Eine Übersetzung ist,
als ob du am Morgen ein Rendezvous mit einer Schönheit vereinbarst,
und dann am Abend mit ihrer häßlichen Schwester ausgehst.

Abgesehen von der urheberrechtlichen Seite, bin ich ganz bei Dir. Und das aus mehreren Gründen.Jupp hat geschrieben:4. Oder vielleicht doch sich an eine - durchaus mit Fehlern behaftete Übersetzung wagen, diese ins Forum stellen und einer allgemeinen Begutachtung zur Verfügung stellen, die auf Fehler hinweist, den Text inhaltlich, formal, historisch oder technikbezogenen diskutiert und dadurch alle Beteiligten weiter bringt?
Ich persönlich habe mich für Nummer 4 entschieden und empfinde die hier stattfindende Diskussion durchaus als Bereicherung meines Judowissens, die Arbeit an den Übersetzungen im Übrigen ebenso.
Wie seht Ihr das?
Tja, das ist doch offensichtlich:Jupp hat geschrieben:Aber welche Konsequenzen sollen jetzt daraus folgen?
Es steht im Nachwort ab Seite 154, allerdings ohne Quellenangabe. Ansonsten findet sich der Text auch in "Mind over Muscle" unter "The three Levels of Judo" ab Seite 94.Jupp hat geschrieben:Ich kann mich erinnern einen solchen Text gelesen zu haben, aber ich weiß nicht mehr wo und konnte ihn beim ersten Durchblättern des neuen Watson auch nicht finden. Auch der Titel lässt sich im neuen Watson nicht finden.
Wo steht der englische Text?
Richtig - die Frage ist nur: Welche Konsequenzen ziehen wir daraus, ohne uns direkt wieder auf sehr dünnes Eis zu begeben?katana hat geschrieben:Meiner Meinung nach geht aus dieser Passage hervor, daß Kano bezgl. der weiteren Entwicklung des Judo tatsächlich viel umfassendere Visionen hatte, als man heute zu
glauben bereit ist.
Und er wollte diesen Entwicklungs-Prozeß ja auch selbst als "unbegrenzt" verstanden wissen.
Das ist in der Tat eine interessante Fragestellung...Reaktivator hat geschrieben:Denn wir hatten hier im Forum ja schon erbitterte Diskussionen darüber, ob überhaupt jemand das Recht habe, Judo nach Kanos Tod "weiterzuentwickeln" - und zwischen den beiden Extremen ("Keiner hat das Recht." einerseits, und "Wir haben umgekehrt sogar die Pflicht." andererseits) war die ganze Bandbreite an Meinungen vertreten...
..fände ich gut. Oder zumindest den Nachweis, dass man im Kendo eine bestimmte Graduierung hat.dann sollten "wir" schon einer Weiterentwicklung in Richtung "Kendo mit einfangen
Das kommt halt zum einen darauf an, ob man Kanos Standpunkte kennt, undDenn wir hatten hier im Forum ja schon erbitterte Diskussionen darüber, ob überhaupt jemand das Recht habe, Judo nach Kanos Tod "weiterzuentwickeln" - und zwischen den beiden Extremen ("Keiner hat das Recht." einerseits, und "Wir haben umgekehrt sogar die Pflicht." andererseits) war die ganze Bandbreite an Meinungen vertreten...
Genau das halte ich für kontraproduktiv... Es muß in den "Lehrplan" (also in die PO)Lin Chung hat geschrieben:Oder zumindest den Nachweis, dass man im Kendo eine bestimmte Graduierung hat.
Möglicherweise...tutor! hat geschrieben:Kano löst sich also immer mehr vom Technik-Kanon bestimmter Disziplinen und wendet sich in einem universellerem Denken einem gemeinsamen erzieherischen Ziel zu: der Verbesserung der Gesellschaft. Genau in diesen Kontext passt sein Interesse an Funakoshis Karate, Ueshibas Aikido, der Bojutsu-Abteilung im Kodokan usw. Ging es darum, verschiedene Kampfkünste, die wie Kendo aus seiner Sicht "unbefriedigend waren" unter einem erzieherischen Dach zu integrieren?
Weshalb sollten diese Standpunkte gegensätzlich sein, an extremen Punkten ein und derselben Skala, gar?Fritz hat geschrieben: Ich für meinen Teil (ohne jemandem zu nahe zu treten zu wollen) denke, daß die aufgezeigten
Standpunkte: "Kano als Erzieher" (Niehaus) und "Kano als Bewahrer knallharter Kampfkunst" (Tom)
Extreme sind, die Wahrheit wird irgendwo in der Mitte liegen...
Dazu müsste man genau nachschauen, woher die pädagogischen Ideen Kanos kamen - und an welchen Stellen sich Widersprüche z.B. zu den von Dir genannten zeigen. Die japanische Pädagogik der frühen Meji-Zeit war übrigens sehr stark von Herbart geprägt, das Schulsystem dem preußischen Nachempfunden und Kano war 1889/90 sehr lange auf Studienreise durch Europa zum Studium der Erziehungssystem und der Pädagogik.pmhausen hat geschrieben:Du darfst beim Thema "Erziehung" nicht davon ausgehen, das das Ziel der Erziehung wie Kano sie im Sinn hatte, auch nur andeutungsweise etwas mit unserem heutigen Menschenbild, unserer Ethik, am Ende noch Montessori, Pestalozzi, oder Humboldt zu tun habe.
Ich kenne ehrlich gesagt keine Denkschule oder philosophische Richtung, die nicht dem Einzelnen einen Beitrag für die Entwicklung der Gesellschaft abverlangt. Entscheidende Unterschiede ergeben sich im geforderten Grad der Unterordnung des Einzelnen unter die gesellschaftlichen Interessen. Aber Du hast recht: man muss das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft bei Kano vorurteilsfrei prüfen.pmhausen hat geschrieben:Von allen westlichen Denkschulen neigte Kano belegbar am ehesten dem Utilitarismus zu. Es spricht angesichts der zu seiner Zeit vorherrschenden politischen Strömung und seinen eigenen Aussagen, das Individuum habe zum Nutzen der Gesellschaft da zu sein, einiges für die Annahme, seine Erziehung habe die Produktion braver kleiner Soldaten zum Ruhme der Japanischen Nation zum Ziel. Wir müssen das als wesentlichen Aspekt zumindest ins Kalkül ziehen.
Das müssen wir etwas differenzierter betrachten, denn Du unterstellst, dass Kano passgenau dem jeweiligen japanischen Zeitgeist entsprach.pmhausen hat geschrieben:Nur "wir" im Westen gehen dauernd hin und interpretieren Kanos
Prinzipien passend zu unseren eigenen (meist) christlich geprägten Idealen. Das ist nicht zulässig. Kano war kein Christ. Er war auch kein Humanist. Er lebte vor rund 100 Jahren in Japan mitten im Umbruch vom Mittelalter zur Moderne, nationalistisch bis an den Anschlag!
Das stimmt natürlich. Ich wollte jetzt nicht sagen, daß ich Kano für einen Ultra-Nationalisten halte.tutor! hat geschrieben: Aber glücklicherweise gibt die Quellenlage, so weit ich das beurteilen kann, eine derartige Haltung Kanos nicht her. Im Gegenteil...
Dann hätte er sich sicher auch nicht so für die Olympischen Ideale eingesetzt.Das stimmt natürlich. Ich wollte jetzt nicht sagen, daß ich Kano für einen Ultra-Nationalisten halte.