DJB- Maßnahmen zur Basisstärkung?

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tutor!
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Re: DJB- Maßnahmen zur Basisstärkung?

Beitrag von tutor! »

Die nachfolgenden Beiträge habe ich in einen separaten Faden verlagert, da es sich um das spezielle Thema "Wer kann die Judo-Atemi unterrichten handelt. Bitte hier lang --> http://www.dasjudoforum.de/forum/viewto ... =21&t=5133

In diesem Faden bitte beim Thema "Maßnahmen zur Bais-Stärkung" bleiben.
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Michael Geiger
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Re: DJB- Maßnahmen zur Basisstärkung?

Beitrag von Michael Geiger »

Hallo Califax,

ich muss Dir aus meiner eigenen Erfahrung in einigen Dingen widersprechen.
Zunächst einmal: Die Leute, um die es geht, stammen natürlich aus der Gesamtmenge der Kampfkunstinteressierten. Gewaltablehnende Ringelpietzer kriegt man sowieso nicht eingebunden.
Judo muß also in erster Linie in Konkurrenz und Koexistenz mit allen anderen Kampfkünsten, Kampfsportarten und Nahkampfsystemen gesehen werden, nicht in Konkurrenz zu Tischtennis und Gesundheitsgymnastik. Es mag eine große Schnittmenge in der Kundschaft geben, das jeweilige Interesse hinter einer Beitrittsentscheidung ist aber ein völlig anderes.

Es ist also unnütz, Vergleiche mit Pilates und Handball anzustellen.
Zumindest bei uns - ein kleiner Verein auf dem flachen Land - heißt die größte Konkurrenz Fußball und Handball und nicht zuletzt natürlich die Playstation. Mit denen konkurrieren wir nicht nur bei den ganz Kleinen, sondern auch bei den Teenies. Das merken wir bei jeder Fußball-WM, das tut uns richtig weh. Dort sind die ganzen Freunde, die Mädels stehen schmachtend am Spielfeldrand und ab der Jugend fließt da bei den guten Spielern auch Geld. Außerdem gibt es da auch Idole, denn mal ehrlich, die heißen genausowenig Bas Rutten oder Gracie wie Ole Bischoff, sondern Ballack und Özil.
Natürlich haben wir auch Konkurrenz von anderen KK, vereinsintern Karate und ein TKD-Verein. Das macht uns inzwischen aber weniger Probleme, die meisten, die zu denen abgewandert sind, sind da auch nicht mehr dabei. Auch bei denen muss man sich quälen, wenn man was lernen will. ;) Außerdem hat vor kurzem einer unserer kleinen Judoka auf dem Schulhof einen 1.Dan-TKD vernascht... :D
Wenn Judo überleben will, muss es in der Breite bleiben (bzw. wieder zurückkommen), die Halbstarken alleine reichen da nicht aus. Die sind da eher schädlich, wenn ich mir die Mitgliederstruktur bei den einschlägigen Vereinen so ansehe, die will ich bei mir gar nicht, die würden mir nur die "normalen" Mitglieder vertreiben. Wir hatten mit solchen Jungs schon genug Probleme....

Nur bei den Erwachsenen haben wir mit dem Fußball keine Probleme. Während wir alten Judoka noch jede Woche trainieren, leiten die Fußballveteranen höchstens noch ein Kindertraining, stehen mit ihren künstlichen Kniegelenken beim jährlichen Fußballfest am Grill oder sitzen mit Bier, Chips und dicker Wampe vorm TV und schauen Sportschau. ;)
Ich sehe das ähnlich: Judo hat soo viele Facetten- Judo als Wettkampfsport, Judo als Lifetimesport, Judo- SV, Judo als Erziehungsweg, Judo als Fun- Sport bzw. Raufsport (vor Allem im Kinderbereich)- und die gilt es unter einen Hut bzw. unter ein Dach zu bringen.
Da spricht mir Kumamoto aus dem Herzen. Nicht zuletzt, weil Judo für mich in den letzen 35 Jahren das alles schonmal gewesen ist und diese Vielseitigkeit das ist, was mich an Judo immer noch fasziniert und begeistert. Ich habe mit Judo begonnen, um mich auf dem Schulhof wehren zu können, wurde Wettkämpfer, Breitensportler, Gruppenleiter und ziehe inzwischen auch regelmäßig Faustschützer im Training an. Das ist auch genau das, was ich Eltern erzähle, die auf der Suche nach der richtigen Sportart für ihre Kinder wissen wollen, was beim Judo besser ist als bei anderen Sportarten: Judo kann einen das ganze Leben begleiten, immer neues bieten und man lernt nie aus.

