Die Judowerte, gelebt auf höchster Ebene

Hier geht es um die Wettkampforganisation und um Fragen zu den Wettkampfregeln
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Fritz
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Re: Die Judowerte, gelebt auf höchster Ebene

Beitrag von Fritz » 12.11.2019, 12:21

Es ist mir immer noch rätselhaft,
der DJB schreibt:
Der Athlet wurde vom Rechtsausschuss des DJB als sehr zurückhaltend, gutmütig und pflichtbewusst erlebt.
Wie paßt das zu:
nachdem dieser eine aus Sicht des Trainers erfolgte Anweisung zum Aufräumen nicht nachgekommen sei.
Also wie konnte es der Athlet schaffen, daß Frank M. sich zur nicht seinem Naturell entsprechenden Maßnahme, den Athleten
am Kopf und Kragen gepackt und aus dessen Zimmer in einen Speisesaal gezerrt zu haben, hat hinreißen lassen?

Woher kam die erwähnte persönliche Aversion des Trainers gegen den Athleten?

Wie möchte man in Zukunft mit persönlichen Aversionen im Trainer-Athleten-Verhältnis umgehen?
Mit freundlichem Gruß

Fritz

HBt.
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Da fragt man sich ...

Beitrag von HBt. » 13.11.2019, 09:49

Fritz,
das ist exakt der Punkt - es ist und bleibt seltsam. Man muss sich selbst befragen, wann einem schon etwas Ähnliches widerfahren ist, in der Partnerschaft (z.B. Ehe), in der Schule, auf der Judomatte oder sogar
im täglichen Vollzug - der Erwerbstätigkeit.

Ursachenforschung sollte hier jeder Beteiligte betreiben, und mit Sicherheit geschieht dieses auch. Niemand (von uns) ist ein Heiliger und jeder findet mit Sicherheit ein paar Beispiele in seiner eigenen Vita, auf die er nicht unbedingt stolz ist. Manchmal muss man aber auch deutlich werden und dieses gegebenenfalls noch zusätzlich unterstreichen.

#
Welche Sanktionen kann ein verantwortlicher Trainer in diesem Fall aussprechen(?), nehmen wir ruhig einen renitenten Übling, dem es richtig Freude bereitet, alles zu torpedieren (einem Typus, der dieses aus Dummheit heraus tut).
Ist Nähe das Problem, ein missverstandenes freundschaftliches Verhältnis & Verhalten -> oder (auch schon) ein Generationskonflikt?

Wer weiß es, wen interessiert es ???

Gruß,
HBt.

PS
Fritz hat geschrieben:Also wie konnte es der Athlet schaffen, daß Frank M. sich zur nicht seinem Naturell entsprechenden Maßnahme, den Athleten
am Kopf und Kragen gepackt und aus dessen Zimmer in einen Speisesaal gezerrt zu haben, hat hinreißen lassen?

Woher kam die erwähnte persönliche Aversion des Trainers gegen den Athleten?

Wie möchte man in Zukunft mit persönlichen Aversionen im Trainer-Athleten-Verhältnis umgehen?
Das gilt es alles zu klären - und trotzdem wird es immer wieder vorkommen, überall (im Verlaufe der Generationen).
Die Bewertung der Schwere ist hier genauso entscheidend, wie die Frage nach dem Täter & dem Opfer - selbstverständlich gilt für ein Kind, ein anderer Maßstab als für einen Lehrer.

Gewalt war hier wahrscheinlich unnötig, allgemein gilt: physische Gewalt gegenüber Schutzbefohlenen ist inakzeptabel, außer es ist Gefahr im Verzug ... alles unter Beachtung der Verhältnismäßigkeiten.
Muss ab sofort immer ein Sozialpädagoge eine offizielle Maßnahme /ein Training begleiten?

caesar
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Re: Die Judowerte, gelebt auf höchster Ebene

Beitrag von caesar » 14.11.2019, 23:34

Fritz hat geschrieben:
12.11.2019, 12:21
Es ist mir immer noch rätselhaft,
der DJB schreibt:
Der Athlet wurde vom Rechtsausschuss des DJB als sehr zurückhaltend, gutmütig und pflichtbewusst erlebt.
Wie paßt das zu:
nachdem dieser eine aus Sicht des Trainers erfolgte Anweisung zum Aufräumen nicht nachgekommen sei.
Also wie konnte es der Athlet schaffen, daß Frank M. sich zur nicht seinem Naturell entsprechenden Maßnahme, den Athleten
am Kopf und Kragen gepackt und aus dessen Zimmer in einen Speisesaal gezerrt zu haben, hat hinreißen lassen?

