Judoanfänge in Deutschland

Hier geht es um die Geschichte und um Traditionen des Judo
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Re: Judoanfänge in Deutschland

Beitrag von tutor! »

Reaktivator hat geschrieben: Das freundliche Lächeln des jungen Mannes erinnert doch stark an jenen späteren weltbekannten Judo-Funktionär, der 1933-34 in Deutschland war...
... der über seine Funtionärstätigkeit hinaus:
  • maßgeblich das japanische Telekommunikationssystem aufgebaut hat (und deshalb enge Verbindungen zu Siemens hatte),
  • später zu DDR-Zeiten Ehrendoktor der TU Dresden wurde,
  • einen Verbund von Privatschulen und Privatuniversitäten innerhalb und außerhalb Japans gegründet hat,
  • und dessen späterer Assistent das deutsche Judo maßgeblich mit beeinflusst hat.
So - jetzt sollte jeder wissen, um wen es sich handelt....
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Re: Judoanfänge in Deutschland

Beitrag von Reaktivator »

Ja, ja - wie schon gesagt: Bereits in den 1920er/30er Jahren gab es so einige japanische Judo-Leute in Deutschland...

Von denen einer sogar eine interessante Zahl hinterlassen hat:

Da er nämlich zwei Jahre im Auftrag (bzw. mit Geldern) des japanischen "Kultusministeriums" in Deutschland weilte, mußte er
a) hier alles genau beobachten und analysieren, und
b) hinterher einen offiziellen Bericht schreiben.
Darin gibt er, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, die Gesamtzahl der "deutschen Judo"-Kämpfer mit geschätzten 300.000 (!!!) an - darunter dürften sich zwangsläufig eine ganze Reihe befunden haben mit einem schwarzen Band um den Bauch (zumal ja, wie oben geschrieben, sich zunächst einmal jeder "Meister" einen Gürtel in der Farbe seines Beliebens um den Bauch binden durfte....).

Zur Vermeidung von Mißverständnissen müssen dazu allerdings noch zwei ergänzende Anmerkungen gemacht werden:
1) Diese für seinerzeitige Verhältnisse gigantische Zahl bezieht sich natürlich nicht nur auf die relativ wenigen in Vereinen oder Schulen organisierten Mitglieder, sondern er bezieht explizit auch Militär und Polizeibeamte mit ein, die in Selbstverteidigung geschult wurden.
2) Er spricht extra von "deutschem Judo" bzw. "deutschem Jujutsu" und weist ausdrücklich darauf hin, daß es nicht (!) identisch ist mit original "japanischem Judo/Jujutsu".

(Interessant auch, daß er mehr von "Judo" als von "Jujutsu" spricht - was sich aber dadurch erklärt, daß er im Gegensatz zu manchem Landsmann, den es nach Europa verschlagen hatte, im Kodokan groß geworden ist - und in den 1930er Jahre dann auch zu den 10 einflußreichsten Leuten am Kodokan gerechnet wurde.)
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Re: Judoanfänge in Deutschland

Beitrag von Lin Chung »

http://www.yudansha.de/content/view/180/139/

also, hier findet sich doch schon einiges. :D
Grüße
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Re: Judoanfänge in Deutschland

Beitrag von kastow »

Eine weitere Frage, die mir aufgrund des von mir erwähnten Zitates noch eingefallen ist: Gab es damals Bedingungen / Mindestkönnen für die Eröffnung einer Jûdô- / Jû-jutsu-Schule? Dann hätten wir auch einen technischen Mindeststandart der damaligen Schwarzgurte.
Herzliche Grüße,

kastow

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Re: Judoanfänge in Deutschland

Beitrag von tutor! »

kastow hat geschrieben:Eine weitere Frage, die mir aufgrund des von mir erwähnten Zitates noch eingefallen ist: Gab es damals Bedingungen / Mindestkönnen für die Eröffnung einer Jûdô- / Jû-jutsu-Schule? Dann hätten wir auch einen technischen Mindeststandart der damaligen Schwarzgurte.
Gute Frage, aber so etwas gibt es noch nicht einmal heute. Mindeststandards würden nur dann etwas nützen, wenn man die Einhaltung auch kontrollieren könnte. Dazu bräuchte man aber wiederum ein staatliches oder zumindest staatlich legitmiertes System, weil es schließlich um die Eröffnung eines Geschäfts geht. Das Einfordern von Mindestqualifikationen wäre ja ein Eingriff in die Gewerbefreiheit - und dazu bräuchte es eine Rechtsgrundlage, die wiederum wegen der Nachprüfbarkeit auf einem formalen System beruhen müsste. Da es aber kein derartiges System gab, konnte es auch keine Beschränkungen geben. Die Katze beißt sich also in den berühmten Schwanz.
Zuletzt geändert von tutor! am 11.07.2009, 00:06, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Judoanfänge in Deutschland

