Bundesliga

Hier geht es um die Wettkampforganisation und um Fragen zu den Wettkampfregeln
Benutzeravatar
Fritz
Moderator
Moderator
Beiträge: 4797
Registriert: 14.11.2003, 11:06

Bundesliga

Beitrag von Fritz » 05.11.2017, 22:40

Habe gerade auf FB eine recht erschütternde Stellungsnahme des Bundesliga-Referenten
gelesen: https://www.facebook.com/JudoBundesliga ... nt_mention
Mit freundlichem Gruß

Fritz

HBt.
3. Dan Träger
3. Dan Träger
Beiträge: 1032
Registriert: 18.10.2016, 10:31

Willkommen

Beitrag von HBt. » 06.11.2017, 10:46

Rücktritt als DJB Ligareferent und gleichzeitig als Vertreter der Bundesligavereine Männer Nord (Johannes Karsch)

Es tut mir leid all diejenigen enttäuschen zu müssen, die sich von mir positive Veränderungen im Bereich der Bundesliga erhofft haben. Als ich eine Rede für die Mitgliederversammlung schreiben wollte und mir dafür meine Notizen des letzten Jahres angesehen habe, wurde mir klar, dass ich genau das gleiche sagen könnte, da keinerlei Veränderung stattgefunden hat.
Die Position Ligareferent ist eine Witzfigur. Laut DJB Geschäftsordnung leitet der Ligareferent den Bundesligaausschuss, ist Mitglied im Vorstand, plant die Bundesliga-Termine und entwirft und kontrolliert den Etat der Bundesliga. In Wahrheit gibt es im Deutschen Judobund in allen Bereichen nur zwei bis drei Personen, die etwas zu sagen haben.

Bei den Terminen für die Bundesligasaison 2018 wurde vom Sportdirektor genau 1 Termin von mir akzeptiert, alle anderen 9 wurden verändert. Beim Finaltermin der Frauen 2018, wurde ich gänzlich ignoriert. Witzigerweise hatte der Sportdirektor bei der „Absprache“ über den Terminkalender meinen über Monate in Zusammenarbeit mit den Vereinen erarbeiten Vorschlag gar nicht vorliegen, sondern nur seinen eigenen Entwurf, auf dessen Grundlage wir reden konnten. Doch dieser Punkt ist nur eine Enttäuschung von vielen. Auch der laut Geschäftsordnung in meinen Arbeitsbereich fallende Etatentwurf sowie seine Kontrolle ist mehr Hohn als alles andere. Bis heute habe ich auf zahlreiche E-Mails und mündliche Anfragen niemals auch nur eine valide Aufstellung der Sanktionen oder sonstigen Zahlen bzgl. der Judo Bundesliga bekommen. Von einer genauen Aufgabenbeschreibung der Mitarbeiter der Geschäftsstelle, für die die Bundesligavereine mit ihrem Startgeld teilweise bezahlen mal ganz abgesehen.

Weil die Vereine ein Anrecht haben zu wissen, warum ich sie in gewisser Weise im Stich lasse, möchte ich mich hierzu weiter erklären. Nehmen wir das Stichwort Sponsoring. Damit die Vereine endlich einmal Unterstützung vom Deutschen Judobund erhalten kam ich auf die Idee, einen Sponsor für die Liga zu suchen und mit dem Einnahmen die Startgelder der Vereine zu senken und Ihnen die technische Ausstattung für Livestreaming zur Verfügung zu stellen. An Menschen, die den Judosport lieben und bereit wären, hierfür Geld in die Hand zu nehmen wäre es hierbei nicht gescheitert. In mühsamer Selbstarbeit habe ich eine schöne Präsentation der Liga erstellt, die mit guten Zahlen den ein oder anderen Manager überzeugen kann. Schwieriger erwies sich jedoch die Kommunikation mit dem Deutschen Judobund. Man muss hierfür wissen, dass der Deutsche Judobund all seine Recht an die DJB Service GmbH übertragen hat. D.h., während bei einem eingetragenen Verein die Mitglieder (theoretisch) das sagen haben, hat dies bei einer GmbH natürlich der Geschäftsführer und seine Kumpanen. Das bedeutet natürlich auch, dass allein die DJB Service GmbH darüber entscheidet, wofür etwaige Einnahmen durch einen Sponsor der Judo Bundesliga ausgegeben werden würden. Es entscheidet also nicht der durch die Mitgliederversammlung gewählte und von allen Bundesligavereinen vorgeschlagene Ligareferent, sondern eine private GmbH. Besser wird’s nur noch bei den steuerlichen Fragen. Denn während ein Judoverein die Sponsoreneinnahmen z.B. in der Judo Bundesliga nicht gänzlich versteuern muss, würde die DJB Service GmbH natürlich direkt 30% einer etwaigen Sponsorensumme einbehalten. Aber keine Angst, als Vermittler würden mir natürlich weitere 25-30% zustehen, da wollen wir mal nicht so kleinlich sein. Insgesamt kann ich also natürlich gerne Sponsoren suchen (bzw. nein, ich darf diese lediglich Vermitteln, die entscheidenden Gespräche würden natürlich andere führen), hier bleiben zwar lediglich 40-45% der Gesamtsumme übrig, diese dürften dann aber wenigstens nicht durch die Bundesliga verteilt werden, sondern durch die DJB Service GmbH.


