Effektivere und Teilnahmefreundlichere Wettkampforganisation

Hier geht es um die Wettkampforganisation und um Fragen zu den Wettkampfregeln
tutor!
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Re: Effektivere und Teilnahmefreundlichere Wettkampforganisation

Beitrag von tutor! »

Fritz hat geschrieben: Das ist eine ganz schlechte Idee. Warum? Weil es einen häßlichen Unfrieden
stiften wird. Gerade bei Jugendlichen verschätzt man sich sehr leicht im Gewicht u. die Sprüche wie:
"Der/Die ist doch niemals bis XXkg" hört man jetzt schon, allerdings noch halb im Scherz... :-/
Wir hatten einen Verein, der über Jahre andere Vereine zu derartigen Turnieren mit Vorabangabe des Gewichts eingeladen hat. Es hat nie wirkliche Unstimmigkeiten gegeben, sicherlich auch, weil es keine "offiziellen" Turniere waren. Erwies sich ein Verein als Flop - im Sinne des Auftretens - war er beim nächsten Mal nicht mehr dabei.

Aber das geht natürlich nur bei informellen Veranstaltungen nicht bei offen ausgeschriebenen Turnieren. Das hätte ich vielleicht klarer schreiben sollen - insofern hast du natürlich recht.
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kastow
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Re: Effektivere und Teilnahmefreundlichere Wettkampforganisation

Beitrag von kastow »

Wir haben das Kesslerturnier schon ausprobiert. Die Ideen hinter dem Kessler-Turnier sind sicherlich richtig, allerdings empfinde ich die Umsetzung als zu kompliziert. So haben wir trotz vorheriger Absprache bei den Beobachtern sehr unterschiedliche Benotungen erhalten. Außerdem ist hier wieder eine umfangreiche Tischbesetzung (die Beobachter) nötig.

Ich habe aus dem Kesslerturnier und dem Sanbon-System der KJK eine Synthese entwickelt, die ich dieses Jahr in unserer Vereinsmeisterschaft ausprobieren möchte. Es ist ein modifiziertes Sanbon-System. So ist der Kampf erst nach drei Ippon oder eben sechs Waza-ari beendet. Yuko entfällt. Um die technische Vielfalt zu fördern, werden je drei Technik-Kategorien im Stand und Boden gebildet:
a) Eindrehtechniken
b) Fußtechniken ohne Kategorie a)
c) sonstige Techniken, die nicht in a) und b) enthalten sind
d) Haltegriffe
e) Hebeltechniken
f) Würgetechiken
Pro Kategorie und Kampf wird nur ein Ippon gewertet. Wer also seinen ersten Ippon mit Uchi-mata erzielt hat, erhält im weiteren Kampfverlauf nur noch für Techniken der Kategorien b - f) eine Wertung. War die Wertung für den Uchi-mata nur ein Waza-ari, sind weiterhin Wertungen in allen Kategorien möglich.

Im Kinder- und Jugendbereich entfallen regelbedingt einige Kategorien.
In der U14 enfällt die Kategorie f), die Kategorien c) und e) werden nur gewertet, wenn beide TN mindestens den fünften Kyu tragen.
In der U11 werden nur die Kategorien a), b) und d) gewertet, deshalb sind zwei Ippon (oder vier Waza-ari) je Kategorie möglich.

Das Ganze wird nach Möglichkeit in 5er-Pools Jeder-gegen-Jeden gebildet und zum Schluss werden die erzielten Punkte - nicht die Siege - addiert. Ich erhoffe mir so mehr Randori-Charakter, da die gegenerischen Wertungen keine Nachteile bedeuten.

