Rückenlage/Guard für Kinder

Hier geht es um die Trainingsgestaltung,-methodik,-formen.
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Efeloh
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Rückenlage/Guard für Kinder

Beitrag von Efeloh » 18.03.2014, 13:02

Hallo,

meine Kindergruppe besteht derzeit aus Weiß-gelb-Gurten an der Schwelle zum Gelben, frischgebackenen Weiß-gelben und Weiß-Gurten.
Judoerfahrung zwischen..., ich schätze mal, 1 1/2 Jahren bei den ältesten und ein halbes Jahr bei den jüngsten (7-11 Jahre ist die Verteilung ca.)

Und zwei Sachen bereiten mir kleinere Probleme:

1. Ewiges/unnötiges Rumgedrücke im Kniestand, bis ein Partner mal auf die Seite fällt.
2. Manche Sportler gehen bereitwillig in die Bauchlage ala "nun mach' mal".

Die Rückenlage kommt ja in der PO das erste Mal in der Prüfung zum 6. Kyu vor. Ein Angriff gegen die Rückenlage, ein Angriff aus der Rückenlage heraus.
Mein Gefühl sagt mir, dass man die Position auch früher einführen könnte. In meinen Augen kann ich dann den Kindern ein Werkzeug in die Hand geben, wie sie sich bei Problem 1 verhalten sollen.
Auch ist es eine gute Position, um Tate-shiho-gatame zur Anwendung zu bringen. Gibt ja einige schöne Umdreher.
Mune-gatame und Kesa-gatame kann man zur Anwendung bringen, wenn der Obermann die Beine passiert.

Letztendlich arbeitet man im Boden sonst "nur" mit Festhalten, Befreiungen, und Umdrehern gegen Bank/Bauch.

Wie handhabt ihr das?

Gruß
Flo

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Re: Rückenlage/Guard für Kinder

Beitrag von Freeman » 18.03.2014, 14:12

Ich zeige den Kindern zeitig, dass auch am Boden "geworfen" werden kann. D.h., sie können den Gegner durch z.b. O-Goshi in die Position für Kuzure-Kesa-Gatame bringen. Geht auch aus dem Kniestand. Auch zeige ich den Kindern, dass sie durch Ausweichen den Gegner einfacher zu Fall bringen: Beide drücken, einer dreht sich bei Rechtsgriff mit dem linken Bein gegen den Uhrzeigersinn und zieht Uke am Zugarm in eine Drehung.
Auch kannst du sehr zeitig mit dem Festhaltekreis beginnen. Du musst ja nicht alle Namen nennen bzw. verlangen.
Zur Bauchlage: Ich sage meinen Kindern: Nur wer nicht verliert, hat noch lange nicht gewonnen. Ich vergebe dann Strafen wie im Stand und lasse neu beginnen. Alternativ kannst du mit Ausgangspositionen anfangen: Angriff O-Uchi-Gari, Tori mit einem Bein zwischen Ukes Beinen - und Hajime.

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Re: Rückenlage/Guard für Kinder

Beitrag von Fritz » 18.03.2014, 14:45

Das Problem kommt mir bekannt vor ;-)

Versuch mal mit einem Belohnungssystem arbeiten ;-)

Extrem kurze Bodenrandoris (30Sek. bis 1 min), in denen um eine oder mehrere Positionen und Techniken gekämpft werden soll,
Positionen wie Beinklammer, Rucksackposition, Festhalte, Hebel, Würge usw. usf.
Diese Kurzrandoris mit beliebten Kräftigungsübungen o.ä. abwechseln lassen.

Diejenigen Schüler durch Weglassen oder verringerte Anzahl der Kräftigungsübungen belohnen,
die am Ende der Randorizeit eine dieser Positionen/Techniken eingenommen haben (oder halt den anderen zum Abklopfen brachten).

Das ganze kann man noch mit den unterschiedlichsten Ausgangspositionen im Boden und im Stand variieren...
Mit freundlichem Gruß

Fritz

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Re: Rückenlage/Guard für Kinder

Beitrag von Patrick » 18.03.2014, 18:25

Fritz hat geschrieben:Diejenigen Schüler durch Weglassen oder verringerte Anzahl der Kräftigungsübungen belohnen, die am Ende der Randorizeit eine dieser Positionen/Techniken eingenommen haben (oder halt den anderen zum Abklopfen brachten).
Das ist doch keine Belohnung, sondern eine Bestrafung... ;)
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Re: Rückenlage/Guard für Kinder

Beitrag von Fritz » 18.03.2014, 19:04

Patrick hat geschrieben:Das ist doch keine Belohnung, sondern eine Bestrafung... ;)
Nun ja, für den eine ist das Glas dreiviertel-leer für den anderen einviertel-voll ...

