Free-style Judo

Hier geht es um einzelne Begriffe und deren wörtliche Übersetzung bzw. deren Bedeutung in verschiedenen Zusammenhängen.
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Peter el Gaucho
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Free-style Judo

Beitrag von Peter el Gaucho » 04.03.2016, 15:49

Der Begriff "Free-style Judo" geistert immer wieder herum. Da es vermutlich keine eindeutige Definition gibt (so meine Vermutung), kann man sich sicherlich selbst kreative Gedanken machen, was man darunter verstehen mag. Darum möchte ich heute hier gerne anfragen, was ihr darunter versteht?

Ich selbst versuche zur Zeit diesen Begriff inhaltlich zu füllen und möchte eine mögliche Form dieses Free-style Judos auch planmäßig im Trainingsprogramm integrieren, damit im Training mehr Abwechslung, mehr Kreativität und mehr Motivation der Schüler entsteht. In den letzten beiden Jahren hatte ich soetwas immer wieder mal, aber nicht regelmäßig, im Training integriert und es kam sehr positiv an.

Ich selbst würde drei Bereiche unterscheiden:
1. Bereich: Formen des Randoris und des Kampfes
Beispiele: No-Gi-Judo, Randori nur mit den verbotenen Beingreifer-Techniken,
Wettkampf außerhalb der IJF-Kampfregeln, u.s.w.
2. Bereich: Judo-Show
Beispiele: Judowürfe in Extrem-Zeitlupe vorführen, Judowürfe wie im Film im Vorwärts- und Rückwärts-Modus vorführen, u.s.w.
3. Bereich: Akrobatik mit judospezifischen Bewegungen

Ich denke, dass dieses Thema für Viele interessant sein könnte. Dabei denke ich auch an die ganz vielen Diskussionen hier im Forum zu Themen wie kann man Judo in der Öffentlichkeit populärer machen oder wie können Vereine ihr Training gestalten ohne Vorgaben aus irgendeinem Verband.

Eins soll aber klar sein, damit ich nicht missverstanden werde: Free-style-Judo soll nicht das Kodokan-Judo im Training ersetzen, sondern es soll nur eine kleine inhaltliche Ergänzung zum traditionellen Training sein, mit dem besonders die Motivation zum Judo angesprochen wird. Also nur eine Art Bereicherung. Ich möchte auch keinen neuen Verband gründen oder die Vereine zum Verlassen ihrer Verbände animieren. Ich bin mit meinem Verband zufrieden.
"Beklage dich nicht über die Dunkelheit. Zünde eine Kerze an." (Konfuzius)

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Fritz
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Re: Free-style Judo

Beitrag von Fritz » 04.03.2016, 17:29

Der Begriff ist bereits belegt: http://www.freestylejudo.org/

Und es gab/gibt wohl auch mal bei uns in Deutschland eine Gruppe von Leuten, die da mitmachen wollten,
hatten aber m.E. den Fehler gemacht zu viele ulkige Video, welche eine recht merkwürdige "Technik"-Auffassung
darboten, ins Netz zu stellen ...
Mit freundlichem Gruß

Fritz

Holger König
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Re: Free-style Judo

Beitrag von Holger König » 05.03.2016, 01:41

Eine solche Form von künftig zwei Regelwerken für den Wettkampf, könnte ich mir in Anlehnung an die Ringer-Regeln vorstellen, wo es den klassischen (griechisch-römischen) Stil und den Freistil gibt.

Freistil im Judo würde für mich eine Rückkehr zu den Regeln zu Lebzeiten Kanos bedeuten, wobei lediglich verletzungsträchtige Aktionen verboten würden. Wurfeinschränkungen (Beinfasser o.ä.), sog. "Negativ-Judo" usw. sind für einen erfahrenen Judoka keine echten Hindernisse. Es würden eher wieder seltene Kampftechniken verstärkt gelehrt werden müssen. Dies würde sogar die Vielseitigkeit steigern. Gegen Stemmen, Abbeugen usw. kann man geeignete Techniken einsetzen und gegen Beinfasser muß man sich auch wehren können.

caesar
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Re: Free-style Judo

Beitrag von caesar » 09.03.2016, 19:47

Holger König hat geschrieben: Freistil im Judo würde für mich eine Rückkehr zu den Regeln zu Lebzeiten Kanos bedeuten, wobei lediglich verletzungsträchtige Aktionen verboten würden.
Wie waren die Regeln zu Lebzeiten Kanos und was sind dann die verletzungsträchtigen Aktionen, die verboten sein sollen?

Holger König
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Re: Free-style Judo

Beitrag von Holger König » 10.03.2016, 01:15

Wie die ursprünglichen Regeln waren, läßt sich sicherlich erforschen. Verbieten würde ich solche Handlungen, wie da Eintauchen mit dem Kopf in die Matte als Stützpunkt (z.B. bei Uchi-Mata), sowie Sprungschere. Alle weiteren Verbote müßten aus Statistiken über gemeldete Sportverletzungen begründet werden.
Für folgende Verbote sehe ich keine Begründung:

- Griffe in die Beine (sowohl für den Wurf, als auch zur Verteidigung)
- Stemmen und andere als "Negativ-Judo" diffamierte Verteidigungen
- Umgreifen von oben/hinten gegen einen abgebeugten Gegner (Tawara-Guruma/Otoshi (beide Namensvarianten werden in der Literatur für den "Strohballenwurf" genutzt)).

