Eine Anfrage

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H.Feid
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Eine Anfrage

Beitrag von H.Feid » 04.05.2018, 14:28

Liebe Judoka,

Mein Anliegen ist folgendes: Ich schreibe an einem Buch, in dem auch Judo vorkommt. Ich selbst bin kein Judoka und kenne diese Welt nicht. Also, ein Junge, 19 Jahre, schwarzer Gürtel, fährt nach Japan, um dort zu trainieren. Er hört von den Schlag- und Tritttechniken (Atemiwaza) und möchte mehr davon erfahren, da sie in seinem Verein (die Geschichte spielt im Jahr 1997) nicht (mehr) gelehrt werden. Judo ist olympischer Sport, und da haben diese zum Teil gefährlichen Techniken eben nichts zu suchen. Das weiß er auch, aber er möchte dennoch mehr darüber wissen. Sein japanischer Lehrer (Sensei) geht mit ihm zu einer Demonstration. Um diese Szene glaubhaft zu gestalten, möchte ich folgendes wissen. Welche Arm- und Beinbewegungen (oder wenigstens einige) werden dabei eingesetzt und auf welche Körperpartien müssen sie treffen. Weiterhin, welchen Schaden können sie beim Gegner anrichten, beziehungsweise, welche (gefährlichen, tödlichen) Folgen können sie haben.
Gibt es darüber, auch in Englisch, irgendwelche Literatur? Oder wer könnte mir da weiterhelfen?
Vielleicht wissen Sie auch jemand, der die Judoszenen (das Manuskript ist noch in Arbeit) in dem Roman kritisch lesen könnte, damit ich mich später bei meinen Lesern nicht blamiere.

Mit freundliche Grüßen,
H. Feid

HBt.
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Re: Eine Anfrage

Beitrag von HBt. » 04.05.2018, 15:17

Hallo "H. Feid",
nimm doch einmal zum User "tutor!" Kontakt auf. Er müsste Dir vielleicht helfen können.


Bitte sei nicht traurig, aber ich möchte Deinen Roman nicht lesen müssen ;-).


Gruß,
HBt.

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Re: Eine Anfrage

Beitrag von tutor! » 04.05.2018, 18:16

H.Feid hat geschrieben:
04.05.2018, 14:28
Liebe Judoka,

Mein Anliegen ist folgendes: Ich schreibe an einem Buch, in dem auch Judo vorkommt. Ich selbst bin kein Judoka und kenne diese Welt nicht.
Schuster, bleib bei Deinem Leisten....
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Re: Eine Anfrage

Beitrag von Fritz » 04.05.2018, 18:47

Hmm, ich empfehle aus Recherche-Gründen, einfach mal eine Weile selbst Judo zu trainieren ..
Mit freundlichem Gruß

Fritz

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Re: Eine Anfrage

Beitrag von Juiz » 04.05.2018, 21:07

Hi,

ich bin da großzügiger als meine Vorredner...

Du könntest uns ja einen Gefallen tun und an irgendeiner Stelle (typischerweise der Vita des Autors ;-) ) erwähnen, dass du keine Ahnung von Judo hast.

Fiktion bleibt Fiktion und bei Wissenschaft und Technik stehen mir schließlich auch häufig genug die Haare zu berge :-)

Also zu deiner Frage: Es gibt im Buch "Kodokan Judo" von einem Autorenkollektiv veröffentlicht im Namen von Jigoro Kano (auch auf deutsch erhältlich) grundsätzliche Informationen zu Atemiwaza und ich glaube auch zu Vitalpoints.

Viel Spaß damit.

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Re: Eine Anfrage

Beitrag von JudoSakura » 05.05.2018, 18:33

Hallo H.Feid,

ich empfehle dir, hier im Fórum zu schreiben, wo in welcher Región oder Stadt du wohnst. Dadurch wird es möglich, dass vielleicht jemand hier aus dem Fórum dich zum Judotraining einlädt. Mit ihm kannst du dann ganz konkret und mit eigener Körpererfahrung die von die gewünschten Techniken ausprobieren und bekommst dazu alle Fragen beantwortet. Ich denke, dass 2 Trainings ausreichen.

Falls dich niemand einlädt, dann frage beim Landesverband für Judo oder auch für Ju-Jiutsu nach, welche Vereine in deiner Nähe sind und geh dort einfach zum Training hin. Mit dem dortigen Trainer kannst du dein Anliegen sehr konkret besprechen.

Machen und selbst körperlich fühlen ist sicherlich eine bessere Erfahrung als irgendwelche Beschreibungen im Buch nachzulesen.

