Erfolg eines behinderten judoka aus Berlin

tutor!
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Re: Erfolg eines behinderten judoka aus Berlin

Beitrag von tutor! » 23.07.2010, 00:51

So in etwas die Richtung gehen auch meine Gedanken, aber sie sind vielleicht noch etwas grundsätzlicher.

Ich fühle mich im Judo in der Rolle eines Erziehers, letztlich verstehe ich auch Judo als ein Erziehungssystem. Hierzu gehört, dass man den Schülern realistische Ziele anbietet. Welche das im Einzelnen sind, muss man insbesondere bei Behinderungen von Fall zu Fall sehen - und sicher im konkreten Fall nicht leicht zu definieren.

Diese Ziele müssen erreichbar sein, wenn der entsprechende "spirit" gezeigt wird: Ernsthaftigkeit und Konsequenz beim Üben, sich nicht entmutigen lassen usw. Hier können wir Nicht-Behinderte vieles von Menschen mit Behinderung lernen.

Ich sehe einen Dan-Grad nicht "absolut" in dem Sinn, dass eine "objektive" Leistung zu erbringen ist. Ich sehe einen Dan-Grad in erster Linie als Anerkennung für Ernsthaftigkeit. Wenn ich einen Dan-Grad verleihen könnte, würde ich das auf der Stelle tun, aber es gehört ein wenig mehr dazu. Ich hoffe, dass ich irgendwann die Autorität haben werden, diese Graduierung durchzusetzen. Aber vielleicht kommen ja auch andere auf die Idee und ich muss mich gar nicht mehr engagieren. :D
I founded a new system for physical culture and mental training as well as for winning contests. I called this "Kodokan Judo",(J. Kano 1898)
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judoka50
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Re: Erfolg eines behinderten judoka aus Berlin

Beitrag von judoka50 » 23.07.2010, 11:33

Es ist aber bestimmt auch aufgefallen, dass die POfMmB für die nicht stehfähigen Judoka schon mit Erreichen des grünen Gürtels zu Ende ist.
Viele Grüße
U d o

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Re: Erfolg eines behinderten judoka aus Berlin

Beitrag von MCNS » 23.07.2010, 13:18

Hallo,

es gibt auch Rollstuhlfahrer, die stehen oder ein paar Schritte gehen können. Da ist es nicht ausgeschlossen, dass solche Personen auch einen gewissen Teil an Standtechniken ausführen können. Somit können solche durchaus auch (je nach Schwere des Handicaps) Prüfungselemente aus dem Programm der stehfähigen Behinderten zeigen und höhere Graduierungen erlangen als nur den 3. Kyu.

Viele Grüße

MCNS

tutor!
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Re: Erfolg eines behinderten judoka aus Berlin

Beitrag von tutor! » 23.07.2010, 13:53

Es ist Euch bestimmt aufgefallen, dass ich eine bestimmte Person meine, also bitte hört auf, darüber zu spekulieren, ob und wer welche Praxisteile eventuell zeigen könnte oder nicht.
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Re: Erfolg eines behinderten judoka aus Berlin

Beitrag von Tanzmaus1963 » 27.04.2011, 00:13

Hallo alle hier im Raum... ich bin Mutter einer behinderten Tochter (geist.und Körperbeh.) meine Tochter sitzt im Rollstuhl und trainiert jeden Montag in Lankwitz Judo mit Hamdy Mohammed und ihren Freunden. Auch nehmen sie alle mit großem Eifer an Wettkämpfen teil, wobei meine Tochter die einzige in dieser Gruppe ist, die im Rollstuhl sitzt. Schon beim Aufwärmen ist meine Tochter an erster Front dabei und dreht sich von rechts nach links auf der Matte. Was Hamdy mit den jungen Menschen vollbringt, ist echt ganz großes Kino... im übrigen jeder, der mit Menschen mit Handicaps zu tun hat, leistet wahre Wunder. Ich bin froh, daß meine Tochter diese Sportart ausübt und damit ihr und aller anderen Selbstvertrauen gestärkt wird... dafür Dank an alle fleißigen Trainer, mein Dank an Hamdy.
Es ist doch völlig egal, ob es 'nen Dan gibt oder nicht... es sollte endlich richtig gewürdigt und anerkannt werden... lg

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Re: Erfolg eines behinderten judoka aus Berlin

Beitrag von MCNS » 27.04.2011, 01:49

Hallo Tanzmaus 1963,

sicherlich würdigen wir die Trainertätigkeit von Hamdy und und die aller anderen, die sich für die Gehandicapten einsetzen.

Was den Dan angeht, so ist das eine andere Sache. Es geht da nur darum, dass der "schwarze Gürtel" als "letzter Gürtel" jedem ermöglicht werden soll, dass ihn also jeder bekommen kann. Ob der jeweilige Gehandicapte ihn letztlich macht oder nicht, er MUSS nach meiner Auffassung zumindest eine für ihn schaffbare Prüfung zum 1.Dan absolvieren können, also eine Option auf den 1.Dan haben. (Dass sie für ihn schaffbar sein soll, heißt nicht, dass sie für ihn leicht sein soll.)

Wir alle wissen, dass Judo ein toller Sport ist und die Lebensqualität durchaus sehr steigern kann. Auch wissen wir alle, wie motivierend es sein kann, den nächsten Gürtelgrad zu erlangen. Und dann kurz vor dem "letzten Gürtel" nicht mehr weiter zu kommen und das quasi nur, weil es keine Prüfung für einen gibt, das ist demotivierend hoch³. (Dass es bisher keine entsprechende Meisterprüfung für Behinderte gibt, hat zum einen den Grund, dass man eine "Abwertung des Meistergrads" befürchtet. Da kann sich jeder seine Meinung zu machen, doch ich denke, dass das absoluter Blödsinn ist und dass die Gehandicapten teilweise sogar deutlich mehr leisten als manche Nicht-Behinderte.)

Viele Grüße

MCNS

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