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Fritz
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Re: Free-style Judo

Beitrag von Fritz » 10.03.2016, 10:45

Holger König hat geschrieben:- Umgreifen von oben/hinten gegen einen abgebeugten Gegner (Tawara-Guruma/Otoshi (beide Namensvarianten werden in der Literatur für den "Strohballenwurf" genutzt)).
Du meinst sicher Tawara-Gaeshi, wenn es gegen einen abgebeugten Gegner geht. Der ist nicht verboten.

Tawara-Guruma ist ein Kata-Guruma, wo die Bewegung des Gegners nicht weitergeführt wird, sondern der Gegner nach vorn sozusagen über Toris Nacken/Kopf vor Tori runter fallen gelassen wird.
Das ist durch das Beingreif-Verbot verboten...

Dann gibt es noch die Variante, wo Tori nach Kata-Guruma-Ansatz mitsamt Uke nach hinten umfällt. Dieses ist bereits seit geraumer Zeit verboten, was ich auch für sinnvoll halte...


@casear: Zur Frage der Regeln zu Kanos Lebzeiten, gab es irgendwo mal einen Faden...
Sieh mal:
http://judoinfo.com/rules.htm
http://judoinfo.com/rules3.htm
Mit freundlichem Gruß

Fritz

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Re: Free-style Judo

Beitrag von tutor! » 10.03.2016, 14:09

Fritz hat geschrieben:(...)
@casear: Zur Frage der Regeln zu Kanos Lebzeiten, gab es irgendwo mal einen Faden...
Sieh mal:
http://judoinfo.com/rules.htm
http://judoinfo.com/rules3.htm
Der erste Link hat nichts mit Kodokan-Judo Regeln zu tun, der zweite dagegen schon.

Allerdings gab es ja bekanntermaßen in den 1920ern durch Kano selbst massiv betrieben Regeländerungen, u.a. alles, was mit Übergang in die Bodenlage zu tun hat.
I founded a new system for physical culture and mental training as well as for winning contests. I called this "Kodokan Judo",(J. Kano 1898)
Techniques are only the words of the language judo (Cichorei Kano, 24.12.2008)

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Re: Free-style Judo

Beitrag von caesar » 10.03.2016, 16:22

Auch davor gab es schon immer wieder Technikverbote.

Von daher ist die Aussage "Regeln zu Lebzeiten Kanos" sehr dehnbar.

Sprungschere, ich denke, du meinst Kani-basami, war zu seinen Lebzeiten und auch lange danach noch erlaubt.

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Re: Free-style Judo

Beitrag von Holger König » 11.03.2016, 01:06

Die Basis eines neuen Regelwerkes könnten die letzten, von Kano ausgearbeiteten Regeln sein. Meine Beispiele für besonders verletztungsträchtige Techniken, bei denen Verbote sinnvoll sind, habe ich danach ausgewählt, wo ich selbst ein Verbot nachvollziehen kann. Seit wann fällt das rückwärtige Umklammern eines abgebeugten Gegners nicht mehr unter das Verbot des "Bärengriffs"?

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Re: Free-style Judo

Beitrag von caesar » 12.03.2016, 00:40

Holger König hat geschrieben:Seit wann fällt das rückwärtige Umklammern eines abgebeugten Gegners nicht mehr unter das Verbot des "Bärengriffs"?
Ich glaube schon immer.

In den USA, die eh eine relativ komplizierte Judolandschaft haben, gibt es auch eine Bewegung zum Freestyle Judo.
Hier gibt es einen Blogbeitrag von Gerald Lafon dazu
http://betterjudo.com/judo-america-tour ... #more-2626
Gut, Gerald Lafon ist insgesamt auch etwas seltsam.

Hier die amerikanischen Freestyle Judo Regeln
http://www.freestylejudo.org/rules/

Holger König
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Re: Free-style Judo

Beitrag von Holger König » 12.03.2016, 01:30

Gibt es davon auch eine deutsche Übersetzung?

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Re: Free-style Judo

Beitrag von Fritz » 12.03.2016, 14:51

caesar hat geschrieben:
Holger König hat geschrieben:Seit wann fällt das rückwärtige Umklammern eines abgebeugten Gegners nicht mehr unter das Verbot des "Bärengriffs"?
Ich glaube schon immer.
Wobei das "Bärengriff"-Verbot eine relativ neue Erfindung ist. Und mittlerweile auch entschärft,
man muß vorher halt "normal" gegriffen haben...
Wobei ich das Bärengriff-Verbot insgesamt für fragwürdig halte, da ich guten Judoka schon zutraue,
mit etwas Training mit solcherart Überraschungsangriffen judomäßig umzugehen und Nutzen draus zu ziehen, daß der andere schön dicht ran muß ...
gut evt. harmoniert das dann nicht mit dem Drang, dem anderen gleich über die Schulter in den Rücken zu greifen, um ihn zu knechten, aber mit guter
"Standard-Kumi-Kata" sollte es recht schwer werden, einen Bärengriff gesetzt zu bekommen...
Mit freundlichem Gruß

Fritz

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Re: Free-style Judo

Beitrag von caesar » 12.03.2016, 21:55

Holger König hat geschrieben:Gibt es davon auch eine deutsche Übersetzung?
Nicht das ich wüsste, aber google hilft dir da bestimmt, auch bei einer Übersetzung.

Es gibt davon auch Videos bei youtube, die Offenbarung ist das jetzt auch nicht.
Die Athleten machen die Kämpfe, nicht die Regeln.

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Re: Free-style Judo

Beitrag von caesar » 18.03.2016, 16:50


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