Die Judowerte, gelebt auf höchster Ebene

Hier geht es um die Wettkampforganisation und um Fragen zu den Wettkampfregeln
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Fritz
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Re: Die Judowerte, gelebt auf höchster Ebene

Beitrag von Fritz » 02.11.2019, 23:48

caesar hat geschrieben:
02.11.2019, 14:22
Stimmt, so anerkannt, dass die japanischen Frauen geschlossen gegen ihren Trainer geklagt hatten und die Förderung auf Grund dieser Motivations- und Korrekturmaßnahmen vom NOK gekürzt wurden. So anerkannt, dass Trainer mittlerweile schon wegen verbalen Machtmissbrauch entlassen werden.
Tja da scheinen sich die Zeiten auch in Japan zu ändern, ist halt nichts von Dauer ... ;-)
Mit freundlichem Gruß

Fritz

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War da noch mehr?

Beitrag von nur_wazaari » 04.11.2019, 19:27

https://www.express.de/sport/sportmix/s ... n-33403532

Ja, Wurstblatt, ok. Dennoch:
Spruch über „Kokosnüsse“ Judo-Coach nach Rassismus-Eklat aus dem Verkehr gezogen

Frank Möller soll sich rassistisch geäußert haben

Es sind schwere Vorwürfe, denen sich Judo-Trainer Frank Möller (49) ausgesetzt sieht. Der Ex-Weltklasseathlet, der Verbandscoach in Berlin ist, soll einen Nachwuchsathleten aus Hamburg rassistisch beleidigt haben – und das mehrfach.

Wie der afrikanischstämmige Losseni Koné (18) behauptet, habe ihn Möller nicht nur aufs Übelste verunglimpft, sondern auch körperlich attackiert. „Es gab einen Vorfall, ein Trainer soll sich schlecht verhalten haben“, bestätigte auch DJB-Präsident Peter Frese (66).

Judo-Trainer Frank Möller mit rassistischen Entgleisungen

Unter anderem soll Möller, Bronzemedaillengewinner bei Olympia 1996, seinem Schützling „Schnauze, Bimbo!“ zugerufen haben. Bei einer Kletterübung habe er angeblich gesagt, Koné solle „seine Kokosnüsse runterholen“. Das berichtet die „Bild“.

Am 2. Oktober soll Möller Koné dann tätlich angegriffen haben. Den jungen Athleten habe Möller zuvor angewiesen, alleine die Reste eines Grillfestes aufzuräumen. Der Nachwuchsjudoka habe sich geweigert und sei auf sein Zimmer gegangen, Möller sei ihm gefolgt und habe ihn aus dem Zimmer gezerrt. Dann soll Möller Koné ins Gesicht geschlagen haben. Weitere Athleten bestätigten den Vorfall.

Ole Bischof (40), Judo-Olympiasieger von 2008, hat eine klare Meinung: „Frank Möllers Verhalten widerspricht unseren Judo-Werten, da gibt es nichts schönzureden. Ein Schwarzer Gürtel geht mit Verantwortung einher. Wenn Frank sich selbst nicht im Griff hat, sollte er ihn nicht tragen dürfen. Wenn die Vorwürfe stimmen, kann er nicht Trainer bleiben“, sagte er.

Möller wurde vom Verband vorübergehend freigestellt. Am 8. November soll eine Anhörung stattfinden.
Laut Artikel (kein Konjunktiv??): Ein Olympiasieger und mehr oder weniger ehemaliger Sportfunktionär äußerte sein Urteil bereits.

Kinners, was ist denn nun damit? Weshalb distanziert sich der DJB nicht nochmal nachdrücklich allgemein von Rassissmus und verweist ganz allgemein auf die wertesichernden Instrumente (z.B. Kodex)? Traut man den eigenen Ausarbeitungen nicht? Doch nur alles zu oberflächlich? Die Anhörung ist auch relativ spät; wie wäre es stattdessen mit einer Klärung - auch sowas kann man in die Presse geben. Ohne gleich die ultima ratio - Jurisprudentische Expertise - zu bemühen.

