Die Judowerte, gelebt auf höchster Ebene

Hier geht es um die Wettkampforganisation und um Fragen zu den Wettkampfregeln
Holger König
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Re: Die Judowerte, gelebt auf höchster Ebene

Beitrag von Holger König »

So eine Veranstaltung kann man, sowohl bei Stattfinden, als auch bei Ausfall kritisieren. Wenn Profisportler ihren Sport ausüben können, aber der Amateursport verboten ist, dann ist (für manchen auf Lebenszeit) der Einstieg in diese Blase geplatzt. Nachwuchssportler, die vor Corona dicht vor dem Aufstieg standen, werden mit 12-18 Monaten Sportverbot de facto "berufsunfähig", weil der Abstand zu denen, die gerade noch das Trittbrett ergreifen konnten, ein uneinholbarer Abstand entsteht.
Andererseits, wenn in der Industrie am Fließband gearbeitet wird, in Call-Centern die Beschäftigten wie in einer Lege-Batterie zusammengepfercht sind, kann man ein Berufsverbot für Profi-Sportler ebenfalls kritisieren.

Deswegen kritisiere ich am ehesten die Politik. Warum hat die EU weniger Impfstoff, als andere Staaten (die inzwischen eine bis zu zehnfach höhere Impfquote haben), warum wird mit Tests so restriktiv umgegangen?
Wären bereits im letzten Herbst Schnelltests nicht nur frei zugänglich gewesen, sondern sogar den Bürgern aktiv unentgeltlich angeboten worden (Monatspack zum täglichen Testen), dann hätte es keine zweite Welle mit Wirtschaftseinschränkungen und erneutem Sportverbot geben müssen.
Das Versagen der Politik ist eine Körperverletzung, die an uns als Sportlern durch das vermeidbare Maßnahmen begangen wurde.

Mit täglichen Selbsttest hätten die Bevölkerung aktiv an der Corona-Bekämpfung mitwirken können, so daß die für alle Bürger schädliche Verbotspolitik, aber auch Tote und Erkrankte der zweiten Welle vermeidbar gewesen wären. Mit den Schnelltest für den Hausgebrauch hätten wir die Zeit bis zum Impfbeginn überbrücken können, mit der Impfquote wie in Israel wäre auch in Europa Corona zu Ostern Vergangenheit.
HBt.
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Faktencheck

Beitrag von HBt. »

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Israel lässt nur noch den Frachtverkehr über ihre Flughäfen zu, Hin-u. Herreisen ist bis zum Februar 2021 nicht mehr möglich, die Flughäfen sind dicht.

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So sehr ich die Schnelltests auch begrüße, so sehr vermute ich den absichtlichen Missbrauch und die Fehlnutzung - vielfach wird der Anwender zu einfach gestrickt sein, um dieses Mittel auch im positiven Sinne' für uns alle sinnvoll
zu nutzen /anzuwenden.

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Meine persönlichen, insbesondere am Morgen (quasi vor der eigentlichen Aufnahme der Erwerbstätigkeit), Beobachtungen in der Landeshauptstadt (und der Region) zeichnen das folgende Bild:
Wenige Menschen tragen eine Maske (geschätzt < 1/5), Abstände von 1m werden durchgängig ignoriert, lautstarkes Unterhalten in einem Pulk von mehr als 7 Personen ... beim Einkaufen wird die Maske auch weiterhin unter der Nase getragen, beim Niesen wird scheinbar die Maske bei allen Probanden abgenommen ... Das zum Niesen die Maske abgenommen wird oder in der Bank (vorm Terminal), im Supermarkt, zum Schnäuben der Nase' diese grundsätzlich abgenommen wird, um anschließend mit dem Papiertaschentuch herumzuwedeln, die kontaminierten Fingerchen jetzt auf den Bildschirm oder die Tastatur zu legen ... in völlig überheizten, winzigen Volumina, Räumen ...
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Bevor ich es vergesse: die Gewalttätigkeiten unter der Bevölkerung nehmen deutlich an Fahrt auf, wenn man denn der Tagespresse (lokal) glauben schenken kann, so werden neben den täglichen Übergriffen auf unseren Straßen und Wegen, auch vermehrt Tätlichkeiten in den S-Bahnen beobachtet -> Auffällig scheint der Migrationshintergrund zu sein, oft mit muslimischen Hintergrund ... auf der einen Seite dieses Bild & auf der anderen Seite jenes Bild!

