Wettkampforganisation der Großevents

Hier geht es um die Wettkampforganisation und um Fragen zu den Wettkampfregeln
Antworten
caesar
3. Dan Träger
3. Dan Träger
Beiträge: 813
Registriert: 07.04.2007, 21:44

Wettkampforganisation der Großevents

Beitrag von caesar » 13.12.2016, 22:51

Ich hatte dieses Jahr das Vergnügen, die wohl teilnehmerstärksten Wettkämpfe der Erwachsenen als Betreuer zu begleiten.
Einmal die DEM Ü30 in Berlin mit 437 Judoka und die DHM mit 419 Judoka.
Die DEM wurden ausgerichtet von KIK Berlin unter dem DJB und die DHM vom ASC Bonn unter dem ADH.(Zum Vergleich, die DEM M/F hatten 207 Teilnehmer)
KIK Berlin richtete das Turnier zum 4. Mal aus, für den ASC Bonn war es eine Premiere.

Beide Turniere waren aus meiner Sicht als Betreuer mittelmäßig organisiert. Das hier soll kein Schlechtreden werden, ich selbst habe noch nie ein Event dieser Größe organisiert, sondern Vorschläge zur Verbesserung bringen.
In Berlin lagen 4 Matten, in Bonn 5. Bei beiden Veranstaltungen gab es eine extra Aufwärmmatte, in Berlin neben den Wettkampfmatten, in Bonn in einem Extraraum, ich glaube mit Lautsprecheranschluss.
In Berlin hätte man gern noch eine Matte mehr legen können, die passt da beim EC ja auch rein. Ist aber immer eine Frage der Technik und des Personals.
Akkreditierung und Wiegen war jeweils am Vortag, das ist positiv. Jackenüberprüfung war in Berlin dann auch direkt an der Waage, nur hatten manche keine Jacke dabei. Gezahlt werden musste bei mir zumindest nicht, wird den nächsten Tag überprüft hieß es, offiziell hat das aber keiner gemacht, ein Problem habe ich damit nicht. Bei mir war der Ablauf hier flüssig.
In Bonn haben manche Sportler 2 Stunden für die Akkreditierung warten müssen, hier ist definitiv Nachbesserungsbedarf. Vielleicht alphabetisch sortiert zwei Akkreditierungstische.
Bei der Unterkunftverteilung gab es wohl auch ein paar Fragezeichen, dass habe ich aber nicht genau mitbekommen. (Über den Preis der DHM könnte man hier auch reden)

In Bonn wurde auf Matten begonnen mit -73 und -81 auf 4 Matten und den Frauen -48 und -78 auf Matte 5. Ich habe um 16 Uhr die Halle verlassen (leider keine erfolgreiche Veranstaltung) und da war das Schwergewicht der Männer noch nicht ausgerufen, die Frauen -57 hatten gerade begonnen, beide Gruppen waren aber trotzdem seit 9:30 Uhr in der Halle.
In Berlin wurden ein paar Altersklassen zum Start eingeladen, der Rest dann glaube zu 12:30 Uhr. Ich habe die Halle dann um 18:30 Uhr verlassen, da waren einige noch nicht dran gewesen.

Auf Grund der Struktur der Ü30-Meisterschaft gab es eine separate Siegerehrung, bei den DHM geht das nicht, zumal die Finals bis ganz zum Schluss aufgehoben wurden. Das finde ich ja immer doof, allerdings müssen dass die Sportler selbst beurteilen.

Hier sehe ich dass größte Verbesserungspotential. Wenn ich am Vortag wiege und durch die Meldungen vorher schon absehen kann, wie die Starterverteilung ist, dann muss ich doch nicht alle Sportler früh morgens in die Halle holen. Gerade bei der Ü30 lässt sich das gut staffeln und die meisten haben Anreise und Wartezeit auf dem Buckel und sollen dann noch 10 Stunden warten auf die Matte. Auch bei der DHM ist es abzusehen, wie lange eine 70-Mann-Liste braucht. Mit den modernen Kommunikationsmöglichkeiten, kann man hier doch eine Voreinteilung treffen und die kommunizieren. Das erspart allen Wartezeit, gibt den Aktiven mehr Raum und wenn jemand eher da sein möchte, z.B. zur Unterstützung, kann er das immer noch.

Welche Verbesserungsvorschläge habt ihr allgemein für die Turnierorganisation und im speziellen für solche großen Events?

Jupp
3. Dan Träger
3. Dan Träger
Beiträge: 754
Registriert: 31.01.2007, 15:53

Re: Wettkampforganisation der Großevents

Beitrag von Jupp » 14.12.2016, 11:11

Caesar beklagt, dass bei den DEM Ü30 in Berlin und der DHM in Bonn die Wartezeiten für die Athleten zu lang waren und schlägt vor, die einzelnen Gewichtsklassen bis zum Ende (also inklusive Finale) auskämpfen zu lassen.