H.Feid
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Danke

Beitrag von H.Feid » 07.05.2018, 10:53

Liebe Judoka!
Vielen Dank für Eure Informationen. Ich wohne übrigens in Berlin und war auch da schon beim Judo-Verband Berlin und konnte einige Kurzinterviews durchführen, aber zu meinem Thema konnte (wollte?) keiner mit der Sprache herausrücken. Daher bin ich hier im Forum gelandet. Ich habe mich auch schon an anderer Stelle zu informieren versucht, aber wurde immer abschlägig behandelt. Tatsächlich ist wohl das Buch Kodokan Judo von Jigoro Kano die einzige Möglichkeit, etwas Konkretes zu erfahren. Es gab eine engl. Ausgabe mit Illustrationen (1955), die aber vergriffen scheint, wo man auch danach fragt.
Auf jeden Fall allen ein herzliches Dankeschön!
H. Feid

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Re: Eine Anfrage

Beitrag von tutor! » 07.05.2018, 12:09

Vor allem ist der Kontext völlig an der Realtität vorbei!

Gerade in Japan sieht das Judo völlig anders aus, als man es sich in Deutschland vorstellt. Ein 19-jähriger, der nach Japan geht und dort Judo machen will, wird im Prinzip an einer Uni landen und dort den A***** gehauen krigen. Er wird da keinen "Sensei" haben oder dgl. mehr, der mit ihm irgendwo hingeht. Und schon gar nicht 1997.

Die Situation 1997 war in Kürze die, dass Atemi-waza in Japan nur im Rahmen von Kata zur Vorbereitung auf eine Prüfung gemacht wurden. Und zwar i.d.R. ab 6. Dan aufwärts. Da kommt der 19-jährige gar nicht erst hin, weil - s.o. - er in der Uni Randori macht.

Kleine Ausnahme... der Kodokan, wo in erster Linie Touristen auf der Suche nach dem "authentischen" Judo sind. Dort interessierte man sich aber damals auch nicht so wirklich dafür, weil die Nachfrage aus dem Ausland zu der Zeit noch nicht so angeheizt war wie heute (Flüge waren damals noch zu teuer) und im japanischen Inland die Situation war, wie ich es beschrieben haben.

Nachfrage nach dem "traditionellen" Judo wurde erst später im Ausland und vor allem durch Internet usw. getriggert. Oft wurde aber auch traditionelles Judo mit historischem Judo verwechselt und so mancher, der nach Japan kam, musste erschrocken feststellen, dass das, was er sich unter authentisch und traditionell vorgestellt hat, doch nicht so ganz den Realitäten entspricht. Anekdote ohne Namen: die Söhne eines deutschen Judopioniers studierten in den 1980er Jahren in Tokio und verhinderten mit vereinten Kräften, dass sich ihr Vater den Lebenstraum erfüllt, einmal nach Japan zu reisen und dort Judo zu machen. Sie wussten, dass für ihn in Anbetracht der Realität die Judowelt zusammenbrechen würde.

Insofern ist das von Dir geschilderte Szenario vollkommen realitätsfern - und jeder, der sich auch nur halbwegs auskennt, wird das merken und sich seinen Teil denken.

In den alten Ausgaben von Kodokan Judo steht übrigens auch nicht mehr über Atemi-waza drin als in der aktuellen...
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Beitrag von HBt. » 07.05.2018, 12:38

aber er möchte dennoch mehr darüber wissen. Sein japanischer Lehrer (Sensei) geht mit ihm zu einer Demonstration.
So ein Mist aber auch.


Die Lösung lautet:


Mr. Miyagi fragen

:rofl



@H.Feid

Ich gehe davon aus, Du wirst nach dem Erfolg des ersten Roman noch zwei Nachfolger fabrizieren
JudoKid one, two, three.

Danach folgt dann noch "Zero" ... hier trifft der Held auf den 17jährigen Jigoro Kano. Kano wird von bösen Sake-Nasen verhauen und Du (der Held) rettest ihn aus den Fängen der Schwarzbrenner.
Fortan ist Kano Dir zu Dank verpflichtet, er verspricht' die geheimen Techniken nur an Auserwählte weiterzugeben. Die geheimen Techniken sind ein Geschenkt des Helden an Jigoro - Atemiwaza.


Lass es einfach sein.

:eusa_doh

Gruß,
HBt.

PS
In den alten Ausgaben des 'Illustrated Kodokan Judo' steht nichts, das Du nicht auch in der gültigen (aktuellen) Fassung findest.

Bist Du ein Troll?

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Re: Eine Anfrage

Beitrag von Fritz » 07.05.2018, 13:04

Naja, könnte ja sein, daß der Protoganist was von Atemi hört, es an der Uni nicht findet und dann
über Empfehlungen beim Nihon-JuJutsu (bspw. im Botschafts-Klub http://usejc.com/) landete und
darüber evt. noch Kontakt zu Koryu-Lehrern bekommt ...
Mit freundlichem Gruß

Fritz

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Re: Eine Anfrage

Beitrag von Lileu » 08.05.2018, 12:55

... oder beim Yoseikan Budo, oder beim Kudo / Daido Juku...

