Wechsel der Nationalität

Hier geht es um die Wettkampforganisation und um Fragen zu den Wettkampfregeln
Antworten
Benutzeravatar
nur_wazaari
Grün Gurt Träger
Grün Gurt Träger
Beiträge: 92
Registriert: 02.10.2013, 10:59

Wechsel der Nationalität

Beitrag von nur_wazaari » 18.02.2018, 18:47

Mal zur Info:

https://judoinside.com/news/2569/Mongol ... tch_to_UAE

Kommt ja ab und zu vor. Allerdings sind diese Athleten relativ erfolgreich und wären in ihrem Land wohl gar nicht wirklich chancenlos. Sonst kennt man Wechsel ja eher von Athleten, die deutlich absehbar keine
Chance im ursprünglichen Heimatland bekommen. Ok, zumindest gemessen an der Weltrangliste.

Auswirkungen auf- und für den Wettkampfsport? Oder sonstige Auswirkungen? Oder völlig belanglos?

KönigABC
Gelb - Orange Gurt Träger
Gelb - Orange Gurt Träger
Beiträge: 23
Registriert: 30.05.2016, 17:59
Bundesland: Nordrhein-Westfalen

Re: Wechsel der Nationalität

Beitrag von KönigABC » 19.02.2018, 22:05

Auswirkung: Mehr mongolische Top-Athleten bei Olympia und WM -> höheres Niveau bei diesen Wettkämpfen, mehr Spaß für uns beim Zugucken :D

Benutzeravatar
nur_wazaari
Grün Gurt Träger
Grün Gurt Träger
Beiträge: 92
Registriert: 02.10.2013, 10:59

Re: Wechsel der Nationalität

Beitrag von nur_wazaari » 20.02.2018, 20:18

Ergänzend zum Eingangspost:
One World, one Sport...oder so. Bin ja gespannt, ob sich in nächster Zeit auch weitere deutsche AthletenInnen für einen Wechsel entscheiden.
Ein paar durchaus erfolgreiche Beispiele gibt es ja schon. :)

caesar
3. Dan Träger
3. Dan Träger
Beiträge: 887
Registriert: 07.04.2007, 21:44

Re: Wechsel der Nationalität

Beitrag von caesar » 22.02.2018, 02:10

Der Unterschied zwischen "Im eigenen Land gute Chancen haben" und "bei direkter Qualifikation sicher dabei sein" ist für die Athleten ein riesiger Unterschied.
Sven Maresch war dreimal für Olympische Spiele qualifiziert und ist nur einmal gefahren. Wäre ihm nicht passiert, wenn er z.B. nach Luxemburg gewechselt wäre.

Die Bezahlung in UAE wird stimmen, dass sich die Athleten komplett auf den Sport fokussieren können.
Die Sportler haben nur einen begrenzten Zeitraum, um Geld zu verdienen, da finde ich es okay, wenn sie sich da für das mehr an Geld bei wahrscheinlich mindestens gleichbleibenden Bedingungen entscheiden.

Benutzeravatar
nur_wazaari
Grün Gurt Träger
Grün Gurt Träger
Beiträge: 92
Registriert: 02.10.2013, 10:59

Zumindest zum Nachdenken, vielleicht Gedanken mitteilen

Beitrag von nur_wazaari » 19.05.2018, 15:28

Originallink zum Fall eines rückkehrwilligen Sportlers:

https://www.laola1.at/de/red/sport-mix/ ... l-zurueck/

Ok, ist schon von 2017 der Artikel. Und dass bei den Österreichern gerne mal gegrantelt wird, wissen wir auch. Interessant ist trotzdem der Brief der Athleten schon...

Sehr geehrter Präsident, sehr geehrter Vorstand des österreichischen Judoverbandes,

Dem Nationalteam sowie einigen weiteren Sportlern rund um Österreichs Judospitze kam zu Ohren, dass ein erneuter möglicher Nationenwechsel von Marko Bubanja im Raum steht. Deshalb ist es einem großen Teil des Kaders ein Anliegen, ihre Meinung Kund zu tun, da eine Entscheidung in dieser Angelegenheit unserer Ansicht nach ein für die Zukunft durchaus tiefgreifendes Statement abgibt. Es geht hierbei nicht darum, einem aufstrebenden Athleten seinen Weg für die sportliche Zukunft zu ermöglichen oder zu verhindern, sondern es geht darum, ob man im ÖJV jegliche durchaus egoistische Aktion unterstützen und Werte der Treue, Ehrlichkeit und Dankbarkeit in den Hintergrund stellen möchte. Daher möchten wir Ihnen mittels diesem offenem Brief unsere Sichtweise in dieser Angelegenheit ganz eindeutig näherbringen, sodass unsere Ansichten in eine Entscheidung miteinbezogen werden können.

