Bundesliga

Hier geht es um die Wettkampforganisation und um Fragen zu den Wettkampfregeln
tutor!
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Re: Bundesliga

Beitrag von tutor! » 16.12.2017, 15:33

Du sprichst viele Probleme an, von denen ich mir eine offene und transparente Diskussion wünschen würde. Denn Vereine wie DJB stecken durchaus in einem schwer aufzulösenden Dilemma. Nur löst man dieses Dilemma nicht, indem man sich seinen Frust von der Seele schreibt, nach links und rechts schießt und anschließend den Schaden aufräumt...

Kernfragen snd in der Tat:
- wie attraktiv ist es für die Vereine, eine hohe Liga anzustreben?
- wie ist die Durchlässigkeit für die Sportlerinnen und Sportler im Sinne einer Heranführung an höhere Ebenen?
- welchen Stellenwert im Sportsystem haben die Ligen allgemein und die Bundesliga insbesondere?
- welche Bedeutung hat die Bundesliga für Kämpfer des internationalen Niveaus?

Hier gibt es eine ganze Menge widersprüchlicher Interessen. Für Kämpfer, die bereits international unterwegs ind und viele internationale Einsätze haben, ist eine Bundesliga mit vielen Kampftagen schlicht eine Belastung, Das Problem ist das noch häufigere Gewichtmachen und die Verletzungsgefahr - beides schwächt die internationale Konkurrenzfähigkeit. Auf der anderen Seite ist die finanzielle Ausstattung der Kämpfer nicht so rosig, sodass die Bundesliga ein notwendiges Zubrot bedeutet. Wie der/die ein oder andere mit dieser Situation umgeht bzw. umgehen soll, kann ich nicht sagen. Jedenfalls steckt hier eine Problematik im System.

Die wirklichen Spitzenkämpfer haben ihren Wohnsitz und Lebensmittelpunkt an die Stützpunkten, die nicht immer mit den Standorten der Bundesligavereine zusammenfallen. An den Stützpunkten gibt es die entsprechenden Trainingsgrupppen - aber was ist bei den Vereinen? Natürlich wird dort auch trainiert, aber oftmals ist es so, dass die wirklichen Leistungsträger - von den Ausländern will ich gar nicht reden - eben nicht regelmäßig beim Training sind. So kommt es dann dazu, dass die einen beim Verein trainieren, die anderen dann jedoch kämpfen. Nicht sehr befriedigend...

Was tun die Vereine, um im Ligasystem erfolgreich zu sein? Nun, sie müssen Geld in die Hand nehmen - unabhängig davon, wo es herkommt. Sie müssen sich aber auch fragen, welche nachhaltige Wirkung der Betrieb auf die Sportler im eigenen Verein hat. Oftmals ist es so, dass Mannschaften im Falle eines Aufstiegs durch Zugänge verstärkt werden müssen - und die eigenen Stammkräfte werden zur zweiten Garnitur. Das ist dann nicht wirklich attraktiv und nach einer Weile muss man sich die Frage stellen, ob das Sinn macht.

Ein anderes Problem ist die Durchlässigkeit des Systems. Wie wächst ein Sportler in eine höhere Liga hinein und wie kann er sich entwickeln? Es scheint mir so, dass die Startlisten der Vereine so voll sind, dass viele Kämpfer gar nicht zum Einsatz kommen - auch nicht in einer niedrigeren Liga. Man braucht heutzutage dermaßen viele Alternativen (wegen Terminüberschneidungen, Verletzungen usw.), sodass eine Reihe Leute, die eigentlich kämpfen wollen, nicht oder nur selten zum Zuge kommen. So kann sich aber niemand entwickeln.

Der kritischste Punkt ist aber der Stellenwert des Ligasystems insgesamt. Hat die überwiegende Mehrzahl der Vereine überhaupt den ernsthaften Willen, die eigenen Leute an die Spitze heranzuführen? Vielmehr: haben sie noch die Zeit und die Geduld, dies zu tun? Oder besteht ein Zwang, „fertige“ Kämpfer zu holen, anstatt die eigenen stärker zu machen?

Ich möchte ausdrücklich betonen, dass ich diese Punkte als Fragen und Problemkreise verstehe, die es zu diskutieren gilt. Auch ist die Haltung der einzelnen Personen und der verschiedenen Vereine in diesen Fragen sicherlich sehr unterschiedlich, sodass man nichts über einen Kamm scheren darf.

