Judotraining gaaanz wichtig!!!

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Judotraining gaaanz wichtig!!!

Beitrag von Judomaus:) » 22.10.2013, 21:39

Hallo zusammen,

ich hoffe ihr habt ein paar Tipps für mich. Und zwar soll ich mit einem Jungen (16) trainieren, der Borreliose hatte. Er hat schonmal Judo gemacht, musste es aber vor einigen Jahren aufgeben, weil es ihm körperlich so schlecht ging. Er ist dann taub geworden und durch ein spezielles Hörgerät kann er jetzt wieder hören. Allerdings ist er sehr eingeschüchtert und traut sich nichts mehr sagen. Seine Eltern wünschen sich, dass er wieder mehr Selbstvertrauen bekommt. Wegen des Trainings an sich mach ich mir keine Gedanken, bin zwar selber erst 18, aber ich trainiere schon seit 2 Jahren Kids im Alter von 7-13 Jahren. Nur weiß ich nicht ganz, wie ich ihm helfen kann, dass er nicht mehr so schüchtern ist. Ich kann schon so Selbstverteidigungs-Elemente mit einbauen. Was meint ihr?? Hoffe ihr könnt mir ein bisschen weiterhelfen...

vielen Dank schonmal,
Judomaus:)

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Fritz
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Re: Judotraining gaaanz wichtig!!!

Beitrag von Fritz » 22.10.2013, 22:44

Am besten Du behandelst ihn so wie alle anderen auch...
Wenn die Gruppe stimmt, dann legt sich die Schüchternheit von ganz allein...

Ist er eigentlich nur Dir gegenüber schüchtern oder generell? ;-)
Mit freundlichem Gruß

Fritz

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Re: Judotraining gaaanz wichtig!!!

Beitrag von Judomaus:) » 23.10.2013, 10:36

Ne er ist generell sehr schüchtern. Ich soll ihm am Anfang Einzelunterricht geben. Also lernt er die anderen Kids nicht kennen.

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Re: Judotraining gaaanz wichtig!!!

Beitrag von Kumamoto » 23.10.2013, 23:18

WILL er wieder Judo machen oder SOLL er (von seinen Eltern aus) wieder Judo machen (um selbstbewusster zu werden)?

Das ist die entscheidende Frage meiner Meinung nach.

Wenn es vorrangig um die Stärkung des Selbstbewusstsein geht und Judo nur das Mittel sein soll, gibt es keinen Trainer, der das ohne den Wunsch des Übenden nach Ausübung des Sports hinbekommt. Selbstbewusstsein stärkt man nicht in 90 Minuten Judotraining pro Woche sondern in der restlichen Zeit. Wissen das die Eltern? Deshalb solltest Du das Judotraining in das Gesamtprojekt "Selbstwerterhöhung" einbinden - es kann Teil der Lösung sein, aber nicht die Lösung selbst. Unter Umständen ist kein Judo-Training auch das beste Selbstbewusstseinstraining, nämlich dann, wenn das Kind zum Training "geschickt" wird. Selbstbewusstsein zeigt sich auch darin, "Nein" zu sagen. Wenn der Junge lieber was anderes macht, unterstütze ihn darin, das seinen Eltern klarzumachen.

Selbstwewusstsein bekommt man nur in Dingen, mit denen man sich identifiziert - unabhängig vom Erfolg, denn selbst wenn man in einer Sache spitze ist, kann man das Gefühl haben nur zu funktionieren, nur Marionette oder Werkzeug der anderen zu sein. Das hängt m. A. nach damit zusammen, ob man sich den Erfolg selbst zuschreibt oder anderen.

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Re: Judotraining gaaanz wichtig!!!