Woher kam die erwähnte persönliche Aversion des Trainers gegen den Athleten?

Wie möchte man in Zukunft mit persönlichen Aversionen im Trainer-Athleten-Verhältnis umgehen?
Es passt genauso dazu, wie das einmalige Fehlverhalten vom Trainer. Manchmal passt die allgemeine Charakteristik nicht in den speziellen Umstand.
Manchmal passt das Verhältnis zwischen Auswahltrainer und Athlet nicht. Der Trainer scheint es in diesem Fall auch gezeigt zu haben und ich kann mir gut vorstellen, dass sich ein 18-jähriger da eher trotzig verhält. Egal welche Umstände, es ist ein inakzeptables Verhalten vom Trainer und damit meine ich nur den körperlichen Vorfall.

Die verbalen Entgleisungen haben einen öffentlichen Imageschaden unbekannter Größe hinterlassen. Die Berichterstattung dazu war zahlreich und leider eindeutig gefärbt. Problematisch an der stelle, dass es keine Nachberichterstattung, die Aussage von Peter Frese, trotz der guten Kommunikationsstrategie des DJB, leider nicht gut war und der Vorfall sich auch schwer irgendwie besser darstellen lässt.
Alle Bemühungen um die Darstellung der Judowerte und ein positives Image werden so schnell überschattet.

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Re: Die Judowerte, gelebt auf höchster Ebene

Beitrag von Fritz » 15.11.2019, 12:08

caesar hat geschrieben:
14.11.2019, 23:34
Manchmal passt das Verhältnis zwischen Auswahltrainer und Athlet nicht. Der Trainer scheint es in diesem Fall auch gezeigt zu haben und ich kann mir gut vorstellen, dass sich ein 18-jähriger da eher trotzig verhält. Egal welche Umstände, es ist ein inakzeptables Verhalten vom Trainer und damit meine ich nur den körperlichen Vorfall.
Na ich weiß nicht, heutzutage ist ja schon so vieles inakzeptable körperliche Gewalt ...
Wenn ich mir so bildlich vorstelle, wie Frank M. einen 1,90m/+100kg Athleten am Schlafittchen packt und zum Aufräumen in den Essenssaal schleift, dann ist da mein erster Gedanke nicht:
"Oh der böse Trainer machte was ganz Schlimmes mit einem armen unschuldigen Jungerwachsenen", sondern "Das hätte ich gern gesehen" ;-)
Je mehr ich drüber nachdenke, desto skurriler wird es ...

Verstehe sowieso dieses ganze aktuelle Hysterie von wegen Gewalt im Sport nicht so recht. Wir betreiben Kampfsport bzw. Kampfkunst je nach Zielstellung,
da ist körperliche Gewalt im Grunde genommen Trainingsgegenstand ... Ebenso das Wehren gegen Gewalt ...
Von daher stufe ich "Judo-Trainer packt Judo-Athleten am Kragen und befördert ihn in den Essenssaal" deutlich anders ein, wie "Lehrer packt Schüler am Kragen und schleift ihn zum Direktor" ...