Mein Eindruck: Der Schwamm liegt im Brunnen und man hofft, dass dieser Brunnen vor dem Vollsaugen austrocknet.
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Re: Setze mal noch einen drauf

Beitrag von Fritz » 05.11.2019, 01:47

nur_wazaari hat geschrieben:
01.11.2019, 12:54
https://www.mopo.de/hamburg/versuchter- ... s-33398664

Verdacht war bekannt, jetzt kam das Urteil. Es ist einfach entsetzlich.

:forbidden
Heute beim Training hatten wir drüber gesprochen und da hab ich erst realisiert bzw. wurde mir verraten, '
daß es hier wohl um den Sohn vom Hamburger Cheftrainer geht ... Dinge gibt es ...
Mit freundlichem Gruß

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Re: Setze mal noch einen drauf

Beitrag von nur_wazaari » 05.11.2019, 07:50

Fritz hat geschrieben:
05.11.2019, 01:47

Heute beim Training hatten wir drüber gesprochen und da hab ich erst realisiert bzw. wurde mir verraten, '
daß es hier wohl um den Sohn vom Hamburger Cheftrainer geht ... Dinge gibt es ...
Der Verdacht wurde bereits Anfang 2019 öffentlich postuliert, andere im Hamburger Umfeld (und ich) wussten schon im letzten Jahr davon. Der DJB hat rein gar nichts dazu verlautbart; ist ja einzusehen während der laufenden Ermittlungen. Ob jetzt nach dem rechtskräftigen Urteil irgendwas kommt, weiß ich nicht. Denke, dass man gar nicht wüsste was man dazu schreiben oder sagen soll, in diesem Fall schon irgendwo verständlich.

Jedenfalls ist es gerade für die Hamburger ein sportlich- und persönlich schwerer Schlag. War ihm zumindest bis zum Ende seiner Juniorenzeit nicht ohne Weiteres zuzutrauen. Ist durchaus ein hartes Pflaster dort, man kann durchaus in fiese Kreise geraten, da kann die beste Erziehung manchmal nicht helfen...
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Ein eindeutiges Signal muss her

Beitrag von HBt. » 05.11.2019, 08:00

Der DJB (und möglicherweise noch andere 'Organe') müssen ein klaren Zeichen setzen. So geht es auf jeden Fall nicht weiter. Frank M. ist noch nicht einmal die Spitze des Eisberges.
Wir können (alle) täglich an uns selbst beobachten ob wir ausgeschlafen und zufrieden sind - ich bin es nicht. Das allgemeine Aggressionspotential ist extrem hoch, wir sind alle geladen.

Warum packen wir unser Problem nicht einfach an der Wurzel und reißen es raus? Wir sind LED verschmutzt, permanent lärmbelästigt ... unsere Lungen sind mit Pattex verklebt (der Feinstaub),
unsere Körper sind mit Mikroplastik angereichert ... usw. gleichzeitig werden wir immer dämlicher (Mund auf und Löffel rein!).

Frank. M. ist in meinen Augen nur ein Ausdruck des gegenwärtigen Zustandes unserer Gesellschaft, vielleicht ist er sogar ein Opfer -> und trotzdem ist das Verhalten inakzeptabel.

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Signalwirkungen

Beitrag von nur_wazaari » 05.11.2019, 17:41

HBt. hat geschrieben:
05.11.2019, 08:00
Der DJB (und möglicherweise noch andere 'Organe') müssen ein klaren Zeichen setzen. So geht es auf jeden Fall nicht weiter. Frank M. ist noch nicht einmal die Spitze des Eisberges.
Wir können (alle) täglich an uns selbst beobachten ob wir ausgeschlafen und zufrieden sind - ich bin es nicht. Das allgemeine Aggressionspotential ist extrem hoch, wir sind alle geladen.
Ich denke, sofern die Vorwürfe stimmen, wird er von seinen Aufgaben auch dauerhaft entbunden werden. Der DJB wird sich vielleicht gar nicht veranlasst sehen, dazu etwas zu verlautbaren, weil der Betreffende beim Landessportbund angestellt ist. Mal abwarten. Die Spitze des Eisbergs ist ja immerhin zu sehen; sie wächst gefühlt. Interessanter wäre, was unter Wasser liegt und nur selten oder zufällig mal zu Tage tritt. International muss man aber nicht weit schauen: Vizer...Seisenbacher...die anderen menschlichen Katastrophen...etc..Alles ganz schwierige Themen/Situationen. Grundsätzlich ist die Frage, welche Instrumente Verbänden zur Verfügung stehen, um bei Problemen und sogar Krisen egal ob sportlicher, menschlicher oder juristischer Natur a) Position zu beziehen, b) Prävention zu betreiben und c) trotzdem/genau deshalb weiterhin glaubwürdig und fachlich solide zu sein.

