Hessen zieht nach - Jugendsonderregeln außer Kraft gesetzt

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Hessen zieht nach - Jugendsonderregeln außer Kraft gesetzt

Beitrag von Ursinho » 05.11.2018, 14:16

Der HJV hat gestern die Jugendsonderregeln des DJB für Hessen außer Kraft gesetzt und ist damit dem Beispiel Niedersachsens gefolgt. Demzufolge gelten mit ganz wenigen Ausnahmen in allen Altersklassen die IJF Regeln ab U18. Besagte Ausnahmen sind z.B. Verbot von Shime-waza sowie Kansetsu-waza in der U11. Auch wurden nicht erwünschte Techniken wie Abtaucher zwar verboten, aber sie werden i.d.R. nicht bestraft, sondern nur mit Mate unterbrochen. Nur im Falle einer Verletzung von Uke erfolgt HSM. Genaueres erfolgt in Kürze.

Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie der DJB reagieren wird, wenn neben dem drittgrößten LV nun auch die Nr. 4 eigene Jugendregeln festlegt.

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Fritz
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Re: Hessen zieht nach - Jugendsonderregeln außer Kraft gesetzt

Beitrag von Fritz » 05.11.2018, 17:28

Meiner Meinung nach geht das alles noch nicht weit genug.

Es sollten im DJB-Bereich von hochrangigen internationalen Qualifikations-Turnieren und der Deutschen Meisterschaft für Kaderathleten,
nach Regeln gekämpft werden, welche dem Kämpfer ermöglichen, möglichst viel vom Judo anzuwenden. Also weg mit allen sinnlosen Griffbeschränkungen,
weg mit Technikverboten wie dem Beingreifverbot, weg mit dem Verbot des Ansatzes von Katame-Waza im Stand (mal abgesehen von rücksichtslosen,
unkontrolliertem Wurf mit Waki-Gatame u.ä.), weg mit den Verboten von "Gerbi-Würgen", Bein festhalten beim Hebeln und dergleichen mehr ...

Und wenn regelmäßig wieder was Neues von der IJF kommt, dann sollte Punkt für Punkt geschaut werden, ob eine Übernahme
in den nationalen Bereich hinsichtlich Breitensport, Nachwuchs etc. Sinn
ergibt (die akt. Mattenrand-Regel war bspw. keine schlechte Idee, ebenso wie Shido nicht kampfentscheidend zu haben) und dann nach Diskussion u. Abstimmung
nur ausgewählte Änderungen "durchschlagen" zu lassen.
Mit freundlichem Gruß

Fritz

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Re: Hessen zieht nach - Jugendsonderregeln außer Kraft gesetzt

Beitrag von Sono-Mama » 13.11.2018, 13:49

Ursinho hat geschrieben:
05.11.2018, 14:16
Der HJV hat gestern die Jugendsonderregeln des DJB für Hessen außer Kraft gesetzt und ist damit dem Beispiel Niedersachsens gefolgt. Demzufolge gelten mit ganz wenigen Ausnahmen in allen Altersklassen die IJF Regeln ab U18. Besagte Ausnahmen sind z.B. Verbot von Shime-waza sowie Kansetsu-waza in der U11. Auch wurden nicht erwünschte Techniken wie Abtaucher zwar verboten, aber sie werden i.d.R. nicht bestraft, sondern nur mit Mate unterbrochen. Nur im Falle einer Verletzung von Uke erfolgt HSM. Genaueres erfolgt in Kürze.

Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie der DJB reagieren wird, wenn neben dem drittgrößten LV nun auch die Nr. 4 eigene Jugendregeln festlegt.
Hallo zusammen,

finde ich insgesamt gut, auch dass es vertretbare und sinnvolle Ausnahmen / Verbote gibt. Sollte man breitflächig und wenn möglich in allen LV umsetzen.

Gruß Sono-mama
Was du mir sagst, das vergesse ich. Was du mir zeigst, daran erinnere ich mich. Was du mich tun lässt, das verstehe ich.

