Kindertraining Gruppengröße

Hier geht es um die Trainingsgestaltung,-methodik,-formen.
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Kindertraining Gruppengröße

Beitrag von Diolma » 15.11.2014, 23:04

Hallo Sportfreunde,
ich habe vor einem Jahr die Abteilungsleitung der Judoabteilung in unserem Mehrspartenverein übernommen. Diese Funktion führe ich neben meiner Tätigkeit als Trainer der Seniorengruppe aus.
Unsere Judoabteilung leidet, wie so viele, unter einem akuten Trainermangel. Hier wurde in der Vergangenheit leider nicht mit der wünschenswerten Nachhaltigkeit Vorsorge betrieben.
Wir haben jetzt die Situation, dass oft nur ein Trainer für 25-30 Kinder da ist. Abgesehen davon, dass dies für die Judoausbildung suboptimal ist, ist es obendrein schwierig, hier generell Ordnung zu halten. Ich hatte in dieser Woche das "Vergnügen", eine Vertretungsstunde halten zu dürfen. Die Kinder sind zwischen 6 und 10 Jahre alt, von 90 Minuten Trainingszeit war ich gefühlte 50% am Disziplinieren und Ermahnen. Wie groß sind eure Gruppen in dieser Altersgruppe und wieviele Trainer habt ihr für diese Gruppe?
Besten Dank im Voraus für Eure Antworten.
Gruß Diolma

Holger König
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Re: Kindertraining Gruppengröße

Beitrag von Holger König » 16.11.2014, 01:50

Wenn bei einer so großen Gruppe nicht nur ein Alter-, sondern auch Graduierungsunterschiede vorhanden ist, sollten ältere und zugleich höher graduierte Kinder als Assistenztrainer sich um jüngere Anfänger kümmern. Die Delegierung von Aufgaben stärkt die Disziplin.

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Fritz
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Re: Kindertraining Gruppengröße

Beitrag von Fritz » 16.11.2014, 12:08

Prinzipiell ist gut, wenn mindestens 2 Übungsleiter auf der Matte stehen, mitunter muß einer sich
um verletzte Kinder kümmern o.ä., dann ist blöd, wenn die Gruppe unbeaufsichtigt ist...
Die Gruppenstärke ist da erstmal egal...
Mit freundlichem Gruß

Fritz

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Re: Kindertraining Gruppengröße

Beitrag von Diolma » 16.11.2014, 23:14

Vielen Dank für Eure Antworten.

Der Einsatz von 10-jährigen Kindern als Assistenten ist problematisch, außerdem hätte ich das Gefühl, den"Bock zum Gärtner" zu machen.

Das Problem mit der Aufsicht, wenn der Trainer sich um ein verletztes Kind kümmern muß, haben wir dahingehend geregelt, dass ein Übungsleiter einer anderen Sportart aus einer Nebenhalle per Mobiltelefon um Hilfe gerufen wird.

Meine Frage zielte auch eher dahin, ob so eine große Gruppe in dieser Altersgruppe überhaupt regelmäßig nur von einem Trainer im Judo unterrichtet werden kann. Mehr wie judonahe Spiele konnte ich in diesem Training nicht durchführen. Vielleicht habe ich mich nur ungeschickt angestellt und es gibt gute Lösungen, um alleine so eine große Gruppe zu händeln. Und wie schon erwähnt, die Disziplinierung mit Hinweisen auf die Judowerte nehmen viel Raum ein.

