Sven Maresch Statement

Hier geht es um Fragen zur Vereinsarbeit, Verbänden und Organisationen
Antworten
caesar
3. Dan Träger
3. Dan Träger
Beiträge: 883
Registriert: 07.04.2007, 21:44

Sven Maresch Statement

Beitrag von caesar » 28.06.2018, 18:34

https://www.facebook.com/mareschjudo/po ... 1828930545
Dies wird mein letzter Post über Facebook sein und er wird noch bis Montag, den 2. Juli 2018, zur Verfügung stehen.
Danach werde ich meine Facebook-Seite mitsamt ihrem Inhalt löschen.

Ein Kontakt kann weiterhin mit mir über meine Website "svenmaresch.de" und per E-Mail (kontakt@svenmaresch.de) aufgenommen werden.

Ich wünsche euch alles Gute!

Sven

An den Deutschen Judo-Bund

Juni 2018

Mit diesem offenen Brief möchte ich an den Deutschen Judo-Bund ein paar Worte richten und werde aufgrund vieler Anfragen darüber besonders auf mein Ausscheiden aus der Nationalmannschaft eingehen, derer ich 15 Jahre lang Mitglied war und zahlreiche Turniere, wie Meisterschaften bestritten habe. Ein paar Worte gegenüber dem Verband, für den ich Erfolge erzielen konnte, sowie auch manch schwere Stunde der Niederlage erlebte, aber ich stets versucht habe im besten Sinne und mit bestem Absichten diesen und Deutschland zu repräsentieren.

Während solch eines Zeitraumes intensiven Sporterlebens ist man Teil von vielen Ereignissen. Ereignisse, welche man mit viel Freude durchlebt und auch solchen, die einem weniger angenehm erscheinen, jedoch oft auch wichtig für die eigene Erkenntnis und Entwicklung sein werden.

Mit diesen Ereignissen sind stets auch die Menschen verbunden, mit denen man diese Momente erlebt, teilt oder von und mit denen sie hervorgerufen werden und auch den Menschen, dessen Arbeit meist nicht gesehen wird und welche man als Athlet oftmals gar nicht zu Gesicht bekommt.

Ich bedanke mich an dieser Stelle bei den Mitarbeitern des Verbandes für die Oragnisation und Finanzierung, die erbracht wurden, um es mir als Athlet ermöglicht zu haben an etlichen Maßnahmen, national wie international teilzunehmen und mich weiterzuentwickeln.
In einigen Aspekten gab oder gibt es sicherlich auch Verbesserungswünsche, doch es hat in meinem Fall nie zu unwiderruflich, unveränderbaren Zuständen geführt.

Es war mir sehr oft eine Freude mit meinen Team-Kameraden, Trainern, unseren Ärzten und Physiotherapeuten den Judosport zu leben und darüber hinaus die Welt ein Stück besser kennenzulernen. Mit Athleten und anderen Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen in Kontakt zu kommen, Verbindungen entstehen zu lassen, durch eine Vielzahl an Eindrücken das Leben zu bereichern und sich nicht nur im Judo selbst, sondern eben auch als Mensch zu entwickeln.
Dies habe ich sicherlich auch meiner eigenen Leistung zu verdanken, aber ein Fundament dafür bildete eben auch der DJB mit seiner Unterstützung.

Trotz dieses überwiegend positiven Teils meiner Laufbahn innerhalb des Verbandes sind mir währenddessen und insbesondere zum Ende gravierende Missstände im Umgang mit Athleten und Trainern aufgefallen, ausgehend von bestimmten Personen, die gegenüber von verdienstvollen Menschen und des eigentlich bestehenden Respekts absolut unwürdig sind.

Herr Peter Freese (Präsident), Herr Reinhard Nimz (Geschäftsführer), Herr Mark Borchert (ehemaliger Sportdirektor) - es ist
eine Situation entstanden, die man nicht einfach so hinnehmen muss und die ich hiermit gern einmal zum Ausdruck bringen möchte.
Ich habe mich bis heute nicht öffentlich zu diesem Thema geäußert und Zeit vergehen lassen. Doch sehe ich es weiterhin als notwendig, dass auch solche Angelegenheiten zur Sprache kommen, da es mehrere Athleten betrifft, sowie aus vielen Gesprächen heraus resultierend auch in anderen Sport-Verbänden ein ähnlicher Umgang herrscht.

Bzgl. des Umgangs mit den Athleten und Trainern, welche im letzten Jahr aus der Nationalmannschaft ausschieden, habe nicht nur ich, sondern auch viele weitere Judointeressierte oftmals mit Unverständnis den Kopf geschüttelt.

Ich möchte vorab erwähnen, dass ich bereits vor vier Jahren mein Karriereende bewusst für das Jahr 2017 geplant habe und selbst auch gar kein Problem damit habe, wenn junge Athleten nachrücken, gefördert werden sollen und man als älterer Athlet weichen sollte.
Das ist der normale Gang der Dinge im Leistungssport und ich habe meine Zeit gehabt.
Aber viel wichtiger als das „Was“ oder „Warum“ ist das „Wie“ und hier haben die Verantwortlichen auf gesamter Linie nicht nur mich, sondern auch weitere Athleten und Trainer unwürdig behandelt und eine Inkompetenz sondergleichen bewiesen.

In der folgenden Schilderung kann ich nur meinen Fall erläutern und nicht im Namen anderer, welche ähnliches erlebt haben.

