Prioritäten und andere Exesse

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HBt.
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Prioritäten und andere Exesse

Beitrag von HBt. » 07.12.2016, 13:23

tutor! hat geschrieben:
HBt. hat geschrieben:Ich gewinne den Eindruck, Kata auf diesem Niveau ist etwas für eine finanziell unabhängige Elite.
Nein, aber es ist etwas für Menschen, die Prioritäten setzen, die für Training auch schon mal Urlaub nehmen. Das gilt aber für jeden Leistungssport in derselben Weise. Es ist richtig, dass das manch einem nicht möglich ist, aber unter denjenigen, die es dennoch machen, sind nicht alle reich begütert.

Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch relativ gut betuchte Leute, die regelmäßig nach Japan fahren und sich hierzulande als Experten fühlen, obwohl zumindest ich sie dort noch nicht ernsthaft habe trainieren sehen. Aber das ist ein anderes Problem... also: nicht jeder, der überall dabei ist, bekommt auch alles mit. Wer nicht da ist, aber auch nicht.

BTW: Im Frühjahr gibt es einige interessante Maßnahmen, für diejenigen, die nicht so weit fahren und nicht so viel Zeit investieren können. So wird z.B. eine Vertretung des Kodokan in Berlin erwartet und in Oldenburg wird diesmal nicht die "Stammbesetzung" der letzten Jahre unterrichten.
Sehen wir den Realitäten ins Auge:

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Was geht ab

Beitrag von HBt. » 07.12.2016, 13:56

1)
Da nicht jeder Judoka reisen können wird - und möglicherweise auch einen Termin kurzfristig absagen muss, Gründe dafür sind mannigfaltig (z.B. der Trainingspartner kann nicht, die Kinder sind krank, ein nicht geplanter Krankenhausbesuch, Auto kaputt, kein Geld ... berufliche Forderungen) -> wäre es grundsätzlich zu begrüßen, wenn WISSEN offen geteilt wird.

Videos, Artikel, Foreneinträge ---> frei zugänglich sollten sie auch noch sein.

Wissen freizügig teilen / bereitstellen.


2)
Welche Klientel fliegt den nun an die wunderschönen Urlaubsparadiese (?) der typische deutsche Angestellte oder Arbeiter bestimmt nicht.

Der Arbeiter / Angestellte ist froh wenn er halbwegs stabile Verhältnisse vorfindet, einen Rahmen in dem er sich gesund bewegen kann. Überhaupt ist "gesund" das Stichwort schlecht hin. Eher die Regel als die Ausnahme ist
ein katastrophaler Allgemeinzustand, meistens ist einer von beiden Partner krank (die Depression, sämtliche andere Erscheinungsformen und der Krebs sind hier zu nennen), dzu kommen die Bedürfnisse der Kinder, der Schule, ...

Hierzu zählt noch

3)
Die Luftverschmutzung (CO2 und die FCKWs sind eher kein echtes Problem), keine deutsche Stadt hält im Verlauf der 12 Monate eines Jahres Grenzwerte ein, keine ... seit mindestens fünf Jahren betonen Fachärzte die Dringlichkeit
in dieser Angelegenheit (Feinstaub & die Stickoxide NO2, ein echtes Giftgas), Erkrankungen der Atemwege nehmen dramatisch zu ... und das Zeug verlässt die Lunge auch nicht mehr, nada.

4)
Unser Trinkwasser,
damit sieht es nicht einen Funken besser aus ---> Verbraucht, verunreinigt, verseucht ---> giftig, es wird einfach knapp auf diesem Planeten.

5)
Permanenter Lärm (wir alle werden immer lauter), permanente Reize durch bunte Lichtblitze ---> macht krank.



Womit soll man sich ablenken? Mit ein bisschen Krieg / Gewalt / Geld / Macht ...

ach was,
ich setzte mich einfach in mein modernes Dieselfahrzeug, mache eine Kreuzfahrt, fliege nach Japan, Malta, Fuerte, ... machs mir hübsch, feuere den Kamin an, trinke ein Glas Wein, verdränge, denke "ich bin unsterblich".





Kann Judo die Welt verbessern oder die Kirche?