Genauso abenteuerlich ist es den Bewegtbildrechten des Deutschen Judobundes. Die DJB Service GmbH hält natürlich all diese Rechte des Deutschen Judobundes. Diese GmbH hat diese Rechte an SportA verkauft, Details zu diesem Vertrag sind natürlich geheim. Noch interessanter und ebenso geheim, der Vertrag zwischen dem Deutschen Judobund e.V. und der DJB Service GmbH.
Die Tatsache ist schon traurig genug, denn dass kein Bundesliga- oder Regionalligaverein irgendwelche bewegten Bilder auf Facebook, YouTube, Instagram oder im regionalen Privatfernsehen anbieten kann, ist vermarktungstechnisch schon eine absolute Katastrophe. Aber, dass die Vereine hier weder Anteil an den Erlösen noch irgendein Mitspracherecht haben, ist das wirklich schockierende. Am besten wurde dieses Dilemma auf der letzten Vorstandssitzung am 03. Oktober 2017 in Köln deutlich. Die Geschäftsführung wollte mich fortwährend dazu bringen, die Vereine dazu durch eine Ordnung zu zwingen, eine gewisse Mindestanzahl an Kampftagen via Livestreaming ins Netz zu stellen. Leider ist dies aber überhaupt nicht möglich, weil die Rechtefrage für 2018 noch überhaupt nicht geklärt ist. Denn ohne, dass ich in irgendeiner Art und Weise auch nur irgendwie an der Kommunikation mit SportA oder Sportdeutschland durch den DJB mit einbezogen werden würde, hat nun plötzlich ProSiebenSat.1 Sportdeutschland.tv gekauft: Konsequenzen ungewiss. Auch wenn ich diesen Text lange vor dem Bundesligafinale verfasst habe, so sehen wir doch gerade, was theoretisch möglich wäre. Das Finale in Leipzig werden sich weit über 2.000 Menschen in der Halle verfolgen, viele tausend mehr live im Internet. Aber ohne es zu laut rufen zu wollen: Was wäre vermarktungstechnisch möglich, wenn die Vereine sich an die geltenden DJB Regeln halten würden und nirgendwo mit Bewegtbildern werben würden? Wie soll ein Trailer für die Veranstaltung aussehen, ohne Bilder der Veranstaltung? Wer kennt nicht das geile Video von dem Hamburger Finale letztes Jahr? Leider theoretisch alles nicht rechtens...

Allein der Ansatz ist spitze: Die Vereine sollen doch bitte ein perfektes Bild zur Verfügung stellen Qualitätsstandards erfüllen, einen Moderator einsetzen, mehreren Perspektiven filmen und was auch immer. Wann genau sollten die Vereine dies entwickeln? Bis Mitte dieses Jahres gab es überhaupt keine Einigung in der rechtlichen Frage. Wann entwickeln denn der DJB mal Qualitätsstandards bzgl. seiner Arbeit im Bereich Judo Bundesliga? Bis heute hat der DJB doch nicht verstanden, dass es völlig egal ist, ob wir vier, fünf, sechs oder zehn Mannschaften in einer Liga haben. Wenn Vereine sich zurückziehen oder gar nicht erst anmelden, liegt das doch vor allem daran, dass sie verarscht werden. Während der Judobund in keinster Weise dazu bereit ist, in die Liga zu investieren, sie zu vermarkten, die Vereine zu unterstützen oder die Liga in irgendeiner Art und Weise weiterzuentwickeln, stellt der DJB ständig neue Forderung: Professionelles Bild oder Sanktionen! Livestream ohne Rechte oder Sanktionen! Ich verstehe jeden Verein, der darauf keine Lust hat und bewundere umso mehr diejenigen Vereine, die trotz allem eine super geile Arbeit machen.
Um alle diese Aufgaben zu erfüllen, hat die Bundesliga bereits in einem Reformkonzept von 2011 bemerkt, dass ein hauptamtlicher Ligareferent eingeführt werden müsste. Lustigerweise wurde dies sogar von unserem Präsidenten gefordert. Gleichzeitig habe ich wegen der zahlreichen Aufgaben und Arbeit (ihr wisst ja wie es ist, neben dem Ehrenamt voll zu arbeiten), vorgeschlagen, mir einen Praktikanten von der Deutschen Sporthochschule Köln zu suchen. Ich habe auch schon Bewerbungen: Leider scheitert es daran, dass ich hierfür wenigstens eine Aufwandsentschädigung von 500€ für insgesamt 240 (!)Arbeitsstunden auszahlen wollen würde. Das ist natürlich für die Belange der Judo Bundesliga nicht möglich. Natürlich wurde mir jedoch direkt vom Geschäftsführer per E-Mail mitgeteilt, dass, wenn ich trotzdem einen Praktikanten fände, die Geschäftsstelle dann keinerlei Aufgaben mehr bzgl. der Judo Bundesliga übernehmen würde, dies könnte dann ja mein Praktikant machen :-D.

Das traurige ist, mir fielen noch so viel mehr Beispiele für die grandiose Zusammenarbeit mit dem DJB ein: z.B. der tolle Turniermanager, den die Geschäftsführung gerne verpflichtend einführen würde. Der Turniermanager an sich ist super, nur leider müsste jeder, der ihn bedienen will, an einer Schulung teilnehmen (und nein, nicht irgendwer aus dem Verein, sondern genau die Person, die auch am Kampftag vor dem PC sitzen wird). Welcher Verein weiß bitte im Vorfeld immer, wer an den PCs bei einer Veranstaltung sitzen wird und kann diese Person einfach so zu irgendeiner Schulung schicken? Wahrscheinlich ist diese Schulung dann zu einem genauso klugen Termin angesetzt wie dieses Jahr der Medientreff in Köln. Obwohl die Bundesligavereine hier Hauptansprechpartner sind, war der Termin zeitgleich mit den Play-Offs. Aber anstatt sich mal um die wirklich wichtigen Dinge zu kümmern, bekomme ich 652475 Anrufe, weil die Art und Weise der Bundesligaauslosung vom DJB kritisiert wird. Gibt es nicht wichtigeres? Es wäre ja z.B. schön gewesen, wenn die Vergabe der European Club Championships, die Deutschland dieses Jahr ausrichtet, mal mit dem Ligareferenten oder allen Vereinen der Judo Bundesliga besprochen worden wäre. Auf Nachfrage erzählt mir die Geschäftsführung, dass nur einige Bewerber angesprochen wurden und diese alle abgesagt hätten. Auf Nachfrage bei den besagten Vereinen wurde mir jedoch versichert, dass nicht abgesagt wurde. Vielmehr wurde plötzlich bekanntgegeben, dass dieses Event an einen Verein nach Wuppertal vergeben wurde. Offizielle Bewerbungsmöglichkeiten? Nein. Klar formulierte Ausrichteransprüche? Nee.
Ich muss da nochmal nachfragen: Wie viele Bundesligateams hat Wuppertal? Welche Bewerbung hat Wuppertal hierfür abgegeben? Ich will nicht behaupten, dass die Motivation darin liegt, dass der Ausrichter hunderte Hotelzimmer buchen und dann sehr viel teurer an alle Athleten und Verantwortlichen weiterreichen könnte. Aber keinerlei Einbeziehung in eine Teamveranstaltung finde ich mehr als fragwürdig.