Ich halte dies für eine gute Idee. Man könnte dann die Veranstaltung so organisieren, dass man zwei kleinere Pausen einschiebt, an denen Siegerehrungen gemacht werden (und vielleicht die Kämpfe jeweils für ca. 20 Minuten unterbrochen werden, damit jeder den Siegern applaudieren kann) und die letzten fünf Siegerehrungen am Ende der Veranstaltung. Man könnte die Gewichtsklassen mit den meisten Teilnehmern zuerst durchziehen (auf allen Matten) und danach die schwächer besetzten Klassen auf jeweils einer Matte. Es müsste einen festen Zeitplan geben, der dann auch zur Not um 30-50 Minuten überzogen werden könnte. Aber es ist ganz gewiss nicht nötig, dass ALLE Sportler schon morgens in der Halle sein müssen, um dann bis abends auf ihre Kämpfe zu warten.

Da die Teilnehmerzahlen ja spätestens bei Meldeschluss (+/- 2-3 TN) bekannt sind (und am Vorabend nach Waageschluss definitiv feststehen), müsste sich die Zeitspanne für die einzelnen Gewichtsklassen ja auch kalkulieren lassen (+/- ca. 30 Min.). Und damit ja auch die Zeiträume, in denen man die jeweiligen Siegerehrungen durchführen kann (zunächst 4 Siegerehrungen der am stärksten besetzten Klassen, dann 5 und noch 5 am Ende der Veranstaltung = 14 Klassen). Machbar? Ich denke ja, sogar ohne größeren Organisationsaufwand.

Eine solche Organisation wäre Sportler-freundlicher und ganz sicher auch angenehmer für die (wenigen) Zuschauer, die sich so darauf zeitlich einstellen könnten, IHRE Judoka auch angemessen zu unterstützen.

Jupp

michael_norwich
Weiß - Gelb Gurt Träger
Weiß - Gelb Gurt Träger
Beiträge: 7
Registriert: 03.12.2014, 02:48
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Verein: 1. Godesberger Judo Club e. V.
Kontaktdaten:

Re: Wettkampforganisation der Großevents

Beitrag von michael_norwich » 19.04.2017, 13:54

Lieber Caesar,

vielen Dank für Deine ausführliche und ehrliche Rückmeldung zur Ausrichtung der DHM Judo 2016 in Bonn.

Gerne nehme ich noch kurz zu den einzelnen Punkten wie folgt Stellung:
caesar hat geschrieben:
13.12.2016, 22:51
Ich hatte dieses Jahr das Vergnügen, die wohl teilnehmerstärksten Wettkämpfe der Erwachsenen als Betreuer zu begleiten.
Einmal die DEM Ü30 in Berlin mit 437 Judoka und die DHM mit 419 Judoka.
Es war uns natürlich zunächst eine Freude, Dich in Bonn begrüßen zu dürfen.
Bei der DHM Judo waren es im Einzel- und Mannschaftswettbewerb zusammen sogar mehr als 500 Teilnehmer.
caesar hat geschrieben:
13.12.2016, 22:51
Beide Turniere waren aus meiner Sicht als Betreuer mittelmäßig organisiert. Das hier soll kein Schlechtreden werden, ich selbst habe noch nie ein Event dieser Größe organisiert, sondern Vorschläge zur Verbesserung bringen.
Ich nehme das auch nicht als Schlechtreden wahr. Vor der DHM Judo hatte ich auch noch nie eine Maßnahme dieser Größe organisiert - geschweige denn überhaupt irgendein Judo-Turnier :D
caesar hat geschrieben:
13.12.2016, 22:51
In Bonn haben manche Sportler 2 Stunden für die Akkreditierung warten müssen, hier ist definitiv Nachbesserungsbedarf. Vielleicht alphabetisch sortiert zwei Akkreditierungstische.
Dieses Problem haben wir selber erkannt. Es war eine Mischung aus mangelhafter Vorbereitung und falscher Konzeptionierung der Akkreditierung. Wird mir nicht noch einmal passieren.
caesar hat geschrieben:
13.12.2016, 22:51
Bei der Unterkunftverteilung gab es wohl auch ein paar Fragezeichen, dass habe ich aber nicht genau mitbekommen. (Über den Preis der DHM könnte man hier auch reden)
Das würde ich jetzt doch gerne genauer wissen. Vielleicht magst du dazu etwas weiter ins Detail gehen.
caesar hat geschrieben:
13.12.2016, 22:51
In Bonn wurde auf Matten begonnen mit -73 und -81 auf 4 Matten und den Frauen -48 und -78 auf Matte 5. Ich habe um 16 Uhr die Halle verlassen (leider keine erfolgreiche Veranstaltung) und da war das Schwergewicht der Männer noch nicht ausgerufen, die Frauen -57 hatten gerade begonnen, beide Gruppen waren aber trotzdem seit 9:30 Uhr in der Halle.
Das gebe ich als Kritikpunkt gerne an die sportliche Leitung weiter, die nicht beim Ausrichter, sondern beim Veranstalter (ADH) lag. Das Konzept wird dort wohl schon länger von Oliver Rychter genau so angewendet. Mangels Erfahrung und Fachkenntnis kann ich leider nichts dazu sagen, ob es sich möglicherweise im Vergleich zu anderen Konzepten durchgesetzt hat.
caesar hat geschrieben:
13.12.2016, 22:51
Auf Grund der Struktur der Ü30-Meisterschaft gab es eine separate Siegerehrung, bei den DHM geht das nicht, zumal die Finals bis ganz zum Schluss aufgehoben wurden. Das finde ich ja immer doof, allerdings müssen dass die Sportler selbst beurteilen.
Dass die Siegerehrungen bei der DHM Judo erst zum Ende des Turniertages erfolgen und die Finalrunden erst am Schluss stattfinden, ist eine sportpolitische Entscheidung des Veranstalters. Ich gebe die Kritik aber gerne weiter. Aus Ausrichtersicht ergibt sich der Vorteil, dass nur einmal für die Siegerehrungen "umgebaut" werden muss und außerdem bestimmte Ehrengäste für die Durchführung der Siegerehrung eingeladen werden können.
caesar hat geschrieben:
13.12.2016, 22:51
Hier sehe ich dass größte Verbesserungspotential. Wenn ich am Vortag wiege und durch die Meldungen vorher schon absehen kann, wie die Starterverteilung ist, dann muss ich doch nicht alle Sportler früh morgens in die Halle holen. (...) Auch bei der DHM ist es abzusehen, wie lange eine 70-Mann-Liste braucht. Mit den modernen Kommunikationsmöglichkeiten, kann man hier doch eine Voreinteilung treffen und die kommunizieren. Das erspart allen Wartezeit, gibt den Aktiven mehr Raum und wenn jemand eher da sein möchte, z.B. zur Unterstützung, kann er das immer noch.
Das ist ein valider Punkt.