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Re: Hessen zieht nach - Jugendsonderregeln außer Kraft gesetzt

Beitrag von Sono-Mama » 13.11.2018, 14:15

Fritz hat geschrieben:
05.11.2018, 17:28
Meiner Meinung nach geht das alles noch nicht weit genug.

Es sollten im DJB-Bereich von hochrangigen internationalen Qualifikations-Turnieren und der Deutschen Meisterschaft für Kaderathleten,
nach Regeln gekämpft werden, welche dem Kämpfer ermöglichen, möglichst viel vom Judo anzuwenden. Also weg mit allen sinnlosen Griffbeschränkungen,
weg mit Technikverboten wie dem Beingreifverbot, weg mit dem Verbot des Ansatzes von Katame-Waza im Stand (mal abgesehen von rücksichtslosen,
unkontrolliertem Wurf mit Waki-Gatame u.ä.), weg mit den Verboten von "Gerbi-Würgen", Bein festhalten beim Hebeln und dergleichen mehr ...
Hmm, meiner Meinung nach ist das nicht der richtige Weg. Das Ziel was dahinter steckt (die Kämpfer wieder technisch vielseitiger kämpfen zu lassen) ist zwar gut gemeint, aber vor allem die Kaderathleten werden irgendwann mal im Ausland kämpfen, wo sie dann die Techniken, die sie im DJB anwenden dürfen, nicht anwenden dürfen und bestraft werden. Das führt dazu, dass die Kämpfer dann bei internationalen Wettbewerben eine wie auch immer geartete „Sperre“ im Kopf haben, weil sie überlegen müssen, welche Techniken nun erlaubt sind und welche nicht. Sie können dann nicht einfach befreit kämpfen und können ihre erworbene Technikvielfalt, die diese quasi reflexartig ausführen, eben nicht ausführen.
Fritz hat geschrieben:
05.11.2018, 17:28
Und wenn regelmäßig wieder was Neues von der IJF kommt, dann sollte Punkt für Punkt geschaut werden, ob eine Übernahme
in den nationalen Bereich hinsichtlich Breitensport, Nachwuchs etc. Sinn
ergibt (die akt. Mattenrand-Regel war bspw. keine schlechte Idee, ebenso wie Shido nicht kampfentscheidend zu haben) und dann nach Diskussion u. Abstimmung
nur ausgewählte Änderungen "durchschlagen" zu lassen.
Auch hier wieder gut gemeint aber nicht praktikabel. Wer soll denn darüber entscheiden (im Idealfall alle Vereine über die LV an den DJB). Hierbei zieht sich die von mir oben beschriebene Problematik fort. Ab wann hört Breitensport und Nachwuchs auf, ab wann beginnt Leistungssport und etablierte Judoka (alleine darüber könnte man bestimmt längere Zeit streiten und würde zu keiner Lösung, womit alle zufrieden sind kommen). Und wenn man dies so praktiziert, stellt sich natürlich die Frage, ob Vereine, die sich bewusst aus dem Wettkampfgeschehen heraushalten – ja auch sowas soll es geben und zwar nicht wegen den vermeintlich „bösen“ Regeln, sondern weil es ihnen einfach an (Hallen-)Zeit, adäquaten Trainern und Geld mangelt, die Judoka auf Wettkampf vorzubereiten; ganz abgesehen von der Tatsache, dass sich immer weniger junge Judoka überhaupt für den Shiai begeistern lassen können ganz unabhängig von den Regeln - an dieser Abstimmung daran teilnehmen dürfen oder nicht. Und wer darf innerhalb der Vereine an der Abstimmung teilhaben? Alle Trainer? Nur die Trainer die für den Wettkampfbetrieb verantwortlich sind? Eventuell auch die Kämpfer – und wenn ja, ab welchen Alter oder Gürtelstufe?

Wie gesagt im Idealfall befragt man alle Vereine und macht darüber eine Abstimmung. Aber da wird man leider nicht zeitnah nach Regeländerungen zu einer wie auch immer gearteten Lösung kommen.