Zu guter Letzt ist eine Weiterarbeit mit den derzeitigen Führungsfiguren des DJB für mich nicht mehr erträglich. Ich wollte die Judo Bundesliga voranbringen. Auf diesem Weg wurde ich von den Verantwortlichen beschimpft, angeschrieben oder hinter meinem Rücken beleidigt. Für jeden, der auch nur einen Funken Judowerte in sich trägt, ist diese Situation unerträglich. Während diese ständig beklagten, dass ich mich über die Ordnungen hinwegsetze und zu wenig kommuniziere (komischerweise kann mein E-Mail Postfach bei fast allen Fragen das Gegenteil beweisen), wird einen bei allen relevanten Fragen bzgl. der Judo Bundesliga entweder kein Mitspracherecht eingeräumt oder aber man erfährt von diesen gar nichts.
Trotz grandioser Führung verliert der Deutsche Judobund Jahr für Jahr tausende bis zehntausende Mitglieder, obwohl wir so unfassbar engagierte Ehrenamtler haben. Ich wünsche allen Beteiligten viel Erfolg und mehr Kraft als die meinige für die zukünftige Arbeit. Ich danke allen Vereinen, die wirklich tolle Arbeit leisten und helfen, den Judosport in Deutschland zu bewahren. Ihr hättet sicher einen besseren Ligareferenten verdient, aber die Rahmenbedingungen und vor allem der zwischenmenschliche Kontakt mit einigen Verantwortlichen sind für mich leider nicht mehr auszuhalten.
Was soll man dazu noch sagen? Vielleicht: so läuft eben das Geschäft(?!).

HBt.
3. Dan Träger
3. Dan Träger
Beiträge: 1032
Registriert: 18.10.2016, 10:31

Die Service GmbH & die Rechte ...

Beitrag von HBt. » 06.11.2017, 10:53

Wer ist denn der Geschäftsführer dieser GmbH und wozu benötigen wir (die Sportler und die Interessenvereinigung DJB) dieses Konstrukt (Tandem)?

Benutzeravatar
Fritz
Moderator
Moderator
Beiträge: 4797
Registriert: 14.11.2003, 11:06

Re: Die Service GmbH & die Rechte ...

Beitrag von Fritz » 06.11.2017, 11:31

HBt. hat geschrieben:
06.11.2017, 10:53
Wer ist denn der Geschäftsführer dieser GmbH und wozu benötigen wir (die Sportler und die Interessenvereinigung DJB) dieses Konstrukt (Tandem)?
Na wenn ich die Stellungnahme richtig verstanden habe, dient diese GmbH dazu, zu verhindern, daß Vereine durch Turnier-Ausrichtungen nennenswert an Geld kommen.
So kann also ein Verein sich aufs Kerngeschäft konzentrieren: Nämlich Kader schmieden, diese weiterschicken und Verbandsabgaben bezahlen ...
Und gleichzeitig haben verdienstvolle, wichtige Personen einen Job, ohne daß mißgünstige LVs (oder Referenten) da allzu direkt Einfluß drauf nehmen können.
:irre

Im Grunde genommen ist eine Service-GmbH im Grundsatz natürlich keine schlechte Sache, beschränkt diese doch das Haftungsrisiko des Verbandes auf ihr Stammkapital.
Mit freundlichem Gruß

Fritz

HBt.
3. Dan Träger
3. Dan Träger
Beiträge: 1032
Registriert: 18.10.2016, 10:31

Die LIGA

Beitrag von HBt. » 06.11.2017, 11:35

https://www.diestadtzeitung.de/sport/oh ... r-geworden

Eine professionelle LIga (incl. des gesamten Zirkus) ist schon ein gänzlich anderes Terrain als Kleinkinderjudo im Vorschulalter - und möglicherweise hat die GmbH (Peter) sowie der DJB (Peter) gute, plausible Grunde dafür' so zu handeln wie
sie (Peter & Peter) es tun.

Wir benötigen halt TopPlayer (Gewinnertypen) an den Spitzenpositionen (den Schnittstellen zur GmbH), könnte man auch sagen ;-).

#
Die Stellungnahme des Ligareferenten ist für mich keine Überraschung.

HBt.
3. Dan Träger
3. Dan Träger
Beiträge: 1032
Registriert: 18.10.2016, 10:31

grundsätzlich keine schlechte Idee

Beitrag von HBt. » 06.11.2017, 11:38

(...)
Im Grunde genommen ist eine Service-GmbH im Grundsatz natürlich keine schlechte Sache, beschränkt diese doch das Haftungsrisiko des Verbandes auf ihr Stammkapital.
+1
Doch die MACHT korrumpiert. Ab einer bestimmten Menge (das Kapital) ist es nur noch ein Spiel. Doch auch ein Spiel folgt Regeln, diese muss man kennen und für sich (seinen Auftrag) zu nutzen wissen.

#
Zu beiderseitigem Wohlergehen ...

HBt.