Dafür darf man sich natürlich nicht auf die pure Wettkämpferei beschränken, sondern auch alle Facetten anbieten. Und hier sehe ich auch das Problem beim DJB, seiner Struktur und seiner Mitgliedschaft im DOSB, das geht dann halt in Richtung Wettkampf, auch aus finanziellen Gründen. Beim Breitensport kommt es sehr auf den LV an. Bei uns habe ich z.B. schon vor 20 Jahren das erste Mal auf einem Lehrgang ein Randori mit Atemi gemacht, woanders gibt es das bis heute nicht.
califax
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Re: DJB- Maßnahmen zur Basisstärkung?

Beitrag von califax »

Michael Geiger hat geschrieben:
Zunächst einmal: Die Leute, um die es geht, stammen natürlich aus der Gesamtmenge der Kampfkunstinteressierten. Gewaltablehnende Ringelpietzer kriegt man sowieso nicht eingebunden.
Judo muß also in erster Linie in Konkurrenz und Koexistenz mit allen anderen Kampfkünsten, Kampfsportarten und Nahkampfsystemen gesehen werden, nicht in Konkurrenz zu Tischtennis und Gesundheitsgymnastik. Es mag eine große Schnittmenge in der Kundschaft geben, das jeweilige Interesse hinter einer Beitrittsentscheidung ist aber ein völlig anderes.

Es ist also unnütz, Vergleiche mit Pilates und Handball anzustellen.
Zumindest bei uns - ein kleiner Verein auf dem flachen Land - heißt die größte Konkurrenz Fußball und Handball und nicht zuletzt natürlich die Playstation.
Was heißt das? Wenn bei Euch jemand lernen will, wie man sich auf dem Schulhof wehrt, raten ihm die Freunde also, zum Fußball zu gehen? Bist Du Dir da sicher? :)
Wer an stärker an Fußball als an KS interessiert ist, geht sowieso dahin. Es gibt nichts, was eine Kampfsportart dagegen ins Feld führen könnte. Das meinte ich mit dem zitierten Absatz über das Interesse.
Michael Geiger hat geschrieben: Wenn Judo überleben will, muss es in der Breite bleiben (bzw. wieder zurückkommen), die Halbstarken alleine reichen da nicht aus. Die sind da eher schädlich, wenn ich mir die Mitgliederstruktur bei den einschlägigen Vereinen so ansehe, die will ich bei mir gar nicht, die würden mir nur die "normalen" Mitglieder vertreiben. Wir hatten mit solchen Jungs schon genug Probleme....
Verwechselst Du vielleicht Halbstarke mit Krawallbrüdern? Ich bin im BBT-Dojo von Halbstarken umzingelt. Die MT-Gyms sind voll davon. Alle brav wie die Lämmer. Idioten halten sowieso keine drei Monate durch.

Daß ihr Atemi macht, finde ich toll. Bei uns gehen die Judointeressierten dafür zum MT-Gym. Und bleiben dann da.
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Michael Geiger
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Re: DJB- Maßnahmen zur Basisstärkung?

Beitrag von Michael Geiger »

