Wie hättet ihr entschieden?

Hier geht es um die Wettkampforganisation und um Fragen zu den Wettkampfregeln
caesar
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Re: Wie hättet ihr entschieden?

Beitrag von caesar »

Fritz hat geschrieben:
17.01.2021, 01:57
Warum sollte es da Verfahren geben. Der Kämpfer hat eine Gehirnerschütterung, wird damit sicherlich zum Arzt gehen und eine Krankschreibung bekommen.
Ansonsten ist er volljährig und damit in der Lage, selbst über Risiken, die er eingehen möchte, zu entscheiden.
Ich sehe das nicht ganz so einfach. Das es im Leistungssport mit der Eigenverantwortung in Richtung Gesundheit nicht ganz so weit ist, ist denke jedem klar.
In anderen professionellen Kampfsportarten wie Boxen und MMA oder auch dem American Football und Eishockey gibt es solche "post-concussion return to sport protocol", um auch die langfristigen Folgen von Gehirnerschütterungen einzudämmen.
Im Judo wird darauf nicht getestet, in so offensichtlichen Fällen sollte man aber meiner Meinung nach darüber nachdenken, etwas ähnliches einzuführen. Aktuell ist der Wettkampfkalender sowieso sehr weit auseinander gezogen, so dass das weniger ein Problem darstellt. Wenn es aber irgendwann wieder den regulären Kalender geben sollte und sich jemand in Paris eine Gehirnerschütterung holt, sollte dieser nicht in Düsseldorf wieder auf der Matte stehen dürfen, ohne irgendeinen Test bestanden zu haben. Zum Schutz des Athleten.
HBt.
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Beitrag von HBt. »

+1
Aber was soll man zu dieser kläglichen Begegnung Qualifiziertes äußern? Schönes Judo war das nicht, viel zu verkrampft, kein Niveau ...???

Zum gesundheitlichen Aspekt:
gebe ich Dir Recht - ein entsprechendes Screening (eines Stammes und des Individuums), gehört schon zum Profisport dazu, doch auch beim Breitensport
sollte mehr Umsicht & Vorsorge die Regel, denn die Ausnahme sein.

Zurück zum Thema:
sollte ein Regelverstoß vorliegen, muss eine adäquate Ahndung erfolgen.
HBt.
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Wir entscheiden selbst

Beitrag von HBt. »

caesar hat geschrieben:
16.01.2021, 16:51

https://youtu.be/-yF3NjElHGI?t=660
Alles okay oder bewusste Gefährdung?

Sollte es nach solchen Aktionen ein Verfahren zum Schutz der Athleten geben, die den Zeitpunkt der nächsten Trainings- und Wettkampfteilnahme klar regelt?
Zu 1.: es sieht nicht nach einer vorsätzlichen Gefährdung aus -> es ist also alles i.O., wenn Du schon so fragst.

Zu 2.: nach solchen Unfällen darf eine professionelle, ärztliche Diagnostik & Versorgung ruhig zum Standard/Repertoire gehören, auch im Breitensport.

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The Medical Care of the Judoka
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Fritz
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Re: Wie hättet ihr entschieden?

Beitrag von Fritz »

caesar hat geschrieben:
17.01.2021, 08:49
Ich sehe das nicht ganz so einfach. Das es im Leistungssport mit der Eigenverantwortung in Richtung Gesundheit nicht ganz so weit ist, ist denke jedem klar.
In anderen professionellen Kampfsportarten wie Boxen und MMA oder auch dem American Football und Eishockey gibt es solche "post-concussion return to sport protocol", um auch die langfristigen Folgen von Gehirnerschütterungen einzudämmen.
Im Judo wird darauf nicht getestet, in so offensichtlichen Fällen sollte man aber meiner Meinung nach darüber nachdenken, etwas ähnliches einzuführen.
Nun ist Judo ja eher kein Sport, wo es reihenweise zu Gehirnerschütterungen kommt, ich denke, es würde reichen, wenn ein betroffener Athlet eine Freigabe vom Arzt vorlegt und fertig.
Mit freundlichem Gruß

Fritz
HBt.
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Diese Aussage ist ...

Beitrag von HBt. »

Fritz hat geschrieben:Nun ist Judo ja eher kein Sport, wo es reihenweise zu Gehirnerschütterungen kommt, (...)
so lange falsch, bis qualifizierte Untersuchungen vorliegen, die 'Fritz' Behauptung untermauern.

Selbstverständlich kommt es zu Gehirnerschütterungen und /oder Schleudertraumata, und dieses regelmäßig, behaupte ich!
Ob reihenweise und nachhaltig bleibt dabei offen.

Wenn wir uns gegenseitig aufs Mett hauen, bleibt eine (wie auch immer ausgeprägte) Gehirnerschütterung einfach nicht aus,
jenes versteht sich von selbst.

HBt.
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Fritz
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Re: Wie hättet ihr entschieden?