Irgendwann haben wir dann bereits Skandale, wenn ein Judotrainer mal zum Vorzeigen einen Uke etwas härter wirft, bzw. ein Beobachter glaubt, daß härter geworfen wurde und mit dieser Überzeugung
direkt zur Presse läuft ...
caesar hat geschrieben:
14.11.2019, 23:34
Alle Bemühungen um die Darstellung der Judowerte und ein positives Image werden so schnell überschattet.
Auch hier sollten wir uns mal nicht zu wichtig nehmen, diese "Judowerte" interessieren doch Nichtjudoka im Grunde nicht. Diejenigen, welches sich für Judo interessieren und beschließen, daß sie oder ihre Kinder
es mit Judo versuchen wollen, kommen ja nicht dadurch auf diese Idee, weil sie irgendwo einen Zettel mit 10 Judowerten gesehen haben ... ;-)
Mit freundlichem Gruß

Fritz

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Re: Die Judowerte, gelebt auf höchster Ebene

Beitrag von Fritz » 21.11.2019, 16:55

Na toll, die Skandale reißen nicht ab:

https://www.morgenpost.de/berlin/articl ... -Haft.html

Hoffen wir mal für den Trainer und letztlich dem
Verein, daß Ehrenkodex und Erweitertes Führungszeugnis ihren Zweck erfüllt haben und sich die Vorwürfe nicht bestätigen ...
:cry:
Mit freundlichem Gruß

Fritz

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Das darf alles nicht wahr sein.

Beitrag von nur_wazaari » 21.11.2019, 18:22

Fritz hat geschrieben:
21.11.2019, 16:55
Na toll, die Skandale reißen nicht ab:

https://www.morgenpost.de/berlin/articl ... -Haft.html

Hoffen wir mal für den Trainer und letztlich dem
Verein, daß Ehrenkodex und Erweitertes Führungszeugnis ihren Zweck erfüllt haben und sich die Vorwürfe nicht bestätigen ...
:cry:
Aber es ist wahr, es ist total real, es gibt Probleme, so wie in fast allen Sportarten, fast allen Ländern, es ist ein Teil unserer Lebenswelt. Es ist einfach nur bitter und rückt so viele Errungenschaften in die unbeachtete Ecke. Die Frage kann nur sein: Was kann AUSREICHENDERWEISE getan werden, um präventiv und auch retrospektiv NACHHALTIG vorzugehen?

Es sind unfassbar viel professionelle und kaum zu finanzierende Arbeit, eine vernünftig ausgebildete Zivilcourage und vor allem auch funktionierende Kommunikationskanäle nötig. Wahrscheinlich noch viel mehr.

Nachtrag: Der JVB hat sich das Thema sofort auf die Agenda gesetzt und dies über die Verbandsseite kommuniziert. Das ist zumindest erstmal löblich. Nun heißt es wohl mal wieder warten...wobei ich leider davon ausgehe, dass es nicht ums "ob" sondern eher um das Ausmaß gehen wird, wenngleich die in den Medien postulierten mutmaßlichen Straftatbestände mir keine vollständige Klarheit über die Vorwürfe verschaffen und evtl. auch der Öffentlichkeit nicht ganz verborgen geblieben sind. Puh...

Irgendwann sprach ich mal vom Verleben der Judowerte...Ich dachte im Nachhinein, das wäre ein unsinniger Einfall von mir. Doch das Eis schmilzt, das Wasser steigt, es wird gerade drückend heiß im Kessel.
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Mein Eindruck ist ...

Beitrag von HBt. » 22.11.2019, 09:58

Irgendwann sprach ich mal vom Verleben der Judowerte...Ich dachte im Nachhinein, das wäre ein unsinniger Einfall von mir. Doch das Eis schmilzt, das Wasser steigt, es wird gerade drückend heiß im Kessel.
nicht auf JUDO beschränkt.

Liegt das an meinem Alter, an den Medien, ... oder ist das tatsächlich allgegenwärtige Realität?
Und tun wir (die Politik, die Wirtschaft, die mediale Landschaft) auch das Richtige? Uns leitet die Gier, alles ohne Ehrenkodex, ohne Schamgefühl oder Anstand ... Empathie, Vernunft == Fehlanzeige.

#
Übrigens bewegen sich heutige Jugendliche (lt. WHO) im Durchschnitt zu wenig, weniger als "eine Stunde pro Woche" - so hieß es eben im Radio.