PS
Wo Licht ist
da ist auch Schatten - also stellt sich doch die Frage: wie kann man einen so riesigen und internationalen Sportbetrieb 'Judo' auf die Beine stellen /leiten und führen??? Unterstellen wir der Führungsriege (Troika) doch einmal das sie Gutes tun wollen.
Wie kann man heute Gutes tun?

Ohne klare Trennungen und Verträge funktioniert das Ganze nun einmal nicht. Wie sah die Lage eigentlich vor der Jahrtausendwende aus? Bei näherer Betrachtung ist die Konstellation günstig, auch das die Positionen Präsident & Geschäftsführer von einer Person gehalten werden. Echtes Geld kann man damit bestimmt nicht verdienen und die eingefahrenen Gewinne (Kapital) belaufen sich bestimmt auch nur im fünfstelligen Bereich - oder ist es in der Zwischenzeit mehr geworden.

##
Warum gibt J. Karsch also auf(?).

Ist dem Verband die LIGA tatsächlich egal - und tut deshalb nichts für die Entwicklung (der Ligen)?

Benutzeravatar
nur_wazaari
Grün Gurt Träger
Grün Gurt Träger
Beiträge: 71
Registriert: 02.10.2013, 10:59

Re: Bundesliga

Beitrag von nur_wazaari » 06.11.2017, 13:12

Ich vermute, dass die zwischenmenschliche Basis den Ausschlag für Johannes Entscheidung gegeben hat. Darüber hinaus sind auch sicherlich Unterschiede hinsichtlich der Ideale
auszumachen, wie Bundesligajudo aussehen soll und kann. Allerdings scheint es auch tatsächlich so, dass die Kompromissfähigkeit insbesondere auf DJB-Ebene eher schwach ausgeprägt ist.
Das mag nicht unbedingt nur an einzelnen Personen liegen, sondern ist auch dem Wollen um das Mithalten im IJF-Zirkus, sowie dem Umsetzen einer Poularisierungsstrategie geschuldet.

Es wird wohl insgesamt ganz klar versucht, Judo zu kommerzialisieren. Diese Kommerzialisierung richtet sich vor allem auf die Mitglieder des DJB. Die Mitgliederzahl sinkt hingegen stetig ab. Die Basis, welche
das Geld also hauptsächlich einbringt, wird immer kleiner. Möglicherweise ist daher die DJB-Strategie (zumindest dessen Gebaren und Handlungen nach zu urteilen), das Außeninteresse zu steigern.
Das scheint ebenso die Strategie der IJF zu sein. Nicht-Judoka, Medien und andere Reichweitenträger sollen Judo verstehen und konsumieren (lernen). Um dieses umzusetzen, bedient man
sich eben marktwirtschaflticher Strategien und es findet eine Trennung zwischen Breitensport (e.V.-Ebene) und Profisport (GmbH-Ebene) statt. Die Gelder für beide Ebenen und Investitionen sind dabei wohl vor allem von der
Privatwirtschaft und Mäzenen abhängig, da Judo (und auch anderer Sport) von staatlicher Seite vglw. kaum gefördert wird. Diese Umstände sind international weitläufig zu beobachten.

Zu den Werten: Die marktwirtschaftlichen Werte stehen aktuell noch in großer Diskrepanz zu den Werten des Judo. Dabei wird oft vergessen, dass Werte nur einen Teil einer Ethik darstellen und
auf der Basis von moralischen Vorstellungen beruhen. Diese Werte sind auch im nicht-judobasierten Alltag wohlbekannt.
Nun wird insbesondere die Vermittlungsfähigkeit der Sportart für diese Werte beworben. Diese Vermittlungsfähigkeit und auch die z.T. zwischenmenschliche Intensität findet man wohl tatsächlich nur bei Kampsportarten.
Mit anderen Worten, ein Verständnis und die Reflektion dieser Werte sind essentiell um Judo zu betreiben (v.a. im Training). Damit schließt sich auch der Kreis zu (einigen) pädagogischen Zielen des Judo.

Der Anspruch dieser Zwischenmenschlichkeit und der Einhaltung ehtischer Etiketten wird insb. von Judokas auch neben der Matte gefordert. Es ist aber im "Geschäftsbereich" nicht immer gegeben, die Etiketten des Sports
auch auf den wirtschaftlichen Alltag zu übertragen. Das kann man an dieser Stelle nicht erschöpfend ausweiten...
Die Entwicklung bleibt nach wie vor spannend, insbesondere wie leidensfähig die Judogemeinde sowohl national als auch international ist, wenn die IJF nahezu den kompletten Sportbetrieb relativ eigenmächtig revolutioniert.

PS: Alles eigene Einschätzungen, habe auch viel auf Seiten von versch. nationalen Judoverbänden gelesen, auf denen i.Ü. von Mitgliedern noch deutlich schärfer und kritischer das Verbandsgeschehen kommentiert wird als bei uns in D..

caesar
3. Dan Träger
3. Dan Träger
Beiträge: 886
Registriert: 07.04.2007, 21:44

Re: Bundesliga

Beitrag von caesar » 08.11.2017, 15:52

Sehr geehrtes Präsidium,
werte Judoka und Sportfreunde,

als Vertreter der Judo Bundesliga hat uns der Rücktritt unseres Kollegen Johannes Karsch am vergangenen Sonntag völlig überraschend und unvermittelt getroffen.

Wir bedauern seinen Rücktritt.

Zugleich möchten wir aber versichern, dass wir unsere Ämter weiterhin wahrnehmen und die Vereine der Liga vertreten werden.

Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass die Stellungnahme, die Johannes Karsch im Rahmen seines Rücktritts veröffentlichte, seine persönliche Meinung widerspiegelt.