Beitrag von Fritz »

HBt. hat geschrieben:
17.01.2021, 13:23
so lange falsch, bis qualifizierte Untersuchungen vorliegen, die 'Fritz' Behauptung untermauern.
Nun ja, beim Boxen und beim MMA sind Kopftreffer ja nun nicht etwas, was zufällig als Unfall passiert,
sondern ja eher Ziel der Übung.
Beim Eishockey u. bei American Football legt man es doch schon drauf an, heftig gegeneinander anzurennen,
grundlos setzen die dabei ja nicht Helme auf.
Beim Judo dagegen, sieht man eigentlich keine Helme, und sich auf den Kopf zu kloppen, ist auch eher verpönt, mal
von denjenigen abgesehen, die im Randori auch unbedingt Atemi und keine Schutzausrüstung
haben wollen ... ;-)

Also gehe ich schon mal vom reinen Menschenverstand aus, daß beim Judo Kopftreffer relativ seltene Unfälle sind.
Mal ein Wurf der mißlingt, mal daß die Köpfe aneinander geraten ...
Gut wie es auf den Matten aussieht, wo Fallschule eher also unnötiger Ballast angesehen wird u. zum Abschlagen der
Kopf benutzt wird, k.A.
Mit freundlichem Gruß

Fritz
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Re: Wie hättet ihr entschieden?

Beitrag von caesar »

Die britische Medaillenhoffnung für die Olympischen Spiele in Tokyo, Nekoda Davis, hat nun ihren Angriff auf eine Olympiamedaille auf Grund eines post concussion syndrome auf Paris 2024 verschoben.

Weil es so gut in letzte Thema des Fadens passt. Bei Nage-komi im Training passiert, nicht einmal im Wettkampf. Zu spät für voll genommen, jetzt muss sie leider die Konsequenzen tragen.
Much has been discussed regarding Nekoda’s concussion injury back in November 2019 and the long-term medical plan that is in place to ensure she makes a full recovery. The improvement is ongoing and both British Judo and Nekoda are confident of continued progress.
https://www.judoinside.com/news/4261/Ne ... mpic_Games
Es gibt ein komplettes Interview mit ihr, wo sie ihren Weg mit der Verletzung beschreibt
caesar
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Re: Wie hättet ihr entschieden?

Beitrag von caesar »

Rio Olympiasieger bis 66kg Fabio Basile schafft rechtzeitig vor Olympia seinen ersten Grand Slam Sieg überhaupt.
Das Finale hat für Diskussionen gesorgt.

1) https://youtu.be/00Oqehod1rc?t=43

2) https://youtu.be/00Oqehod1rc?t=214
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Re: Wie hättet ihr entschieden?

Beitrag von Lippe »

Sagen wir mal so: Ich finde schon, dass der deutlich aktivere und gefährlichere Kämpfer am Ende gewonnen hat (auch wenn das "Rumhängen" am Boden nicht immer so schön anzusehen war). Waza-Ari für diese Wurfaktion zu geben, finde ich aber doch schon sehr … optimistisch. Diese leichte Verdrehung im Schultergürtel hätte mir nicht gereicht, um eine Wertung auszusprechen.
HBt.
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Ich kann nicht entscheiden,

Beitrag von HBt. »

da mir der Zirkus mit der Beleuchtung, der sogenannten Bandenwerbung, dermaßen auf den S..k geht, dass ich abschalten und wegschauen muss.

Schade,
für mich hat sich damit der Shiai (auch Katameisterschaften) erledigt.


HBt.
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Re: Wie hättet ihr entschieden?

Beitrag von caesar »

Lippe hat geschrieben:
06.04.2021, 16:17
Waza-Ari für diese Wurfaktion zu geben, finde ich aber doch schon sehr … optimistisch.
Es kam durchaus die Frage auf, ob das nicht eine Konzessionsentscheidun war. Basile würgt seinen Gegner in der ersten Aktion ja bewusstlos, kassiert dafür aber einen Shido da er das Bein überstreckt. In den DJB Regeln gibt es den Passus "Wird ein Kämpfer bewusstlos gewürgt, so kann er auf DJB-Ebene an diesemTag nicht mehr weiterkämpfen. Dies gilt für alleAltersklassen.Schlägt der Kämpfer ab, der KR gibt Ippon, der Gegner würgt aber weiter und es kommt dann zur Bewußtlosigkeit des Kämpfers, scheidet dieser trotzdem aus dem Turnier aus (Gesundheitsschutz)" Dem Gesundheitsschutz nach müsste dies auch bei einer verbotenen Handlung passieren. Wobei man dann diskutieren kann, ob es nicht Hansokumake geben müsste. Eine verbotene Aktion die Uke daran hindert weiterkämpfen zu können und die klar Tori zuzuordnen ist, wird mit Hansokumake bestraft.
Auf IJF Ebene gibt es diese Regel aber nur um Bereich U18.

In dem Fall hier ist allerdings die Frage ob Uke das Bewusstsein verliert als sein Bein überstreckt wurde oder schon vorher. Die Zweifel wird niemand ausräumen können, daher Shido Basile und etwas großzügiger in der Bewertung für ihn. Wenn er gewinnt, beschwert er sich nicht.
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