Mit freundlichen Grüßen
Diolma

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Re: Kindertraining Gruppengröße

Beitrag von Fritz » 16.11.2014, 23:58

Diolma hat geschrieben:Das Problem mit der Aufsicht, wenn der Trainer sich um ein verletztes Kind kümmern muß, haben wir dahingehend geregelt, dass ein Übungsleiter einer anderen Sportart aus einer Nebenhalle per Mobiltelefon um Hilfe gerufen wird.
Das ist doch nicht wirklich praktikabel... Kind tut sich, weh, Trainer muß schauen, daß hoffentlich nichts ist u. vielleicht ein Plaster aufkleben o.ä., was der Regelfall ist, dafür kann man doch nicht einen ÜL aus der Nachbarhalle abziehen...
Diolma hat geschrieben:Meine Frage zielte auch eher dahin, ob so eine große Gruppe in dieser Altersgruppe überhaupt regelmäßig nur von einem Trainer im Judo unterrichtet werden kann. Mehr wie judonahe Spiele konnte ich in diesem Training nicht durchführen. Vielleicht habe ich mich nur ungeschickt angestellt und es gibt gute Lösungen, um alleine so eine große Gruppe zu händeln.
Um große Gruppen "zu bändigen" brauchst Du eine gewisse darauf abgestellte Struktur im Trainingsaufbau und Du mußt gewisse Selbstorganisations-Mechanismen in der Gruppe erkennen und nutzen können... Ist in der Tat eine gewisse Herausforderung... Da kann man sich viel beim Karate und so blöd es klingt, beim Militär abgucken...

Beispiele:
  • Schlecht in einer großen Gruppe: Anweisung: "Jeder suche sich einen Partner und stelle sich mit ihm in eine Reihe!" - dauert ewig, bist Du als ÜL völlig demotiviert..
  • Besser: "Der Größe nach antreten / Nach Graduierung antreten, (zu zweit abzählen,)
    jeder zweite einen Schritt nach vorn, umdrehen, Schritt nach links!", und zack jeder hat einen Partner im Bruchteil der Zeit, danach kannst Du noch die Kameraden umsortieren,
    wo es überhaupt nicht paßt...
  • Schlecht in einer großen Gruppe: Anweisung: "Jeder 10x Uki-Goshi abwechselnd mit dem Partner werfen!" - Du wirst feststellen, sie kennen weder Uki-Goshi, "abwechselnd", oder "bis 10 zählen" ;-)
  • Besser: Ansage: "Mit Partner im Kreis aufstellen, einer innen, einer außen, der innere hebt die Hand, bei den Paaren die Liegestütze machen wollen, melden sich bitte beide,
    es gibt die Kommandos "Werfen" und "Weiter", der Innere wirft und entsprechende geht weiter!" (Richtung deutlich zeigen)...
  • Alternativ: Paar auf der Matte geeignet aufstellen lassen (s.o. jedes zweite Paar zu anderen Seite schicken),
    Übung/Wurf zeigen (lassen), benennen, und laut zählen, und bei jeder Zahl muß die Übung/ der Wurf gemacht werden. Hier ist wichtig, das richtige Tempo zu finden, die Masse muß halbwegs mitkommen...
  • Alternativ: Eine Zeit ansagen (zwischen 30 Sek. u. 2 Min.), je nach Übung/Wurf, Anweisung: "Mitzählen" (je nach Übung zählt der, der gerade die passive Rolle einnimmt) und hinterher die Anzahl abfragen (gute Leistungen belobigen, schlechte Leistungen als verbesserungswürdig kennzeichnen - was hilft da, richtig, mehr üben ;-) ), so gibt es automatisch ein kleine Verschnaufpause zwischen den Durchgängen...
  • Schlecht: Irgendwelche Übungen im wirren großen Haufen machen lassen...
  • Besser: Übungen mit Bewegungen quer oder längs über die Matte verbinden...
    So richtig der letzte will niemand sein, allerdings sollten man dann niemand haben, der objektiv körperlich nicht in der Lage ist, die Übung ausreichend schnell zu bewältigen...
  • Schlecht: Spiele, wo viele auf wenige warten müssen,
  • Besser: Spiele, wo sich immer möglichst viele bewegen, Spiele haben einen guten Selbstorganisationsgrad...
  • Schlecht: Blaue und weiße Kutten gemischt auf der Matte dulden
  • Besser: Nur weiße Kutten dulden...
Und wichtig: Man löse sich als ÜL von dem Wunsch, daß alle alles am Ende der Stunde verstanden haben und ordentlich hinbekommen...
Schätze sich Dich glücklich, wenn ein ordentlicher Anteil der Üblinge etwas gelernt hat - der Rest ist halt einfach noch nicht soweit....