Mit sportlichem Gruß
Janina, Marcel, Pamela

HBt.
3. Dan Träger
3. Dan Träger
Beiträge: 1032
Registriert: 18.10.2016, 10:31

Die Bundesligavertreter

Beitrag von HBt. » 08.11.2017, 16:14

^
Und nun?
(...) Janina, Marcel, Pamela
... haben also keine eigene Meinung, interessant.

caesar
3. Dan Träger
3. Dan Träger
Beiträge: 886
Registriert: 07.04.2007, 21:44

Re: Bundesliga

Beitrag von caesar » 09.11.2017, 22:01

Der Bundesligaausschuss des DJB zeigt sich überrascht vom Rücktritt des Bundesligareferenten/Ligareferenten Bundesliga Männer Nord Johannes Karsch.

Keiner der Beteiligten des Bundesligaausschusses des DJB war darüber informiert. Beim Bundesligafinale der Männer arbeitete Johannes Karsch mit anderen Verantwortlichen noch an der Planung der Bundesligasaison 2018. Die vom Ligareferenten angeführten Gründe stellen ausschließlich seine persönliche Meinung dar, die teilweise inhaltlich völlig unzutreffend sind. Diese Gründe werden vom Bundesligaausschuss nicht geteilt.

Fakt ist, dass der Ligareferent Johannes Karsch die Ligastruktur des DJB 2017 völlig zerschlagen hat und auf dem Weg der Neuordnung der Judobundesliga Männer 2018 plötzlich seinen Rücktritt erklärt. Wir bitten zu beachten, dass die Neuordnung der Ligen des DJB das primäre Ziel der Bundesligaverantwortlichen sein muss und es zugleich das Versprechen war, welches als erstes Ziel umgesetzt werden sollte. Die Rahmennebenbedingungen wie Livestreaming, Etat, etc. können erst dann relevant werden, wenn das zu vermarktende Produkte "Judobundesliga" in seinen Strukturen feststeht.
http://www.judobund.de/aktuelles/detail ... rsch-2747/

Benutzeravatar
nur_wazaari
Grün Gurt Träger
Grün Gurt Träger
Beiträge: 71
Registriert: 02.10.2013, 10:59

Re: Bundesliga

Beitrag von nur_wazaari » 10.11.2017, 12:05

Streit gibt es immer mal, aber:


"Keiner der Beteiligten des Bundesligaausschusses des DJB war darüber informiert."


Das ist das Kennzeichen eines überraschenden Rücktritts.


"Beim Bundesligafinale der Männer arbeitete Johannes Karsch mit anderen Verantwortlichen noch an der Planung der Bundesligasaison 2018."


Worauf er aus genannten Gründen keine Lust mehr hatte.


"Die vom Ligareferenten angeführten Gründe stellen ausschließlich seine persönliche Meinung dar..."

Was aufgrund der Meinungsfreiheit an sich völlig legitim ist. Die Gründe könnte man diskutieren, insofern die öffentlichen Darstellungen stimmen.


"...die teilweise inhaltlich völlig unzutreffend sind."


Was man natürlich nicht auf sich sitzen lässt...


"Diese Gründe werden vom Bundesligaausschuss nicht geteilt."

...aber ohne Begründung so stehen bleibt. Könnte man schon Gegenargumente liefern, wenn man etwas zurückweist. Außerdem könnte man das "teilweise" erklären.


Stattdessen wird es dann ziemlich windig:


"Fakt ist, dass der Ligareferent Johannes Karsch die Ligastruktur des DJB 2017 völlig zerschlagen hat und auf dem Weg der Neuordnung der Judobundesliga Männer 2018 plötzlich seinen Rücktritt erklärt."


Ok, sie sind enttäuscht. Verständlich, aber den "Fakt" und dieses "völlig zerschlagen" ihm lt. Gegendarstellung allein anzulasten, kann gar nicht richtig sein. Er behauptete ja, wenig Einfluss gehabt zu haben und hat das auch recht nachvollziehbar begründet.


"Wir bitten zu beachten, dass die Neuordnung der Ligen des DJB das primäre Ziel der Bundesligaverantwortlichen sein muss und es zugleich das Versprechen war, welches als erstes Ziel umgesetzt werden sollte."

Die Vereine haben dem DJB ja ebenfalls vorgeworfen, nicht genügend beteiligt gewesen zu sein. Mal sehen, wie diese sich im Hinblick auf den Rücktritt und die Stellungnahme äußern. Letztlich sind sie ja diejenigen, die den Prozess mitbestimmen.


"Die Rahmennebenbedingungen wie Livestreaming, Etat, etc. können erst dann relevant werden, wenn das zu vermarktende Produkte "Judobundesliga" in seinen Strukturen feststeht."

Halte ich in der Tat für konstruiert. Strukturen müssen sich auch den äußeren Gegebenheiten anpassen können bzw. können erst etabliert werden, wenn klar ist unter welchen Bedingungen sie geschaffen werden können. Es ist ja eher so, dass sich die Vereine in der Breite zurückziehen und sich die verbleibenden Kämpfer auf weniger Vereine konzentrieren, das Niveau aber dadurch ansteigt. Kann sich aber natürlich wieder ändern...aber ist es das, as der DJB will, um möglichst mehr Einnahmen (sicher auch für die Vereine) zu generieren?

Alles in allem finde ich die Stellungnahme etwas unsouverän, da es so wirkt, als sei Johannes Karsch allein an der notwendig gewordenen Reformierung schuld (quasi die Ursache) und würde alle anderen verbleibenden Beteiligten im Stich lassen. Vielmehr scheint es aber so zu sein, dass aufgrund von erhöhten Ansprüchen an die Veranstaltungen und diversen individuellen Schwierigkeiten, welche in eine geringere Zahl teilnehmender Mannschaften resultierte, die Strukturen so oder so neu überdacht werden mussten. Ich habe noch Diskussionen in Erinnerung (verzeiht bitte die fehlenden Zitate), in denen die Argumente der Vereine und Teilnehmer durchaus mit denen von J. Karsch Gemeinsamkeiten haben. Es mag nicht die Intention des DJB sein, die Vereine zu schwächen, allerdings scheint es allgemein immer schwieriger zu werden, Veranstaltungen unter den gegebenen Auflagen durchzuführen. Was daraus nun folgen kann, sieht man anhand von Absagen, Kritik und eben einem Rücktritt.

