How to be a coach.

Hier geht es um die Trainingsgestaltung,-methodik,-formen.
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nur_wazaari
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Die Jugend von heute...

Beitrag von nur_wazaari »

...wird von den Altvorderen geformt (oder so ähnlich, vielleicht, zum Teil).

Was dem Nachwuchs (beileibe nicht nur der U23 Deutschlands) offenbar mitgegeben wird und auch zahlreiche Trainer am Rande vorleben:

- überhebliches Gehabe, insbesondere komplett übertriebene Siegerposen ->
- Reklamieren, reklamieren, reklamieren, gerne auch einfach auf der Matte campieren, falls die Entscheidung nicht ins eigene Bild passt ->
- komplett freilaufende Emotionen, gerne auch mit Verhöhnung des Gegners, der Verlust von Selbstkontrolle, unabhängig vom Ergebnis ->
- Ignorieren jeglicher Judoetikette -> kein Verbeugen, hier und da mal einen mitgeben, wenn die Karis es nicht sehen ->
- komplettes Ignorieren der Anweisungen der Kampfrichter und das aktive Fordern von Shidos oder Wertungen ->
- in die Ecken spucken, die Matten zerstampfen, abfällige Gesten, höhnisch in Richtung der Kampfrichter klatschen...to be continued... ->

= Manege frei - das ist das Motto. Lets have a great show...enjoy the greatest athletes, be part of biggest victories and upsets...

Gabs früher auch alles, weiß ich. Schon immer gabs das. Vielleicht ist das einfach so - aber muss das so sein? Eine rhetorische Frage, durch die Praxis unumstößlich beantwortet, für jeden zu beobachten.

:eusa_whistle
.
HBt.
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Re: How to be a coach.

Beitrag von HBt. »

So schlimm wie es heute ist, war es früher nun wirklich nicht - also damals, als ich noch frisch und jung war.
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nur_wazaari
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Beobachtungen, einfach geteilt

Beitrag von nur_wazaari »

Ich habe beim letzten Grand Slam mal darauf geachtet, was man so vom deutschen Trainerteam an Anweisungen während der Kämpfe hört. Auszugsweise und ohne Situation dazu:

"Hart bleiben"
"Da war nichts"
"Ey. EY!"
"Jetzt gehts darum, jetzt ist entscheidend"
"Sofort die zweite Hand setzen"
"Zerstören. Zerstören!"
"Konzentriert bleiben"
"Laufrichtung"
"Entgegen der Laufrichtung"
"Griff. Griff!"
"Fassart"
"Knechten"
"Nicht hinterherlaufen"
"Zotteln"
"Weiter, weiter"
"Stören, immer stören"
"Nochmal sammeln"
"Komm, mach mal die Wertung"
"Das mag er überhaupt nicht"
"Er kann nicht mehr"
"Tempo hochhalten"
"Er ist völlig fertig"
"Das gibts doch nicht"
"Der geht hunderprozentig"
"Den musst du"
"Mach was anderes"
"Komm hoch"
"Nicht hinterherlaufen"
"Du zuerst"
"Hände vor"
"Aufwachen"
"Hoch, hoch!"

[...]

Ich lasse das mal so stehen.
.
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Hofi
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Re: How to be a coach.

Beitrag von Hofi »

Ohne Situation und auch Kenntnis über das, was in den Taktikbesprechungen zwischen Coach und Kämpfer gesprochen wurde, ist diese Aufstellung in meinen Augen ziemlich wertlos.
Wer die Wahrheit sagt, braucht ein verdammt schnelles Pferd.

Heimat ist dort, wo man von der Dorfbevölkerung, die einen duzt, gelyncht wird.
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nur_wazaari
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Re: How to be a coach.

Beitrag von nur_wazaari »

Wir sind uns ziemlich einig, wenn auch möglicherweise aus verschiedenene Gründen. Ich verstehe einige andere (romanische) Sprachen einigermaßen uns konstatiere: das geht zielgerichteter, völlig egal, welche Situation nun vorliegt. Aber damit gräbt man tief, so tief, dass es für höchste Funktionen im DJB geradezu disqualifizierend wirken würde. Einstreu: Was machen andere hochqualifizierte deutsche Trainer aktuell, wo sind sie (im Ausland) angestellt, welche Erfolge dürfen sie begrüßen? Wie verdienen die im Vergleich? Konstantierung: Kein seriöser Vergleich möglich. Man bekommt, was man bezahlt. Zur Kenntnis: Kein Bashing, schlichte Feststellung.
Edit: Mein Hauptmarker ist nicht das gesprochene Wort, sondern der Augenkontakt.
.
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Fritz
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Re: How to be a coach.