Beitrag von Judomaus:) » 24.10.2013, 11:27

Ne er will es selber. Deswegen haben die Eltern nach einem Privattrainer gesucht. Er möchte es selber, denn er sagt, dass er sich selbstbewusster fühlen will.
Ich weiß, es ist sehr schwierig. Soll ich ganz normal mit ihm trainieren? Ich hab mir gedacht, dass ich ihn, wenn er soweit ist, mal auf einen Wettkampf mitnehme. Nichts Großes nur so kleine Bezirkskämpfe, dass er mal unter "Gleichgesinnte" kommt und einfach mal raus von zu Hause. Ich will gar nicht, dass er mitkämpft, nur mal zuschauen oder so.
Danke für die Antworten schonmal. Über weitere freue ich mich natürlich sehr ;)

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Re: Judotraining gaaanz wichtig!!!

Beitrag von Fritz » 24.10.2013, 13:15

Judomaus:) hat geschrieben:Ne er will es selber. Deswegen haben die Eltern nach einem Privattrainer gesucht. Er möchte es selber, denn er sagt, dass er sich selbstbewusster fühlen will.
Hm, kannst ihn nicht einfach mit ner passenden Freundin von Dir verkuppeln?
Das würde wohl eher seinem Selbstbewußtsein auf die Sprünge helfen... ;-)

Und jetzt ernsthaft(er):
Wie soll der Privat-Unterricht denn so funktionieren?
Richtig privat allein zu zweit oder betreust Du ihn nur zusätzlich während des regulären Trainings?
Im ersten Fall würde ich sagen - Fallschule bis zum "Gehtnichtmehr" dann kannste ihm noch ein bissel
Anfassen, Laufen und Gleichgewichtsstören ("Happo-no-Kuzushi") zeigen u. üben lassen
und dann solltest Du langsam mal ins reguläre Training integrieren...
Mit freundlichem Gruß

Fritz

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Re: Judotraining gaaanz wichtig!!!

Beitrag von Kumamoto » 24.10.2013, 13:51

Das Beste wäre natürlich ihm eine Aufgabe zu geben, z.B. ihm im normalen Training einen absoluten Neuling an die Hand zu geben, um ihm die ersten "Judo-Schritte" wie Vorwärtsrolle oder Abschlagen im Knien beizubringen. Ich habe das mal ausprobiert und sehr gute Erfahrungen mit solchen "Mentoren" gemacht: Nach einiger Zeit kamen sie freudestrahlend an und sagten "Schau mal, was MEIN Schüler schon kann..."
Soweit ich gelesen habe, hat er ja schon Judoerfahrungen. Wenn man die auffrischt, kann man das Experiment mal wagen. Sei offen und ehrlich zu ihm und sage ihm, dass Du vorhast, ihn als "Mentor" einzusetzen ("Hilfstrainer" klingt ein bisschen abwertend, vielleicht auch "Co-Trainer" ("Du wärst dann das für mich, was der Hansi Flick für den Jogi Löw ist....")).
Mache ihm klar, dass von ihm keine "Wunderdinge" erwartet werden - er soll nur seine Begeisterung am Judo weitergeben und die ersten Hilfestellungen geben und einfache Fragen beantworten.

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Re: Judotraining gaaanz wichtig!!!

Beitrag von Fritz » 24.10.2013, 14:37

@Kumamoto: Bei Deiner Idee sehe ich Probleme:
- Erstmal muß der Kamerad selbst die Sachen ordentlich beherrschen, die er anderen beibringen soll.
- Und es wäre ein blödes Signal, wenn ein "Neuling" gleich für andere den Paten spielen soll, normalerweise
steht dies langjährigen, zuverlässigen Üblingen zu.
Wenn so was funktionieren soll, muß es in der Gruppe so üblich sein u. bereits praktiziert werden,
daß die Erfahreneren die "Frischlinge" an die Hand nehmen...
Mit freundlichem Gruß

Fritz

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Re: Judotraining gaaanz wichtig!!!