Seltsam.
:cry:

HBt.

Nachtrag:
Sind wir uns selbst überdrüssig (geworden)?
caesar
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Re: Die Judowerte, gelebt auf höchster Ebene

Beitrag von caesar »

Sportschau-Beitrag zu den Fällen sexuellen Missbrauchs im Judo in Deutschland
Jupp
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Re: Die Judowerte, gelebt auf höchster Ebene

Beitrag von Jupp »

Ein sehr nachdenklich machender Bericht über Missbrauch im Judosport. Für mich als langjähriger Judotrainer, der auch in der Trainerausbildung mitgearbeitet hat, kann es nur heißen, genauer hinzuhören und hinzuschauen, wenn das Gefühl auftritt, dass etwas nicht "stimmen" könnte und dann sich selber Ansprechpartner suchen, mit denen man über sein "Gefühl" und die Anlässe dazu sprechen kann. In unserem Verein gibt es ein Vorstandsmitglied, der das Thema "Gewaltprävention" nachhaltig und mit für alle Trainer verpflichtenden Lehrgängen "bearbeitet". Außerdem müssen bei uns alle Trainer eine entsprechende Ehrenerklärung unterschreiben.

Jupp
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Re: Die Judowerte, gelebt auf höchster Ebene

Beitrag von caesar »

Jupp hat geschrieben:
28.05.2021, 18:48
Außerdem müssen bei uns alle Trainer eine entsprechende Ehrenerklärung unterschreiben.
Eine Ehrenerklärung hat ja bei der CDU/CSU auch schon viel gebracht.


Das Urteil ist rechtskräftig, dazu der Judo-Verband Berlin https://www.judo-verband-berlin.eu/rech ... -trainer-k
Die Trainerlizenz von Trainer K. besitzt keine Gültigkeit mehr und der Verein ist seit diesem Jahr kein Mitglied mehr in unserem Verband. Zudem befindet sich der Verein in Auflösung, da eine konstruktive Aufarbeitung und ein glaubwürdiger Neustart nicht möglich waren.
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nur_wazaari
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Re: Die Judowerte, gelebt auf höchster Ebene

Beitrag von nur_wazaari »

https://www.bbc.com/news/world-asia-57661414

Zusammenfassung: ein Siebenjähriger stirbt, weil ein in mehrfacher Hinsicht nicht mehr ganz frischer Trainer ihn offenbar zu Demonstrationszwecken vielfach hart geworfen hat.

Das ist natürlich ein Fall mit besonders schlimmen Ausgang. Ich kann mich aber auch hierzulande an viele Situationen erinnern, bei denen Kinder oder körperlich ungleich Schwächere von deutlich Älteren wie "Wurfpuppen" behandelt wurden. Egal, ob während der Übungsphasen oder zum Zwecke von Demonstrationen. Und das ist nicht lange her. Desweiteren kann ich mich auch an Varianten von bestrafenden Nage-komi erinnern, nach denen die "Delinquenten" längere Zeit liegen blieben.

Alles in allem, Augen auf. Das können die Ehrenkodizes oder irgendwelche abstrakten Regeln (auch die Judo-"Werte" gehören für mich m.E. dazu) nicht ersetzen (was hoffentlich auch niemand ernsthaft glaubt).

Edit: Jetzt auch in den deutschen Medien: https://www.spiegel.de/panorama/justiz/ ... 1aeb1cc37c

Unbedarfte Konsumenten deutscher Medien könnten auf die Idee kommen, dass Judo gerade in letzter Zeit mit zwei Themenfeldern aufwarten kann: 1. Misserfolge bei Wettkämpfen, mit Ausnahme der letzten Weltmeisterin (aber auch hier kein großes Echo) und 2. Rechtserhebliche Verwerfungen und Unsäglichkeiten, mithin Skandale.