Ich kann aber auf jeden Fall sagen, dass sich die Situation in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt hat. Ich habe meine erste BuLi-Saison (1. Liga) 1978 gekämpft. Damals gingen wir zu der Mannschaft, wo in erreichbarer Nähe das beste Training stattfand. Größere Entfernungen zwischen Wohnort und Vereinsort waren eine eher seltene Ausnahme. Die BuLi-Vereine waren DIE lokalen und regionalen Zentren des Leistungssports - manche formal als Stützpunkte, manche auch ohne diesen Status. Die Vereine entwickelten die Kämpfer. Heute nehme ich das vollkommen anders wahr.

Ich hätte mir gewünscht bzw. würde mir wünschen, dass diese wirklich schwierigen und drängenden Fragen diskutiert werden. Lösungen habe ich persönlich übrigens nicht (es ist schlicht nicht mein primäres Interessensgebiet), aber ich weiß, dass durch‚ Unterstellung und Klein-Klein keine Probleme von grundsätzlicher Bedeutung gelöst werden. BTW: weder in Frankreich noch in Japan gibt es einen Ligabetrieb...
I founded a new system for physical culture and mental training as well as for winning contests. I called this "Kodokan Judo",(J. Kano 1898)
Techniques are only the words of the language judo (Cichorei Kano, 24.12.2008)

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Re: Bundesliga

Beitrag von Fritz » 16.12.2017, 17:47

tutor! hat geschrieben:
16.12.2017, 15:33
Die wirklichen Spitzenkämpfer haben ihren Wohnsitz und Lebensmittelpunkt an die Stützpunkten, die nicht immer mit den Standorten der Bundesligavereine zusammenfallen. An den Stützpunkten gibt es die entsprechenden Trainingsgrupppen - aber was ist bei den Vereinen? Natürlich wird dort auch trainiert, aber oftmals ist es so, dass die wirklichen Leistungsträger - von den Ausländern will ich gar nicht reden - eben nicht regelmäßig beim Training sind. So kommt es dann dazu, dass die einen beim Verein trainieren, die anderen dann jedoch kämpfen. Nicht sehr befriedigend..
tutor! hat geschrieben:
16.12.2017, 15:33
Ich kann aber auf jeden Fall sagen, dass sich die Situation in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt hat. Ich habe meine erste BuLi-Saison (1. Liga) 1978 gekämpft. Damals gingen wir zu der Mannschaft, wo in erreichbarer Nähe das beste Training stattfand. Größere Entfernungen zwischen Wohnort und Vereinsort waren eine eher seltene Ausnahme.
tutor! hat geschrieben:
16.12.2017, 15:33
Für Kämpfer, die bereits international unterwegs ind und viele internationale Einsätze haben, ist eine Bundesliga mit vielen Kampftagen schlicht eine Belastung, Das Problem ist das noch häufigere Gewichtmachen und die Verletzungsgefahr - beides schwächt die internationale Konkurrenzfähigkeit. Auf der anderen Seite ist die finanzielle Ausstattung der Kämpfer nicht so rosig, sodass die Bundesliga ein notwendiges Zubrot bedeutet. Wie der/die ein oder andere mit dieser Situation umgeht bzw. umgehen soll, kann ich nicht sagen. Jedenfalls steckt hier eine Problematik im System.
tutor! hat geschrieben:
16.12.2017, 15:33
Was tun die Vereine, um im Ligasystem erfolgreich zu sein? Nun, sie müssen Geld in die Hand nehmen - unabhängig davon, wo es herkommt.
Hmm, wenn ich das so lese, frage ich mich, ob es möglich wäre, daß seitens des DJBlichen Leistungssports, den Liga-Betrieb nicht als Chance zur
Kader-Gewinnung und "Kader-in-Übunghaltung" zu betrachten?
- D.h. wenn erstmal jeder Stützpunkt (egal ob Bund oder Land) eine Liga-Mannschaft stellen würde / müßte - zusätzlich zu interessieren Vereinen, könnten man direkt bzgl der Stützpunkte
und der dort trainierende Sportler Qualitätsbeobachtungen betreiben ;-) Mann könnte in diesem Gedankenspiel, Liga-Vereins-Mannschaften ja bspw. erlauben, eine gewisse Quote Ausländer einzukaufen,
aber Stützpunkt-Liga-Mannschaften halt nicht ...
- Das Problem mit dem Gewichtmachen läßt sich sicher einfach lösen, in dem für die Liga andere Gewichtsklassen genommen werden würden, bspw. Einzel-GK + x-Kg ...
- Für Vereine wäre der Liga-Betrieb sicherlich attraktiv, wenn sich damit langfristig Geld verdienen ließe ... Und die Kosten weitestgehend gleich blieben, liga-stufen-übergreifend.
Wäre der Liga-Betrieb in das Leistungssport- / Stützpunktkonzept eingebunden, könnte der Nutzen für den Leistungssport, doch erstmal honoriert werden,
wie auch immer (Anreise-/Aufwands-Erstattung, Siegprämien was weiß ich). Und nebenbei müsste es doch zu schaffen sein, Sportwetten zu etablieren, Pferde-Rennen werden doch auch erst durch
Wetten attraktiv ;-)