Was heißt das? Wenn bei Euch jemand lernen will, wie man sich auf dem Schulhof wehrt, raten ihm die Freunde also, zum Fußball zu gehen?
Nein, natürlich nicht. Die fangen vielleicht deshalb mit Judo an, oder weil sie von ihren Eltern geschickt werden, die auch mal Judo gemacht haben, oder der Arzt es empfohlen hat, oder es dem Freund Spaß macht u.s.w.....
Aber das Leben besteht ja nicht nur aus den Rangordnungskämpfen auf dem Schulhof. Und Geld, Ruhm, Frauen und eine Mannschaft, der man die Schuld geben kann, wenn man verloren hat, gibt's halt bei der Konkurrenz. ;)
Wer an stärker an Fußball als an KS interessiert ist, geht sowieso dahin
Aber wir können doch beeinflussen, wie sehr sich jemand für unser Judo interessiert, oder? Es ist natürlich schwer, da gegen die großen Fernsehsportarten anzukämpfen. Aber wenn man zeigt, was einem ein KS alles so zu bieten hat und wieviele Freude man selbst daran hat, kann man schon einiges bewirken. Natürlich darf man sich da nicht nur auf einen Teilbereich wie z.B. den Wettkampf beschränken, sonst ist man ja auch nicht besser als die Fußballer. ;)
tutor!
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Re: DJB- Maßnahmen zur Basisstärkung?

Beitrag von tutor! »

Den Satz kann man gar nicht groß genug schreiben:
Michael Geiger hat geschrieben:Natürlich darf man sich da nicht nur auf einen Teilbereich wie z.B. den Wettkampf beschränken, sonst ist man ja auch nicht besser als die Fußballer. ;)
Die große Stärke von Judo ist die Vielfalt:
  • Vielfalt der Techniken und Bewegungsmöglichkeiten
  • Vielfalt der persönlichen Zielsetzungen
  • Vielfalt, die einen Wandel der persönlichen Schwerpunkte im Laufe eines Lebens mitmacht.
Jede Einseitigkeit - egal in welche Richtung - nimmt dem Judo seinen größten Trumpf.
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Re: DJB- Maßnahmen zur Basisstärkung?

Beitrag von katana »

Wenn wir uns nur noch auf den Wettkampf beschränken sind wir nicht besser als die Fußballer !
Ji Ta Kio Ei :)
califax
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Re: DJB- Maßnahmen zur Basisstärkung?

Beitrag von califax »

Michael Geiger hat geschrieben:
Wer an stärker an Fußball als an KS interessiert ist, geht sowieso dahin
Aber wir können doch beeinflussen, wie sehr sich jemand für unser Judo interessiert, oder? Es ist natürlich schwer, da gegen die großen Fernsehsportarten anzukämpfen. Aber wenn man zeigt, was einem ein KS alles so zu bieten hat und wieviele Freude man selbst daran hat, kann man schon einiges bewirken. Natürlich darf man sich da nicht nur auf einen Teilbereich wie z.B. den Wettkampf beschränken, sonst ist man ja auch nicht besser als die Fußballer. ;)
Das ist genau der Punkt. Meinem Eindruck nach sind die Teenager, die über eine Kampfsportart nachdenken (und die auch bereit wären, länger als drei Wochen Schweiß und Freizeit fürs Training aufzubringen, eher an Sachen interessiert, bei denen sie innerhalb einer gewissen gut überschaubaren Zeitspanne einen deutlichen Zuwachs an Wehrfähigkeit vermuten.
Und dafür braucht man eben ordentliche Atemi.

Und eine zweite Gruppe von eher erwachsenen Interessierten sucht eben ein Gesamtpaket mit Tradition und Hintergrund, Gesundheitspflege, asiatischem Touch.

Und das lustige ist, daß sich beide Gruppen ergänzen. Die einen wollen die Praxis, die anderen die Theorie. Ohne das eine kann man das andere nicht voll ausschöpfen.

Beide Gruppen überschneiden und mischen sich natürlich miteinander und mit der Gruppe der Fußballfans, etc..

Aber: Das Interesse, wegen dem man zum Fußball geht, ist doch ein ganz anderes, als jenes, wegen dem man zum Kampfsport geht. Judo ist einfach ein echt besch...eidenes Fußballtraining. :D
(Obwohl es im Fußball auch manchmal tolle Würfe zu sehen gibt, aber das ist ein anderes Thema.)
Hier konkurrieren zu wollen, ist ein bißchen als ob man Kinobesucher von der Kasse weg in eine Skulpturenausstellung locken wollte. Möglicherweise sind ja viele der Besucher generell an Bildhauerei interessiert. Nur eben nicht dann, wenn sie gerade ins Kino wollen.
Das sind nunmal unterschiedliche Interessen.

