Autoritätsproblem

Hier geht es um die Trainingsgestaltung,-methodik,-formen.
Benutzeravatar
Fritz
Moderator
Moderator
Beiträge: 4684
Registriert: 14.11.2003, 11:06

Re: Autoritätsproblem

Beitrag von Fritz » 21.12.2014, 11:51

Kumamoto hat geschrieben:1. Wenn die Matten nach dem Training auch wieder abgebaut werden müssen, warum sollen das nicht die übernehmen, die beim Mattenaufbau nicht dazugeholfen haben? Die fleissigen Ameisen vom Anfang haben dann halt etwas früher "Feierabend". Könntet ihr so etwas durch- und umsetzten?
Da war ich auch schon drauf und dran, ihm das vorzuschlagen, mich hat davon nur die Überlegung abgehalten,
das es a) heutzutage sehr schwierig sein könnte, den/die Betreffenden am Verlassen der Halle zu hindern - so daß die Trainer dann am Ende allein dastehen und die Matte
wegstapeln, was dann von dem/den Drückebergern sicherlich als persönlicher Erfolg gesehen wird...
Oder b) halt noch eine Gruppe danach trainieren könnte, so daß die Abbauerei eh flach fällt...
Mit freundlichem Gruß

Fritz

CasimirC
2. Dan Träger
2. Dan Träger
Beiträge: 515
Registriert: 08.02.2012, 22:45
Bundesland: Sachsen

Re: Autoritätsproblem

Beitrag von CasimirC » 21.12.2014, 14:16

MaxRufus hat geschrieben:Andererseits Toleranz dafür, dass jeder einmal einen "schlechten Tag" haben kann.
Wie von Fritz schon angedeutet: Da hilft es, die Leute einfach mal machen zu lassen, solange sie nicht zu negativ auffallen. Man sollte die Leute aber spätestens in der nächsten Trainingseinheit ins Gebet nehmen und ihnen klar machen, dass es auch für einen Trainer verletzend sein kann, wenn ein Schüler seine schlechte Laune am Trainer abreagiert, indem er das Training boykottiert. Das hilft bei vielen sehr gut, ich habe selber neulich noch einmal die Erfahrung gemacht (da kam dann zutage, dass derjenige 'nen wirklich grottenschlechten Tag hatte, von der Schule bis zu Hause kurz vorm Training; aber die Ansprache von mir und einer Übungsleiterin haben da geholfen, und nachdem er sich bei uns einmal auskotzen konnte über seinen Scheiß-Tag, hat er sich auch bei mir entschuldigt).

In diesem Faden wurden hinsichtlich der Autoritätsproblematik schon viele richtig gute Dinge geschrieben. Du bist selber in einer nicht ganz dankenswerten Situation, der du dich dennoch verantwortungsbewusst stellen möchtest. Das ist unglaublich lobenswert, und auch deine Suche nach Rat ist eine tolle Sache, die man leider viel zu selten findet.