Oder man koppelt den Liga-Betrieb weitestgehend von der Kaderei ab, gibt als Anreiz den Sportlern der Spitzen-Mannschaften
mal den einen oder anderen internationalen Startplatz / Sprung in den Kader (entsprechend der Liga-Ebene),
so sie denn dort nicht schon sind und läßt die Vereine halt einfach machen unter Vorgabe einer minimalen Rahmenstruktur ...
Mit freundlichem Gruß

Fritz

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Re: Bundesliga

Beitrag von KönigABC » 16.12.2017, 19:16

Hallo Leute,

hier mal meine Meinung zu dem Thema:
Ich formuliere Tutors Fragen mal etwas anders:

1.: Was bringt eine Bundesligamannschaft einem Verein?

Der Verein hat die Möglichkeit, den Judosport auf einem hohen sportlichen Niveau ansprechend zu präsentieren, sowohl gegenüber den Zuschauern, den Sponsoren als auch der lokalen und regionalen Politik!
Im Idealfall profitiert der ganze Verein davon durch mehr Mitglieder, bessere Sponsoren und Trainingsmöglichkeiten.
Außerdem sind die Bundesligakämpfer natürlich Vorbild für den Nachwuchs!
Ein Mannschaftskampf, bei dem immer nur auf einer Matte eine Begegnung stattfindet, mit einem ansprechenden Rahmen und einem überschaubaren Zeitplan (2h), ist deutlich schöner für die Zuschauer, als Beispielsweise eine regionale Meisterschaft, die auf mehreren Matten über einen längeren Zeitraum ausgetragen wird.

Dem steht natürlich auch ein erheblicher finanzieller und personeller Aufwand gegenüber, keine Frage!

2.: Was bringt die Bundesliga den Athleten?

Hier muss man meiner Meinung nach unterscheiden zwischen den Nationalkaderathleten und den jüngeren Landeskaderathleten, die noch Ambitionen auf eine internationale Karriere haben, und den "anderen".
Für die Kaderathleten ist die Bundesliga natürlich erstmal zusätzlicher Stress. Demgegenüber steht aber, dass die Vereine so dazu beitragen, den Top-Athleten das Leben als Leistungssportler zu finanzieren.
Ein Bundesligakampftag ist aber meiner Meinung nach nicht vergleichbar mit einem (internationalen) Einzelturnier. Allein das Kilo Gewichtstoleranz hilft schon sehr. Hinzu kommt, dass ein Kämpfer an einem Kampftag maximal zwei Kämpfe bestreiten kann, die körperliche Belastung hält sich also in Grenzen. Allerdings sollten die Vereine nicht erwarten, dass die Athleten an einem Bundesligakampftag genauso fit sind, wie beispielsweise bei einem Grand-Prix. Die Kaderathleten müssen in der Bundesliga aus dem vollen Training heraus kämpfen, ein Kampftag ist dann für sie eine Trainingseinheit mit 2 TWKs. Wenn die Vereine also keine überzogenen Erwartungen an die Fitness Athleten haben und damit leben können, dass die Kaderathleten aufgrund internationaler Einsätze nicht an allen Kampftagen zur Verfügung stehen, ist das für die Athleten gut zu leisten.

