Entwicklung von Kata durch Kata-Meisterschaften am Beispiel DKM 2018

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tutor!
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Entwicklung von Kata durch Kata-Meisterschaften am Beispiel DKM 2018

Beitrag von tutor! » 25.06.2018, 09:18

HBt. hat seine Eindrücke von der DKM sehr ausführlich beschrieben (https://www.dasjudoforum.de/forum/viewt ... 925#p82922). Ich möchte ein Detail herausgreifen und dies in einem neuen Faden tun, da HBts. Bechreibungen viele Ansätze ermöglichen und ich mir eine Struktur der Folgebeiträge zu unterschiedlichen Punkten wünsche.

An einer Stelle schrieb er sinngemäß, dass sich der Kata-Bereich in der von mir seit einiger Zeit beschriebenen/prognostizierten Weise entwickelt hätte. Dies möchte ich an einem Detail festmachen und ausführen, das wohl niemandem auffallen würde, wenn man nicht weiß, wo man hinschauen soll.

Einer der erfoglreichsten Landesverbände ist ...... Schleswig-Holstein!

Vier Paare - vier Medaillen: 1x Gold (Katame-no-Kata), 1x Silber (Ju-no-Kata), 2x Bronze (Nage-no-Kata (sen. + Jugend)

Die drei "erwachsenen" Paare starteten auch bei den diesjährigen Europameisterschaften in Koper und zeigten dort bereits gute Leistungen, wenngleich es nicht für Spitzenplatzierungen gereicht hat. Untergegangen sind sie dort aber auch nicht! Der kleine Landesverband Schleswig-Holstein verfügt nun in drei verschiedenen Kata über Paare, die:
- auf mindestens nationalem Spitzenniveau die Kata demonstrieren können,
- umfangreiche Erfahrungen im leistungsorientiertem Training der jeweiligen Kata haben,
- und deren Aktivitäten sich auch auf den Nachwuchs auszuwirken beginnen.

Dies alles geschieht bislang weitgehend ohne Unterstützung und unter dem Radar des Landesverbands. Es gibt m.W. derzeit keinen Wertungsrichter aus SH, so etwas wie ein Landestrainer oder Koordinator ist (im Gegensatz zu früheren Jahren) auch nicht in Sicht. Das "Rudel" organisiert sich selbst, sucht sich Unterstützung bei anderen und bekommt sie auch. Der DJB arbeitet mittlerweile sehr strukturiert in einem Team ohne Eitelkeiten und macht das Bestmögliche aus den begrenzten Ressourcen. Hinzu kommt Unterstützung von anderen Kata-Paaren, die sich gegenseitig unterstützen und gemeinsam an Ihrer Weiterentwicklung arbeiten.

Jetzt geht es darum, für und innerhalb des Landesverbands die Chancen zu nutzen, die sich durch die aufgebaute und weiter zunehmende Kompetenz eröffnen. Die Leistungen - und damit meine ich jetzt weniger die Ergebnisse, sondern das, was sich tatsächlich auf der Matte abspielt - müssten im Verband öffentlicher werden, ins Bewusstsein der übrigen Aktiven rücken. Es müsste deutlich werden, worum es bei Kata geht - nämlich gerade nicht darum, eine starre Form zu reproduzieren, sondern grundlegende Ideen des Judo exemplarisch ans Funktionieren zu bringen und diese Funktionalität zu erleben und zu durchdringen. Genau dies leben die genannten Paare vor und sie haben das Potential, andere anzustecken.

Nun ist es an den Verbandsverantwortlichen, diese Chancen für die Judoentwicklung in SH aufzugreifen und zu fördern.
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HBt.
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Entwicklungen u. Hoffnungen

Beitrag von HBt. » 25.06.2018, 11:08

Ich muss diese Meisterschaft noch ein bisschen sacken lassen, es arbeitet in mir. Viele Details blitzen auf.