Zugegeben: ich habe das Ganze noch nicht zuende gedacht. Aber vielleicht kommen aus dem Forum weitere interessante Anregungen.
Herzliche Grüße,

kastow

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katana
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Re: Effektivere und Teilnahmefreundlichere Wettkampforganisation

Beitrag von katana »

Das ist eine ganz schlechte Idee. Warum? Weil es einen häßlichen Unfrieden
stiften wird. Gerade bei Jugendlichen verschätzt man sich sehr leicht im Gewicht u. die Sprüche wie:
"Der/Die ist doch niemals bis XXkg" hört man jetzt schon, allerdings noch halb im Scherz... :-/
Das ist schon richtig, aber nun müßte dem Reklamierenden auch das Recht eingeräumt werden nachzuprüfen.
Es ist ja auch offizielles Reglement, was die Kleiderordnung etc. betrifft.
Dennoch gibt es keine allgemeine "Kleiderprüfung" im Vorfeld. (Gott behüte uns davor)
Die Androhung von Hansoku-Make bei Verstoß reicht hier aus.
Wahrscheinlich würden ja ohnehin nur die zum Teil nachprüfen wollen, die verloren haben, was den Aufwand um
mindestens 50 % verringern würde.
Die Frage ist nur, wie könnte man es einrichten, daß Kämpfer unmittelbar nach dem Kampf mit
möglichst geringem Aufwand gewogen werden können ?

Das wäre doch mal ein ganz neuer Gedanken

Was die offiziellen Meisterschaften betrifft, kennen die Kaderleute ihre Konkurrenz diesbezgl. zum Teil sehr gut,
weil ja auch im Kader regelmäßig gewogen wird.

KK
tutor!
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Re: Effektivere und Teilnahmefreundlichere Wettkampforganisation

Beitrag von tutor! »

katana hat geschrieben: Die Frage ist nur, wie könnte man es einrichten, daß Kämpfer unmittelbar nach dem Kampf mit möglichst
geringem Aufwand gewogen werden können ?
Der Aufwand besteht ja darin, dass ohne Judogi auf 100 Gramm genau gewogen wird. Würde man mit Judogi und einer Toleranz von z.B. 1,5 kg wiegen hätte man es schon deutlich einfacher.
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Re: Effektivere und Teilnahmefreundlichere Wettkampforganisation

Beitrag von katana »

Die Jacke könnte man theoretisch auch weglassen.
Wenn man eine passende "Underwear" trägt (ähnlich der T Shirts bei Mädels) sogar die Hose.
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Fritz
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Re: Effektivere und Teilnahmefreundlichere Wettkampforganisation

Beitrag von Fritz »

katana hat geschrieben:Das ist schon richtig, aber nun müßte dem Reklamierenden auch das Recht eingeräumt werden nachzuprüfen.
Es ist ja auch offizielles Reglement, was die Kleiderordnung etc. betrifft.
Dennoch gibt es keine allgemeine "Kleiderprüfung" im Vorfeld. (Gott behüte uns davor)
Ja, genau - und was ist, wenn tatsächlich der Reklamierer recht hat? Der andere
kann ja plötzlich Hunger oder Durst gehabt haben und nun liegt er über der effektiven Grenze (die
bei einem regulären Wiegetermin keine Problem gewesen wäre) - was dann?
Aberkennung des Platzes? Umschreiben der Urkunden? Neuauskämpfen der Gewichtsklasse?

Die Kleiderprüfung machte bisher jeder anständige Kari mit einem kurzen Blick, bevor er Hajime sagt.

@kastow: Klingt sehr kompliziert. Für die Karis. Ansonsten finde ich solche Sanbon-Turniere schon nicht
schlecht, grad für Anfänger... Persönlich fasziniert mich aber durchaus schon der Ippon-Gedanke...
Mit freundlichem Gruß

Fritz
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kastow
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Re: Effektivere und Teilnahmefreundlichere Wettkampforganisation

Beitrag von kastow »

Ist auch für die Mattenrichter gar nicht so kompliziert, wie es sich vielleicht zunächst liest. Du nutzt eine normale Wettkampftafel. Mit Maler-Klebeband aus dem Baumarkt hast du die Tafel schnell umgestaltet, die 12 Kategoriekarten und die Felderüberschriften fertigt dir der Drucker.