Beitrag von tutor! »

Weil es so schön passt: ein Blick nach Österreich:
http://www.vereinsmeier.at/7400/Judoklu ... =132553031

Interessant: eine Dan-Verleihung und die Bedingungen kurz nach dem Krieg!
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Re: Judoanfänge in Deutschland

Beitrag von Lin Chung »

Hallo Tutor
guter Tip
Es war diese Schule, in der 1933 der Begründer des Judo, Prof. Jigoro Kano bei seinem Aufenthalt in der Bundeshauptstadt mit seinen beiden Assistenten M. Takasaki und Sumiyuki Kotani , eine eindrucksvolle Vorführung seiner Sportart bot. Prof. Kano demonstrierte auch bei der Wiener Polizei in der Marokkaner-Kaserne seine Methode der Körpererziehung. Anschließend fuhr Prof. Kano von Wien nach München, wo er ebenfalls sein Judo vorführte. Ing. Ottokar Klimek besuchte auch diesen Lehrgang und erhielt, in Anerkennung seines technischen Könnens auf Anhieb den 2. Dan verliehen. Er war somit der erste Dan-Träger in Österreich
Deshalb ja auch meine Frage, ob man weiss, wer 1932 auf der ersten Judo-Sommerschule in Frankfurt graduiert wurde und mit welchem Grad.
Grüße
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Re: Judoanfänge in Deutschland

Beitrag von Lin Chung »

Hallo Reaktivator

du sprichst nicht zufällig von Dr. Shigeyoshi Matsumae?
Matsumae war schon 1933 während einer Studienreise in Deutschland und traf zur gleichen Zeit mit dem Judo-Begründer Jigoro Kano (siehe dort) in Berlin zusammen. Bei einer öffentlichen Judo-Demonstration war Matsumae (damals 5. Dan) der Partner von Jigoro Kano. Er promovierte 1925 an der Kaiserlichen Universität Tohoku. 1935 erfand er das "Long-Distance Non-Loaded Cable Carrier Communication System", welches wesentlich zu einem internationalen Kommunikationsaustauschnetzwerk beigetragen hat.
Quelle:http://www.oejv.com/modules.php?op=modl ... =&from=330
Zuletzt geändert von Lin Chung am 11.07.2009, 16:54, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Judoanfänge in Deutschland

Beitrag von tutor! »

Lin Chung hat geschrieben:Hallo Reaktivator
du sprichst nicht zufällig von Dr. Shigeyoshi Matsumae?l
Natürlich, deshalb ja auch meine Ergänzungen (http://www.dasjudoforum.de/forum/viewto ... 016#p46016)

@Kastow:
Ich muss noch etwas ergänzen zu Deiner Frage bezüglich Mindestvoraussetzungen zur Eröffnung einer Schule. Rein theoretisch hätte sie es doch geben können, denn Erich Rahn war - wie ich beim Aufräumen zufällig in einem seiner Bücher gefunden habe - ab 1923 (oder 1924 wie ich aus einer anderen Quelle im Kopf habe) Dozent an der Hochschule für Leibesübungen in Berlin und auch Fachgruppenleiter Jiu-Jitsu im Verband deutscher Turn-, Sport- und Gymnastiklehrer. Er nahm seinem Buch zu Folge Prüfungen für zukünftige Jiu-Jitsu Lehrer ab.

Was das nun konkret zu bedeuten hatte, kann ich nicht einordnen - ja noch nicht einmal von hier aus überprüfen. Dazu müsste man jetzt in eine sportwissenschaftliche Bibliothek gehen, wofür mir aber definitiv die Zeit fehlt.
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Re: Judoanfänge in Deutschland

Beitrag von Lin Chung »

Hallo Tutor

fand zufällig:
http://de.wikipedia.org/wiki/Tsutsumi_Hozan_ryu
Hozan Ryu (Tsutsumi Hozan Ryu) is a koryu sogo bujutsu or complete Japanese martial art.