Zu den anderen: Wie groß ist die Zahl der Athleten, die bei den Männern und der U21 zum Bundeskader gehören? Was macht der Rest? Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass für sehr viele Judoka die Ligakämpfe die größte, wenn nicht sogar die einzige Trainingsmotivation sind. Mit einem guten Team 8-10 Samstage im Jahr auf der Matte zu stehen, ist etwas, das für viele ein Grund ist, immer noch 5 - 10 Trainingseinheiten in der Woche zu absolvieren, auch wenn den Athleten klar ist, dass sie nicht mehr Deutscher Meister im Einzel werden. Dazu kommt natürlich für viele Auszubildende und Studenten der finanzielle Anreiz. Für das Geld allein stellt sich aber sicher niemand auf die Matte!
Diese Athleten, sind aber immens wichtig als Trainingspartner für die Kaderathleten an den Stützpunkten. Was würden die Kaderathleten machen, ohne Randoripartner? 6 Monate im Jahr ins Trainingslager?

Deshalb glaube ich, dass die Reform der Männerbundesliga ein Schritt in die richtige Richtung ist.
4 garantierte Heimkämpfe geben den Vereinen die Möglichkeit, sich zu präsentieren. Da die Spitzenkämpfer sicherlich nicht an allen Kampftagen zur Verfügung stehen, wissen auch die Kämpfer in der 2. und 3. Reihe, dass sie gebraucht werden und ihre Einsätze bekommen. Durch die Aufteilung der 2. Liga auf 4 regionale Gruppen können hoffentlich die Kosten und der Aufwand für die kleineren Vereine gesenkt werden, sodass sich mehr Vereine trauen, den Schritt in die 2te Bundesliga zu gehen und ihren Athleten diese Perspektive zu geben.

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Re: Bundesliga

Beitrag von nur_wazaari » 18.12.2017, 15:47

Ich kann nur beispielhaft auf die jüngere Vergangenheit blicken: In meinen beiden sportlich sehr verbundenen Landesverbänden gab es vor etwa 6-10 Jahren in sportlich bewährten
1. und 2. BLigen zwischen 6-8 Vereine. Dazu noch die ebenfalls starke Anschlussliga (Regionalliga) auf Gruppenebene. Alles darunter wurde schon immer auf Landesebene betrieben.
Mal waren die BL-Vereine stabiler und erfolgreicher, mal weniger. Es kamen nach Abstiegen zumindest immer wieder Vereine nach, wenn auch die Kämpfer nicht selten nur zwischen den Vereinen wechselten.
Heute sind es gemessen an der Größe immer noch gute zwei Vereine in der 1.BL. Alles darunter ist mindestens ambitionslos hinsichtlich eines möglichen Aufstiegs. Was hat sich verändert? Die Zahl der Kämpfer?
Die Bereitschaft von allen Seiten, ein Projekt "Bundesliga" anzugehen? Oder ist das sportliche System die Ursache (es wäre unrichtig von Schuld zu sprechen) für die momentan abgewertete Situation des Ligabetriebs?
Klar, der Fehler liegt im System, wurde hier auch schon oft ge- und beschrieben.

Ich vermute aber auch, dass alle genannten Gründe eine Rolle spielen. Primär müsste ein System auf die Umstände angepasst werden. Das ist ja das Gegenteil von "Klein-Klein".
Jenes wird ja auch mit der neuen BL-Reform versucht.
Dem Vernehmen nach wurden aber auch die unterschiedlichsten Interessen der Vereine nicht ausreichend gewürdigt. Vielleicht wurde auch das Vermögen der Vereine in jeglicher
Hinsicht nicht hinreichend berücksichtigt. Es fehlt im Allgemeinen schlicht an jedwedem Kapital hinsichtlich vorgegebener Bedingungen. Wurde ja jetzt schon alles genannt.

Vereine (jedenfalls e.V.) möchten sich in erster Linie an sportlichem und gesellschaftlichem Wert messen lassen. Die Sportler + sportlicher Nachwuchs + herzenswarme Ehrenämtler sind deren größtes Kapital.
Die Interessen der Vereine sind hinsichtlich des Ligabetriebs also klar. Diejenigen der Sportler auch. Diejenigen der Funktionäre? Halte ich für unklar. Ich will mich nicht erheben,zu beurteilen was ein Funktionär sein sollte,
leisten muss usw.. Das ist kein einfacher Job, ist mir schon klar. Hat man ja auch dann jüngst sehen können, dass es eines gewissen
"Standings" bedarf, um Interessen entweder durchzusetzen oder notfalls zum Zwecke eines immerhin tragfähigen Kompromisses hinten an zustellen.