Eine andere Methode, welche prinzipiell die Randori-Aktivität belebt, geht so:
- Die Matte wird zweigeteilt.
- Zu Beginn werden die Paare nach freier Partnerwahl gleichmäßig auf beiden Hälften aufgeteilt.
- Es werden Erfolgskriterien festgelegt (bspw. Wurf / Wurf plus Haltegriff im Stand oder eben Einnahme
einer "guten" Position am Boden.
- Nach Erreichen des/eines Erfolgskriteriums geht derjenige, der es erreicht hat, an den Rand von Hälfte 1 und
derjenige, der es halt nicht geschafft hat, an den Rand von Hälfte 2
- Sobald zwei Leute auf dem Rand stehen, bilden sie ein neues Randoripaar und legen auf "ihrer" Hälfte los.

Selbstverständlich bietet man auch Alternativen zum Randori an. Die Teilnehmer können dann
durch die folgenden Maßnahmen diskret darauf hinweisen, daß sie lieber die Alternative wahrnehmen möchten:

a) mit 2 Leuten oder mehr am jeweiligen Rand rumstehen.
b) auf der Matte rumstehen und nicht kämpfen.
c) ganz langsam zum jeweiligen Rand gehen.

Interessanterweise werden gelegentlich auch die Alternativen wie Liegestütze, Rumpfheben, Kniebeuge oder Hockstrecksprünge von
dem einen oder anderen ganz gern angenommen...
Mit freundlichem Gruß

Fritz

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Re: Rückenlage/Guard für Kinder

Beitrag von florian » 21.03.2014, 13:51

Das Zwei-Matten-Konzept gefällt mir sehr gut, Fritz. Mal gucken, ob wir das demnächst mal einbauen :)

Und an Efeloh:
Wer sagt denn, dass du den Kindern nur das beibringen darfst, was sie für die nächste Prüfung brauchen? Wenn du meinst, ihnen etwas sinnvolles beibringen zu können, dann tu das doch auch. So machen die Kids dann vielleicht nicht in Rekordzeit ihre nächste Prüfung (darum geht es scheinbar auch in einigen Vereinen), aber zumindest meinem Judoverständnis nach sollte der Schwerpunkt des Trainings auch woanders liegen ;)

Grüße

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Re: Rückenlage/Guard für Kinder

Beitrag von Peter el Gaucho » 21.03.2014, 22:06

Um Kínder im Alter von 7 - 10 Jahre zum Kämpfen zu bringen, braucht man weder ein Bestrafungs- noch ein Belohnungssystem. Es reicht schon aus, wenn man ihnen eine hoch motivierende Aufgabe stellt. Auch mit Hilfe von allerlei nützlichen Bodentechniken, die irgendwann mal bei der Gürtelprüfung abgeprüft werden, macht man aus "Kartoffeln" keine "Rennpferde".

Damit die Kids wieder "Bock und Feuer" auf ein Bodenrandori haben, schlage ich dir vor, immer mal wieder zur Abwechslung das "Kreuz-Randori" zu machen. Das geht so:
Uke legt sich flach auf den Bauch. Tori legt sich ebenfalls flach mit dem Bauch auf Ukes Rücken und zwar quer drüber. Beide Körper bilden somit ein "Kreuz" (daher der Name). Uke hat die Aufgabe, aus dieser Unterlage herauszukommen und sich auf seine beiden Füße zu stellen, also in die Standposition zu kommen. Tori hat die Aufgabe, Uke in den Haltegriff zu bringen, also die genau entgegengesetzte Aufgabe. Er muss auch versuchen, Uke daran zu hindern aufzustehen. Das Randori geht los, wenn Uke "hajime" sagt. Wenn Tori seinen Haltegriff schafft, dann ist der Kampf zu Ende (Tori = Gewinner). Wenn Uke es schafft aufzustehen, dann ist der Kampf auch zu Ende (Uke = Gewinner). Anschließend wechseln beide die Rollen, damit es in der zweiten Runde zu einer Revanche kommen kann.

Das ist ein sehr einfaches Randori-Spiel, also sehr leicht zu verstehen im Alter von 7 - 11 Jahren. Meine Judoschüler kämpfen wie die Löwen und strengen sich an, bis sie völlig erschöpft sind. Probiere es einfach mal aus.