Anfangs ist es jedem Befürworter dieses Schreibens ein Anliegen, zu unterstreichen, dass dies nicht persönlich gegen Marko Bubanja gerichtet ist. Wir stellt lediglich unsere Bitte dar, Härte zu zeigen, wenn der ÖJV offensichtlich ausgenutzt wird und einem Sportler, welcher aus finanziellen Gründen einem Verband sowie einer Nation den Rücken zukehrt, eine unserer Meinung nach übertriebene Freundlichkeit entgegenbringt.

Wir Judokas sind der Meinung, dass in unserem Verband die Grundsätze des Judos hochgehalten werden sollten. So wie wir unseren Gegnern und Mitstreitern Respekt und Achtung entgegenbringen, müsste dies auch für Sportler im Umgang mit dem ÖJV gelten. Aus diesem Grund muss klar gezeigt werden, dass für einen Sportler, der im österreichischen Judoverband ausschließlich einen finanziellen Förderer sieht und nur mäßige Dankbarkeit für angebotene Zugeständnisse entgegenbringt, welche für andere, subjektiv bewertet ähnlich erfolgreiche Sportler, undenkbar gewesen wären, in unserem Verband kein Platz sein sollte.

Des Weiteren kursieren Informationen über den Ausgang einer Abstimmung des Vorstandes, welche klar gegen die erneute Aufnahme von Marko Bubanja in den ÖJV sprechen. Daher liegt es für uns Sportler auf der Hand sich an diese Entscheidung zu halten und sich nicht darüber hinwegzusetzten und somit bestimmten Stimmen eine übermäßig hohe Gewichtung zuzugestehen. Eine dieser Abstimmung entgegengestellte Entscheidung würde einen Vertrauensverlust aller anderen Sportler mit sich ziehen.

Angeblich wird die Meinung der Athleten dahin ausgelegt, dass wir uns ein Zurückkommen von Marko Bubanja ausdrücklich wünschen. Es soll hiermit klargestellt werden, dass wir Sportler im Durchschnitt einer Rückkehr seinerseits zum ÖJV, abgesehen der finanziellen Umständen und Ereignissen des letzten Jahres, neutral gegenüberstehen.

Mit jedem Namen, den wir unter dieses Schreiben setzen, möchten wir betonen, wie wichtig uns diese Angelegenheit ist. Wir Sportler möchten ein klares Zeichen setzten, dass wir uns ein Hochhalten von grundlegenden Werten in unserem Verband ausdrücklich wünschen. Wir bitten um die Miteinbeziehung unserer Interessen in dieser Angelegenheit und verbleiben in Hoffnung auf Ihr dem Judosport verantwortungsgemäßes Handeln.

Mit freundlichen Grüßen
...zwar aus folgenden Gründen: Die Athleten empfinden den Wechsel der Nation aus finanziellen Gründen (vorrangig; es mag aber auch noch andere geben) als eine Abkehr von den Werten des Sports, wohl auch denen des Judo. Was in der Welt des Leistungssports sollen denn Judowerte für eine (mit anderen Sportarten verglichende) besondere Rolle spielen?

In dem Schreiben die Rede von fehlender "Dankbarkeit" und "Treue", als Konsequenz daraus "Härte zeigen" "im Sinne des Judosports "verantwortlich handeln" in Anbetracht der angeblichen Undankbarkeit. Doch wer muss eigentlich wem dankar sein? Man darf auch nicht vergessen, dass es dabei nicht um den Sportler persönlich gehen soll, was wir mal glauben möchten. Das Einhalten der geforderten Werte wird also allein auf den Verband abgewälzt. Dieser kann das aber anscheinend nicht leisten bzw. soweit ich durch Buschfunk weiß, kehrte der Sportler letztlich doch zurück.