Winzige Randnotiz: Die Pressarbeit des DJB insbesondere in Bezug auf Wettkämpfe ist übrigens unterirdisch. Die Texte sind zum Beispiel voller Fehler und der Grundton ist zum Teil selbst bei der Bundeswehr freundlicher und empathischer. Diejenige der IJF bzw. EJU ist deutlich marktgerechter, wenngleich inhaltlich oft dünn und natürlich ziemlich einseitig.
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tutor!
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Re: Die Judowerte, gelebt auf höchster Ebene

Beitrag von tutor! »

In Japan hat es in den letzten Jahren über 100 Todesfälle dieser Art gegeben. Asien ist in mancher Hinsicht gruselig....
I founded a new system for physical culture and mental training as well as for winning contests. I called this "Kodokan Judo",(J. Kano 1898)
Techniques are only the words of the language judo (Cichorei Kano, 24.12.2008)
HBt.
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Verstörende Meldungen

Beitrag von HBt. »

Wir müssen darauf achten nicht selbst abzurutschen, die Gefahr besteht - sie ist real.

Verstörend!

HBt.
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Fritz
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Re: Die Judowerte, gelebt auf höchster Ebene

Beitrag von Fritz »

Kann bei uns nicht vorkommen, mittlerweile haben ja sicher alle Trainer freiwillig einen Kodex unterschrieben,
in dem sie sich letztlich verpflichten, sich an Gesetze zu halten ...

Auf jedenfalls sollte es uns Mahung sein, lieber zuviel als zuwenig auf korrekte Fallübungen zu achten, einfach um sicher
zu gehen, daß beim normalen Trainingbetrieb die Kinder nicht mit dem Kopf auf die Matte donnern und sich dadurch
derartige Hirnschäden zuziehen ...
Mit freundlichem Gruß

Fritz
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Ukemi alleine ...

Beitrag von HBt. »

ist nicht die Patentlösung des Egoproblems narzistisch gestörter Lehrender.
caesar
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Re: Die Judowerte, gelebt auf höchster Ebene

Beitrag von caesar »

tutor! hat geschrieben:
30.06.2021, 19:42
In Japan hat es in den letzten Jahren über 100 Todesfälle dieser Art gegeben. Asien ist in mancher Hinsicht gruselig....
Auch wenn diese Aussage nicht falsch ist, vermittelt sie meiner Meinung nach doch ein etwas falsches Bild.

Die große News kam 2010 raus "jedes Jahr sterben 4 Kinder von Judoverletzungen". Zwischen 1983 und 2011 sind 118 Kinder in Mittel- und Oberschule in Judo-Aktivitäten gestorben. Danach ist die Fallzahl pro Jahr gesunken (zwischen 2012 und 2014 kein Fall, 2015+16 zusammen 3), allerdings kommt es immer noch vor.
Dabei sind es nicht nur direkte körperliche Misshandlungen von Trainern, die dazu führen, sondern auch Hitzschläge oder Unfälle im Randori zwischen Kindern. Es hat sich also gebessert in Japan, auch weil die Zahl damals in Japan für Aufsehen gesorgt hat und sich auch die Trainerausbildung in Japan geändert hat. Dazu hat auch die Beschwerde der japanischen Frauen nach den Olympischen Spielen 2012 in London beigetragen, das Augenmerk auf Misshandlungen und nicht mehr zeitgemäße Methoden im Judotraining in Japan zu legen.
Nichtsdestotrotz scheint Japan das einzige große Judoland zu sein, in dem es so ein Problem gibt, wenn man Taiwan jetzt nicht als großes Judoland ansieht.

Neben den Todesfällen gibt es aber zahlreiche Verletzungen jedes Jahr, die die Geschädigten teilweise für ihr ganzes Leben beeinträchtigt zurücklassen.

Es gibt in Japan eine Organisation, die sich um die Opfer solcher Vorfälle kümmert. Die Japan Judo Accident Victims Association (JJAVA) arbeitet diese Fälle auf und ist auch in Englisch erreichbar. Eine Unterstützung der Sache ist über eine Mitgliedschaft und einen nach oben offenen Mitgliedsbeitrag möglich.
http://judojiko.net/eng/

Passend dazu gab es diese Woche die News, dass Japan 20000 registrierte Judoka verloren hat. Natürlich hat das auch mit Corona zu tun und dass die Registrierung in Japan etwas speziell abläuft, aber die Zahl fällt seit Jahren und wird es wohl noch weiter. https://www.sankei.com/article/20210629 ... ezY94dO1Wk
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