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Re: Eine Anfrage

Beitrag von tutor! » 08.05.2018, 13:32

oder gleich zum Karate....
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nochmals Danke!

Beitrag von H.Feid » 08.05.2018, 17:02

Liebe Judoka!
Nochmals vielen Dank für Eure Informationen, die ich gerne beherzige. Besonders auch einen großen Dank an tutor für seine detaillierten Informationen. Um 1997 war ich in Japan und hätte mich da etwas mehr um Judo kümmern sollen. Und auch keine Angst, es wird kein Judo-Kid Roman, schon gar nicht Judo-Kid II und III. Tatsächlich spielt Judo bzw. die Judotechniken nur eine untergeordnete Rolle in dem Roman, an dem ich arbeite. Ich wollte einfach mehr darüber wissen, bzw. auch etwas, was ich dann u. U. gar nicht verarbeite. Rein aus Interesse.
Auf jeden Fall allen ein herzliches Dankeschön!
H. Feid

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Der Protagonist

Beitrag von HBt. » 09.05.2018, 10:38

... könnte sich noch zusätzlich für die Quellen des "modernen Judo" interessieren:



@H.Feind,
viel Erfolg bei Deiner weiteren Recherche. Das moderne Judo beinhaltet keine faszinierenden Geheimnisse. Du wirst im Internetz oder (ganz klassisch) in den öffentlichen Bibliotheken Deutschlands fündig werden.


ATEMI
ist ein heikles Thema, aber kein heißes Eisen.

Beim Aikido existieren Atemis überall und jederzeit, kaum zu glauben, doch so ist es. Vielleicht schickst Du deine Hauptfigur nicht nur zum Judosport, sondern auch einmal zum Aikido. Unter Umständen interessiert er sich plötzlich
für eine der "alten Schulen" oder für ...



und findet Sportjudo doof.



Bleibt John oder Jane Doe in Japan?

#
Möglicherweise möchte ich Deinen Roman doch gerne lesen ;-).


Gruß,
HBt.

HBt.
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Ach ja ...

Beitrag von HBt. » 09.05.2018, 10:54

tutor! hat geschrieben:(...)
Anekdote ohne Namen: die Söhne eines deutschen Judopioniers studierten in den 1980er Jahren in Tokio und verhinderten mit vereinten Kräften, dass sich ihr Vater den Lebenstraum erfüllt, einmal nach Japan zu reisen und dort Judo zu machen. Sie wussten, dass für ihn in Anbetracht der Realität die Judowelt zusammenbrechen würde.
die BUDOROMANTIK :drunken_smilie
und so verbreiten sie die Mär vom ... auch heute noch!

"In jener Nacht,
auf der Flucht aus den Südkarpaten,
wusste Professor Abronsius noch nicht, das das Böse,
welches er für immer zu vernichten hoffte, er mit sich schleppte.
Mit seiner Hilfe' konnte das Böse sich nun endlich über die ganze Welt ausbreiten." [Tanz der Vampire, Roman Polanski]

:read2

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Welchen Schaden richten sie an?

Beitrag von HBt. » 09.05.2018, 16:03

@H. Feid

Schaue Dir dazu vielleicht noch die Kime no kata des Kodokan-Judo an.


Völlig unabhängig von der Überschrift "Judo oder Kime" wird jeder Treffer, mehr oder weniger exakt das bewirken was man sich (auch ohne Judo und das Zauberwort Atemi) denkt. Schau genau hin und Du wirst es erkennen. Sicherlich wird sich auch hier im Forum ein seriöser User finden, der gerne Korrektur liest ... Fiktion darf ebenfalls dabei sein. Zu einer guten Geschichte gehört eine gesunde Portion einfach dazu.

Zusammenfassend:
physiologisch passiert exakt das, was man sich wünscht ... die üblichen KO-Punkte sind bei Menschen in weißen Baumwollroben ebenfalls, global, überall alle gleich. Literatur ist mannigfaltig verfügbar. Glücklicherweise üben wir Judoka die Atewaza nur selten im Vollkontakt, einiges von dem Zeugs kann man aber relativ sicher und entspannt am lebenden Objekt ausprobieren. Ob wir dann noch von den Atemi des Kodokan-Judo sprechen dürfen, sei dahingestellt.

Und wie der deutsche Jugendliche dann in Japan (im Randori) verhauen wird? kannst Du Dir bestimmt schon denken - es wird fürchterlich werden ;-)


google & youtube einfach einmal den Begriff "Randori" und verschaffe Dir selbst ein Bild.

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