Beitrag von Fritz »

Also einige der Ausrufe sehe ich jetzt nicht recht
im rhetorischen Rahmen der vom DJB ausgerufenen Judowerte ...
(Das kann sich natürlich in der konkreten Situation dann aber vielleicht doch anders bewerten lassen)

Andererseits habe ich im Kinderbereich wohl auch selbst den einen oder anderen ähnliche Zuruf
getätigt. In der Regel macht man es, wenn man merkt, daß der eigene Sportler eh nicht mehr in
der Lage ist, konkrete taktische Anweisungen schneller u. besser zu verstehen als sein Gegner,
man ihm aber das Gefühl vermitteln möchte, daß jemand für ihm am Mattenrand da ist ...

Allerdings bin ich etwas verwundert, wenn Trainer bei einem "Grand Slam" derartig anzuspornen versuchen,
es darf doch eh nur in den Unterbrechungen etwas zum Athleten gerufen werden, oder ist diese Regel
wieder weg?
Und viele der zitierten "Hinweise" sind doch allenfalls nur in "Echtzeit" nicht ganz sinnfrei ...
Mit freundlichem Gruß

Fritz
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Hofi
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Re: How to be a coach.

Beitrag von Hofi »

Hi!
Nehmen wir mal den Ausspruch "Mach was anderes".
Für sich genommen, eher sinnfrei. Nun stellen wir uns folgende Situation vor: Kämpfer wurde mit Gameplan eingestellt, Ziel war bestimmte Technik, der man hohe Erfolgschancen in der Analyse zugeschrieben hat. Jetzt ist die mehrfach nicht erfolgreich. Für diesen Fall hat mal eine bestimmte Ausweichtechnik vereinbart und hierfür den Code "Mach was anderes" vereinbart statt "Wechsel auf Technik xy". Sprich u.U. ist die Ansage "Mach was anderes" für den Kämpfer eine konkrete, zielgerichtete Ansage.
Ich will gar nicht behaupten, dass das tatsächlich so ist. Aber da es möglich ist, halte ich die Aufstellung für wenig aussagekräftig.
"Komm mach mal die Wertung" ist allerdings tatsächlich so eine Ansage, die ich als Kämpfer gehasst habe und es immer noch tun würde, wenn sie mir ein Coach reinruft. Nein ich geh natürlich rein in den Kampf um keine Wertung zu machen....
"Sofort die zweite Hand setzen": Kann Sinn machen, wenn eben für den Gameplan den starken Griff beider Hände beinhaltet und der Kämpfer das in der Kampfphase vor dem Mate vernachlässigt hat.
"Komm hoch" klingt für mich nach austesten, was der KR dem Coach durchgehen lässt, als Zuruf aus dem Bodenkampf rauszugehen. Nach den neuen Zeitspielregeln könnte es aber auch eine Erinnerung sein, schnell Position einzunehmen.
Sachen wie " Das gibts doch nicht" kann man gar nicht einordnen, wenn man nicht den Kampf dazu sieht. Ärger über eine vermeintliche Fehlentscheidung der KR, Gegner kann sich nach sehr starken Wurfansatz doch noch aus der Wertung rausretten, der eigene Kämpfer holt sich ein völlig sinnfreies Shido ab.... Ohne diese Info weiß man nicht, worin der Grund für diesen Frustausruf kommt

Insofern: Die Analyse, dass dieses Coaching nicht ausreichend zielführend ist, kann stimmen. Wird in einigen Fällen bezüglich der Ausrufe sogar stimmen. In anderen Fällen wird es das aber womöglich nicht. Da fehlt mir einfach die Datengrundlage, das zu beurteilen.
Wer die Wahrheit sagt, braucht ein verdammt schnelles Pferd.

Heimat ist dort, wo man von der Dorfbevölkerung, die einen duzt, gelyncht wird.
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