Man kann dies auch aus Sicht des Trainers sehen. Hier geht es um die klassische Situation "Unterlage" und "Oberlage". Uke muss so schnell wie möglich aus Unterlage herauskommen und durch den Wechsel in den Stand ein "matte" beim Kampfrichter erreichen. Tori muss so gut wie möglich seine Oberlage erhalten und diese ausnutzen, um mit einer abschließenden Bodentechnik (hier Haltegriff) ein "ippon" beim Kampfrichter zu erreichen. Hierzu kann man sich nicht nur mit hilfreichen Bodentechniken, sondern auch mit Taktik und Strategie beschäftigen, wenn man das mag und die Kínder das hören möchten.
"Beklage dich nicht über die Dunkelheit. Zünde eine Kerze an." (Konfuzius)

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Re: Rückenlage/Guard für Kinder

Beitrag von Judohexe doris » 25.04.2014, 10:37

Hallo zusammen,

das Spiel von "Peter el Gaucho" mache ich regelmäßig. Zusätzlich würze ich es noch mit einer Belohnung für denjenigen, der verloren hat (bekommt als Geschenk damit er nicht traurig ist): je nach Alter 3-5 Liegestütz-Hock-Strecksprünge. Kid´s haben bei dieser positiven Ansage Spaß und noch mehr Ehrgeiz :D

Ein weiteres Randorispiel geht so: Einer macht eine hohe Bank, der andere rutscht auf dem Bauch/Rücken unter der Bank durch. Von der Seite - zwischen den Armen nach vorne (unter dem Kopf) - um den Arm wieder in die Seite - wieder zwischen die Arme nach vorne raus. Der untere rutscht also eine 8. Trainer gibt Kommando: Hajime.

Ein weiterer Weg wäre: Kinder probieren lassen (dein Bsp. Umdrehen aus dem Kniestand); anschließend besprechen was hat geklappt, was nicht, warum nicht (ggf. noch einmal zeigen oder zeigen lassen); Lösungsvorschläge sammeln. Geht auch bei den kleinen - sind ja nicht doof.
Efeloh:2. Manche Sportler gehen bereitwillig in die Bauchlage ala "nun mach' mal".
Kinder dieser Altersgruppe sind von ihrer Entwicklung her oft zu kooperativen Verhaltensweisen noch nicht in der Lage, bzw. sie verstehen es so, wie du es hier beschrieben hast. Das gleiche Problem entsteht beim Werfen. Uke legt sich bei O-Soto-Otoshi oder Uki-Goshi schon fast hin, noch bevor irgend ein Wurfansatz passiert. Es braucht einfach seine Zeit, bis sie verstehen, wieviel Gegenwehr der Partner braucht, um gut lernen zu können. Zieh- und Schiebespiele als Vorbereitung für eine geeignete Wurfsituation gehen gut. Auch hier können die Kid´s selber die Idee entwickeln, welcher Wurf gehen könnte. Dann lassen sich nach und nach Konter, Kombination, Übergang-Stand-Boden etc. darauf aufbauen.
Gruß

Judohexe Doris


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Re: Rückenlage/Guard für Kinder

Beitrag von Holger König » 26.04.2014, 00:31

Besorge Dir mal ein Lehrbuch, welches sich nicht am aktuellen DJB-Prüfungsprogramm orientiert, sondern eher eine Einführung in die Sportart Judo in kurzen Kursen bietet.
Zu empfehlen wäre dabei das (nur noch antiquarisch und selten erhältliche) Buch "Kampfsport in der Schule", welches als Arbeitsmaterial für Sportlehrer im Schulsport den Grundlagenkurs für Kampfsportarten beschreibt. In der DDR war im Schulsport eine der damals drei olympischen Kampfsportarten (es oblag der Schule, welche davon) in der 9. und 10. Klasse mit je 8-10 Unterrichtsstunden obligatorisch. Die darin vorgesehene Technikvielfalt sollte heute noch vor der ersten Prüfung, spätestens jedoch vor dem ersten Wettkampf gelehrt werden.

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Re: Rückenlage/Guard für Kinder

Beitrag von Judohexe doris » 23.09.2014, 09:31

Hi,

eine weitere Möglichkeit, um nun zur Situation "Uke/Tori zwischen Ukes/Toris Beinen" zu gelangen wäre folgende Situation:

2 Kinder sind im 4-Füßer-Stand nebeneinander (Kopf in die gleiche Richtung); beide nehmen sich in den Arm und sollen den Partner/Gegner nach "Hajime" des Trainers auf den Rücken drehen und festhalten. Daraus ergibt sich meist ein nettes, kleines Randori. Nach einigen Wechseln kann dann ausgewertet werden:

Situation 1: Umdrehen in Kuzure-Kesa-Gatame (der Umdrehende greift um die Hüfte, unter dem Arm durch!)

Situation 2: Wenn der Uke beim Umdrehen die 4-Füßer-Position nicht mehr halten kann (also ins Kippen kommt), soll Uke den Obermann versuchen mit den Beinen zu fangen. Es ist dabei egal, ob der ganze Körper umklammert wird oder nur ein Bein.

Alles weitere in dieser Entwicklung ergibt sich dann sinnlogisch, oder?
Gruß

Judohexe Doris


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