Erfahrungsbericht Wiedereinstieg

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Uschi Martha
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Erfahrungsbericht Wiedereinstieg

Beitrag von Uschi Martha » 31.03.2015, 16:51

Hallo zusammen,

ich habe es getan und mich nach zwanzig Jahren wieder auf die Matte gewagt. Um es vorwegzunehmen, es war ein tolles Gefühl. Vielleicht ist mein etwas indirekter Weg zurück zum Judo interessant für diejenigen älteren Semester, die ebenfalls einen inneren Konflikt mit sich austragen und vor der „Soll ich oder soll ich nicht“-Frage stehen.

Bis zu meinem vierzehnten Lebensjahr habe ich aktiv Judo betrieben. Der Sport hat mir persönlich viel gegeben. Durch Judo wurde die tief in mir vergrabene Sportlichkeit und Traute geweckt, die in meinem behüteten Elternhaus irgendwie nicht ausgelebt werden konnte. In den Anfangsjahren war es echte Liebe. Die Halle war voll mit Kindern und der Spaß war bei jedem Training riesig. Später waren dann nur noch einige wenige dabei und man wurde regelrecht genötigt, an Wettkämpfen teilzunehmen. Es war ein polizeilich geprägter Verein und der Umgangston sehr rau. Aus Spaß wurde schleichend Pflicht und andere (Kampf)sportarten schienen hipper zu sein. Also war die Judokarriere schon vorbei noch bevor sie richtig begonnen hatte.

In den Folgejahren habe ich immer wieder in andere Kampfsportarten reingeschnuppert, aber nie das gefunden, was für mich das Judo realistisch gemacht hat – das wirkliche Kämpfen. Abgesehen vom Boxen wurde in den übrigen Kampfkünsten fast nur choreographiert. Vor einigen Monaten bin ich kurzentschlossen zu einem BJJ-Training gegangen. Was soll ich sagen, ich bin danach zwei Tagen mit einem Dauergrinsen durch die Gegend gelaufen. Es war so, als ob ich einen lange vergessenen Freund wiedergetroffenen hätte. Nun ist das Bodenrepertoire, das ich als Kind gelernt hatte, sehr begrenzt (Kesa gatame bis zum bitteren Ende halten, ggf. Armbar), aber es war fast automatisch wieder da und hat zumindest dabei geholfen, sich nicht wie ein totaler Depp zu fühlen.

Ich fand den Wiedereinstieg über den Bodenkampf nicht schlecht, aber irgendwann kribbelt es dann doch und man möchte wieder werfen und geworfen werden. Im BJJ werden sporadisch einige Wurfübungen eingestreut. Da die meist unerfahrenen erwachsenen Teilnehmer mit Ausnahme der Wettkämpfer in der Regel nicht gut fallen können, sind das ziemlich kritische Passagen. Man hat ständig Angst, jemanden zu verletzen. Hier kann das aus dem Bodenkampf übernommene „ins kalte Wasser Werfen“ für Anfänger richtig nach hinten losgehen. Ein Wiedereinstieg in den Standkampf über BJJ erschien mir nicht zweckmäßig.

Also bin ich kurioserweise über das BJJ zurück zum Judo gekommen. In unserem örtlichen Sportverein gibt es ein Training für Erwachsene, das ich nun besuche. War schön, mal wieder einen der Standardwürfe zu machen. Es dauert zwar etwas, aber so langsam kommen einem die Inhalte wieder bekannt vor. Die Fallschule klappt bspw. schon wieder ganz gut. Bisher sollte ich nur zu den Techniktrainings kommen, was sicherlich am Anfang Sinn macht. Mal sehen, wie sich das erste Randori anfühlen wird.

Im Nachhinein hätte ich vielleicht zuerst wieder mit dem Judo beginnen sollen, um dann irgendwann das BJJ als mögliche Ergänzung in Erwägung zu ziehen. Bin in jedem Fall gespannt wie man im Judoverein mit dem kämpferischen Element umgeht. Bei einigen Sportlern habe ich schon den Eindruck, dass sie zwar ihre 437 Techniken roboterartig abspulen können, aber keinen Bezug zum kämpfen haben (analog Hausfrauenkarate). Vielleicht täusche ich mich auch.

Gruß

Uschi

s.Olli
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Re: Erfahrungsbericht Wiedereinstieg

Beitrag von s.Olli » 19.07.2017, 13:52

Hallo Uschi,

bist du noch dabei? Wie beurteilst du die Situation aus heutiger Sicht - mit etwas Abstand? Ich selbst habe auch einige Jahre Sportpause hinter mir und trainiere inzwischen wieder regelmäßig - voller Begeisterung. Bei mir sitzen noch die meisten Techniken in ihrer Grundform und Fallen klappt auch ganz gut. Aber ich bin in den letzten Jahren extrem unbeweglich geworden, woran ich verständlicherweise etwas ändern möchte.

Schreib doch mal !

bye ...
s . O l l i

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