Es ist schwer dem Eröffnungsbeitrag von 'tutor!' noch etwas Gewichtiges hinzuzufügen, wir sind uns seit Jahren schon einig - ein wenig fehlen mir die passenden Worte für das vergangene Wochenende.

HBt.
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Netzwerke

Beitrag von HBt. » 25.06.2018, 18:07

In den letzten Jahren habe ich ziemlich tief und fest geschlafen, damit bin ich offensichtlich nicht alleine ---> aufwachen.

Eine kurze Recherche mit einer bekannten Internetsuchmaschine fördert erstaunliche Ergebnisse, man könnte jetzt einfach einmal eine Suche mit dem Begriff (hier ein Name) "Maja Sori Doval" starten. Plötzlich leuchten Wege und Verbindungen auf, an die wir früher nie gedacht hätten.

Viele erfolgreiche Judoka knüpfen gerade ein Netz.

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Re: Netzwerke

Beitrag von tutor! » 25.06.2018, 18:32

HBt. hat geschrieben:
25.06.2018, 18:07
Viele erfolgreiche Judoka knüpfen gerade ein Netz.
In der Tat - Netzwerke:

In diesem kurzen Clip siehst Du:
- vier mehrfache Kata Europameister (Nage-, Katame-, Ju-no-kata und Kodokan Goshinjutsu)
- zwei Weltmeister
- einen Olympiasieger
- davon zwei Präsidiumsmitglieder der EJU

miteinander Judo machen....



Einige sind hier wieder zu sehen - ein russischer Weltmeister bei der Nage-no-Kata (nur ganz kurz im Bild und nicht wirklich in Aktion festgehalten - aber er hat mitgemacht.)



Um den Kontext (Judoentwicklung durch Kata-Meisterschaften) wieder herzustellen: Derzeit bemüht sich die EJU nach Kräften um ein umfassendes Judoverständnis und führt verschiedene Bereiche zusammen.
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Der Istzustand

Beitrag von HBt. » 26.06.2018, 11:48

Ich bin immer noch ergriffen von meinem Gesamteindruck (der Realität) und muss mich strukturieren. Auf der einen Seite kann ich die einzelnen Demonstrationen Revue passieren lassen, wie in einen Film (in eine Analyse eintreten) und daraus folgend etwas mehr im Detail schreiben - doch wozu?

_________
Brandenburg zum Beispiel' hatte zwei Paare am Start, Zapf & Zapf (und sie sind keine ganz unbekannten Starter, knapp an einer Medaille vorbei gerutscht, Platz 4 ist wirklich undankbar) sowie Posselt & Keil (erstmalig am Start, doch schon etwas älter) ...

Zwei Extreme,
- Nage no kata (ein junges Paar mit sehr guter Leistung und enormen Potential)
- Kime no kata (ein angehendes Rentnerpaar, wobei ich hoffe, dass Heiko & René mir den Begriff des Renters nicht übel nehmen)

Auf der einen Seite stehen also die jüngeren Athleten und auf der anderen Seite ältere Späteinsteiger (und dabei ist Heikos persönliche Leistung & Engagement der letzten sechs Jahre kaum angemessen wertschätzbar ...), doch zwei Paare aus Brandenburg sind einfach sehr, sehr wenig, zu wenig. Und Brandenburg hat einen bekannten Kopf M. Reißmann,
Schleswig-Holstein zur Zeit nicht, nichts ... oder Berlin, mit Astrid Machulik (& Partner) ... u.s.w. die Liste ist unendlich fortsetzbar.

Die internationalen Bemühung sind einfach unbeschreiblich, ein gewaltiger Sonnenstrahl am Firmament - doch die lokale Situation ist bedenklich. Zur Zeit denke ich über die Eigeninitiativen der Athleten nach, jenes mag seltsam anmuten' weil dieses (Eigeninitiative) eine unabdingbare Selbstverständlichkeit darstellt (darstellen sollte). Lokal müssen noch viele Mauern eingerissen werden, die in den letzten Jahren aufgebaut und gepflegt wurden (Missverständnisse & Eitelkeiten). Hierbei muss man sensibel vorgehen und jeder Kopf muss dabei auf den anderen Dickkopf zugehen, offen sein und bereit für die Zukunft. Einige klärende Gespräche müssen hinter den lokalen Kulissen geführt werden. Wir (und hier speziell die hannoverschen Niedersachsen) brauchen uns gegenseitig ...