Mal abwarten, ob wieder eine Gegenreaktion kommt oder z.B. die Vereine reagieren.

caesar
3. Dan Träger
3. Dan Träger
Beiträge: 886
Registriert: 07.04.2007, 21:44

Re: Bundesliga

Beitrag von caesar » 18.11.2017, 18:04

Weiter ging Frese auf den Rücktritt des Bundesligareferenten ein und stellte in diesem Zusammenhang in der Öffentlichtkeit getätigte Falschaussagen richtig. Fragen zu diesem Thema aus der Versammlung wurden ausführlich beantwortet.
http://www.judobund.de/aktuelles/detail ... burg-2759/

Eine Erläuterung für die breite Judoöffentlichkeit bleibt weiterhin aus.

Benutzeravatar
nur_wazaari
Grün Gurt Träger
Grün Gurt Träger
Beiträge: 71
Registriert: 02.10.2013, 10:59

Re: Bundesliga

Beitrag von nur_wazaari » 19.11.2017, 14:53

"Weiter ging Frese auf den Rücktritt des Bundesligareferenten ein und stellte in diesem Zusammenhang in der Öffentlichtkeit getätigte Falschaussagen richtig. Fragen zu diesem Thema aus der Versammlung wurden ausführlich beantwortet."

Ebenso fehlt ein Hinweis darauf, dass es sich mitnichten ausschließlich um Falschaussagen handeln kann. Ohne die genaue (argumentative) Gegendarstellung ist es auch nicht möglich, das Geschehen weiter zu bewerten.
Der Geschichte wird wohl nicht soviel hinzugefügt werden, da das Interesse an der BuLi durch die Reform nicht gerade steigen wird. Wie im anderen Thread schon beschrieben wurde, wird alles unterhalb der 1. Liga wenn überhaupt
im sportorganisatorischen Vakuum behandelt. D.h., es ist überhaupt nicht klar wie die unteren Ligen ablaufen sollen.

Abgesehen davon darf man gespannt sein, wie die Vereine der 1. Liga 8 Kampftage im Jahr bei einem extrem vollen Wettkampfkalender realisieren wollen.

caesar
3. Dan Träger
3. Dan Träger
Beiträge: 886
Registriert: 07.04.2007, 21:44

Re: Bundesliga

Beitrag von caesar » 14.12.2017, 19:20

Bundesliga-Ausschuss hat geschrieben: Johannes Karsch hat darum gebeten, das gesamte Statement zu seinem Rücktritt aus Facebook herauszunehmen. Diese Löschung geschah also auf seinen expliziten Wunsch und mit Absprache.

Johannes Karsch hat gegenüber dem DJB eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abgegeben, 9 konkrete Behauptungen aus seinem Rücktrittsstatement zukünftig nicht mehr zu wiederholen.

Damit ist der Rücktritt von Johannes Karsch als Bundesligareferent des DJB aus Sicht des Bundesliga-Ausschusses und auch des DJB als erledigt anzusehen.

Der Bundesliga-Ausschuss und die neue Bundesligareferentin können sich damit wieder vollständig deren Arbeit an der Bundesligareform zuwenden.
http://www.judobund.de/aktuelles/detail ... rent-2796/

Benutzeravatar
nur_wazaari
Grün Gurt Träger
Grün Gurt Träger
Beiträge: 71
Registriert: 02.10.2013, 10:59

Re: Bundesliga

Beitrag von nur_wazaari » 14.12.2017, 21:50

Ich frage mich schon, ob dort nicht ein gewisser Druck ausgeübt wurde bzw. eine Abmahnung vorausging. Ich glaube Punkt eins und zwei der Meldung müssten
vom Zeitablauf her umgekehrt passiert sein...sei es drum, was soll die Spekulation.

Trotzdessen:

Es ist m.E. schon etwas merkwürdig, wenn einem Verband in dieser Sache nichts Souveräneres einfällt als juristische Konsequenzen mit dem Ergebnis "Maulkorb" zu erwägen.
Wo und inwiefern kann in dieser Sache denn ein jenes rechtfertigender Schaden vorliegen?


Ein bisschen viel Munition verwendet für einen Spatzen auf dem hohen Dach der Otto-Fleck-Schneise...

Benutzeravatar
Fritz
Moderator
Moderator
Beiträge: 4797
Registriert: 14.11.2003, 11:06

Re: Bundesliga

Beitrag von Fritz » 15.12.2017, 00:04

caesar hat geschrieben:
14.12.2017, 19:20
Bundesliga-Ausschuss hat geschrieben: Johannes Karsch hat darum gebeten, das gesamte Statement zu seinem Rücktritt aus Facebook herauszunehmen. Diese Löschung geschah also auf seinen expliziten Wunsch und mit Absprache.

Johannes Karsch hat gegenüber dem DJB eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abgegeben, 9 konkrete Behauptungen aus seinem Rücktrittsstatement zukünftig nicht mehr zu wiederholen.

Damit ist der Rücktritt von Johannes Karsch als Bundesligareferent des DJB aus Sicht des Bundesliga-Ausschusses und auch des DJB als erledigt anzusehen.

Der Bundesliga-Ausschuss und die neue Bundesligareferentin können sich damit wieder vollständig deren Arbeit an der Bundesligareform zuwenden.
http://www.judobund.de/aktuelles/detail ... rent-2796/
Hmm, der von mir eingestellte FB-Verweis funktioniert aber noch ... sehr merkwürdig.
Mit freundlichem Gruß

Fritz

caesar
3. Dan Träger
3. Dan Träger
Beiträge: 886
Registriert: 07.04.2007, 21:44

Re: Bundesliga

Beitrag von caesar » 15.12.2017, 00:40

Wenn man böswillig ist, könnte man hier eine kommunikative Strategie vermuten.
Ich glaube eher, dass die Person mit den Zugangsdaten nicht erreichbar war, das Statement aber trotzdem rausgegeben wurde.

