein praktikables Rezept hat, welches sicher und zuverlässig dafür sorgt, daß man aus Festhaltegriffen 'rauskommt. (Auch wenn ihr es immer noch nicht glaubt - WIR haben ein solches Konzept, und es funktioniert!)
Tim hatte diesen Weg gewählt (und sich dabei wesentlich unerfahrener gegeben als er ist) weil es VORHER einige recht unschöne Reaktionen einiger User gab, als ich etwas ausführlicher zu erläutern versuchte, wie man bestimmte Dinge im Bodenkampf erfolgreich handhabt.
Tim war ehrlich gespannt darauf, was ihr so zu bieten habt - nachdem bspw. "gada" uns unterstellte, wir "würden zu wenig Bodenkampf können" - weil wir problemlos aus Festhaltegriffen 'rauskommen.
Hat als Diskussionsansatz nicht funktioniert - ich weise darauf hin, daß etliche User in der vorangegangenen Debatte (Bodenkampf) steif und fest behaupteten, wenn eine Festhalte "richtig sitzt", käme man ohnehin nicht mehr 'raus. Fand ich schon bemerkenswert - keine Ahnung, wie man sicher aus so 'nem Ding rauskommt, aber wenn wir dann sagen und zeigen, wie es doch geht, wird das ungeprüft abgelehnt ...
Für jeden Versuch, euch derlei Dinge zu erläutern, habe ich hier größtenteils massive Ablehnung und - vorsichtig ausgedrückt - ebenso massive Ungläubigkeit erfahren.
Ich hatte nun gedacht, daß eben dieser Unglaube dazu führen werde, daß man sich das Ganze mal auf der Matte ansehen wollen würde - ja denkste!
"Zu weit weg", "keine Zeit" usw. usw.
Wenn ich nicht sehr irre, schrieben mindestens zwei der hier postenden User vor einiger Zeit, daß sie nicht extra an unserem Training teilnehmen müßten, um zu wissen, daß alles Schrott sei, was wir so machen ...
Trotz dieser Reaktionen habe ich geglaubt, daß es meine Pflicht wäre, mein Wissen und Können weiterzugeben.
Das war ein Fehler.
Ich schaue mir mit milder Belustigung an, wie empört und beleidigt hier etliche auf unsere bloße Existenz reagieren - was soll man dazu noch sagen?
Ich sehe mir an, wie einige ungeprüft verwerfen, was ich in jahrelanger mühseliger Arbeit herausgefunden und trainiert habe - nur weil es nicht in ihr festgefügtes Bild dessen paßt, was sie so für Judo halten.
Ich habe niemanden verurteilt, der sich den Beschränkungen des Wettkampf-Sports unterwirft - ich habe aber immer wieder darauf hingewiesen, daß Judo eben sehr viel mehr ist als das.
Ich habe darauf hingewiesen, daß es sehr viel einfacher (und nachvollziehbarer) ist, historische Tatsachen zu beschrieben als Techniken - und daß Technik-Beschreibungen im Internet nie dazu geeignet sein können, echtes Verständnis für bestimmte Prinzipien zu wecken. Dies ist und bleibt der konkreten Arbeit auf der Matte vorbehalten.
Prompt wirft Fritz mir vor, daß ich nicht versuche, seitenlang akribisch einzelne Techniken aufzupuzzeln und in mundgerechten Häppchen zu servieren, um "Neugier zu wecken"... das verstehe, wer will. Abgesehen davon, lieber Fritz - mir ist hier immer wieder vorgeworfen worden, miene Postings seien ohnehin viel zu lang ... "Das lese ich gar nicht erst!" (Wir erinnern uns?)
Dann muß ich lesen, daß ich einigen "den Mund wäßrig gemacht" hätte - und nun solle ich doch gefälligst gut lesbare, gefällige und vor allem NACHVOLLZIEHBARE Beschreibungen einzelner Techniken liefern ...
Das ist nicht meine Aufgabe und auch nicht meine Absicht.
So groß wie ihr behauptet kann euer Wissensdurst denn doch nicht sein, sonst würden euch nicht so viele Gründe einfallen, den Weg zu uns zu vermeiden.
Ich denke, wir reden hier aneinander vorbei.
Mir ging es darum, Neugier und vielleicht Begeisterung für Neues (Altes), bislang Unbekanntes im Judo bei euch zu wecken.
Etlichen von euch (nicht allen!) geht es jedoch darum, den Status Quo möglichst unverändert beizubehalten.
Und auch, wenn ihr es bestreitet - viele von euch haben Angst vor dem Neuen, Unbekannten - es könnte ja doch besser sein als das bisher Gekannte ... Woher sonst die schrillen Töne?
Einige von euch haben Angst davor, sich der Erkenntnis stellen zu müssen, daß ihr Judo vielleicht doch so ... nun ja, limitiert ist, wie ich behaupte.
Einige haben Angst, daß Dinge, an die sie sich jahrzehntelang geklammert haben und aus denen sie ihr Sozialprestige bezogen, plötzlich ihre Gültigkeit verlieren sollen - und das ängstigt sie, statt daß sie es als Chance erkennen, das eigene Judo heftig zu verbessern.
