Wettkampfregeln Olympiazyklus 2024

Hier geht es um die Wettkampforganisation und um Fragen zu den Wettkampfregeln
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caesar
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Wettkampfregeln Olympiazyklus 2024

Beitrag von caesar »

https://www.youtube.com/watch?v=m5Zmpvs7S4E

Man muss wie immer die Umsetzung abwarten, aber vieles davon erscheint mir großer Blödsinn, mit ein paar positiven Veränderungen
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nur_wazaari
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Re: Wettkampfregeln Olympiazyklus 2024

Beitrag von nur_wazaari »

In meinen Augen ist man spätestens seit der Zeit, in dem die Verbote der Beingreiftechniken aufkamen, in einem unauflöslichen Zirkel aus ständigen Anpassungen hineingeraten, aus dem man kaum noch herauskommt, ohne das derzeitige Regelwerk einmal zu sprengen. Ich frage mich auch, ob das unter Umständen (z.B. wenn nur für Wettkämpfe trainiert wird) auch einen negativen Einfluss auf die Judoausbildung haben könnte - das heißt, immerhin eine Art Faktor darstellen könnte. Es trainieren nun mal sehr viele Vereine Judo nach internationalen Regelstandards der IJF.

Etwa im Detail aber trotzdem auf den ersten Blick kann ich keine prinzipiengeleiteten Regelverbesserungen erkennen. Im Gegenteil, man scheint innerhalb einiger Technikgruppen wieder einmal bestimmte Techniken auszuschließen. Stichhaltige Begründungen kann ich nicht erkennen. Kommt ja vielleicht noch, wie immer regelmäßig nach Protesten. Bei den Griffvarianten bin ich tatsächlich raus - für mich zählt auch im Training nur, ob der Griff eine sinnvolle Aktivität von Tori UND Uke zulässt oder nicht bzw. wie man sich einen passiven Griff von Uke ggf. zunutze macht.

Die Regel rund um Reverse-seoi-nage dürfte gefühlt 50% aller Kämpferinnen und Kämpfer um eine entscheidende Variante einschränken. Die ausgewählten Beispiele sind für mich kaum nachzuvollziehen, zum Beispiel: Ab wann ist denn die Technik als solche aktiv angesetzt und Uke nicht nur herübergerutscht? Schon klar, die Wurzel liegt hier im Griff bzw. der Eindrehseite. Hier würde ich als lösungsorientierter Trainer evtl. ansetzen, um unerwartete Bestrafungen zu vermeiden...

Einige Athletinnen und Athleten werden (würden?) sich jedenfalls fast völlig umstellen müssen (z.B. Loic Pietri aus Frankreich, der ja gerade wieder in den Zirkus eingestiegen ist, vom koreanischen Team ganz zu schweigen). Man fragt sich auch durchaus, wie die Entscheidungsfindung bei der IJF konkret aussieht. Allzu viele Meinungen aus dem Off wird man jedenfalls kaum berücksichtigt haben. Einigen werden die Änderungen in den Kram passen, vielen wohl eher nicht (wie immer).

Im Übrigen geht man im Gegenzug aber nicht auf die oft eingesprungenen, einseitig eingedrehten Sode-techniken ein. Hier hätte ich in der Tat Potenzial für Regelanpassungen gesehen. Ich spare mir mal jetzt, eindrückliche Videos herauszusuchen, die mögliche Folgen für Uke dokumentieren.
Zuletzt geändert von nur_wazaari am 30.12.2021, 11:26, insgesamt 2-mal geändert.
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nur_wazaari
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Mir fehlte ein Wort...

Beitrag von nur_wazaari »

...jetzt habe ich es gefunden:

Inkonsequenz.

Warum? Weil man nur Wirkungen sieht (Regeländerungen), aber offenbar auch nicht in der Lage ist, die Ursachen zu eruieren (Technische Handlungen, die man irgendwie bestrafenswert findet). Man merkt das an den regelmäßig dürftigen Begründungen, die hier ja wie erwähnt noch nicht einmal vorliegen.