Mein Ausscheiden aus der Nationalmannschaft wurde mir Ende November 2016 vom neuen und aktuellen Bundestrainer Richard Trautmann per Telefon mitgeteilt. Für meinen Austritt aus dem Kaderkreis des DJB wurde der 01. April 2017 datiert.

Anschließend bekam ich eine E-mail von Sportdirektor Mark Borchert mit den Worten „…bitte beachte das angefügte Schreiben.“, die gegenüber der erbrachten Leistung einfach nur lächerlich und denkbar unpassend erscheint.

Nun ging es für mich noch darum ein letztes Mal für die Nationalmannschaft zu kämpfen und mein letztes Einzel-Turnier bestreiten zu können.
Für mich lag nichts näher als der Grand Prix Düsseldorf im Februar 2017, um mich persönlich und mit einer aktiven Wettkampfteilnahme auf internationalem Parkett und vor heimischer Kulisse verabschieden zu können. Man möge hier auch einmal meine letzten drei vorhergehenden Leistungen in Düsseldorf mit beachten (2014 Silber, 2015 Bronze, 2016 Silber) und trotzdem zog es der DJB mit seiner Führung nicht einmal in Erwägung mich dort als aktiven Athleten ein letztes Mal kämpfen zu lassen - und dies bei einer Berechtigung des Ausrichterlandes von vier Startern pro Gewichtsklasse!

Es ist Ausdruck für ihre Distanz zu den Athleten, deren Leistung und einer fehlenden Sichtweise auf das Gesamte einer Laufbahn und bezeugt, dass ein würdiger Umgang mit diesen nicht als wichtig erachtet wird.
Es bleibt die Frage, ob es aus einer Unkenntnis innerhalb der Abläufe im Verband oder aus der Überforderung heraus mit dem gesamten Aufgabenfeld einer Führungsposition im Verband eben nicht mehr als notwendig angesehen wird.

Im Januar 2018 bekam ich dann eine Einladung zu einer Verabschiedung durch den DJB, welche im Rahmen des Grand Prix Düsseldorf 2018 stattfinden sollte.
Bis dahin, in einer Zeitspanne von November 2016 (Mitteilung des Ausscheidens aus der Nationalmannschaft) bis Januar 2018 habe ich weder von Präsident Peter Freese, noch vom damaligen Sportdirektor Mark Borchert auch nur ein Gespräch oder einen Anruf bekommen.
Sie sitzen in den höchsten Ämtern des DJB, aber haben entgegen dem, was sie so oft der deutschen Judo-Landschaft im Vorwort des Judo-Magazins vermitteln wollen, keinerlei Courage und Achtung, um einmal persönlich für diese Entscheidung einzustehen und nach 15 Jahren Zielverfolgung und Hingabe ein „Lebe wohl.“ auszusprechen.
Aufgrund dieses Verhaltens seitens des Verbandes gegenüber mir und auch anderen Athleten und Trainern hatte ich mich dafür entschieden, dass ich dieser Einladung nicht folgen werde. Diesen Standpunkt habe ich dem Verband in einer E-Mail und einem Telefonat klar ausgedrückt und stehe auch weiterhin zu dieser Position.

Diese Kritik gilt der Verbesserung genannter Zustände und dass Menschen in führenden Positionen innerhalb der Sportwelt vielleicht doch einmal zum Nachdenken angeregt werden und die Wirkungen ihrer Handlungen weiter- und zu Ende denken.

Ich wäre erfreut, wenn es einen kleinen aber wichtigen Schritt in die Richtung eines würdigeren Umgangs mit Athleten, Trainern und ihrer Leistung anstoßen würde und kommende Generationen
in dieser Hinsicht angenehmere Erfahrungen und eine Anerkennung ihrer Zeit und damit verbundenen Anstrengungen erleben dürfen.

Ich möchte zuletzt anfügen, dass ich der Meinung bin, dass alles seine Zeit hat, so auch meine 25 Jahre als aktiver Athlet im Judosport. Ich bin nicht betrübt darüber, dass diese vorüber sind, sondern sehr glücklich sie erlebt zu haben.
Die längste Zeit über war es eine großartige Reise, deren Ende sicherlich nicht ganz wünschenswert verlief und ich über diese Art und Weise seitens des Verbandes auch nicht mehr schweigen will. Es ist hiermit keineswegs ein „Nachtreten“ oder andere „Hintergedanken“ angestrebt.

Ich wünsche dem DJB, dem deutschen Judo allgemein, sowie dieser außergewöhnlichen Sportart weltweit eine Entwicklung in ihrem besten Sinne.

Sven Maresch

HBt.
3. Dan Träger
3. Dan Träger
Beiträge: 998
Registriert: 18.10.2016, 10:31

Der menschliche Umgang, der Anstand

Beitrag von HBt. » 29.06.2018, 11:00

Was soll man darauf (offener Brief) erwidern? Ein klärendes und ruhiges Gespräch, ein gegenseitiges Aufeinanderzugehen, wäre im Vorfeld angebracht gewesen.

Außerdem:
- wenn eine Startberechtigung gegeben ist, warum meldet der LV (bzw. hier der DJB) dann nicht im vollem Umfang?
- man könnte kommunikativ klar machen, dass man gerne ein letztes Mal starten möchte - um sich in einem würdigen Rahmen zu verabschieden!


andiamo

Antworten