Ein eigenes Experiment in den frühen sechziger Jahren im Fr.

Hier geht es um die Trainingsgestaltung,-methodik,-formen.
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ilovejudo
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Ein eigenes Experiment in den frühen sechziger Jahren im Fr.

Beitrag von ilovejudo » 13.05.2015, 23:58

Eine eigene Experiment in den frühen sechziger Jahren im Frankreich.

Ich möchte über eine alte Erinnerung berichten, die ich kürzlich in meinem Gedächtnis wiederentdeckt habe. Zwischen dreizehn und sechzehn spielte ich Judo in einem kleinen Klub in der Vorstadt von Paris. Als Jugendlicher trainierte ich gewöhnlich mit meinen kleinen Kameraden und manchmal auch mit den Erwachsenen. Damals gab es wenige Frauen im Judo. Sie waren ungefähr fünf mittelbegabte Frauen, soweit ich mich erinnern kann. Diese in den mittleren Jahren Frauen einmal klagten beim Lehrer über ihre Trainingsumstände: sie behaupteten, dass die meisten männlichen Mitglieder des Klubs mit ihnen ungern trainieren. Deswegen sollten sie miteinander trainieren, was sie hinderte, Fortschritte zu machen. Tatsächlich trainierten die Männer lieber miteinander, wegen des Stärkeunterschieds. Nach Nachdenken erfand der Lehrer eine Lösung: Er befahl uns, den Jugendlichen, mit den Frauen zu trainieren. Er hatte beobachtet, dass die Muskulatur und das Gewicht der Jungedlichen und der Frauen vergleichbar waren: Alle benutzten lieber Beweglichkeit und Schnelligkeit als brutale Kraft. Außerdem wird die Muskulatur der Jugendlichen noch nicht vollbracht, was herstellt die Gleichheit wieder. Nach einigen Wochen hielten sich die Damen begeistert: Sie waren wirksamer geworden und hatten große Fortschritte gemacht. Nach vielen Jahren erinnere ich mich noch, wie es begeisternd war, mit Erwachsenen zu trainieren, die endlich die brutale Kraft benutzten nicht.
Hervé (in Frankreich...und in einem unvollkommenen Deutsch)
Zuletzt geändert von ilovejudo am 14.05.2015, 00:18, insgesamt 3-mal geändert.

JudoSakura
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Re: Ein eigenes Experiment in den frühen sechziger Jahren im

Beitrag von JudoSakura » 16.08.2015, 15:27

Ein sehr schöner Beitrag !!!!

Darin wird zugleich auch ein ganz allgemeines Problem im Judo angesprochen. Es gibt Leute, die glauben, sie könnten Leistungssteigerungen über "Wille und Kraft" herbeiführen. Andere wollen dies über "Technik und Taktik" machen. Auf Judowettkämpfen kann man diese beiden Gruppen von Judoka sehr gut erkennen und auseinander halten. Je höher das Niveau des Turniers ist, desto weniger können sich die Vertreter von "Wille und Kraft" durchsetzen. ..... zum Glück.

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Shinbashi
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Re: Ein eigenes Experiment in den frühen sechziger Jahren im

Beitrag von Shinbashi » 16.08.2015, 16:13

Dein Deutsch ist besser als mein Französisch (die Sprache :icon_wink )
So ähnlich habe ich es zu meinen Anfängen 1981 in der DDR auch erlebt.
Da trainierten die Jungs bis U 17 mit den Frauen. Die Älteren Jungs haben uns nur zum "Matte putzen" genommen und sinnlos in der Gegend rumgeworfen.
Auch heute ist es durchaus interessant, mit Frauen Randori zu machen. Gerade im Boden wird man schnell "eingewickelt" und kommt mit Kraft nicht weit.
Gruß
Shinbashi

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Re: Ein eigenes Experiment in den frühen sechziger Jahren im

Beitrag von ilovejudo » 04.09.2015, 23:23

Ich erinnere mich daran, dass die Frauen mit uns Jungen gern Judo ausübten, denn es gab kein Risiko, eine Verletzung zu fürchten. In gewisser Weise « befreiten » sie sich. Manche Frauen (vom weißen bis zum ungefähr grünen Gürtel) waren für Judo wirklich begabt und warfen uns sehr einfach (auch das Gegenteil wahr war!) Sie hatten wenig Kraft aber viel Geschwindigkeit. Damals gab es kein Wettbewerb für Frauen und sie übten ein reines Judo. Ich habe noch einige Sehnsucht nach diesen längst vergangenen Stunden...

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