...Tsutsumi Hozan Ryu also appears in Europe in the 1900’s. In Germany, Erich Rahn began teaching Tsutsumi Hozan Ryu Jujutsu to the Berlin Police in 1906.
http://www.page-five.de/TENSHU/kumi.htm
Das Shinsen Bujutsu Ryusoroku (1843) erwähnt eine Schule namens Tsutsumi Hozan Ryu. Sie wurde ca.1335 von Tsutsumi Yamashiro no Kami Hozan gegründet, und ist damit die vermutlich älteste Kumiuchi-ryu (Nahkampf-Schule) in der Geschichte Japans.
Grüße
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Re: Judoanfänge in Deutschland

Beitrag von yag »

Reaktivator hat geschrieben:Das freundliche Lächeln des jungen Mannes erinnert doch stark an jenen späteren weltbekannten Judo-Funktionär, der 1933-34 in Deutschland war - und ebenso wie der oben erwähnte andere Herr auch schon den 5. Dan des Kodokan hatte, als er nach Deutschland kam...
Den sagenumwobenen, unbekannten Hero kennen wir allerdings immer noch nicht :crybaby .
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Re: Judoanfänge in Deutschland

Beitrag von Lin Chung »

Hallo Yag schau nochmal oben, habe den 5.Dan fett ausgedruckt.

Wer nach einem Tsutsumi Hozan-ryu jujutsu Dojo sucht, es gibt nicht viele:

http://www.indianoceandojo.com/historyj.htm

auch Jan de Jong unterrichtet das Jujutsu in Australien.
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Re: Judoanfänge in Deutschland

Beitrag von yag »

Als Beispiel sei nur einmal jener hochrangige Japaner* (später 9. Dan !) erwähnt, der von April 1926 bis März 1928 zwei Jahre lang in Berlin lebte und zu dem Zeitpunkt bereits den 5. Dan des Kodokan besaß.
(Nur um das besser einordnen zu können: Als Kawaishi viele Jahre später, im Oktober 1935, nach Frankreich kam, hatte er den 3. Dan.)

Deutsche, die in den 1920er und 1930er Jahren bei und mit Japanern trainierten, gab es also so einige....
Dr. Shigeyoshi Matsumae:
War in den 1920er Jahren in Deutschland? Als Präsident der Tokai Universität?
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Re: Judoanfänge in Deutschland

Beitrag von Lin Chung »

Hallo Yag
habe das missverstanden. Alles klar. :D
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Re: Judoanfänge in Deutschland

Beitrag von kastow »

tutor!, Verfasst: 11.07.2009, 15:15 hat geschrieben:@Kastow:
Ich muss noch etwas ergänzen zu Deiner Frage bezüglich Mindestvoraussetzungen zur Eröffnung einer Schule. Rein theoretisch hätte sie es doch geben können, denn Erich Rahn war - wie ich beim Aufräumen zufällig in einem seiner Bücher gefunden habe - ab 1923 (oder 1924 wie ich aus einer anderen Quelle im Kopf habe) Dozent an der Hochschule für Leibesübungen in Berlin und auch Fachgruppenleiter Jiu-Jitsu im Verband deutscher Turn-, Sport- und Gymnastiklehrer. Er nahm seinem Buch zu Folge Prüfungen für zukünftige Jiu-Jitsu Lehrer ab.

Was das nun konkret zu bedeuten hatte, kann ich nicht einordnen - ja noch nicht einmal von hier aus überprüfen. Dazu müsste man jetzt in eine sportwissenschaftliche Bibliothek gehen, wofür mir aber definitiv die Zeit fehlt.
Ich werde mal sehen, ob ich diesbzgl. recherchieren könnte. Teile mir dazu doch bitte den Titel des von dir erwähnten Buches mit.

Die Idee kam mir übrigens, da mir vor einiger Zeit ein guter Bekannter erzählte, dass in Frankreich wohl mindestens ein A-Trainer Mitglied im Verein / der Abteilung sein muss, damit der Verein / die Abteilung Mitglied im Französischen Jûdô-Verband sein darf.
Herzliche Grüße,

kastow

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Re: Judoanfänge in Deutschland

Beitrag von tutor! »

yag hat geschrieben:Dr. Shigeyoshi Matsumae:
War in den 1920er Jahren in Deutschland? Als Präsident der Tokai Universität?
Unsinn, das war jemand anders, da aber ein wissenschaftliches Projekt darüber in Arbeit ist, wird der Name nicht genannt. Reaktivator hat das ja deutlich gemacht und ich halte mich auch zurück - jedenfalls mache ich niemandem eine Forschungsarbeit kaputt, indem ich irgendwelche Details in die Welt posaune, zumal mir auch wichtige Detailkenntnisse fehlen. Es ist allemal seriöser auf wissenschaftlich fundierte Ergebnisse zu warten, als hier selbst einige Brocken hin zu werfen. Das Internet ist voll von falsch abgeschriebenem, von wilden Spekulationen und Selbstbeweihräucherungen.