Laut "der Ernährungslehre" * benötigen selbst Erwachsene (um ihr gesundes Gewicht zu erhalten!) eine Stunde "sportliche Bewegung" am Tag, in der Knechtschaftswoche darf man ruhig 1000 bis 2000 kcal zusätzlich verbrennen. Schnell mal ausrechnen und großzügig überschlagen: 27h hat der Tag leider noch nicht, es ist für berufstätige (und Vollbeschäftigte) Pendler nicht möglich, ein tägliches Sportprogramm (60 Minuten uneingeschränkte Aktivität, plus Vor-u. Nachbereitung) zu integrieren.

u.s.w.


*Ibrahim Elmandfa, ISBN 978-3-8252-5204-5


Bem.:
für mich (mein Umfeld) zählen mittlerweile 30jährige Menschen noch zu den Jugendlichen, diese können sogar drei Stunden täglich Sport betreiben!


:evil:

HBt.

PS
Mein Post dient nur zur Skizzierung der Schieflage (und Fremdbestimmung).

Gesunde Menschen missbrauchen nicht - denkt man.

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Vergesst alles wieder was unten steht

Beitrag von nur_wazaari » 22.11.2019, 14:04

Ich weiß nicht ob man allgemeine gesellschaftliche Entwicklungen, sofern es solche überhaupt gibt, so ohne weiteres auf einen ebenso gesamtgesellschaftlichen möglichen Wertekanon übertragen kann. Das gilt natürlich auch für kleinere Kohorten. Dazu müsste ich mal wieder bei Luhmann und Habermas nachlesen...und in Bezug auf Werte bei dem einen oder anderen Ethiker. Fest kann jedoch stehen, dass wohl jedes Individuum einen eigenen Wertekanon besitzt und man sich leidlich verständigen und einigen muss, welchen man sich u.a. für bestimmte Zwecke aus den vielen indiviudellen Verständnissen zusammenstellt, um sich gemeinsam und unversehrt in einem mehr oder weniger großen und ebenso abgegrenzten Diskurs- oder Aktionsraum zu bewegen. Es streiten sich wohl auch die Götter darüber, wie man das dann auch noch alles auf eine ganze Kohorte oder sogar die Gesamtbevölkerung zusammenbringen kann...

Eine These, in den Raum geworfen: Das durch die Summe von Eindrücken unbestimmte, da oft nicht verifizierbare entwickelte Gefühl stellen sich der Vernunft (im kantischen Sinn?), welche auf nachvollziehbaren, verifizierbaren Gründen beruht, gegenüber bzw. sie stehen irgendwie nebeneinander. Es könnte auch ein Match geben, welches wohl dazu führen würde, dass uns aufgrund des Wissens über die Struktur unserer Beobachtungen (Eindrücken + Gefühle) etwas behaglicher zumute wäre. Auf Werte übertragen würde das bedeuten, dass unsere wie auch immer entstandenen Überzeugungen von dem was für uns selbst subjektiv indivduell richtig oder falsch ist mit dem was vielleicht objektiv vernünftig wäre auch ohne Reibung nebeneinander existieren könnte. Eine Konkurrenz ist allerdings auch nicht ausgeschlossen...Wir wollen z.B. gefühlsmäßig nicht auf das Auto verzichten, wissen aber dass es durchaus vernünftig wäre dies zu tun. Nun, aber eben vielleicht nicht für jeden Menschen, nicht in jeder Situation usw..

Für mich ist daraus entwickelt eine wichtige praktische Kernfrage, woran man sich im Allgemeinen und woran ich mich überhaupt orientieren soll, sodass ich mich noch wohl fühle und meinem Ethos gerecht geworden ist. An meinem (unvernüftigen) Gefühl? An der bloßen Vernunft? An irgendwelchen dahingeschriebenen Werten? Absolut keinen Schimmer; so sehr ich auch reflektiere, so sehr die individualisierte(n) Gesellschaftsform(en) bei gleichzeitig immer weiter steigender Offenbarung der daraus erwachsenden Probleme und sich relativierender Vorteile auch dazu noch immer weiter ausdifferenziert - es will nicht gelingen, einen Kristall adäquater Handlungen zu schaffen, der sich nicht sofort wieder auflöst. Welche Milch soll ich denn- oder überhaupt noch kaufen? Was kann ich noch guten Gewissens in mein Müsli kippen, ohne die Notwendigkeit des Frühstückens (angenommen es gibt nur die Option "Müsli") gleichzeitig zu negieren ?