Gruß Sono-mama
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Re: Hessen zieht nach - Jugendsonderregeln außer Kraft gesetzt

Beitrag von caesar » 13.11.2018, 15:22

Ursinho hat geschrieben:
05.11.2018, 14:16
Der HJV hat gestern die Jugendsonderregeln des DJB für Hessen außer Kraft gesetzt und ist damit dem Beispiel Niedersachsens gefolgt. Demzufolge gelten mit ganz wenigen Ausnahmen in allen Altersklassen die IJF Regeln ab U18
Sono-Mama hat geschrieben:
13.11.2018, 14:15
Hmm, meiner Meinung nach ist das nicht der richtige Weg. Das Ziel, was dahinter steckt (die Kämpfer wieder technisch vielseitiger kämpfen zu lassen) ist zwar gut gemeint, aber vor allem die Kaderathleten werden irgendwann mal im Ausland kämpfen, wo sie dann die Techniken, die sie im DJB anwenden dürfen, nicht anwenden dürfen und bestraft werden. Das führt dazu, dass die Kämpfer dann bei internationalen Wettbewerben eine wie auch immer geartete „Sperre“ im Kopf haben, weil sie überlegen müssen, welche Techniken nun erlaubt sind und welche nicht. Sie können dann nicht einfach befreit kämpfen und können ihre erworbene Technikvielfalt, die diese quasi reflexartig ausführen, eben nicht ausführen.
:eusa_think Kampfrichter : :eusa_think

edit: bevor es falsch verstanden wird, ich weiß, dass Fritz da gerne einen weiteren Schritt zurück mit den Regeln hätte, aber er schließt ja Kaderathleten bewusst aus. Warum also nicht ein gefördertes Wettkampfsystem für Leute die Richtung Kader gehen wollen und breitensportmitgliederfinanzierte Wettkämpfe mit Regeln wie jeder möchte.
Wenn so viele danach schreien, warum nicht auf die Mitglieder hören und es ihnen geben, wenn es sich finanziell selbst trägt, steht dem ja nichts im Wege.
Zuletzt geändert von caesar am 13.11.2018, 20:17, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Hessen zieht nach - Jugendsonderregeln außer Kraft gesetzt

Beitrag von Fritz » 13.11.2018, 17:50

Sono-Mama hat geschrieben:
13.11.2018, 14:15
Hmm, meiner Meinung nach ist das nicht der richtige Weg. Das Ziel was dahinter steckt (die Kämpfer wieder technisch vielseitiger kämpfen zu lassen) ist zwar gut gemeint, aber vor allem die Kaderathleten werden irgendwann mal im Ausland kämpfen, wo sie dann die Techniken, die sie im DJB anwenden dürfen, nicht anwenden dürfen und bestraft werden. Das führt dazu, dass die Kämpfer dann bei internationalen Wettbewerben eine wie auch immer geartete „Sperre“ im Kopf haben, weil sie überlegen müssen, welche Techniken nun erlaubt sind und welche nicht. Sie können dann nicht einfach befreit kämpfen und können ihre erworbene Technikvielfalt, die diese quasi reflexartig ausführen, eben nicht ausführen.
Aber die wenigsten sind Kaderathleten und kämpfen irgendwann im Ausland ... Kaderathleten trainieren oft Vollzeit, sind meist quasi Berufssportler, müssen sich sowie Anfang fast jeden Jahres
auf die neuesten IJF-Regel-Ideen extrem kurzfristig einstellen und diese umsetzen. Das bekommen die schon hin.
Und bei den Kindern bei den aktuellen Sonderregeln ist ja auch "die Sperre" permanent vorhanden:
Bloß nicht über den Arm greifen, am Boden nur nicht würgen oder hebeln, bloß nicht nach hinten werfen usw. usf.
Oder eben halt das andere Extrem: Oh warum tut mein Arm auf einmal weh, ach Mist ich bin ja jetzt U15, was mach ich da *knack* ach hätt' ich doch abgeklopft ... ;-)
Mit freundlichem Gruß