Beitrag von Kumamoto » 24.10.2013, 16:43

@ Fritz:
Ich gebe Dir natürlich recht: Das, was man vermittelt, sollte man selbst gut beherrschen. Davon bin ich aber ersteinmal ausgegangen, da der Junge ja schon mal Judo gemacht hat. Ich denke, auf dem kann man aufbauen.
Er ist also kein reiner "Frischling" mehr, mehr ein Wiedereinsteiger.
Ich denke aber, dass allein die Aussicht "irgendwann" mal eine Mentorenrolle übernehmen zu dürfen, schon ein ganz schöner Schub fürs Selbstbewusstsein ist. Hier glaubt jemand an einen - mehr als man das vielleicht gerade selbst sich zu- oder vertraut. Das gibt Wind unter die Flügel.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man jungen Menschen ein gewisses Maß an Grundvertrauen geben muss, dass sie sich nicht erst verdienen müssen. Man muss ihnen etwas Leine geben, aber nicht zuviel, dass sie sich daran erhängen. Das kann man auch Führung nennen. In dem Zusammenhang zitiere ich gerne General George S. Patton: „Sag Menschen nie, wie sie Dinge tun sollen. Sag ihnen was zu tun ist, und sie werden dich mit ihrem Einfallsreichtum überraschen.“
Ich denke, Selbstvertrauen bildet man am Besten durch das Lösen/Bewältigen von Aufgaben aus.
Das mit dem Mentor war nur eine Idee zur Umsetzung der Grundidee: Selbstvertrauen ist die Heranführung an die eigenen Grenzen und die Möglichkeit/Aussicht, diese Grenzen weiter nach oben zu verschieben. Hilfestellung dabei ist das Aufzeigen des/eines Weges und die Absicherung nach unten. Man kann das mit einer Bergsteigergruppe vergleichen.

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Re: Judotraining gaaanz wichtig!!!

Beitrag von Judomaus:) » 28.10.2013, 10:27

Hey Leute,

vielen Dank für die vielen Antworten.
Leider ist es so, dass ich ihm Privat-Unterricht geben soll. Also ich war letzten Samstag bei ihm zu Hause. Wir haben alles besprochen und in ein paar Wochen fangen wir mit dem Training an.
Die Eltern haben zu Hause eine Firma und ein Raum steht uns zur Verfügung frei. Ich soll mit ihm alleine trainieren.
Die Idee mit dem Mentor find ich eig. ganz gut. Aber wie gesagt, er kommt nicht in die Gruppe meiner anderen Kids. Das würde er auch noch nicht packen, dafür ist er einfach zu schüchtern.

LG

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Re: Judotraining gaaanz wichtig!!!

Beitrag von Fritz » 28.10.2013, 12:13

@Judomaus: Unter dieser Konstellation würde ich fast sagen: Laß lieber die Finger von...
Denn richtig Judo lernen wird er so höchstwahrscheinlich nicht...
Wenn noch zwei, drei weitere Üblinge dabei wären, sähe es sicherlich anders aus, dann
kannst Du auf "übliche" Art und Weise Fehler sehen u. korrigieren u. mußt nicht selbst
für jeden Wurfversuch die Knochen hinhalten...
Und Du solltest Dich auch rechtlich gut absichern, gerade für den Fall, daß er oder
auch Du verletzt wird...
Mit freundlichem Gruß

Fritz

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Re: Judotraining gaaanz wichtig!!!

Beitrag von derLichtschalter » 31.10.2013, 09:55

Privatunterricht in eigenen Räumlichkeiten halte ich auch für kritisch. Der Junge muss unter die Leute. Durch Einzelunterricht wird er nicht magisch selbstbewusster - vielleicht baut er guten Bezug zu dir auf, aber anderen gegenüber wird das auch nichts helfen. Und wenn er unter die Leute kommt, sich dann aber vor Angst nicht mehr rühren kann, wäre professionelle Hilfe vielleicht sinnvoller.

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Re: Judotraining gaaanz wichtig!!!

Beitrag von Asterix » 05.11.2013, 15:15

So positiv das Judotraining für den Menschen auch sein mag. Aber wir sollten nicht vergessen, das wir Judoka, vielleicht auch noch Judotrainer sind. Wir sind (in der Regel) keine Psychotherapeuten und sollten uns auch nicht anmaßen, welche sein zu wollen. Judo kann sicher helfen, kann aber keine professionelle Arbeit eines Spezialisten ersetzen.

Daher meine Meinung: Finger weg! Insbesondere bei dieser Zielsetzung. ;)

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