Eine dämliche Schlussfolgerung, aufgrund völlig subjektiver Eindrücke: Nichts bleibt halt für ewig, nichts hat wirklich Bestand, es scheint wie bei unter dem Mikroskop zu beobachtenden Mikroorganismen zu sein, die erst ein stabiles Gefüge bilden und dann entweder durch äußere Einflüsse oder "einfach" aus einer inneren, genetischen Veränderung heraus anfagen sich selbst zu kannibalisieren. In Bezug auf die Gesellschaft, so wie sie "idealerweise" zu "sein hätte": Naturalistische Fehlschlüsse; das Verkennen des Ursache-Wirkungs-Prinzips; auch bloße Fehleinschätzungen sind vorprogrammiert - wir lesen nicht nur falsch ab, der Fehler scheint eingebaut zu sein.

Aber: Es wäre fatal, wenn man keinerlei Einflussnahme hätte. Die Frage in Bezug auf die unvermeidliche Veränderung ist am Ende nur, wer das wie gerade für sich nutzen kann - wenn etwas verschwindet, bleibt es auf unserer schönen Erde nicht einfach unbelebt - die Frage ist nur, wer oder was den Kreislauf fortsetzt, wer oder was an die freie Stelle tritt. Das gilt dann wieder sowohl individuell- als auch kollektiv gesehen.

Mein eindrückliches Gefühl: Wir erleben gerade auf Basis unserer Erfahrungen, der Bestätigung dieser durch verifizierbare, reale Veränderungen und einer Reflektion dieser Ereignisse anahnd unserer bisherigen Werte ein massives Infragestellen der gesellschaftlichen Struktur und ihres Patex - u.a. auch der "gemeinsamen" Werte.

@ Hbt: Nein, das Alter spielt mutmaßlich keine entscheidende Rolle. Ich würde in deinem Umfeld noch und noch lange zu den Jugendlichen zählen. Und Personen in meinem Alter und auch etwas jünger nehmen die Entwicklungen auch wahr, interessieren sich durchaus wieder für Zusammenhänge, Politik...aber aus welchen Gründen? Denn gleichzeitig scheinen sie sich selbst die Nächsten zu sein. Wie aber soll es "Nächste" geben, wenn es nur noch "Ichs" zu geben scheint, dies auch anerzogen ist, dies als erstrebenswertes Ideal existiert? Zwei beispielhaft beschriebene Beobachtungen resultieren meiner Ansicht nach auch daraus: (a) Das Nimby-Problem ("Not In My Backyard") und (b) jenes der mangelnden Zivilcourage. Kann man beide auch wikipedieren.

Fortgeführt: WAS ist denn überhaupt ein (Judo-)Wert? Wie können wir die Geschehnisse, die ja letztlich in der Welt sind, nun einordnen und in Folge dessen in Zukunft moderieren, abschwächen, idealerweise verhindern?
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PS

Beitrag von nur_wazaari » 22.11.2019, 19:45

Ich hab "was mit Ernährung" abschließend studiert (Erststudium, bin darin zudem auch ausgebildet bzw. verbildet worden. Maximale Ernüchterung, nicht nur magenseitig. Den "Käse" kann man weitgehend vergessen, zumal im (leistungs-)sportlichen Bereich. Anderseits: ein wahnsinnig komplexes Thema. Die zumindest publizierten Ergebnisse führen aber für die/den Einzelne/n zu nichts.
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Re: Die Judowerte, gelebt auf höchster Ebene

Beitrag von Holger König » 23.11.2019, 21:47

Über den Mißbrauchs-Verdacht aus Tegel hat die Abendschau des RBB heute ausführlich berichtet. Wer es verpaßt hat, kann in der Mediathek nachschlagen, einen Link halte ich nicht für notwendig.