Mein Tipp:
Versuche zum Beginn des neuen Jahres einen Neustart in der Gruppe. Sprich dich zuvor mit deinem Haupttrainer ab hinsichtlich der Verhaltensregeln, die ihr auf der Matte als verbindlich anseht (orientiere dich am Haupttrainer!) und regelt die Konsequenzen, die bei Nichtbeachten ergriffen werden sollen. Sprecht auch direkt über deine Kompetenzen, also inwieweit du eigene Entscheidungen auf der Matte treffen darfst (bei uns ist es bspw. so geregelt, dass leichte Diszplinarmaßnahmen auch von den ÜL-Helfern verhängt werden dürfen, ein Mattenverweis jedoch nur vom leitenden Ül verhängt werden darf). Treten dann in der ersten Einheit vor die Gruppe und erklärt ihnen ganz deutlich, was ihr in den kommenden Wochen mit ihnen vorhabt, was ihr ihnen bieten wollt und was ihr von ihnen erwartet. Erklärt ihnen kurz die einzuhaltenden Regeln und die bei Nichtbeachtung zu ergreifenden Konsequenzen (idealerweise könnt ihr die Gruppe auch nach Vorschlägen für Konsequenzen fragen - die werden auf ähnliche, wohl sogar strengere Regelungen kommen [die ihr dann "toleranterweise" noch vor Ort abmildern könnt :P ], und sie würden im Ernstfall gegen ihre eigenen Regeln verstoßen ;) ). Dann sollte dein Haupttrainer den Schützlingen klar machen, was deine Aufgabe auf der Matte ist und warum er dich für geeignet hält, und er sollte den Kids klarmachen, dass sie auch gegenüber dir Respekt zu zeigen haben.
Anschließend ist es natürlich gefragt, konsequent zu sein. Du MUSST Verstöße am Anfang sehr unnachgiebig sanktionieren, du musst streng sein. Wenn die Kids merken, dass sie dir nicht auf der Nase herumtanzen können, werden sie ihr eigenes Verhalten überdenken (oder halt im anderen Fall ggf. nicht mehr auf die Matte kommen). Wenn du merkst, dass die Disziplin sich gebessert hat, kannst du nach ein paar Monaten etwas toleranter sein (manchmal hilft ein strenger Blick mehr als Zwangsmaßnahmen ;) aber dafür musst du auch wissen, bei wem das etwas bewirkt). An dieser Stelle gibt es noch eine ganze Palette an Maßnahmen, die du ergreifen könntest, aber überfordere dich und alle anderen nicht. Mach hinsichtlich Atmosphäre und Disziplin wenige Dinge, aber mach die Dinge konsequent, transparent und maßvoll!

Falls sich die Situation nicht bessert, hilft es manchmal, gerade am größten Störenfried ein Exempel zu statuieren, evtl. eine etwas zu strenge Bestrafung zu treffen (2 Wochen Trainingsverbot), um der gesamten Gruppe einen Schuss vor den Bug zu setzen und zu zeigen, dass die Grenze erreicht ist. Falls das immer noch nicht hilft, bleibt es nur, die Anführer der Unruhestifter dauerhaft aus dem Training zu entfernen.
Theorie: Wenn alle wissen, wie es geht, und es geht nicht.
Praxis: Wenn es geht, und keiner weiß, warum.

Benutzeravatar
Shinbashi
1. Dan Träger
1. Dan Träger
Beiträge: 290
Registriert: 30.04.2008, 08:53
Bundesland: Baden-Württemberg
Verein: Dokan Bühl / Budokai Bühlertal

Re: Autoritätsproblem

Beitrag von Shinbashi » 21.12.2014, 18:33

Ich habe auch so eine Bande (Anfänger bis U10). Da gibt es einige, die manchmal gehörig am Rad drehen. Wir spielen oft und viel und wenn es mal wieder eskaliert, wird eben nicht gespielt.
Werden die Üblinge von einzelnen gestört, bekommt dieser nach Ermahnung eine Auszeit auf der Bank. Nach ein paar Minuten frage ich dann, ob es wieder geht und wenn ja, kann er wieder mitmachen.
Stören mehrere Kinder oder die ganze Gruppe ist in Aufruhr (weil gerade der Mond schief steht) wird flugs ein Kreis gebildet und Liegestütz, Hampelmann etc. gemacht, bis sich das gelegt hat.
Das funktioniert ganz gut und nach einer Weile haben sich auch Neulinge eingefügt und man kann ordentlich üben.
Ein einziges Mal musste ich ein Kind gänzlich entfernen und von den Eltern abholen lassen. Der hatte in einem Mannschaftsspiel ein Kind seiner Mannschaft geohrfeigt, weil es keinen Punkt geholt hatte.
Das gab sofort die rote Karte.
Gruß
Shinbashi

Wären Hunde Katzen, könnten sie auf Bäume klettern

Antworten