Fritz

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Re: Hessen zieht nach - Jugendsonderregeln außer Kraft gesetzt

Beitrag von Sono-Mama » 13.11.2018, 23:56

caesar hat geschrieben:
13.11.2018, 15:22
:eusa_think Kampfrichter : :eusa_think

edit: bevor es falsch verstanden wird, ich weiß, dass Fritz da gerne einen weiteren Schritt zurück mit den Regeln hätte, aber er schließt ja Kaderathleten bewusst aus. Warum also nicht ein gefördertes Wettkampfsystem für Leute die Richtung Kader gehen wollen und breitensportmitgliederfinanzierte Wettkämpfe mit Regeln wie jeder möchte.
Wenn so viele danach schreien, warum nicht auf die Mitglieder hören und es ihnen geben, wenn es sich finanziell selbst trägt, steht dem ja nichts im Wege.
Hallo zusammen,

1. ich weiss jetzt nicht was das mit dem Kampfrichter bedeutet. Ich würde die gleiche Meinung verteten wenn ich nur Trainer, Vereins- und Verbandsfunktionär wäre und nicht auch noch Kampfrichter, von dem her kann ich das "Kampfrichter" nicht nachvollziehen und denke mir einfach meinen Teil dazu. :-)

2. Er hat ja eben NICHT Kaderathleten ausgenommen...zummindest sehe ich das so, kann mich auch täuschen...

3.

also nochmal: wie ich ja schon geschrieben habe...ich finde das richtig gut das mit Ausnahme von Hebel- und Würgetechniken so gut wie alle Judosonderregeln abgeschafft wurden. Macht es den Kämpfen und den Trainer und den Karis das leben sehr viel einfacher. [Anmerkung von mir: Auch wenn ich es als Kari extrem sch…. ich meine doof finde zu schiedsen ist m.E. auch das verbot von Ansatz auf den Knieen noch verständlich und sinnvoll, aber sei´s drum]

Nur meine Frage und das Problem was ich gestellt habe bleibt halt. Wer soll über die Regeln dann entscheiden und in was für einem Zeitraum etc. pp.?

Machen wir uns nichts vor und seien mal realistisch...das das kommt ist extrem unwahrscheinlich, schon allein aufgrund der Tatsache das wir Deutschen (warum auch immer) den Föderalismus so lieben und solange jeder LV sein eigenes Süppchen kocht, ist das Ziel einheitliche JSR einzuführen eher utopisch.

Gruß Sono-mama
Was du mir sagst, das vergesse ich. Was du mir zeigst, daran erinnere ich mich. Was du mich tun lässt, das verstehe ich.

- Konfuzius

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Re: Hessen zieht nach - Jugendsonderregeln außer Kraft gesetzt

Beitrag von caesar » 14.11.2018, 00:16

Sono-Mama hat geschrieben:
13.11.2018, 23:56
Machen wir uns nichts vor und seien mal realistisch...das das kommt ist extrem unwahrscheinlich, schon allein aufgrund der Tatsache das wir Deutschen (warum auch immer) den Föderalismus so lieben und solange jeder LV sein eigenes Süppchen kocht, ist das Ziel einheitliche JSR einzuführen eher utopisch.
Hier gebe ich dir vollkommen recht. Die Frage ist aber auch, müssen wir dies? Braucht es einheitliche Sonderregeln? Bis jetzt erlebe ich meist Leute die sich aufregen wenn ihre Sportler im Nachbarbundesland verlieren, weil dort mehr erlaubt ist als in ihrem Bundesland, welches der DJB Empfehlung folgt und die Umstellung ja den Kindern nicht zuzumuten sei. Das Argument, dass ihre Sportler dann auf offizieller Gruppenebene ja einen Vorteil haben müssten und wie die Sportler aus dem anderen Bundesland sich da umstellen können, trifft auf weniger feurige Diskussion.
Ich weiß nicht, ob mehr Einheitsbrei funktioniert. Ich finde Diversität hilft mehr, habe aber keine Belege dafür.

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