Was ich an diesem Thread jetzt etwas seltsam finde: Es ging doch ursprünglich um ein gravierendes Problem und die Frage, wie man es lösen könnte.
Inzwischen geht es zunehmend darum, daß man sich gegenseitig auf die Schulter klopft und einen Konsens darin findet, den Wert von Vielseitigkeit zu betonen.
Vor meinem geistigen Auge sehe ich da ein paar Landschaftsgestalter, die vor das Problem einer allgemeinen Bodendürre gestellt, die Lösungssuche mit dem eifrig benickten Einverständnis beenden, wo es Binsen gäbe, gäbe es auch Wasser.

Das Problem ist ja nun gerade, daß diese so tolle Vielseitigkeit im Judo nicht mehr da ist!
In der Breite ist doch Judo nur noch für kleine Kinder und Wettkampfsportler interessant.
Und letztere verärgert man gerade mit unsinnigen Regularien.
Wenn man sich da weiter auf die Schultern klopft, bestätigt, man sei auf einem guten Weg, und Lippenbekenntnisse zur Vielseitigkeit abgibt, endet Judo als reine Kinderbespaßung.
Wo ist denn da bitte die beschworene Vielseitigkeit in der Breite?
Judo ist doch heute nur noch Gürtelpauken und Jackenzerren. Und letzteres wird immer monotoner und eingeschränkter.

Und wenn man wissen will, warum sich so viele für eine andere Kampfkunst entscheiden und dafür mehrmals die Woche Landstraßenkilometer schruppen, statt vor Ort zum Judo zu gehen - dann sollte man mal diese Leute fragen, warum Judo für sie nicht in Frage kommt.
Da kriegt man aber in einer Umgebung, in der massiver ideologischer Druck in Richtung Gewaltablehnung und Pazifismus aufgebaut wird, keine ehrlichen Antworten.
Sprich: Die Schule ist schonmal kein guter Ort für Umfragen. Jeder Ort, an dem sich Pädagogen aufhalten, ist für ehrliche Antworten ungeeignet.
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Re: DJB- Maßnahmen zur Basisstärkung?

Beitrag von tom herold »

Califax,
ich bin heilfroh, daß nicht nur ich diese Dinge immer wieder ausspreche.
Nur ... du hast doch die Beiträge hier gelesen.
Kommt es dir dabei so vor, als ob es wirklich um Veränderungen geht?
Ich habe (als NICHT-DJB-Mitglied bzw. als Nichtmitglied eines der LV) den Eindruck, daß hier zwar der eine oder andere "Dampf abläßt", daß aber dann dieser oder jener (Funktionär?) routiniert zur Beschwichtigung schreitet ... damit alles so bleiben kann, wie es ist.

Geradezu lächerlich finde ich, daß gesagt wurde, es gebe "viele gute Ansätze", aber die würden "in der Breite nicht so zur Wirkung kommen".

Wenn das tatsächlich so wäre, dann müßte sich diese Debatte doch nur noch darum drehen, wie man als Verein XY diese vielen, vielen guten Ansätze nun auch umsetzen könnte.
Ich mag mich irren, aber ich sehe nur, daß das "Modell Sundsvall" (was an SV interessierte nicht sehr anziehend finden werden) hochgelobt wird, ich sehe die alberne und lächerliche Aktion "zertifizierter SV-Lehrer des DJB", die an Peinlichkeit kaum zu überbieten ist, ich sehe die Erfindung einer neuen Lizenz, ich sehe permanente und schlecht begründete regeländerungen im Wettkampf (die auf das "normale" Training durchschlagen werden), ich sehe den Verlust der Bodenkampffähigkeiten ...

Und dennoch wird hier immer wieder betont, daß man ja prinzipiell alles richtig machen würde oder aber demnächst schon noch dazu käme, alles richtig zu machen.

Gut, es geht mich wenig bis nichts an, was da abläuft.
Aber bisher erkenne ich nichts, was am Zustand des DJB und seiner LV irgend etwas ändern könnte.
Und die Leute werden ihnen weiterhin weglaufen ...

Das stört mich eigentlich nicht - aber für das Jûdô in Deutschland ist es insgesamt nicht gut, wenn der "einzige offizielle Verband" die Karre noch weiter in den Dreck fährt und das Image des Jûdô weiter nachhaltig beschädigt.
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Fritz
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Re: DJB- Maßnahmen zur Basisstärkung?