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Was geht ab II

Beitrag von HBt. » 07.12.2016, 14:02

6)
Die digitale Demenz

Völlige Volksverblödung und penetrante Medienpräsenz.

7)
Keine Kommunikation mehr möglich

Das Smartphone ist immer dabei, maximale Aufmerksamkeitsspanne zwei Minuten ---> wisch & weg.


Nach einer Findungsphase mit Beginn der internationalen Kata-Meisterschaften hat sich Intensität und Austausch bei einigen deutlich erhöht. Nun geht die Schere zwischen denen, die intensiv arbeiten, und jenen, die wie immer agieren, immer weiter auf.


8.
Demontage der Demokratie

Abbau demokratischer Werte & Verständlichkeiten ---> können wir täglich erkennen, dabei leisten nicht nur SocialBOTs ihre Arbeit


9.
stetig fallender Wohlstand der Mittelschicht, von echter Armut reden wir besser erst gar nicht,
bei gleichzeitig unermesslich steigendem Vermögen der Reichen. Über die Superreichen (Master of the Univers) reden wir besser auch nicht, sie kaufen ihren Kindern eine eigene Insel oder ein ganzes Land, mit eigenem Anwesen und Flugplatz.




Lese oder höre ich irgendwo "Schere", dann fallen mir immer so komische Dinge ein :crybaby ;)
Naja,
zum 2016mal jährt sich Jesus Geburt, also:

10)
Kaufen

Das Kauf- u. Konsumverhalten, völlig rücksichtslos und ungezügelt https://youtu.be/HnzCY5bUkRY

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Essen, trinken und schlafen

Beitrag von HBt. » 08.12.2016, 09:40

(...)
von Leuten, die sich über Jahre wirklich Mühe geben UND qualifizierte Lehrer haben?
Wie finanzieren qualifizierte Lehrer ihren Lebensunterhalt?

Nehmen wir z.B. Kyuzo Mifune (ein Judoka der zweiten Generation), hat Mifune einen normalen 8h bis 10h Job gehabt, musste er sich täglich dem Schlachtfeld (Competion) "deutsche Straßenverhältnisse" durch Pendeln stellen?
Ich glaube, er hat sein Geld als Judoka verdient!

Die Liste ist endlos ...

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Re: Prioritäten und andere Exesse

Beitrag von tutor! » 08.12.2016, 10:32

Kano hatte sich schon sehr früh darum bemüht, dass die Judolehrer Vollprofis mit einem angemessenen Salär waren. Heute wissen wir ja auch, dass Spitzenergebnisse im Leistungssport nur durch einen professionellen Trainerstab in einem effizienten Stützpunktsystem möglich sind.

In Deutschland haben wir leider noch eine verbreitete Kultur, dass man man professionelle Leistung und Qualität am liebsten kostenlos abgreifen möchte.
I founded a new system for physical culture and mental training as well as for winning contests. I called this "Kodokan Judo",(J. Kano 1898)
Techniques are only the words of the language judo (Cichorei Kano, 24.12.2008)

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Zeitenwende

Beitrag von HBt. » 08.12.2016, 10:56

tutor! hat geschrieben:Kano hatte sich schon sehr früh darum bemüht, dass die Judolehrer Vollprofis mit einem angemessenen Salär waren. Heute wissen wir ja auch, dass Spitzenergebnisse im Leistungssport nur durch einen professionellen Trainerstab in einem effizienten Stützpunktsystem möglich sind.

In Deutschland haben wir leider noch eine verbreitete Kultur, dass man man professionelle Leistung und Qualität am liebsten kostenlos abgreifen möchte.
Diesen Punkt habe ich jahrzehntelang bemängelt - und mehr Professionalität gefordert / wenigstens ernsthaft darüber nachdenken, dachte ich. Noch Anfang des neuen Jahrhunderts stößte man größten Teils auf taube Ohren.
Fatalistisch könnte man meinen: jetzt ist der Zug abgefahren. Ist er das?


Schweifen wir kurz ab:
Ein Erstsemester Mathematik hat mittlerweile einen 16h-Arbeitstag ... wir lassen uns keine Zeit, keine Zeit zum Reifen / Entwickeln ... und träumen. Jeder will alles, alles sofort ---> Druck!

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