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Danke für den Hinweis - Fragen...

Beitrag von nur_wazaari » 24.11.2019, 07:02

Allerdings fehlen mir schon so einige Infos bzw. es kommen nach Zusammentragen der mutmaßlichen zeitlichen Zusammenhänge unbequeme, schmerzhafte Fragen auf, die auch für ein zukünftiges Verhalten in solchen Fällen eine Rolle spielen:

a) Es ist die Rede von bekannten Fällen seit 2006 oder 2007 (mit Gründung des Vereins). Die ersten Fälle wurden laut Bericht im Juli angezeigt. Ist die ca.12 Jahre davor vereinsintern nichts bemerkt worden, nichts passiert? Kurzum, glaube ich nicht. Wie offensichtlich sind die mutmaßlichen Taten zu erkennen gewesen? -> Wie klärt man sowas im Verein?

b) Der Verein hat bzw. hatte viele durchaus jüngere, auch leistungssportlich erfahrene Trainer. Hat sich niemand an diese gewandt? Haben diese nichts bemerkt? Gab es eine Art Trainings(-umgangs)kultur, so wie es sie manchmal in Vereinen gibt? -> Welches (verbriefte) Leitbild bzgl. Training und Umgang miteinander hat ein Verein, wie wird dies durchgesetzt?

c) Hat sich niemand an den mutmaßlichen Täter selbst gewandt? Hat ihn niemand, evtl. hinter den Kulissen, am grünen Tisch, in einer ruhigen Minute, mit den Eindrücken, Vorwürfen etc. konfrontiert? Kann ja eigentlich nicht sein, dass vor der Einführung des schriftlichen Kodex niemand gewusst hätte damit umzugehen. -> Welche Kompetenzen bringt eine Vertrauensperson mit, welche Maßnahmen werden egriffen ohne sofort Türen einzutreten?

d) Der Judoverband Berlin äußerte sich gegenüber den Eltern schon im Juli sinngemäß angeblich derart, dass die Reputation des Trainers nicht aufs Spiel gesetzt werden solle. Ich kann nicht so recht glauben, dass die Verbandsorgane so ignorant gewesen sind und die Vorwürfe überhaupt nicht ernst genommen worden sind. Mittlerweile gibt es ja, nach eben konkret erfolgter polizeilicher Maßnahme, auch eine Stellungnahme des JVB. Letztlich ist das sicherlich aber für alle einfach schockierend (gewesen). ->...

...-> Welche wirklich wirksamen, retrospektiv ausgerichteten Instrumente hat so ein Verband, Vorwürfen diskret, direkt bei den Beteiligten und mit max. Aufklärungsquote nachzugehen? Auch damit die Dinge nicht quasi direkt in die Medien verschoben werden, ohne dass dort wochen- und monatelang mit vagen bzw. sogar unsicheren Informationen wiederum die Reputation des Verbandes und des Sportes an sichmassiv leidet? Daneben, reichen Präventionsmaßnahmen aus, sind sie sinnvoll?

Im Übrigen hätte ich vom Dachverband, dem Berliner Sportbund, zumindest eine sachliche Abgrenzung vom Geschehenen, eine Interessensbekundung an der Aufklärung o.ä. erwartet und nicht ein bloßes Zurückschieben der Zuständigkeit an den Verein, dessen Vorsitzender/Gründer als dort sicherlich durchaus wirkmächtige Person ja wohlweislich der Verdächtige ist. In meinen Augen ist dies auch eine Aufgabe im Rahmen der Dienstleistungsfunktion solcher Strukturen, für die (auch mediale) Moderation solcher Themen zu sorgen. Und nun, nachdem mutmaßlich mal wieder ein massives Problem auftrat, in Zukunft auch noch stärker präventiv.