Beitrag von Fritz »

tom herold hat geschrieben:Ich mag mich irren, aber ich sehe nur, daß das "Modell Sundsvall" (was an SV interessierte nicht sehr anziehend finden werden) hochgelobt wird,
Hmm, ich bin mir da nicht so sicher,
ob nicht gerade in diesem Modell - sprich innerhalb eines Vereins verschiedene Ausrichtungen
des Judotrainings anzubieten - nicht doch genau die Chance liegt, so langsam und allmählich
die vernachlässigten Inhalte des Judo anzubieten...
Gut, die Gruppen würden dann nicht nur "Fun", "Technik" oder "Wettkampf" heißen, sondern vielleicht noch
"Ohne Jacke", "Straße", "Nahkampf" usw... ;-)
Mit freundlichem Gruß

Fritz
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Re: DJB- Maßnahmen zur Basisstärkung?

Beitrag von tom herold »

Gut, die Gruppen würden dann nicht nur "Fun", "Technik" oder "Wettkampf" heißen, sondern vielleicht noch "Ohne Jacke", "Straße", "Nahkampf" usw...
Glaubst du das wirklich?
Ich nicht.

Denn WER sollte diese Inhalte denn anbieten und vermitteln ...?
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kastow
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Re: DJB- Maßnahmen zur Basisstärkung?

Beitrag von kastow »

Z.B. Mario Staller, der kommt auch bei der Sommerschule sehr gut an. Er wäre einer derjenigen, die neben der Praxis auch die nötige Akzeptanz im DJB hätten, Multiplikatoren auszubilden.
Herzliche Grüße,

kastow

Since the establishment of Kôdôkan jûdô, jûdô has become something that should be studied not only as a method of self-defence but also as a way of training the body and cultivating the mind. (Jigorô Kanô: MIND OVER MUSCLE)
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Re: DJB- Maßnahmen zur Basisstärkung?

Beitrag von Kumamoto »

@ Fritz: Ich stimme Dir voll und ganz zu! "Sundsvall" ist eine sehr offene und vor allem bedarfs- bzw. anfrageorientierte Organisationsform: wenn ein Bedarf der Mitglieder nach Atemi, ohne Gi, Streetfighting oder xyz besteht, wird man versuchen, diesen Bedarf zu decken.
Natürlich ist immer die Frage, wer so firm in der Materie ist, dass er es unterrichten kann. Ich denke, dass eine "reine Judo-Atemi" wegen ihrer Komplexität und der Begrenztheit an Quellen (im "Kodokan Judo" wird die Atemi nur auf 3 oder 4 Seiten kurz beschrieben!) auf Dauer nicht überlebensfähig ist, sie muss in den Kontext "JudoSelbstverteidigung" eingebettet werden - sie kann Teil dieser Ausrichtung sein, aber nicht alleiniger Inhalt, mögliche weitere Gebiete wären BJJ, (DJJV-) Ju Jutsu u.ä.
Aufgabe eines Verbandes wäre meiner Meinung nach Kontakte herzustellen, Informationen zusammenzutragen und disziplinübergreifende Lehrgänge zu organisieren (z.B. Wie wehre ich einen Angriff mit ... in Judo, Ju Jutsu, xyz ab). Nur weil Selbstverteidigung draufsteht, muss nicht kein Judo drinsein!
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Fritz
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Re: DJB- Maßnahmen zur Basisstärkung?

Beitrag von Fritz »

tom herold hat geschrieben: Glaubst du das wirklich?
Ich nicht.

Denn WER sollte diese Inhalte denn anbieten und vermitteln ...?
Tja das ist ne gute Frage... Kommen doch schon einige Leute zu Deinen Lehrgängen ;-)

Vielleicht gibt es außer Frank auch noch weitere Leute, die noch "echtes Judo" (vielleicht nun
nicht unbedingt von Hirano) gelernt haben?