Weiterhin wichtig: Halte Versprechen - Kinder mögen Verläßlichkeit: Wenn Du der Gruppe ein Spiel bei guter Arbeit versprichst, mach es, oder erkläre ihnen,
welche Vorkommnisse die Zeit aufgebraucht haben, welche dafür eingeplant war.
Wenn der Gruppe Übungswiederholungen / Alternativ-Übungen / Konsequenzen für bestimmte Verhaltensweisen versprochen hast, dann lasse diese auch machen, wenn die Voraussetzungen erfüllt wurden...
Du glaubst gar nicht, wie schnell sich so eine Gruppe beginnt, sich selbst zu organisieren...

Beobachtung: Beobachte die Gruppe mal 5min vor Trainingsbeginn, das ist oft auch recht aufschlußreich und kann Dir Ideen liefern, in welcher Richtung Du das Trainings
gehen lassen solltest...
Mit freundlichem Gruß

Fritz

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Re: Kindertraining Gruppengröße

Beitrag von Asterix » 19.11.2014, 14:48

Danke Fritz, wird sofort probiert! :D

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Re: Kindertraining Gruppengröße

Beitrag von Jupp » 20.11.2014, 12:57

Die Vorliebe von Fritz für "militärische" Verfahren im Judounterricht vermag ich nicht zu teilen. Kinder haben - wie auch schon ausgeführt - durchaus einen Sinn für Ordnung , sie müssen es nur von Anfang an lernen.
Dazu sind nach meiner Meinung einige Voraussetzungen nötig:

1. in der ersten Übungsstunde müssen alle Regeln für das Verhalten im Unterricht erklärt werden (am besten ist, wenn man diese Regeln schriftlich an die Schüler weiter gibt), z.B. so, wie sie in den offiziellen Lehrbüchern des DJB festgehalten sind. Das "Einklagen" dieser Regeln bei Fehlverhalten ("Wie heißt noch einmal die Regel, wenn ich "Stopp!" rufe?") ist ein ganz wichtiges Instrument, die Einhaltung gegebener Regeln bei Kindern durchzusetzen! Derjenige, der sich falsch verhält muss laut sagen, wie die Regel mit dem richtigen Verhalten heißt! Danach fragt der Trainer: "Wirst Du Dich an diese Regel jetzt halten?" und wenn das Kind dann nichts sagt oder "Nein!" sagt, muss es so lange vom Rand der Matte aus zuschauen, bis es sagt, dass es sich an die Regel halten will. So gelingt es mit der Zeit, allen Kindern die Bedeutung der Regeln klar zu machen und sich daran zu halten.

2. Es sollten für jeweils 4 Paare mindestens ein Trainer auf der Matte sein, d.h. bei 25-30 Kindern also mindestens 3-4 Trainer (max. 8 Kinder pro Trainer!).

3. Diese Trainer können durchaus die 10,11,12-jährigen Orange- bis Blaugürtel sein, die in der Gruppe danach trainieren oder die an der Gruppe teilnehmen. Sie übernehmen dann Teilaufgaben, wie z.B. das Unterrichten der Würfe für die Weißgute oder Weiß-Gelbgurte. Sie können z.B. auch neben den Kindern stehen und die unauffällig ermahnen, die ständig durch ihr Verhalten stören, wenn der Leiter der Gruppe allen Kindern etwas erklärt.