Zu Rahn: man sagt, er hätte Tsutsumi Hozan-ryu unterrichet, weil man sagt K. Higashi käme aus dieser Schule und Rahn sagt, er hätte Jiu Jitsu von Higashi gelernt. Rahn hat aber nie selbst gesagt, (zumindest nach meinem Wissen nicht) er würde Tsutsumi Hozan-ryu lehren.
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Re: Judoanfänge in Deutschland

Beitrag von Lin Chung »

Rahn hat aber nie selbst gesagt, (zumindest nach meinem Wissen nicht) er würde Tsutsumi Hozan-ryu lehren
...ist klar, wie sollte er auch, damals war man ja noch nicht soweit, dass man das irgendeiner Ryu zuordnen konnte.
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Re: Judoanfänge in Deutschland

Beitrag von tutor! »

Lin Chung hat geschrieben:
Rahn hat aber nie selbst gesagt, (zumindest nach meinem Wissen nicht) er würde Tsutsumi Hozan-ryu lehren
...ist klar, wie sollte er auch, damals war man ja noch nicht soweit, dass man das irgendeiner Ryu zuordnen konnte.
Aber warum sollte man das tun, wenn Rahn es selbst nie getan hat? Rahn hat - soweit ich weiß - nie den Anspruch erhoben, in einer Traditionslinie irgendeiner Ryu der Koryu zu stehen oder Kodokan Judo zu machen.

Es ist natürlich leicht ihm erst einen Stil unterzujubeln und dann nachzuweisen, dass er diesen gar nicht legitim vertreten konnte. Aber das trifft ihn nicht wirklich - er machte schlicht sein eigenes Ding und verbreitete dieses. Reaktivator hat ja schon oben geschrieben, dass Matsumae (oder war es der andere?) in seinem Bericht über den Deutschlandaufenthalt betont hat, dass das damalige in Deutschland betriebene "Jiu Jitsu" nicht dem japanischen Judo entsprechen würde.
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Re: Judoanfänge in Deutschland

Beitrag von kastow »

Auch Rahns Schüler unterschieden bewusst zwischen deutschem Jiu-jitsu, japanischem Jiu-jitsu und Jûdô:
A. Gluckner, Jiu-Jitsu Judo, Selbstverteidigung ohne Waffen, S. 7, 1951 hat geschrieben:Man muß schon die Art der Selbstverteidigung, wie sie sich in Deutschland zu einem System wirksamer Griffe - also einer technischen Angelegenheit - entwickelt hat, von der japanischen Auffassung trennen, die Jiu-Jitsu als einen Teil des Judo ansieht und auch nach diesen Grundsätzen lehrt. Den Unterschied erkennen wir am Besten duch Vergleich [...] nach deutscher Art [...] Mithin Kraft gegen Kraft. Nach japanischer Art (Jiu-jitsu) [...] Nachgeben, gegnerische Kraft verwenden, Kräfteausgleich und Kräfteersparnis (Siegen durch momentanes Nachgeben).
Bodo Kressel, Jiu-jitsu, Ein Lehrgang zum Selbstunterricht, S. 13, 1962 hat geschrieben:Unbestritten aber ist es das Verdienst des deutschen Jiu-Jitsu-Altmeisters Erich Rahn, Jiu-Jitsu in Deutschland eingeführt und populär gemacht zu haben.
Rahn hat es verstanden, Jiu-Jitsu der Mentalität seines Landes, unter Verzicht auf asiatische Auffassungen und Riten, anzupassen.
Edit: Jahreszahlen der Buchveröffentlichung korrigiert
Herzliche Grüße,

kastow

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Re: Judoanfänge in Deutschland

Beitrag von Lin Chung »

Es ist natürlich leicht ihm erst einen Stil unterzujubeln und dann nachzuweisen, dass er diesen gar nicht legitim vertreten konnte. Aber das trifft ihn nicht wirklich - er machte schlicht sein eigenes Ding und verbreitete dieses. Reaktivator hat ja schon oben geschrieben, dass Matsumae (oder war es der andere?) in seinem Bericht über den Deutschlandaufenthalt betont hat, dass das damalige in Deutschland betriebene "Jiu Jitsu" nicht dem japanischen Judo entsprechen würde.
...endlich mal ein klares Wort. Bisher war meine Auffassung auch in dieser Richtung.
Zuletzt geändert von Lin Chung am 13.07.2009, 19:27, insgesamt 2-mal geändert.
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