Und da wir hier vom DJB-Umfeld reden, der nicht unbedingt ein Vorreiter für traditionelles Judo ist:
Sich ein paar Anregungen vom Ringen, Sambo, BJJ zu holen, um halbwegs brauchbar
Inhalte für z.B. "Ohne Gi" zu vermitteln und ein paar Leute aus der Praxis bzgl. "Nahkampf" anzuzapfen oder
im Judo-Magazin ein paar Judoka die unter K1/MMA/BJJ/sonst was-Regelsätzen halbwegs erfolgreich sich
behaupten konnten (also wie beim Aufkommen des Amateur-Sumos, wo immer stolz über dort erfolgreiche
Judoka wie Sandra Köppen u.a. berichtet wurde) - das ist doch sicherlich machbar und würde in die
von califax befürwortete Richtung gehen...

Unter dem Dach einiger Judo-Landesverbände stecken gelegentlich sogar Kendo-Vereine, warum
nicht davon ein paar Grundlagen in die Judo-ÜL-Aus-/Weiterbildung mit hineinbringen?
Mit freundlichem Gruß

Fritz
califax
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Re: DJB- Maßnahmen zur Basisstärkung?

Beitrag von califax »

Kurz gesagt: Für die Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes wäre es schon mal eine mögliche Aufgabe, dafür zu sorgen, daß das Image des Judo etwas weniger von davon und viel stärker davon bestimmt wird.

Fragt sich, wie die Vereine vor Ort so ein Versprechen dann erfüllen sollen.
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Re: DJB- Maßnahmen zur Basisstärkung?

Beitrag von Michael Geiger »

Hier in Baden hätten wir Martin Gerstner, der SV-Lehrgänge anbietet. Ich gehe zwar davon aus, dass das, was er zeigt, nicht die originalen Judo-Atemi sind (ich kann das leider nicht beurteilen), aber was er zeigt, beruht zumindest alles auf erfolgreicher praktischer Erfahrung.

Ich glaube aber nicht, dass SV und Atemis im Judo die alleinseligmachende Lösung für die ganzen Probleme an der Basis sind, weil das weder was für jeden Judoka noch für jeden Verein etwas ist. Wenn ich mir die überlebenden Judovereine in meiner Umgebung anschaue, sieht das ganz unterschiedlich aus. Da ist in der nächsten Kreisstadt der gewerblich betriebene Bundesligaverein. Der muss sich möglichst viele Wettkämpfer ziehen, damit er nicht die ganze Mannschaft aus Kasachstan einfliegen lassen muss. Wenn sich von den "normalen" Vereinsmitgliedern jemand für's Schlagen interessiert, bleibt er nach dem Judo einfach noch eine Stunde länger und macht bei der JJ-, TKD- oder Kickboxgruppe mit. Für die ist SV keine Lösung, die brauchen Wettkampferfolge als Werbung. Wir selbst sind ein reiner Breitensportverein. Wir versuchen uns im Seniorenbereich zwar seit einiger Zeit mit großem Spaß am Thema SV, bei unserer Jugend passt das aber weniger. Einigen ist das zu hart, anderen gefällt Judo auch gerade deshalb, weil man da ohne Schlagen und Treten auf der Matte raufen kann. Drei Dörfer weiter südlich ist ein Verein, die schon seit längerer Zeit auch im Jugendbereich die Faustschützer anziehen. Am Erfolgreichsten sind die aber auf einem ganz anderen Gebiet, nämlich mit einer Gruppe geistig Behinderter. Ich habe noch nie eine Judogruppe gesehen, bei der die Schüler mit soviel Freude und Begeisterung trainiert haben und wo vor allem die Schüler so viel für ihre persönlich Entwicklung mitgenommen haben.
Die Universalpatentlösung für die Basis gibt es also offensichtlich nicht. :dontknow
Aber vielleicht ist beim DJB der Leidensdruck inzwischen doch groß genug geworden, dass er von seiner Wettkampfzentriertheit wegkommt und man sich wieder der ganzen Breite des Judo zuwenden will.
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Re: DJB- Maßnahmen zur Basisstärkung?