In unserem Verein haben wir mit diesen Verfahren (die wir von Wolfgang Biedron aus Sundsvall übernommen haben) sehr gute Erfahrungen gemacht und haben seitdem auch in großen Kindergruppen nur sehr wenig Disziplinprobleme.

Jupp

P.S. Diolma, Du kannst Dich über PN bei mir melden und mehr Infos bekommen - auch darüber, wie Du eventuell aus Deiner Seniorengruppe "Trainer" gewinnen kannst!

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Re: Kindertraining Gruppengröße

Beitrag von Fritz » 20.11.2014, 15:19

Jupp hat geschrieben:Kinder haben - wie auch schon ausgeführt - durchaus einen Sinn für Ordnung , sie müssen es nur von Anfang an lernen.
Richtig, und den kann man gezielt fördern durch entsprechende "Struktur" im Training... ;-)
Jupp hat geschrieben:1. in der ersten Übungsstunde müssen alle Regeln für das Verhalten im Unterricht erklärt werden (am besten ist, wenn man diese Regeln schriftlich an die Schüler weiter gibt), z.B. so, wie sie in den offiziellen Lehrbüchern des DJB festgehalten sind. Das "Einklagen" dieser Regeln bei Fehlverhalten ("Wie heißt noch einmal die Regel, wenn ich "Stopp!" rufe?") ist ein ganz wichtiges Instrument, die Einhaltung gegebener Regeln bei Kindern durchzusetzen! Derjenige, der sich falsch verhält muss laut sagen, wie die Regel mit dem richtigen Verhalten heißt! Danach fragt der Trainer: "Wirst Du Dich an diese Regel jetzt halten?" und wenn das Kind dann nichts sagt oder "Nein!" sagt, muss es so lange vom Rand der Matte aus zuschauen, bis es sagt, dass es sich an die Regel halten will. So gelingt es mit der Zeit, allen Kindern die Bedeutung der Regeln klar zu machen und sich daran zu halten.
Eigentlich eine interessante Idee, ihr bringt da eine gewisse Selbstreflektion mit rein, kann mir gut vorstellen, daß es ihnen regelrecht peinlich
ist, vor der Gruppe so einen Regelverstoß aufsagen zu müssen...
Zwei Nachteile sehe ich: a) zu viel Gerede... b) funktioniert nur bei bekannten Regel für bekannte, bereits vorgedachte Situationen/Verhaltensweisen...
Jupp hat geschrieben:2. Es sollten für jeweils 4 Paare mindestens ein Trainer auf der Matte sein, d.h. bei 25-30 Kindern also mindestens 3-4 Trainer (max. 8 Kinder pro Trainer!).
Ideal ist natürlich pro Paar ein ÜL. Aber die Ist-Situation bei Diomla ist ja eher das andere Extrem und damit muß sie (?) momentan umgehen...
Jupp hat geschrieben:Sie können z.B. auch neben den Kindern stehen und die unauffällig ermahnen, die ständig durch ihr Verhalten stören, wenn der Leiter der Gruppe allen Kindern etwas erklärt.
Das machen bei uns die Fortgeschritteneren der Gruppe eigentlich auch recht gut...
Mit freundlichem Gruß

Fritz

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Re: Kindertraining Gruppengröße

Beitrag von Asterix » 20.11.2014, 17:08

Jupp hat geschrieben:2. Es sollten für jeweils 4 Paare mindestens ein Trainer auf der Matte sein, d.h. bei 25-30 Kindern also mindestens 3-4 Trainer (max. 8 Kinder pro Trainer!).
Tja, die würde ich mir gerne backen... Wo gibt's das Rezept dazu? Punkt 3 entfällt bei uns. Wir stehen leider (oder gottseidank?) mit über 40 Kindern zu zweit auf der Matte. Da muss es manchmal etwas "militärischer" zugehen.