Für die BL bedeutet das: Ist ihnen ein Ligabetrieb aus Funktionärssicht nun wichtig oder nicht? Augenscheinlich nur im "Premium"-Segment. Konzepte für untere Ligen fehlen. Einsatzbedingungen für Kader-Sportler
gibt es ja immerhin, es existieren ja gemeinhin Absprachen zu Stressreduzierung wie z.B. den grundsätzlichen Start in der nächsthöheren GK oder Kämpfe nur an einer bestimmten Anzahl von Tage usw..

Wie kann man an das System rangehen? Eine Option: Wettkampfordnung des DJB! http://www.judobund.de/media/ordnungen/ ... g_2013.pdf
Nachdem ersten Überfliegen und dem Stutzen an manchen Stellen mal zusammengefasst: Das Ding ist ziemlich detailliert. Entscheidende Dinge sind dennoch bloß der Geschäftsstelle überlassen, es gibt
z.B. hinsichtlich der Ausrichtung von Veranstaltungen keine einsichtigen Regelungen. Es gibt z.B. keinen repräsentativen Beispielvertrag zur Veranstaltungsausrichtung (Anhang?). Wie ich schon moniert habe,
für mich ist auch diese Ordnung trotz oder aufgrund (ich kann mich nicht entscheiden) ihrer Detailliertheit hinsichtlich des Sportverkehrs nicht wirklich den realen Gegebenheiten angepasst. Aber es müssen sich
natürlich alle danach richten; das ist auch grundsätzlich richtig so. Aber mehr Flexibilität oder Klarheit wäre nötig. Da erscheint schon Punkt 1.1. mit "Die Landesverbände können im Rahmen dieser Ordnung eigene Vorschriften...usw...
erlassen" als etwas ironisch. ;)

Für mich hängt das auch mit dem Ligabetrieb zusammen. Ansprüche und Wirklichkeit passen nicht zusammen, die Sportler und die Unterstützer sehen sich nicht in der Lage, die momentanen Anforderungen
umzusetzen. Deshalb ist die BL (und z.T. auch nachfolgende Ligen) nicht mehr attraktiv: Es gibt in der Breite nicht mehr genügend Personen, die sie nachhaltig und vorgaben- bzw. ordnungsgemäß betreiben können. Wenn ich in der Ordnung weiter herunterscrolle, fallen mit auch noch mehr Bereiche auf, an denen hinsichtlich der BL aufgeschraubt werden müsste. Hier kam der Vorschlag von etwas freierer Organisation; das wäre zumindest momentan wohl eine vertretbare Möglichkeit.

Wenn die Vereine wieder das Gefühl der Zügel in der eigenen Hand inkl. attraktiver Vorteile bekommen würden, hätten sie sicherlich mehr Anreize dazu, sich in den Ligen zu engagieren. Alles Sportliche, wie Nachwuchsförderung, Identifikation usw., könnte sich ergeben. Momentan schaffen es aber nur wenige Vereine und dann mit äußerst engagierten Initiatoren, sich den Anforderungen des DJB zu stellen. Das scheint wohl auch für einzelsportliche Veranstaltungen zu gelten.

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Re: Bundesliga

Beitrag von caesar » 19.12.2017, 02:58

Die Bundesligaeinteilung für 2018 ist heute veröffentlicht worden:
http://assets.judobund.de/public/upload ... b3427acb21

Die 1. Bundesliga Männer kämpft nach dem "neuen" 9er-System.
Die 1. Bundesliga Frauen behält das alte 6er-System bei.
Die 2. Bundesliga Männer wird in 3 Staffeln ausgetragen.
Die 2. Bundesliga Frauen findet im alten System statt mit 5 Mannschaften im Norden und 9 Mannschaften im Süden.

Etwas verwirrend die Einteilung der 2. Liga Männer. Habe ich über das letzte Jahr doch unterschiedlichste Einteilungsideen zu den 4 Staffeln gesehen, so kam zuletzt wieder die Idee auf, diese in zwei Staffeln durchzuführen, da die Rückmeldung der Vereine zu gering war (wer hätte sich das nur denken können?) wie auch diese Umfrage zeigt http://www.deutsche-judo-bundesliga.de/ ... sliga-2018. Die Meinungen der Vereine waren so ziemlich pari-pari zwischen einer Einteilung in zwei oder vier Staffeln. Jetzt scheint sich ein Kompromiss gefunden zu haben damit alle Vereine genug Kämpfe mit vertretbaren Fahrtwegen haben.
Die Staffel Süd umschließt Vereine der Bundesländer Bayer, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz. Die Staffel Nord-West besteht aus Vereinen aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Die Staffel Nord-Ost schließt Vereine aus Berlin, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen ein.
Spannene Frage wie es mit der Aufstiegsregelung entschieden wird, da die Liga Nord-Ost über die Bereiche der 1. Liga Nord und Süd geht.
Eine Reformation der 2. Bundesliga Nord der Frauen scheint ebenfalls nötig.
Wirkliche Ruhe wird im Bereich der Bundesliga im nächsten Jahr wohl nicht einkehren.

