Kodokan Goshin Jutsu "Grundlagen": Aikido-Einflüsse

Kime-no-Kata, Kodokan Goshinjitsu und verwandte Kata
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Kodokan Goshin Jutsu "Grundlagen": Aikido-Einflüsse

Beitrag von tutor! » 29.07.2009, 11:48

An der Entwicklung der Kodokan Goshin Jutsu hat u.a. Kenji Tomiki mitgewirkt, eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Aikido-Geschichte (Kurzbiografie: http://de.wikipedia.org/wiki/Kenji_Tomiki). Von Jigoro Kano ist bekannt, dass er ein "Fan" von M. Ueshiba war, dem Begründer des Aikido und dass er - Kano - einige seiner Schüler (z.B. Mochizuki und Tomiki) zu Ueshiba geschickt hat, damit diese Aikido lernen und die gewonnen Kenntnisse anschließend in das Kodokan-Judo einfließen lassen können.

In "Kata of Kodokan Judo revised" fügen die Autoren Kotani (9. Dan, später 10. Dan), Y. Osawa (7. Dan, heute 10. Dan) und Y. Hirose (damals 7. Dan) ein separates Kapitel "Common principles to be acquired prior to the practise of Goshin Jutsu" ein. Es sind danach zwei Prinzipien zu lernen:
  • Kote-gaeshi ("Prinzip des Kipphandhebel")
  • Kote-hineri ("Prinzip des Handrehhebel" oder manchmal auch "Handrehbeugehebel")
Beide Prinzipien, auf denen jeweils eine Vielzahl von Techniken aufbauen, beruhen darauf, dass das Handgelenk Uke gedreht wird.

Bei Kote-gaeshi wird es von Tori aus meist bei gebeugtem Ellbogen gegen den Uhrzeigersinn gedreht und der Gegner geworfen.

Bei Kote-hineri erfolgt die Drehung im Uhrzeigersinn. Oft wird zusätzlich das Handgelenk gebeugt und mit der zweiten Hand der Arm im Ellbogen gestreckt. In dieser Position kann dann der Gegner leicht zu Boden gedrückt und/oder dort gehalten werden.

In der folgenden Demonstration sind beide Techniken in verschiedenen Varianten enthalten. Wer die Kodokan Goshin Jutsu halbwegs im Kopf hat, wird einiges in deutlich ausgefeilterer Form wiederfinden.

Ab 1:28 findet man fantastische Kote-gaeshi, vorher erfolgt die Kontrolle meist mit Variationen von Kote-hineri - ihr werdet es erkennen ;)
I founded a new system for physical culture and mental training as well as for winning contests. I called this "Kodokan Judo",(J. Kano 1898)
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Re: Kodokan Goshin Jutsu "Grundlagen": Aikido-Einflüsse

Beitrag von Reaktivator » 29.07.2009, 13:29

tutor! hat geschrieben:In der folgenden Demonstration sind beide Techniken in verschiedenen Varianten enthalten. Wer die Kodokan Goshin Jutsu halbwegs im Kopf hat, wird einiges in deutlich ausgefeilterer Form wiederfinden.
Tut mir leid, wenn es etwas "off-topic" wird:

Aber hier zeigt sich wieder einmal, wie pragmatisch die Japaner doch sind. Denn das Beste an dem Video ist ja wohl der Griff zum Schweißtuch bei 1:35.

Fazit auch für alle deutschen Kata-Meisterschaftsteilnehmer, die nicht nur eine lieblose Tanzvorführung absolvieren, sondern sich so ins Zeug legen, daß sie ins Schwitzen kommen (Ja - auch das soll es bei Kata geben...):

In Zukunft immer ein Taschentuch vorne in den Judogi stecken - und dann zwischendurch öfter mal den Schweiß abwischen.
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(Alte Internet-Weisheit, frei nach "Reaktivator")

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Re: Kodokan Goshin Jutsu "Grundlagen": Aikido-Einflüsse

Beitrag von judoplayer » 30.07.2009, 14:31

Das Buch "Kata of Kodokan Judo revised" von Kotani, Osawa und Hirose (erschienen 1968) ist eine sehr interessante Quelle zur Kodokan Goshin Jutsu. Es ist nur leider sehr selten und teuer. Zuvor gabe es aber schon in Deutschland ein kleines Judoheft (erschienen 1962) zur Kodokan Goshin Jutsu. Der vollständige Titel laudet:

"Judo Lehrheft des DJB Goshinjitsu-no-kata

Neue offizielle Selbstverteidigungs-Kata des Kodokan (Tokio)
Von Dieter Steen, 2. Dan (Hamburg) "

Das Besondere an diesen schönen Judoheft ist, dass Meister Kotani mit Douglas Bone (England) auf allen Bildern die Techniken selbst vorführt. Auch die Beschreibung der Techniken und Herkunft der Selbstverteidigungsform gefällt mir sehr gut. Im Anhang befinden sich ebenfalls die von tutor! genannten Techniken: Kote-gaeshi und Kote-hineri. Hier zeigt der Meister noch eine andere Variante des Kote-hineri (so wie ich sie bisher als Technik kannte). Bei dieser Variante zeigen die Finger von Uke's rechter Hand nach unten, der Ellbogen ist leicht nach oben angewinkelt. Die Drehung des Handgelenkes erfolgt gegen den Uhrzeigersinn.

siehe dazu Kotani :

http://www.youtube.com/watch?v=idKIYLt1uT0

Position: 0:58

tutor! schrieb:
In der folgenden Demonstration sind beide Techniken in verschiedenen Varianten enthalten. Wer die Kodokan Goshin Jutsu halbwegs im Kopf hat, wird einiges in deutlich ausgefeilterer Form wiederfinden.
Ab 1:28 findet man fantastische Kote-gaeshi, vorher erfolgt die Kontrolle meist mit Variationen von Kote-hineri - ihr werdet es erkennen
Die gezeigte Vorführung ist sehr dynamisch aber auch sehr fortgeschritten und vielleicht zum Verständnis für Anfänger nur bedingt geeignet.
Mein Favorit zur Anschauung und Verständnis des Kote-hineri, Kote-gaeshi und Ude-osae bleibt deshalb diese Demonstration (Kihon Kata 1):

http://www.youtube.com/watch?v=7fY551FJ ... re=related

Schaut euch vor allen die Techniken 1,3 und 4 dazu an. Interessant vor allem, wie der Meister im Video die Verbindung von Judo<->Jujutsu (nach meinen Verständnis der Vorführung) verdeutlicht. Vielleicht kann uns Reaktivator noch etwas mehr zu den Erläuterungen von Prof. Sato als Übersetzer wiedergeben.
Viele Grüße

Judoplayer

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