Wieder bleibt der Otto-Normal-Judoka im Unklaren welche Behauptungen richtig, welche falsch sind und wie diese korrekt lauten müssten.

Im gesamten Prozess keine gute Kommunikationsstrategie des DJB aus meiner Sicht.


Ich bin gespannt, wie man die völlig verkorkste Reform der 2. Liga jetzt verkauft und ob man diese noch versucht Johannes Karsch in die Schuhe zu schieben. Die zukünftigen Zweitligisten wissen nämlich noch nichts genaues für nächstes Jahr. Während für die erste Liga alles steht, stehen weder Staffeleinteilung noch Termine für die 2.Liga.

Eine Reform für die erste Bundesliga, der Rest ist egal.

Benutzeravatar
nur_wazaari
Grün Gurt Träger
Grün Gurt Träger
Beiträge: 71
Registriert: 02.10.2013, 10:59

Re: Bundesliga

Beitrag von nur_wazaari » 15.12.2017, 08:40

Genau das ist es auch, was mich an der Sache so sehr stört: Dass es zumindest so aussieht, als würde man J.K. mehr oder weniger implizit
dafür verantwortlich machen, dass die Reform schon jetzt erhebliche Schwierigkeiten in sich birgt, gerade für alle ab 2. BL und drunter.

Wie schon festgestellt wurde, kann das aber so nicht stimmen. Ich finde nachwievor, dass J.K. in seinem Statement einigermaßen begründet
darlegen konnte, dass die Arbeit sehr schwierig für ihn gewesen ist. Dass er nunmal dabei recht schonungslos umgegangen ist mit dem
Verhalten und den Ideen einiger Beteiligter, stellt sich für die Verbandsoberen als Eklat-, für die übrigen Mitglieder überwiegend als reine
Ehrlichkeit dar.

Wer hier aber wirklich unter Druck steht, ist der DJB. Es scheint u.a. einen Mangel an passender Streitkultur zu geben. Alles, was nicht mit der
roten Linie übereinstimmt, übetritt selbige sehr schnell. Das kann ein Verbandsleben schon mal sehr einschränken. Ist mir auch schon bei diversen
kritischen FB-Posts aufgefallen, dass entweder gar nicht oder eher unwirsch auf (begründete) Kritik eingegangen wird. Unklar ist auch, ob dies
eben aus Unfähigkeit oder tatsächlich bösem Willen geschieht. Ein Urteil will ich darüber nicht fällen.

Dabei ist wirklich nicht alles schlecht DJB; man versucht nur eben fast schon unter Zwang mit den allgemeinen Quantensprüngen
der internationalen Judogemeinschaft (IJF, EJU) und derer neuen Ansprüchen mitzuhalten. Es scheint von außen betrachtet aber z.B. unwahrscheinlich,
dass eine Judo-Bundesliga ein für ein breites Publikum anziehende Veranstaltung sein soll. Gerade dann, wenn es zu Lasten derjenigen geht, die
letztlich Mitglieder gewinnen und halten. Der Aufwand dürfte immens sein, gerade im großen Bereich des Ehrenamtes.

Bin gespannt, was mit der 2. BL passiert oder ob sie denn überhaupt noch jemanden interessiert - und ob ein Desinteresse überhaupt jemanden tangieren würde.

tutor!
Moderator
Moderator
Beiträge: 3589
Registriert: 08.08.2008, 10:41

Re: Bundesliga

Beitrag von tutor! » 15.12.2017, 17:49

Ehrlich gesagt finde ich, dass sich der DJB in der Sache nicht nur korrekt verhält, sondern auch die richtige Kommunikationsstrategie gewählt hat. Das eigentliche Problem, mit dem der DJB ja auch umgehen muss, ist, dass J.K. aus einer tiefen Emotionalität die Öffentlichkeit gesucht hat.

Sein Post enthielt ein Konglomerat aus Tatsachenbehauptungen, persönlichen Wertungen und auch unangemessenen Formulierungen - zumindest unangemessen, wenn man sich seriös mit anderen Menschen inhaltlich austauschen bzw. diese informieren möchte. Damit zwang er die DJB-Spitze zu reagieren, jedoch sah und sehe ich keinerlei echte Anhaltspunkte für einen öffentlichen Diskurs, die J.K. in seinem Schreiben gegeben hätte.

Sein Schreiben enthielt z.B. Aussagen über das dienstliche Verhalten angestellter Mitarbeiter des DJB. Ob nun zutreffend oder nicht - Kommentare zum beruflichen Verhalten gehören nicht in die Öffentlichkeit, sondern in die zuständigen Gremien. Denn auch die Angestellten des DJB verdienen einen Schutz ihrer Persönlichkeitsrechte.

Letztlich dient diese Lösung auch dem jungen und in derartigen Fragen ganz offensichtlich noch unerfahrenen J.K. Jede weitere Öffentlichkeit würde doch gerade ihm auf die Füße fallen, wenn nun die Punkte in der Öffentlichkeit dargelegt würden, die er sich verpflichtet hat, nicht mehr weiter zu behaupten. Der DJB hat die wohl einzige Chance ergriffen, dass sowohl die Mitarbeiter des DJB und auch J.K. im Rahmen des noch Möglichen einigermaßen unbeschadet aus der Nummer herauskommen.

Das ändert nichts an einigen der aufgeworfenen Sachthemen rund um die Bundesliga. Diese können und sollen auch sicherlich offen diskutiert werden - aber eben auf der Sachebene und nicht emotional überschäumend diskreditierend.