Viele Grüße aus Bonn
Michael

caesar
3. Dan Träger
3. Dan Träger
Beiträge: 813
Registriert: 07.04.2007, 21:44

Re: Wettkampforganisation der Großevents

Beitrag von caesar » 24.04.2017, 02:30

michael_norwich hat geschrieben:
19.04.2017, 13:54
Das würde ich jetzt doch gerne genauer wissen. Vielleicht magst du dazu etwas weiter ins Detail gehen.
Ich war da leider nicht eingebunden und kann daher nicht so viel dazu sagen, zudem ist schon einige Zeit vergangen. So wie ich mich erinnere gab es wohl Probleme beim Auffinden der Unterkunft. Allerdings kann das auch sehr gut an den Athleten selbst gelegen haben, zumindest traue ich diesen das auch zu. ;)
michael_norwich hat geschrieben:
19.04.2017, 13:54
Dass die Siegerehrungen bei der DHM Judo erst zum Ende des Turniertages erfolgen und die Finalrunden erst am Schluss stattfinden, ist eine sportpolitische Entscheidung des Veranstalters. Ich gebe die Kritik aber gerne weiter. Aus Ausrichtersicht ergibt sich der Vorteil, dass nur einmal für die Siegerehrungen "umgebaut" werden muss und außerdem bestimmte Ehrengäste für die Durchführung der Siegerehrung eingeladen werden können.
Hier beschreibst du schön das Problem Veranstalter =/= Ausrichter. Meine Kritik richtet sich Teil an den Falschen und ich freue mich, wenn du die Kritik weiterreichst.
Ich verstehe, dass man aus Veranstalter-/Ausrichtersicht möglichst viele Sportler zur Eröffnung wie eine gesamte Siegerehrung haben will, damit sich für die Ehrengäste ein gutes Bild zeigt. Trotzdem hätte man noch nach der Eröffnung einen ungefähren Zeitplan veröffentlichen können. Die Aufwärmmatte war die meiste Zeit leer, dort hätte man beispielsweise als Schwergewichtler noch ein Nickerchen von 7 Stunden vor den Kämpfen machen können.

Das Hauptprobleme sehe ich aber bei der Akkreditierung. Manche waren früh in der Uni, saßen stundenlang im Auto oder der Bahn und müssen sich dann die Beine in den Bauch stehen, bevor sie wieder etwas Essen können. Mal schauen wann es mich das nächste Mal nach Bonn verschlägt, ich denke dann wird das besser sein :)

Antworten