Aber: die bürokratischen Vorgänge, welche wertvolle Zeit in Anspruch nehmen, haben natürlich ihren Grund, ihre Berechtigung. Außerdem will keiner mehr die Hand ins Feuer legen. Dementsprechend ist meine Konklusion, dass bereits auf Vereinsebene im Vorhinein etwas passieren hätte müssen. Haben sich z.b. die Eltern im Vorhinein an andere Trainer gewandt? Haben die anderen Trainer nichts bemerkt?

Da ich nicht linkscheu bin, ein Interview mit dem LSB: https://www.rbb24.de/sport/beitrag/2019 ... tbund.html

PS: Ich habe es wie ich auch in diesem Forum schon schrieb selbst erlebt, wie Missstände (bei mir aber anderer, möglicherweise harmloserer Qualität) in einem Verein ein Bollwerk an Abwehrreaktionen, Lagerbildungen, diverse Auflösungsscheinungen und persönliche Misskredite erzeugen können - es geht allein um die Frage, wie es erledigt werden kann den vorherrschenden Machthabenden und deren Aktionsraum beizukommen, wenn diese sich lange Zeit inadäquat, schädigend und ungebührlich verhalten. Ein Prozess, der mit Schmerz verbunden ist...

Alles in allem, es ist schlimm. Ich möchte nicht in der Haut der Verbände und des Vereins, schon gar nicht der (mutmaßlichen) Opfer stecken. Aber auch als DJB-Mitglied, als Mensch und als aus der ziemlich unmittelbaren Nähe des in Rede stehenden Vereins stammende Person ist man angesichts solcher Nachrichten alles andere als erbaut...
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Der Link

Beitrag von HBt. » 24.11.2019, 12:06

Danke dafür.

Auf jeden Fall tritt ein "Bewusstseinswandel" ein. Ich halte den momentanen Diskurs für sinnvoll - er führt u.a. dazu, dass ich selbst' meine vergangenen Jahre (Tätigkeiten) reflektiere.

#
Insbesondere in den "potentiellen Missbrauchsfällen", sie müssen dazu gar keinen sexuellen Hintergrund haben (es reichen u.U. schon "winzige Grenzüberschreitungen" aus) *,
muss die ÜL/TR-Ausbidung und zwingende Fortbildungsmaßnamen sensibilisieren.

Auch dieses fällt unter den Punkt der "Professionalität", den ich früher so oft angeprangert hatte, weil er in meinen Augen fehlte.

In jeder Hinsicht muss Transparenz auf der Matte gegeben sein,
d.h.
Zuschauer sind erwünscht, Eltern immer willkommen - und integriert ... neben dem eigentlichen Begriffsverständnis "Transparenz" ... etc.pp.

*
um eine Traumatisierung oder auch nur ein Unwohlsein zu etablieren, vielleicht Scham oder eine Desorientierung.

Gruß,
HBt.

PS
Das Thema ist sehr komplex und durchaus heikel. Sensibel anfassen und sensibilisieren, in der Ausbildung und in der Reflektion des eigenen Tuns - natürlich auch im Verein.

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Re: Die Judowerte, gelebt auf höchster Ebene

Beitrag von Holger König » 24.11.2019, 19:11

Wenn der Vorsitzende und zugleich Gründer eines Vereins den Verein als Tatort für Straftaten ausmutzen will, wird er sicherlich ein Vereinsklima gestalten, indem er als eine Art "König des Vereins" zur unantastbaren Person wird. Die jüngeren Trainer schauen sicherlich in einer solchen Konstellation kritiklos zu ihrem "Herrn und Meister" auf und werden deshalb vor auch sehr eindeutigen Signalen die Augen verschließen, denn was nicht sein darf, kann es auch nicht geben.
Eher werden Kritiker (ggf. auch unter Verstoß gegen die Satzung) aus dem Verein geworfen, als ihnen Glauben zu schenken.
Einen solchen "Vereins-Diktator" mußte ich bedauerlicherweise auch mal kennen lernen (allerdings ging es in diesem Verein nur um Satzungsverstöße, nicht um Straftaten), so daß ich solche Charaktere und deren Umfeld mir sehr genau vorstellen kann.