Das Kokafeld zeigt die möglichen Punkte (1-7, falls schon fünf Punkte erkämpft wurden und ein Ippon erfolgt, benötigst du sieben Punkte), Ippon gibt zwei Punkte, Waza-ari einen Punkt.
Im Yukofeld hängst du Karten mit den Standkategorien ein. Es gibt sechs mögliche Kombinationen der drei Kategorien > sechs enstprechende Karten. Die sechs Karten mit den mögliche Kombinationen der Bodenkategorien hängst du in das Waza-ari-Feld. Die Karten zeigen an, welche Kategorien noch gewertet werden dürfen und werden während des Kampfes entsprechend umgeklappt.

Wie gesagt: in der Umsetzung weniger kompliziert, als es sich vielleicht liest und auf jeden Fall weniger umfangreich, als die Bewertungskriterien beim Kesslerturnier. Hatte ich schon erwähnt, dass ich das ganze als Breitensportturnier verstehe? Ich möchte es bei uns vereinsintern als Alternative zu den leistungorientierten 'normalen' Wettkämpfen anbieten.
Herzliche Grüße,

kastow

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lothar
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Re: Effektivere und Teilnahmefreundlichere Wettkampforganisation

Beitrag von lothar »

Die Quintessenz aus den Beiträgen von @Fritz, @tutor, @katana... - und ich hoffe ich simplifiziere hier nicht zu sehr - ist doch, dass wir die effektive Kampfzeit für den einzelnen Judoka verlängern wollen. Das Für und Wider der angesprochenen Turniersysteme möchte ich hier nicht kommentieren, aber eine Binsenweisheit haben alle Vorschläge gemeinsam:
Wenn der Judoka länger auf der Matte steht, muss die Teilnehmerzahl deutlich verringert werden!
Und das bedeutet weniger Einnahmen für den Veranstalter bei gleichbleibenden Ausgaben. Schon deshalb glaube ich nicht, dass sich einer dieser Lösungsansätze dauerhaft etablieren kann.
Noch ein Verbesserungsvorschlag: manchmal wäre der Frust bei unseren Nachwuchsathleten auch schon zu minimieren, wenn die Trainer ihre Schützlinge entsprechend ihres Leistungsstandes für die richtigen Turniere nominieren würden. Da werden Gelbgurte ohne bzw. wenig Kampferfahrung für A-Turniere gemeldet und kriegen dann verständlicherweise schon nach wenigen Sekunden effektiver Kampfzeit kräftig eins auf die Mütze. Dieser Unsinn sollte endlich ein Ende haben. Der Bayerische Verband (und sicherlich auch andere Landesverbände) hat dazu klare Empfehlungen für die Teilnahme an A- und B-Turnieren herausgegeben.
Mit freundlichem Gruß

Lothar
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Hofi
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Re: Effektivere und Teilnahmefreundlichere Wettkampforganisation

Beitrag von Hofi »