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Re: Bundesliga

Beitrag von nur_wazaari » 21.12.2017, 13:39

Die Einteilung sieht ungemein aufwendig aus. Wenn man sich denkt, dass die meisten Sportler selbst in der 1. BL quasi semi-professionell sind
und zumindest nicht mehr im vollen Umfang leistungssportlich trainieren können, sprich einem gewöhnlichen Lebenstil mit Arbeit und Co nachgehen,
dann muss schon mal gefragt werden, wie man 8-9 Kampftage (Männer) jeweils eine schlagkräftige Mannschaft zusammen haben will. Zumal neben
dem vollen einzelsportlichen Kalender auch die Olympiaquali im Mai beginnen wird.

In der 2. BL im Prinzip findet sich das Gleiche, nur quantitativ etwas moderater.

Bin gespannt, wie das Feedback in der Mitte der Saison und am Ende sein wird. Könnte mir vorstellen, dass der eine oder andere Verein spätestens nach der Hälfte der Kampftage
froh wäre, wenn die Saison einfach nur vorbei sein würde. Gerade wenn es nicht so läuft und möglicher Erfolg (in einer BL sicher Hauptmotivation) ausbleibt...

Ich wünsche den Vereinen jedenfalls viel Erfolg und einen langen Atem.

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Re: Bundesliga

Beitrag von caesar » 22.12.2017, 02:06

nur_wazaari hat geschrieben:
21.12.2017, 13:39
Ich wünsche den Vereinen jedenfalls viel Erfolg und einen langen Atem.
Wie ich jetzt gelesen habe, werden diesen Atem wohl vorallem die Vereine der Staffel Nord-Ost brauchen. Um in beiden Erstligastaffeln den Ausgleich zweier Absteiger zu haben, sollen in der Staffel Nord-Ost der jeweils Bestplazierte in ihre Staffel aufsteigen müssen (Sofern der Aufstiegszwang nicht noch eilig gekündigt wird). Bei der Verteilung in Nord (Hamburg II, KG M-V, Rudow, Hoppegarten) und Süd (Riesa, Chemnitz, Leipzig II), sowie dem Aufsteigsverbot für 2. Mannschaften ergibt sich die Konstellation dass rein theoretisch die zweitschlechteste Mannschaft der 2. Liga Nord-Ost in die 1. Bundesliga Süd aufsteigen müsste.
Hier hoffe ich für die Vereine, dass der DJB die Aufstiegspflicht aussetzt, denn wer möchte theoretisch nach so einem Jahr in die deutlich stärkere und teurere 1. Bundesliga aufsteigen?

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Re: Bundesliga

Beitrag von nur_wazaari » 22.12.2017, 17:24

Hier hoffe ich für die Vereine, dass der DJB die Aufstiegspflicht aussetzt, denn wer möchte theoretisch nach so einem Jahr in die deutlich stärkere und teurere 1. Bundesliga aufsteigen?
Das ist es ja! Was soll man in einer (nicht ganz unüblichen) Situation machen, in der man z.B. das sportliche Ergebnis "beeinflussen" müsste, um nicht aufsteigen zu "dürfen"? Gab es im Übrigen schon. Damit würde
sich bei entsprechendem Tabellenstand eine Zwickmühle für die Vereine ergeben können, möglicherweise erst in der konkreten sportlichen Situation (z.B. letzter Kampftag).

Eine quasi unbedingte Aufstiegspflicht lässt sich m.M.n. und etwas paradoxerweise weder sportlich noch formal rechtfertigen.

Aber auch sonst wird das ein Husarenritt für die Mannschaften, vor allem im Nord-Osten. Ändert sich das System nicht zu Gunsten einer Entlastung der Mannschaften, halte ich es für möglich, dass sich
in der Saison 2019 einige Vereine den Stress auf DJB-Ebene nicht mehr antun werden.

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