... und unter uns: Wir kriegen von den Kindern sogar recht gutes Feedback für unsere Strenge. ;)

Jupp
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Re: Kindertraining Gruppengröße

Beitrag von Jupp » 20.11.2014, 18:45

Fritz schreibt: "Eigentlich eine interessante Idee, ihr bringt da eine gewisse Selbstreflektion mit rein, kann mir gut vorstellen, daß es ihnen regelrecht peinlich ist, vor der Gruppe so einen Regelverstoß aufsagen zu müssen...
Zwei Nachteile sehe ich: a) zu viel Gerede... b) funktioniert nur bei bekannten Regel für bekannte, bereits vorgedachte Situationen/Verhaltensweisen... "
Offensichtlich ist noch eine weitere Erklärung nötig (vgl. Punkt b) von Fritz). Der "Störenfried" wird nach der Störung sofort aus der Gruppe genommen und muss am Mattenrand warten, bis der Trainer zu Ende erklärt hat. Erst dann wendet sich der Trainer dem "isolierten" Störenfried wie weiter oben geschildert zu. Es wird also vor der Gruppe überhaupt nicht geredet. Und: ja, es geht ja darum, dass die Regeln "vorgedachte Situationen/Verhaltensweisen" abdecken (Judo lernen, 2012 S. 39 "Verhaltensregeln auf der Judomatte"). Außergewöhnliche Störungen verlangen natürliche auch vom Trainer außergewöhnliche Reaktionen - sollten aber eher selten sein. (im Übrigen gilt in unserem Verein auch die Regel, dass Kinder vor der Gruppe nicht bloßgestellt werden sollen)
Asterix schreibt: "Punkt 3 entfällt bei uns. Wir stehen leider (oder gottseidank?) mit über 40 Kindern zu zweit auf der Matte. Da muss es manchmal etwas "militärischer" zugehen. ... und unter uns: Wir kriegen von den Kindern sogar recht gutes Feedback für unsere Strenge. ;)"
a) Verstehe ich das so, dass Ihr bei den 40 Kindern, die ihr betreut keine Kinder im Alter zwischen 9 und 11 Jahren mit Gürteln über gelb-orange habt? Oder sind die dann alle in einer anderen Gruppe? Mein Gedanke ist eigentlich der, dass die Höhergraduierten und (etwas) älteren Kids beim Vermitteln und Lernen durchaus mit eingebunden werden können, wenn man eine so große Gruppe betreut.

b) Ich kann verstehen, dass Kinder "Strenge" durchaus zu schätzen wissen, ich würde das unterstreichen. Ich hatte mich jedoch weiter oben auch nicht dagegen ausgesprochen, dass man als Judotrainer durchaus auch "streng" sein darf, sondern gesagt, dass ich die Vorliebe von Fritz für "militärische" Verfahren im Judounterricht nicht zu teilen vermag". "Militärisch" und "streng" haben für mich dann doch noch stark unterschiedliche Aspekte und Bedeutungen, z.B. verwende ich Begriffe wie "Antreten", "Umdrehen" "Schritt nach links" im Zusammenhang mit neuen Organisationsformen nicht, da auch zwischen "Anweisungen" und "Befehlen" aus meiner Sicht stark unterschiedliche Aspekte und Bedeutungen liegen.

Möglicherweise liegen in der Art, wie man unterrichtet, eben auch die eigenen Erziehungserfahrungen und die Einschätzung der Wirkungen, die man diesen zuschreibt, wenn man selbst unterrichtet und damit auch erzieht.

Letztendlich liegt die Entscheidung und die Verantwortung für die Art und Weise der Vermittlung der Judo-Inhalte immer in den Händen derjenigen, die sie durchführen.

Jupp

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Re: Kindertraining Gruppengröße

Beitrag von Asterix » 20.11.2014, 22:19

Zu a) Nein, leider nicht (organisatorische Gründe) Die wenigen weiß-gelben helfen schon, wo sie können. Und das erstaunlich gut. ;) Trainer zu dieser Zeit zu bekommen ist auch schwer. Tja, was will man machen...