Hi!
Nachdem mir ja oben der Tippfehler mit den 200 statt 20 passiert ist, mal kurz eine Übersicht, wie die U11-Turniere laufen, mit 20 Kindern pro Matte (eine Wiegezeit, weil nicht mehr Kinder als erlaubt, Uhrzeiten in etwa so wie real):
Wiegen: 9:30 - 10:15 Uhr (Startkarten werden regelmäßig aus dem Wiegeraum abgeholt und in den Computer eingegeben)
10:15: Wiegeschluss, Computer sortiert Kinder nach Gewicht, kurze Kontrolle, insbesondere bezüglich ganz leicht, ganz schwer ob keine zu großen Gewichtssprünge drin sind.
15 Minuten gemeinsames Aufwärmen durch einen Trainer des Ausrichters
10:25: Kampflisten werden ausgehängt und bei guten Ausrichtern für alle Trainer zur Verfügung gestellt
10:30: Begrüßung
10:35: Kampfbeginn
Bei vier vollen fünfer-Pool-Listen sind das 40 Kämpfe pro Matte, pro Kampf veranschlage ich zur Sicherheit 3 Minuten Zeitaufwand (effektive Kampfzeit max. 2min, manche schaffen die erforderlichen 6 Punkte durch Ippon 3, Waza-ari 2, Yuko 1, auch schneller, andere gehen über die Zeit und haben natürlich Unterbrechungen). Insgesamt kommt man somit auf 2 Stunden, die die Kämpfe auf jeder Matte in Anspruch nehmen.
In der Zwischenzeit werden die Urkunden vorgeschrieben, da ohnehin jedes Kind eine kriegt sowie eine Medaille. Dann muss man, sobald Listen fertig sind, nur noch die Platzierungen ausrechnen und eintragen.
12:30: Ende der Kämpfe
12:45: Siegerehrung
13:15: raus aus der Halle
14:00: Schwimmbad, Kuchenessen bei Oma und Opa oder was auch immer :D

Werden mehrere Wiegezeiten gebraucht, ist es für die späteren leider so, dass der Tag mehr zerschnitten wird.
Bei 3 Matten braucht man 6 KR (damit die Wechseln können und die Kinder auch wirklich konzentriert schiedsen können plus HKR, Kosten ca. 350,--, Medaillen und Urkunde für 60 Kinder ca. 90,--, dazu die Sanis (keine Ahnung, klärt die Geschäftsstelle), Halle wird bei uns meines Wissens mit einer Jahrespauschale bezahlt.
D.h. mit einmal drei Matten und 8,-- Startgeld ist man auf einer schwarzen Null nur durch die Startgelder.
In der Regel mach ich nach der U11 noch die Männer (KR sind schon gezahlt, anders wäre die Meisterschaft im Bezirk sonst nicht finanzierbar), diese Startgelder werden also schon Überschuss. Und dann kommt noch der Essensstand dazu.
Offiziell machen die Kinder auf so einem Turnier also vier Kämpfe, maximal 8 Minuten effektive Kampfzeit (wird natürlich weniger, wenn man wie einer meiner Jungs letztes Jahr die zwei erforderlichen Ippons innerhalb von 3 Sekunden wirft), was den meisten auch reicht, schließlich kommt noch das gemeinsame Aufwärmen dazu, das Rumtoben während der Wiegezeit etc.
Beschäftigt sind die Kids in der Regel auch während die Kämpfe laufen, zumindest dann, wenn noch Mannschaftskameraden dabei sind bzw. meist werden am Mattenrand recht schnell Bekanntschaften geschlossen.
Ich denke ein solcher Ablauf ist für alle Beteiligten in Ordnung.
Bis dann
Hofi
Wer die Wahrheit sagt, braucht ein verdammt schnelles Pferd.

Heimat ist dort, wo man von der Dorfbevölkerung, die einen duzt, gelyncht wird.
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Re: Effektivere und Teilnahmefreundlichere Wettkampforganisation

Beitrag von Anfängerin08 »

So wie bei Hofi beschrieben kenne ich es auch von den meisten Turnieren. Vorgeschriebene Urkunden, bei denen nur noch der Platz eingetragen werden muss, verkürzen die Zeit enorm.

Was mir mal positiv aufgefallen war - Bezirksmeisterschaft der U11 - lief supergut - und vor der Siegerehrung gab es noch eine Demonstration der Nage-no-Kata von einem Dan-Anwärter. Er konnte seine Kata vor Publikum probieren (Stressfaktor) und die Kinder (und Eltern) haben fasziniert zugeschaut. so ruhig hatte ich es in der Zeit noch nicht erlebt.

Gruß a.
Antworten