Alles Folgende ist nicht wertend zu verstehen:

Ausgeschlafen? Mein Eindruck: Wir "halten" uns wach, "sind" es aber in Wahrheit nicht - von Schlaffunktionsstörungen ganz zu schweigen...Ist es ein Fluch? Es wecke dich das Ungemach, solange bis zum ew'gen Schlaf; oder so ähnlich...

Zufrieden? Man gibt was man kann, man nimmt was man braucht; man würde gerne mehr tun, mehr werden, mehr sein. Vorsicht, Überleitung: Das abzulegen - und einfach mal nur anwesend zu sein - das versuche ich in der Tat auch auf der Matte mit Übenden gemeinsam umzusetzen, durch gezielte Belastungen, allein schon durch angrüßen und abgrüßen, Hinweise zur Atmung, nichts Esoterisches. Dem Wechselspiel zwischen alles abverlangender Belastung und der Ruhe mit Gelegenheit zur Rekapitulation. Es gelingt nicht immer, die Gelegenheiten werden ausgelassen, die Reflektionen treffen auf stumpfe Spiegel, aber einige Übungen für und im Judo sind so komplex, die Belastungen so hoch, dass man eigentlich an kaum was anderes denken kann - wenn man sich nur auf diese konzentriert. Diese Fähigkeit geht allen, auch mir zuweilen, immer stärker verlustig, was wirklich nicht witzig ist.

Ich bin allerdings trotz dieser Umstände gelegentlich erstaunt, wie überaus wenig "bewusst" die Leute bei dem, was sie tun oder meinen zu tun, "sind" - Meiner Vermutung nach ist das ein Ursprung der Aggressivität, welche vielleicht auch zu Unkonzentriertheit, dem Entfernen vom eigenen Zentrum, führen könnte. Man schwirrt in allen Welten, alle anderen sirren mit; man fliegt ständig gegen glasklare, kalte Scheiben, durch die man meint, doch "easy" hindurchkommen zu können und auch zu müssen; der Raum wird gefühlt immer enger, die Sonne erhitzt den Raum, wir werden geblendet, alles wird bedrohlich - wir drehen durch und nur die sicher kommende Nacht rettet uns vor dem Totalverlust. Wie kann man sich befreien?
HBt. hat geschrieben:
05.11.2019, 08:00
Warum packen wir unser Problem nicht einfach an der Wurzel und reißen es raus? Wir sind LED verschmutzt, permanent lärmbelästigt ... unsere Lungen sind mit Pattex verklebt (der Feinstaub),
unsere Körper sind mit Mikroplastik angereichert ... usw. gleichzeitig werden wir immer dämlicher (Mund auf und Löffel rein!).
Achtung Binsenweisheit: Weil es offensichtlich kein einfaches, sondern ein durchaus multidimensionales Problem ist. Jetzt kommen andere wieder und meinen vielleicht: "Was hat das (groß) mit Judo zu tun?" Daran kann man möglicherweise die Wahrnehmung erkennen, die reziprok zur Realität des komplizierten Problems zu verlaufen scheint: Es sei bzgl. eines Problems X doch alles so einfach, sichtbar, läge auf der Hand, also gäbe es auch keine Zusammenhänge, keine Interdependenzen - oder es sei sowieso zu kompliziert, um es jemals begreifen - d.h. aber vor allem es aktiv angehen - zu können. Von mir aus grob bezogen auf das Geschehen auf der Matte und zwischen gesellschaftlichen Entwicklungen; das Ergebnis, ja schon die Konsequenz dieser These für Judo nach aktuellem Duktus: Auf der Matte hat all das nichts zu suchen, wir seien alle gleich, es sei egal, wer wie oder wie auch immer ausgeprägt, nunmehr "drauf" sei, solange man einfachste Vereinbarungen (nicht etwa Werte) einhält; unabhängig davon ob man diese wertfundiert akzeptiert oder nicht. Es gehe nur um Sport, um Kata, um Wettkampf, um irgendwas damit. Um nichts Wesentliches, es hat eigentlich keine sonstige Bedeutung. Das ist ganz weit simplifiziert richtig und falsch - nicht aber unentschieden - zugleich. Es kommt eben auf die in die Betrachtung einbezogenen Faktoren an.