Beitrag von judoka50 »

@Fritz
nter dem Dach einiger Judo-Landesverbände stecken gelegentlich sogar Kendo-Vereine, warum
nicht davon ein paar Grundlagen in die Judo-ÜL-Aus-/Weiterbildung mit hineinbringen?
Dafür gibt es in NRW vom Dachverband für Budo Techniken http://www.budo-nrw.de/

eine gesonderte ÜL - C Ausbildung Budo:

http://www.budo-nrw.de/ausbildung/ausbildung.htm
Viele Grüße
U d o
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Fritz
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Re: DJB- Maßnahmen zur Basisstärkung?

Beitrag von Fritz »

@Judoka50: Gesonderte ÜL-Ausbildung ist Murks. Das muß einfach in die reguläre Judo-ÜL-Ausbildung mit rein.
Mit freundlichem Gruß

Fritz
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Re: DJB- Maßnahmen zur Basisstärkung?

Beitrag von Trini »

Ich glaube, ganz viel von dem, was Ihr schreibt, sind absolute Luxusprobleme in Großstädten.

Hier, in der eher dörflichen Kleinstadt in der Pampa schaut man i.d.R. nicht nach anderen Kampfkünsten, sondern nach anderen Sportarten im gleichen Verein (oder doch im gleichen Ort).

Die Kinder und Jugendlichen, die ich als aufmerksame Mutter in den Jahren gehen sah, haben sich nie (doch, eine Familie kenne ich) anderen Kampfkünsten zugewandt, sondern sind zum Fußball oder Handball gewechselt.

Dass 7 km von uns entfernt (hinter dem Klosterforst) ein "ganz anderes" (besseres?) Judo gelehrt wird, habe ich hier im Forum gelernt. Das ist es also NICHT, was den DJB die Mitglieder kostet.

Wenn hier jemand mit dem Judo aufhört, geht es nicht um Inhalte, sondern um Zeitmangel, Unlust am Judo und eventuell auch einmal persönliche Diskrepanzen mit dem Trainerteam. Aber, in den wenigsten Sportarten im Verein kann man so frei entscheiden, wie intensiv man den Sport betreibt.

Trini
califax
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Re: DJB- Maßnahmen zur Basisstärkung?

Beitrag von califax »

Trini hat geschrieben:Ich glaube, ganz viel von dem, was Ihr schreibt, sind absolute Luxusprobleme in Großstädten.
Meine Erfahrungen stammen hier vom Dorf:

MT ist eine halbe bis dreiviertel Stunde Autofahrt entfernt.
WC über eine Stunde.
Karate (Shotokan) gibt's fast nebenan im Privatdojo und nochmal zusammen mit Aikido und Iaido eine Stunde entfernt.
Boxen dürfte etwa 2 Stunden weg sein.
BBT ist zweimal je eine halbe Stunde weit weg und einmal 'ne Stunde.
Kung Fu eine halbe Stunde.
Krav Maga eine halbe Stunde.
JJ-Vereine hüpfen sowieso überall rum.
Irgendwo in Reichweite der öffentlichen Verkehrsmittel gibt es auch noch Taekwondo und Capoeira.

Das sind die Geschichten, von denen ich ohne Recherche weiß.
Würd' ich mich kümmern, käme sicher noch einiges mehr auf die Liste.
So entsteht momentan gerade eine freie Budogruppe mit starkem Interesse an traditionellem Judo.
Achja, in der nächsten größeren Stadt gibt es sicherlich auch mindestens eine Koryu. Das müßte ich aber recherchieren.

Und die alle haben kein Problem damit, Nachwuchs zu kriegen. Alle rappelvoll. Und man trifft dauernd Leute, die früher mal Judo gemacht haben und jetzt mal was richtiges suchen.
Nur Judo stirbt.
Das muss einfach am Fußball liegen.
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(Kacem Zoughari.)
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Re: DJB- Maßnahmen zur Basisstärkung?

Beitrag von katana »

Man sollte hier natürlich zwei Dinge konkret voneinander trennen, um nicht
aneinander vorbeizudiskutieren:
- Judo als Kindersport, mit dem Elternziel die Kinder mit möglichst geringem Aufwand zu versorgen
- Judo als Zukunftsfähiger Breitensport, mit dem Vereinsziel, langfristig auch junge und ältere Erwachsene
zu binden.
Beides erfordert komplett andere Ansätze, wenn man nicht gar soweit geht, zu sagen...es widerspricht sich
in der Praxis zwangsläufig.
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