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Re: Die Judowerte, gelebt auf höchster Ebene

Beitrag von Fritz » 25.11.2019, 12:35

Na mal sehen, was am Ende tatsächlich rauskommt.

Von der ganzen Verbands-Involviererei halte ich überhaupt nicht.

Es gibt ein Strafgesetzbuch, da steht drinnen, was nicht erlaubt ist.
Wenn also Eltern oder Betroffene feststellen, daß etwas Unerlaubtes im Verein passiert, dann kann das angezeigt werden, anschließend
wird das verhandelt und es gibt Resultate. Oder sie klären es auf zwischenmenschlicher Art mit einem potentiellem Täter direkt
u. ohne Anwalt u. Gericht.

Denn was soll ein Verband schon machen - da er nicht in die Leute reingucken kann, wird er sowieso nicht im Vorfeld verhindern können,
daß Vereine gegründet werden oder entsprechende Personen irgendwo "Unterschlupf" finden.
Also bleibt nur öffentliches Getöse verbunden mit viel Aktionismus.
Und dieser Aktionismus trifft dann letztendlich alle, welche mit Anstand ihrem Ehrenamt nachgehen - plötzlich muß man als langjähriger ÜL
irgendwelche Ehrenkodexe unterschreiben u. Erw. Führungszeugnisse beibringen - ich bin mir sicher, der beschuldigte Trainer-B hat das
auch alles ganz brav gemacht ...

Auch die Unsitte, mehr oder weniger unbeteiligte Personen mit in entsprechende Vorgänge hineinzuziehen - als "Vermittler" oder "Beschwerdestelle" o.ä.
halte ich für, sehr problematisch, da sie einerseits den Unbeteiligten unter einen gewissen Druck setzen (Spannungsfeld: Anzeigen - Mitwisserschaft) und natürlich
sich Sachverhalte nach dem Prinzip der "Stillen Post" auch deutlich ändern können. (Mücke zum Elefanten machen oder andersrum)
Mit freundlichem Gruß

Fritz

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Möge es aufhören.

Beitrag von nur_wazaari » 26.11.2019, 13:01

Fritz hat geschrieben:
25.11.2019, 12:35
Na mal sehen, was am Ende tatsächlich rauskommt.
Zum Beispiel sowas (Artikel von 2010):

https://www.welt.de/vermischtes/article ... essen.html

Es gruselt einen. Dann ist da etwas im "Off" noch der Fall Seisenbacher, zu welchem man ebenfalls wieder Aktuelles und Rätselhaftes im Netz findet.

Klar, das hat nichts (mehr) mit Judowerten o.ä. zu tun. Wir befinden uns hierbei möglicherweise außerhalb des erzieherischen Systems, in einem anderen Diskussionsrahmen; nämlich im Strafrecht, der ultima ratio unseres gesellschaftlichen Sanktionierungssystems.

Dennoch sehen sich bzw. werden Vereine und Verbände gezwungen Position zu beziehen, tun dies auch und das so gut sie können.

Ich hoffe, dass die Wolken sich bald verziehen werden und sich alles aufklärt - meines frommen Wunsches nach zukünftiges Leid verhindert werden kann.
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Cichorei Kano
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Re: Die Judowerte, gelebt auf höchster Ebene

Beitrag von Cichorei Kano » 02.12.2019, 17:44

"Ein Judoka und Olympiasieger ist am Montag (02.12.2019) am *********** Landesgericht wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen, sexuellen Missbrauchs von Unmündigen und Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses zu einer fünfjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Er wurde in vollem Umfang der Anklage schuldig erkannt." (...)

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Noch nicht rechtskräftig...

Beitrag von nur_wazaari » 03.12.2019, 10:24

...aber wohl eine formale Frage:

https://judoinside.com/news/3767/Peter_ ... five_years

Zusammen mit dem mehr oder minder neu aufgerollten Fall aus dem Saarland, indem nebenbei ebenfalls von einem "Judotrainer" die Rede ist, die nächste schwierige Nachricht, aus pressetechnischer (nicht aus rechtlicher) Sicht.
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