Das ist es, womit sich das IJF-Regelwerk aus meiner Sicht überschreiben lässt.
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Fritz
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Re: Wettkampfregeln Olympiazyklus 2024

Beitrag von Fritz »

Hmm, ich denke, die Sachen mit der kontinuierlichen Wurf-Ausführung und diese Überroll-Dinger, werden es für KaRis wieder deutlich leichter machen und den Sport fürs Publikum deutlich attraktiver werden lassen,
insbesonders, wenn Entscheidungen per Fernwartung korrigiert werden ;-)

Die Sache mit dem Griff ans Bein in der Endphase ist interessant, hier wäre für mich spannend, wann genau der Griff erlaubt ist ...

Lustig ist dieses Verbot dieser mit "Reversem Seoi-Nage" bezeichneten Technik?
Verbieten sie jetzt die Eindrehbewegung oder nur die spezielle Technik an sich? Wenn es nur die Technik ist, werden die Athleten wohl sehr schnell drauf kommen, aus diesem
Handwurf einen Fußwurf zu machen ...
Wenn natürlich das komplette Eindrehmuster verboten wird, sage ich 'Glückwunsch zur erfolgreichen Attraktivitätssteigerung' - denn wer im Publikum will schon derartig kreative Wurfeingänge
sehen.

Auch schön zu sehen, in dem einen Beispiel des Videos, wie die bisherigen Regelanpassungen zu einem attraktiven aufrechten Kampfstil geführt haben ;-)
Mit freundlichem Gruß

Fritz
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Regelanpassung: Olympiazyklus 2024!

Beitrag von HBt. »

Interessant, sehr interessant - die permanente Weiterentwicklung des Regelwerkes für den Wettkampf ist interessant.

#
Mein Empfinden dazu: öde und langweilig, Neils Stimme' wie immer positiv euphorisch (auf Dauer, über Jahrzehnte, nur noch nervig).

HBt.
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nur_wazaari
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Re: Wettkampfregeln Olympiazyklus 2024

Beitrag von nur_wazaari »

Fritz hat geschrieben:
30.12.2021, 18:28
Hmm, ich denke, die Sachen mit der kontinuierlichen Wurf-Ausführung und diese Überroll-Dinger, werden es für KaRis wieder deutlich leichter machen und den Sport fürs Publikum deutlich attraktiver werden lassen, insbesonders, wenn Entscheidungen per Fernwartung korrigiert werden ;-)

Lustig ist dieses Verbot dieser mit "Reversem Seoi-Nage" bezeichneten Technik? Verbieten sie jetzt die Eindrehbewegung oder nur die spezielle Technik an sich? Wenn es nur die Technik ist, werden die Athleten wohl sehr schnell drauf kommen, aus diesem Handwurf einen Fußwurf zu machen ... Wenn natürlich das komplette Eindrehmuster verboten wird, sage ich 'Glückwunsch zur erfolgreichen Attraktivitätssteigerung' - denn wer im Publikum will schon derartig kreative Wurfeingänge sehen.

Auch schön zu sehen, in dem einen Beispiel des Videos, wie die bisherigen Regelanpassungen zu einem attraktiven aufrechten Kampfstil geführt haben ;-)
Das Wort "Fernwarten" finde ich in diesem Zusammenhang sehr lustig. Für mich haben die Entscheidungen am "Heiligen Tisch der Alten" in der Tat immer etwas von Wartung, Korrektur, regelmäßigem Ölwechsel. Die allgemeine Kampfrichterinstallation (international) auf der Matte läuft ja auch ohne den Tisch mit der Macht, die Zeit zurückzudrehen und das Geschehen neu auszulegen, nicht mehr von allein.