Was ich damit sagen will: Ohne eine gewisse "militärische" Ausrichtung ist dem schwer beizukommen. Die Grenze zwischen Strenge und militärischer Ausrichtung ist auch immer fließend. Aber letztendlich machen wir Kampfsport. Also eigentlich etwas ziemlich Militärisches. ;) Nur wie überall, man darf eben nicht übertreiben und das macht Fritz, so wie ich ihn kenne sicher auch nicht.

Aber danke für die Tipps, das kann nur hilfreich sein.

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Re: Kindertraining Gruppengröße

Beitrag von Fritz » 21.11.2014, 00:23

Jupp hat geschrieben:Offensichtlich ist noch eine weitere Erklärung nötig (vgl. Punkt b) von Fritz). Der "Störenfried" wird nach der Störung sofort aus der Gruppe genommen und muss am Mattenrand warten, bis der Trainer zu Ende erklärt hat. Erst dann wendet sich der Trainer dem "isolierten" Störenfried wie weiter oben geschildert zu. Es wird also vor der Gruppe überhaupt nicht geredet. Und: ja, es geht ja darum, dass die Regeln "vorgedachte Situationen/Verhaltensweisen" abdecken (Judo lernen, 2012 S. 39 "Verhaltensregeln auf der Judomatte"). Außergewöhnliche Störungen verlangen natürliche auch vom Trainer außergewöhnliche Reaktionen - sollten aber eher selten sein. (im Übrigen gilt in unserem Verein auch die Regel, dass Kinder vor der Gruppe nicht bloßgestellt werden sollen)
Aha, danke für die Klarstellung...
Wenn die Regel aber nicht vor der Gruppe aufgesagt werden muß, entfällt natürlich ein gewisser Erziehungs- bzw. Verinnerlichungseffekt für die Gruppe und evt. auch
etwas Transparenz... Die Gruppe bekommt ja mit, daß jemand "draußen" stehen muß und hinterher mit ihm geredet wird...
Ein Kind für ein Fehlverhalten, welches die Gruppe bzw. den Trainingsbetrieb betrifft, direkt sachlich und begründet darauf anzusprechen, halte ich nicht für
Bloßstellen. Bloßstellen wäre, peinliche Mißgeschicke oder ähnliches zu thematisieren.
Wenn dagegen ein der Schüler kein Problem hat, die Gruppe mit sich und seinem Verhalten zu konfrontieren, dann sollte er auch kein Problem damit haben, daß die Gruppe
es mitbekommt, wenn erzieherisch auf ihm eingewirkt wird... Immerhin ist ja Judo auch ein Erziehungssystem...
Jupp hat geschrieben:"Militärisch" und "streng" haben für mich dann doch noch stark unterschiedliche Aspekte und Bedeutungen, z.B. verwende ich Begriffe wie "Antreten", "Umdrehen" "Schritt nach links" im Zusammenhang mit neuen Organisationsformen nicht, da auch zwischen "Anweisungen" und "Befehlen" aus meiner Sicht stark unterschiedliche Aspekte und Bedeutungen liegen.
Mit "militärisch" meine ich auch eher nicht "stumpf Befehle brüllen", sondern daß es beim Militär einen unheimlich großen Erfahrungsschatz gibt, wie
relativ große Gruppen von Menschen hinsichtlich Ausbildung, Bewegung u. Aufgabenverrichtung im "Gelände" organisiert und gelenkt werden können...
Klare Sprache, klare Anweisungen, ein gewisses Empfinden für Gruppendynamik, Selbstorganisation... so was in der Art...
Übrigens, Jupp, Deine Jungübungsleiter/Helfer, die dann bei den Kindern stehen und die auch mal anstupsen und drauf achten, daß sie aufmerksam zuhören und nicht stören usw...
das geht durchaus schon in diese Richtung :-)
Mit freundlichem Gruß

Fritz

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