Einige Athleten haben das ganz natürlich erkannt und für sich selbst schon längst umgesetzt! Diese Freundschaften habe ich am Sonntag (wiederholt) deutlich wahrnehmen können, als ein Beobachter.

Wir können (alle) nur gewinnen. Alte Ressentiments müssen weggeblasen werden, ich bin ziemlich erschüttert (auch über mich selbst, doch noch viel mehr über andere) - wir sollten Gespräche führen. Ein Freund hat mich vor ein paar Jahren wieder aktiviert, angestochen, an der Wurzel gepackt, doch das reicht nicht -> wir müssen unbedingt aufeinander zugehen.

#
Klar, SH muss verbandstechnisch aufwachen -> andernfalls überrollt es sie.

##
Zum Kontext (siehe Eingangsbeitrag):
Z.Zt. sind die Früchte der Entwicklung(en) überdeutlich sichtbar - und es wird weitergehen. Katameisterschaften stellt hoffentlich niemand mehr in Frage, sie gehören unverrückbar zu unserem Judoleben dazu. Noch etwas deutlicher, sie stellen den Motor /Antrieb für die Progression dar - unaufhaltsam.

Diese neue Chance,
sollte man auch von der verantwortlichen Seite, der Funktionsträger, ergreifen - und dabei aber nicht für persönliche Schmeicheleien, etc. pp. vereinnahmen. Mit dem lokalen Image sollten wir beginnen / und (es) stärken.

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Re: Entwicklung von Kata durch Kata-Meisterschaften am Beispiel DKM 2018

Beitrag von mifune10dan » 09.07.2018, 12:11

Hallo Helge,
Sandra und Chris haben doch schon ein erfolgreiches Nage no Paar hervorgebracht was es sogar in die Nationalmannschaft gepackt hat. Das ist doch schon ein super Erfolg oder!?
Gruß
Reinhard

HBt.
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Schleswig-Holstein

Beitrag von HBt. » 09.07.2018, 12:32

mifune10dan hat geschrieben:
09.07.2018, 12:11
Hallo Helge,
Sandra und Chris haben doch schon ein erfolgreiches Nage no Paar hervorgebracht was es sogar in die Nationalmannschaft gepackt hat. Das ist doch schon ein super Erfolg oder!?
Das stimmt - und ich freue mich für sie (und für SH), wer sie sehen konnte freut sich einfach über diesen Erfolg. Doch wo sind die Niedersachsen geblieben, hinken sie hinterher? Wir (die Verbände, Referenten, Athleten, Sponsoren ...) sollten mehr tun. Eine Katameisterschaft zu besuchen sollte ruhig zur Normalität werden ;-).


#
Die Meisterschaft ist gelaufen, jetzt muss man nach vorne blicken und ein Team bilden oder in der Versenkung verschwinden.

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Re: Entwicklung von Kata durch Kata-Meisterschaften am Beispiel DKM 2018

Beitrag von tutor! » 09.07.2018, 13:14

I founded a new system for physical culture and mental training as well as for winning contests. I called this "Kodokan Judo",(J. Kano 1898)
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Vollzitat

Beitrag von HBt. » 09.07.2018, 13:20

^
Wie die junge Frau zum Kind – vom Wettkämpfer zur Kata
Unsere Juniorteamerin und Jugendsprecherin Helene Weinmann war am Wochenende des 23.-24.06.2018 in Hannover bei der Deutschen-Kata-Meisterschaft dabei und berichtet uns von ihren Erfahrungen:


Ich glaube, jeder Wettkämpfer hat die selbe Einstellung zur Kata: „notwendiges Übel, um die Gürtelprüfungen zu bestehen. Langweilig.“ Auch ich habe so gedacht, habe diese Meinung aber ganz schnell revidiert. Zur Kata gekommen bin ich durch ein altes Versprechen, die ich eigentlich mit der Teilnahme an der Bayerischen Kata Meisterschaft bereits beglichen hatte. Ich wollte das natürlich ordentlich abliefern, habe also dafür trainiert und habe mein Bestes gegeben. Am Ende stand Platz zwei und ein unheimlich gutes Gefühl. Die Stimmung innerhalb der Kata-Teilnehmer ist grandios, die Atmosphäre bei so einer Meisterschaft ein ganz neues Erlebnis. Als dann die Nominierungsliste des Bayerischen-Judo-Verbandes für den nationalen Wettbewerb da waren und der eigene Name dort mit auftaucht, sind alle Klischees vergessen. Die Vorfreude und der Ehrgeiz sind so viel größer. Und auch in Hannover wurde jedes Vorurteil widerlegt. „Da sind nur alte Leute“ – nein, ganz und gar nicht. Klar kann man Kata auch noch machen, wenn man älter ist. Das beweist das Teilnehmerfeld durchaus. Aber mindestens die Hälfte der Athleten ist unter 30! „Da hat man gar keinen Spaß, das ist alles so übermäßig ernst“ – auch das ist nicht wahr. Natürlich ist es während der Wettbewerbe und der Kata-Präsentationen ruhig in der Halle, da sich sowohl Athleten als auch Wertungsrichter konzentrieren müssen. Aber in den Pausen und nach den Wettbewerben herrscht eine lockere Stimmung zwischen den Athleten unter sich und auch zwischen den Aktiven und Offiziellen. Ich hatte ein ganz wunderbares Wochenende und war ganz fasziniert von den Menschen, die man dort kennen gelernt hat. Das, was mich allerdings am meisten beeindruckt hat, ist die gegenseitige Hilfsbereitschaft, die ich so noch nicht erleben durfte. Man wärmt sich auf, probiert einige Teile nochmal durch – plötzlich tippt einem jemand auf die Schulter und sagt: „darf ich dir einen kleinen Tipp geben? Wenn du dich hier noch abstützt hilfst du deinem Tori, dass er dich besser werfen kann.“ Und in der Tat hilft dieser kleine Hinweis. Was daran seltsam ist? Der junge Mann, der mir diesen Tipp gibt ist eigentlich ein Konkurrent, er präsentiert die selbe Kata wie ich, ist nach mir und meiner Partnerin dran. Und das ist das, was mich echt sprachlos gemacht hat. Aus dem Wettkampf-Judo kenne ich nur die Denkweise, dass ich jeden Fehler, jede Schwäche, die mein Gegner hat für mich nutzen kann.
Am Ende des zweiten Tages kam für mich persönlich noch ein kleines Highlight: die deutschen Kata-Meisterschaften der G-Judoka. Es war für mich faszinierend zu sehen, mit welcher Hingabe sich diese Athleten dem Judofach Kata widmen. Auf jeden Fall sehenswert!

Ich für meinen Teil bin einfach nur übermäßig beeindruckt, von der Atmosphäre und der Stimmung bei diesen Meisterschaften und werde ab jetzt definitiv öfter bei solchen Events dabei sein. Für jemanden wie mich, der im klassischen Shi-ai nicht mehr mitmischen will und kann ist diese Wettkampfform eine perfekte Alternative. Es ist anstrengend für Körper und Kopf, jedoch nicht so verletzungsanfällig.
Und das wichtigste:
Es macht irrsinnig viel Spaß!

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Re: Entwicklung von Kata durch Kata-Meisterschaften am Beispiel DKM 2018

Beitrag von mifune10dan » 10.07.2018, 13:02

Ich glaube mit dem Zitat von Helene ist fast alles gesagt. So ähnlich habe ich es auch immer erlebt und empfunden.
Gruss an alle
Reinhard
Gruß
Reinhard

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