Mir würde auf Anhieb einfallen, dass der Stellenwert der Bundesliga und der Bundesligavereine - und der nachfolgenden Ebenen - im gesamten System der Sportentwicklung diskutiert werden könnte. Denn aus dieser Grundfrage leitet sich eine ganze Menge ab...
I founded a new system for physical culture and mental training as well as for winning contests. I called this "Kodokan Judo",(J. Kano 1898)
Techniques are only the words of the language judo (Cichorei Kano, 24.12.2008)

Benutzeravatar
nur_wazaari
Grün Gurt Träger
Grün Gurt Träger
Beiträge: 71
Registriert: 02.10.2013, 10:59

Re: Bundesliga

Beitrag von nur_wazaari » 16.12.2017, 14:50

Ein paar der von "tutor!" und anderen angesprochenen Dinge bzgl. der juristischen Argumente sehe ich anders bzw. eher differenziert, gerade was Persönlichkeitsrechte vs. Meinungsfreiheit vs. Dienst"geheimnis" etc. angeht.
Ebenso verhält es sich aber mit dem Verhalten von J.K., der formal sicherlich über das Ziel hinaus geschossen ist, inhaltlich aber dennoch nicht nur zu Unrecht Unterstützung erfahren haben dürfte.
Da eine weitere Auslegung aber zu in diesem Forum (glücklicherweise) unerwünschten Personendiskussionen führen würde, halte ich, was das angeht, jetzt an mich.
Möge im Sinne des Judosports von all den Streitereien nichts Negatives hängen bleiben.

Zur ursprünglichen Sache:
Einen Stellenwert mit einem gewissen Anspruch an Professionalität hat für die Verantwortlichen wohl nur noch die 1. Bundesliga. Alle darunter angesiedelten Ligen sind demnach
für den DJB weitaus weniger wichtig, sonst hätte man wohl schon Regelungen gefunden. Es sei dahingestellt, ob es aktuell anders ginge oder nicht. Vielleicht in den nächsten Jahren wieder.

In meinen Augen liegt die Wurzel aber hier eben nicht zuletzt im internationalen Geschehen bzgl. des Judosports. Verglichen mit anderen Sportarten hat sich in kurzer Zeit gewaltig viel bewegt, gerade
was die Aufwändigkeit von Veranstaltungen angeht und die entsprechend nötigen finanziellen Voraussetzungen anbetrifft. Erst dann kommt für mich die Frage, ob das nationale Sportsystem Deutschlands
mit diesen Entwicklungen kompatibel ist. Ein wichtiger Teil des sportlichen Betriebs ist traditionell die BL. Aber auch darunter liegende Ligen sollten v.a. zugunsten des Nachwuchses in der Lage sein,
nachzuziehen (und nachzuliefern). Das steht aber oft in Konkkurrenz mit dem einzelsportlichen Geschehen, dessen Stellenwert verbandspolitisch wohl deutlich höher ist (Stichwort: Termine). Nur gibt es wohl weniger Potenzial,
marktwirtschaftlich verwertbar eine Identifikation mit Einzelsportlern zu erzielen. Das hat der DJB sehr wohl erkannt und das Dilemma ist keineswegs einfach zu lösen. Wurde ja schon an manchen Stellen hier geschrieben.
Ich denke auch, dass die Aufnahme des Mannschaftswettbewerbs zu Olympia nicht umsonst ein starker Wunsch der IJF gewesen ist. Es gibt neben dem sportlichen Aspekt einfach auch sonst viel damit zu holen.
Der Zuschauer ist eben eher gefühlter Teil der Mannschaft, weniger Teil eines Einzelsportlers.

Ansetzen müsste man daher bei den Gründen für das bröckelnde Ligasystem: Zu wenige Kämpfer, Vereine die nicht bereit bzw. in der Lage sind, die Aufgaben zu erfüllen, Einreduzierung von Trainerstellen, wirtschaftliche Zwänge, nicht zuletzt auch mangelnde sportliche Perspektive bzgl. eines dauerhaften Verbleibs in einer hohen Liga, etc.. Der Mehrwert des (höheren) Ligabetriebs scheint für abwägende Vereine wohl kaum gegeben. Es wird schlicht unattraktiver,
eine Mannschaft auf sportlich hohem Niveau zu etablieren. Bei den Frauen scheint die Problematik i.Ü. verschärfter zu sein, als bei den Männern.

So kann man mit viel weniger Aufwand und finanziellem Druck lieber mit einem tollen Team z.B. in der Landesliga o.ä. starten, welche in einigen Bundesländern ja durchaus
gut besetzt ist. Schönen Sport, mit allem was sich für den Nicht-Leistungssportler damit auch sonst noch verbindet gibt es hierbei allemal. Problematisch ist der Anschluss nach oben, der selbst bei einem Willen zum Aufstieg deutlich höheren Aufwand verlangt. Kurz, der Sprung in die höhere Liga ist zu weit und nur über nicht immer einfache und manchmal gar nicht dauerhafte Kooperationen zu realisieren.

Mich interessiert das Thema, da ich vor 8 Jahren selbst eine erfolgreiche und zusammenhaltende Judomannschaft (Männer) initiierte und oft die Frage aufkam, ob es Sinn ergebe aufzusteigen usw..
Auch in Gesprächen mit anderen Vereinen kamen immer wieder die oben genannten Gründe zum Tragen. Eine Patentlösung habe ich natürlich auch nicht; es müsste aber z.B. unabdingbar eine höhere Professionalisierung (also bezahlte Trainer- und Sportlerarbeit) angestrebt werden. Die Sportpolitik in Deutschland läuft dem aber wohl zumindest allgemein zuwider: Stichworte Einsparung; Zentralisierung.
Im übertragenen Sinn wird auch das Bundesligageschehen zentralisiert, auf eine Ebene. Nicht viele ambitionierte Vereine schaffen es, sich völlig frei heraus "erstligareif" aufzustellen oder die Entwicklungen aus den unteren Ligen bis dahin aufrecht zu erhalten.

Antworten