Bei der "Reverse-seoi-nage" Technik habe ich mich auch gefragt, wo man bei einer Bewertung überhaupt ansetzen soll. So wie die neue Bewertung aussehen soll, wirkt diese rein optischer, nicht aber technischer Natur. So würde ich das anhand der Auswahl der Beispiele interpretieren. Eigentlich müsste man in der Tat die verschiedenen Varianten noch irgendwie abgrenzen. Kurzum, es ist nicht nachvollziehbar, was an diesen Techniken aus IJF-Sicht anrüchig sein soll. Da gibt es noch ganz andere Technik-Kandidaten, die man sich vielleicht im Hinblick auf eine Regulierung anschauen könnte.
HBt. hat geschrieben:
31.12.2021, 10:01
Interessant, sehr interessant - die permanente Weiterentwicklung des Regelwerkes für den Wettkampf ist interessant.
#
Mein Empfinden dazu: öde und langweilig, Neils Stimme' wie immer positiv euphorisch (auf Dauer, über Jahrzehnte, nur noch nervig).
HBt.
Mit Neil Adams, über dessen Kommentarstil- und Inhalt ich mich hier ja auch schon unter wenig Beifall auszulassen erdreistete, habe ich mittlerweile meinen Frieden gemacht. Man kann akzeptieren, dass einer die Produkte hauptverantwortlich verkaufen muss. Ist halt sein Job.

Wenn ich mir Judoveranstaltungen der IJF/EJU anschaue, dann aber grundsätzlich ohne Kommentierung. Mich interessiert eher, wie die Trainer am Rand kommunizieren. Manchmal hört und sieht man das ganz gut und kann da ein bisschen was mitnehmen.
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Fritz
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Re: Wettkampfregeln Olympiazyklus 2024

Beitrag von Fritz »

nur_wazaari hat geschrieben:
31.12.2021, 12:27
Kurzum, es ist nicht nachvollziehbar, was an diesen Techniken aus IJF-Sicht anrüchig sein soll. Da gibt es noch ganz andere Technik-Kandidaten, die man sich vielleicht im Hinblick auf eine Regulierung anschauen könnte.
Als Arbeitshypothese würde ich vermuten, daß damit die falschen Leute gegen die richtigen Leute erfolgreich waren ...
Mit freundlichem Gruß

Fritz
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nur_wazaari
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Es wird viel auszulegen geben

Beitrag von nur_wazaari »

Zusammenfassung der Ideen auf österreichisch:

https://www.judoaustria.at/newsarticle.php?id=8674

- Stopp in der Bewegung der Technikausführung = keine Wertung

- Auftrefffläche Schulter + Oberer Rücken = Waza-ari

- Waza-ari wird bei 90 Grad Auftrefffläche gegeben (auch wenn Ellbogen draußen, sprich nicht am Körper anliegt). Keine Wertung, falls der Ellbogen innen ist
bei 90 Grad Auftrefffläche.

- Abstützen mit zwei Armen, zwei Ellbogen oder einem Arm und einem Ellbogen = Waza-ari + Shido für Uke (die/der Geworfene)

- Wird Tori (AngreiferIn) nach seinem Angriff überdreht = keine Wertung

- Kopf abtauchen beim Wurf = Hansoku-make (Disqualifikation)

- Reverse Seoi-Nage = keine Wertung + Shido

- Greifen unterhalb des Gürtels in der Endphase der Technik ist erlaubt

- Griff an Revers und im Nacken ist bei positivem Judo erlaubt

- Unkoventioneller Griff (z.B. Pistolengriff, einseitig, Gürtel) nur zur Vorbereitung bzw. Durchführung des Angriffs erlaubt

- Griff lösen und sofort selbst Griff nehmen = erlaubt

- Griff lösen und nicht (sofort) greifen = Shido

- Judogi oder Haare dürfen nur einmal pro Kampf vollständig gerichtet werden (mit Gürtel runternehmen oder Haarband öffnen), bei jedem weiteren Mal =
Shido
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