Aus dieser Angst heraus lehnt man verständlicherweise alles ab, was wir tun - man "weiß" ja schließlich, daß wir "überheblich" sind (weil wir dem Mainstream widersprechen), daß wir "keine Ahnung haben" (weil wir nicht der alleinseligmachenden Organisation angehören), daß wir bestenfalls irregeleitet sind und in unverantwortlicher Weise eine "Spaltung" des Judo herbeiführen wollen...
Und dennoch habe ich immer wieder versucht, euch an unserem (meinem) Wissen teilhaben zu lassen.
Wie unsinnig.
Ich hatte in diesem Thread geschrieben, daß hier eine Diskussion für jene stattfinden sollte, die an neuen Erkenntnissen im Judo wirklich interessiert seien. Ich hatte sehr höflich darum gebeten, es zu unterlassen, uns permanent mitzuteilen, daß man völlig anderer Meinung sei und meinen Anregungen auf gar keinen Fall folgen werde.
Trotzdem hat "Maki Komi" mir ungefragt mitteilen müssen, daß er sich für das Wettkampfjudo entschieden habe. Ja und? Was soll ich mit dieser Information anfangen? Habe ich "Maki Komi" etwa danach gefragt? Es ging eigentlich um gänzlich andere Dinge, und es schien, als ob man hier endlich mit interessierten Judoka eine sachliche, am Gegenstand orientierte Debatte führen könne.
Prompt paßte das einigen anderen nicht, und ebenso prompt gaben sie der Debatte eine andere Richtung.
Wie ich schon sagte - ich habe unsere Standpunkte äußerst ausführlich dargestellt, man kann das hier im Forum oder auf unserer HP nachlesen. Wieso sollte ich das alles noch einmal (oder auch mehrmals) wiederholen?
Da euch wenig bis nichts an dem liegt, was ich euch beibringen könnte, euch andererseits aber erkennbar viel daran liegt, alles in Zweifel zu ziehen, was meine Schüler und ich tun, sehe ich keinen Weg mehr, wie wir vernünftig miteinander kommunizieren könnten.
Ich bin überzeugt davon, daß die Struktur, der ihr angehört und die euer Denken geprägt hat (doch, doch, das hat sie, auch wenn ihr das nicht wahrhaben möchtet) unvereinbar ist mit unseren Auffassungen.
Ihr steht euch dabei selbst im Weg, denn ihr verbaut euch durch eure Ablehnung und durch eure Krittelei (noch dazu an Dingen, die ihr nicht selbst geprüft habt!) die Möglichkeit, etwas dazuzulernen.
Ihr könnt noch so oft behaupten, daß ihr lernwillig seid - die Praxis und eure Postings sagen etwas anderes.
Ich werde mich davor hüten, euch weiterhin mit meinem Wissen und können zu belästigen.
Ihr werdet wahrscheinlich froh sein, daß nun wieder "Ruhe" ins Forum einkehrt und alle wieder über immer denselben Einheitsbrei "diskutieren" können.
Laßt es mich zum Schluß nochmal in aller Deutlichkeit sagen: ja, euer Judo ist (soweit ich es gesehen und daran teilgenommen habe, und das war mir in den letzten Jahrzehnten sehr häufig vergönnt) tatsächlich qualitativ sehr schlecht.
Das allein wäre noch kein Makel - ihr aber lehnt es ab, dieses Defizit zu beseitigen.
Ich behaupte nicht, daß ich in Sachen Judo der Heilsbringer wäre. Ich bin nicht wichtig.
Es gibt aber Meister (etwa Frank Thiele, Peter Lietz, Kurt Rödel - um mal einige deutsche Namen zu nennen), die euch in nur zwei Minuten Unterricht in aller Deutlichkeit vor Augen führen können, wie schlecht euer Judo wirklich ist:
- daß euer Harai-Goshi in aller Regel ein schlecht ausgeführter O-Guruma ist; daß ihr keine Ahnung davon habt, wie man Seoi-Nage richtig wirft; daß ihr am Boden grottenschlecht seid; daß euer Osoto-Gari und euer Tai-Otoshi miserable Varianten dieser doch eigentlich so einfachen und wirksamen Würfe sind; daß ihr von realitätsorientierter SV keine Ahnunug habt; daß ihr die Waffentechniken des Judo nicht einmal dem Namen nach kennt; daß ihr nicht die geringste Ahnung von den Kyusho Ho oder den Gyokku Ho des Judo habt; daß eure Katas keine Inhalt mehr haben, sondern Tanzeinlagen mit einem absolut kooperativen Partner sind; daß ihr trotz all eurer evtl. vorhandenen Muskelmassen keine Ahnung von Körperarbeit habt, daß ihr nicht im Gleichgewicht seid, sondern schief und krumm; daß euer methodisch unsinniges Training den Gelenkverschleiß fördert ... usw. usw.
All das habe ich euch höflich, sogar freundlich klarzumachen versucht - und ich habe euch auch zu zeigen versucht, wie man diese Defizite beheben kann.
Ihr habt das als persönlichen Angriff verstanden ...
Tja, was bleibt noch zu sagen?
Viel Spaß weiterhin
Tom Herold