Nun kann man sich auch die entgegengesetzte Reaktion vorstellen: Den Sportler, auf der Suche nach Absicherung seines Lebens bei gleichzeitiger leistungsmäßiger Ausübung seines Sportes vorerst gescheitert und nun zurückkehrend mit offenen Armen empfangen.

Was zeigt uns das Verhalten der Judo-Kollegen? Verbandsquerelen ja, ok. Ich meine etwas anderes. Was zeigt uns das über die Anwendung der Judowerte oder deren Bedeutung für den Sport? Ist ein Nationalitätenwechsel, das bloße Ausnutzen des eigenen Vorteils gegenüber den anderen (z.B. auf Basis einer Doppelstaatsbürgerschaft) schon ein Verstoß gegen Judowerte? Weil andere den Vorteil nicht haben? Darf man nicht sein Auskommen suchen, auf Kosten des nationalen Startrechts? Nach allem, was man an oftmals mehr oder weniger lauer Förderung erhalten hat? Enttäuscht man damit gleich die gesamte übrige Nationalmannschaft, nebst Funktionären?

Noch eine Sichtweise: Das ist ein verstecktes Protestschreiben auf dem Rücken eines rückkehrwilligen Abtrünnigen an den Verband, weil einige Funktioäre nicht im Sinne der Sportler zu handeln scheinen. Die hier sich hier in ihreren Werten verletzt fühlenden Sportler wollen bloß Druck aufbauen, um den Verband, was weiß ich, eins auszuwischen. Vielleicht haben jene die aktuellen Entwicklungen bzgl. der Nationenwechsel nicht erkannt oder sind frustiriert, weil die Bedingungen für Judo-Leistungssport in Österreich im Vergleich zu anderen Ländern eher bescheiden dastehen. Aber geht das konform mit "Judowerten"?

Nur meine ersten Eindrücke: Mir gibt ein solches Statement der Sportler/Innen, die ja angeblich keine persönliche Unsympathie gegen den betroffenen Sportler hegen wollen, zu denken. Da dieser ja im blödesten Fall seinen Leistungssport nicht mehr ausüben kann und letztlich ja trotzdem "wir wollen dich hier nicht mehr" zu hören bekommt, obwohl er letztlich niemandem sonst schadend sein Glück gesucht hat (soweit wir wissen).

Kollegialität, gerade in der Frage des Nationenwechsels, auch ein Judowert? Und wenn ja, wer hätte sich hierbei wirklich unkollegial verhalten? :smoke

Benutzeravatar
Fritz
Moderator
Moderator
Beiträge: 4821
Registriert: 14.11.2003, 11:06

Re: Wechsel der Nationalität

Beitrag von Fritz » 19.05.2018, 20:15

Der Wechsel der Zugehörigkeit zu einem Volk oder einer Nation sollte m.E. ein wohl- und langüberlegter Schritt sein.
Die Gründe dafür sollten m.E. überwiegend im ideellen Verhältnis der Person zu den betroffenen Völker/Nationen liegen
und nicht im materiellen. Leuten, die ihre Nationalität mehrfach ändern, stehe ich sehr skeptisch gegenüber (ebenso
wie Leute, welche die Staatsbürgerschaft eines Gastlandes annehmen, dann aber bei jeder sich bietenden Gelegenheit,
drauf hinweisen, daß sie sich aber eher als Angehöriger ihres Abstammungs-Landes fühlen ... :-/
Mit freundlichem Gruß

Fritz

Cichorei Kano
Blau Gurt Träger
Blau Gurt Träger
Beiträge: 119
Registriert: 01.11.2007, 18:57
Kontaktdaten:

Re: Wechsel der Nationalität

Beitrag von Cichorei Kano » 21.05.2018, 16:44

Fritz hat geschrieben:
19.05.2018, 20:15
Der Wechsel der Zugehörigkeit zu einem Volk oder einer Nation sollte m.E. ein wohl- und langüberlegter Schritt sein.
Die Gründe dafür sollten m.E. überwiegend im ideellen Verhältnis der Person zu den betroffenen Völker/Nationen liegen
und nicht im materiellen. Leuten, die ihre Nationalität mehrfach ändern, stehe ich sehr skeptisch gegenüber (ebenso
wie Leute, welche die Staatsbürgerschaft eines Gastlandes annehmen, dann aber bei jeder sich bietenden Gelegenheit,
drauf hinweisen, daß sie sich aber eher als Angehöriger ihres Abstammungs-Landes fühlen ... :-/
This is a difficult topic. At the end of the day, it simply appears that it simply is not possible to create laws and rules that are enforceable and that are able to prevent nationality fraud with regard to sports. This is probably also understandable, because the one getting unfair advantages from nationality fraud is not just the individual but also the country itself that has to enforce the law. Why would a country that has never won an Olympic medal in a discipline make its nationality laws more stringent when it is suddenly given a chance to win an Olympic gold medal, something which the millions of euro's it has invested before, were not able to achieve ? So you have conflicting interests.

A second problem is that sports rules change over time, with dramatic effects on what is allowed and what is not allowed, and the legal framework just runs behind.

For example, Georgian Jarji Zviadauri moves in 2003 to Greece, is adopted as an adult by Greek citizen Nikos Iliadis, and 'whoops' within a year he obtains Greek citizenship and becomes "Ilias Iliadis" and in 2004 wins an Olympic gold medal for Greece, a country that has never won any Olympic medals in judo ...

You try getting your adoption papers ready in less than a year and obtain citizenship of another country within a year. In many countries you can't even get permanent residency withinh that time frame, and citizenship usually requires having lived a minimum of 5 years in your new country.

This is all quite remarkable especially when you have an organization such as WADA who can destroy your career by labeling you a doping fraud merely on the basis of a missed appointment or communication, or because your legal sports supplement contained some completely innocent trace of nose spray.

It's another example of absurdity in legal frame work.

On the other hand, while it is possible that 17-year old Jarji Zviadauri might have never gone to the Olympics in 2004 if he would have stayed in Georgia due to strong national competition, now 14 years later, the rules have changed and there exists something such as IJF ranking making it possible that more than one athlete from the same country could have participated if he just ranked high enough ...

So, this is another problem: inconsistency of sports rules over time ...

In 2014 tennnis player Simona Halep had a breast reduction surgery reducing her breast size from 34DD to 34C for no other reason than to advance her tennis, not because of medical reasons. Why did she not get a lifelong suspension ? She completely changed her biomechanics, her point of gravity, in this way obtaining a much greater and established advantage than Maria Sharapova could possibly have obtained ? Yet, Maria Sharapova was branded a "doping cheat", but Simona Halep received sympathy ? This is not right.

The problem is, however, not always the individual athlete. Sports federations, especially judo federations have often proved to be rancorous organization in which officials do not hesitate to resort to criminal intentions and mafiosi practices to destroy the career of an athlete. When I say that "sports federations" often behave like criminal organizations, I obviously am not implying that all of its members have criminal intentions. Conversely, what I am trying to say is that often within judo federations, the federation president has nearly unlimited power and does what he wants to do while hiding behind the name of the judo federation. Consequently, what appears as "decisions by a judo federation" are not at all decisions by a federation, but by a sole individual who uses and can use the name of the federation as a blanket cover for his own actions.

In 2000, Belgian jûdôka Christelle Deliège took her case all the way to the European Court of Justice because she wasn't selected. In the end she lost, and it is a pity that she did not change her nationality because if she had become citizen of a different country she would likely have obtained several European, World and possible Olympic medals. So, in this case, I support her. Why ? Because the federation lied throughout the entire proceeding, and intentionally did not select her even though she was the best athlete. It happened solely because of the federation's president's dirty games behind the screen. It is just another example of a judo federation using maffiosi techniques and acting as a criminal organization using the facade "judo federation" to cover up the actions of just one man. You can find the entire proceedings in the German language here:

http://www.jurion.de/urteile/eugh/2000-04-11/c-51_96/

That being said, there are obviously jûdôka who have changed citizenship and followed through with normal standard procedures and established a long-lasting link with a new country. For example, former Olympic champion 1980 Angelo Parisi was a born Italian but won his first Olympic medal for England, a country his father had immigrated to and where het got married to a British woman. After a divorce and marrying a French woman, he settled in France, where he obtained most successes for his new country. Now, long retired from competitive jûdô and having to focus on obtaining good health again, he has resettled in ... Italy ...

Antworten