Mein Eindruck aktuell: Die "Matte", vor allem die große Bühne, sie existiert ja gerade und momentan nur in der aktuell immer weiter expandierenden Form, weil eben doch den postulierten Werten oder auch einfach nur der "Fairness" oder "Vernunft" widersprechende Dinge geschehen. Das hat noch nicht mal allein was mit dem kontinentalen- oder Weltverband zu tun. Nur ein Beispiel aus dem Sport, um nicht zu weit abzuschweifen: Man muss sich irgendwann, vielleicht noch nicht ad hoc, aber in nicht allzu ferner Zukunft auch wegweisend entscheiden, was man will - Ethisch vertretbaren Sport für alle, gerne auch leistungsmäßig, oder das was wir heute unter Leistungssport geboten bekommen sollen, der auf nur allzu leicht verwundbaren Werten gebaut wird. Der Profifußball ist für diese Überlegung wohl die Blaupause.

Nehmen wir noch das Gefühl der Unbesiegbarkeit, besser vielleicht der Unantastbarkeit hinzu: Es kann nur entstehen, wenn keine Zusammenhänge vermutet werden, kein Widerstand mehr das Aufgebaute gefährdet, alles gewonnen wurde, was leicht zu gewinnen war, wenn überhaupt "gewonnen" wurde, aber gleichzeitig nichts über den entweder individuellen-, von mir aus auch sportgesellschaftlichen Horizont hinaus passiert ist, als bloßen (sportlichen) Erfolg zu haben. Man bestätigt sich in der Folge selbst, man feiert sich, man gratuliert sich im kleinen Kreis gegenseitig, die Erde dreht sich weiter; die Welten verneigen sich vielleicht einen kurzen Moment. In einem solchen Zustand des egal wie erlangten Erfolges vor den Augen der nun nicht mehr zum Kreis Gehörenden, der wie erwähnt Individuen = Menschen als auch Kollektive erfassen kann und welcher sehr mächtig innerhalb eines gesellschaftlichen Systems zu wirken scheint - wie sollen in einem solchen Zustand echte, nachhaltig positive Veränderungen bewirkt werden können?
HBt. hat geschrieben:
05.11.2019, 08:00
Frank. M. ist in meinen Augen nur ein Ausdruck des gegenwärtigen Zustandes unserer Gesellschaft, vielleicht ist er sogar ein Opfer -> und trotzdem ist das Verhalten inakzeptabel.
Quod erat demonstrandum.
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Re: Die Judowerte, gelebt auf höchster Ebene

Beitrag von caesar » 09.11.2019, 02:40

https://www.tagesspiegel.de/sport/nach- ... 06956.html

5 Jahre keine Arbeit für den DJB und wie es aussieht, ist der Job in Berlin als Landestrainer auch weg.

Es war wohl ein einmaliger, spezieller Vorfall. Ob das Urteil gerecht, ausreichend ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

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Hinweis

Beitrag von nur_wazaari » 09.11.2019, 06:58

Es handelt sich NICHT um ein (gerichtliches) Urteil, sondern lediglich um eine Entscheidung bzw. einen Beschluss des Rechtsauschusses. Insbesondere hat der betreffende Sportler auf eine Anzeige verzichtet. Ich denke, es hätte ihm andernfalls evtl. ein Schmerzensgeld in relativ geringer Höhe im Zuge eines Täter-Opfer-Ausgleiches (vgl. §155 StPO ff.) zustehen können.

Den Trainer; man möchte ihn aber wohl dennoch "irgendwie" halten, er muss sich ja auch "weiterbilden". Ich denke, dass zwar durchaus ein Zeichen gesetzt wurde, aber es stellen sich mir doch einige Fragen:

- Ist das Vertrauen nach fünf Jahren wieder da? Ok, eine evtl. müßige Frage, aber bzgl. der Aussage von P.F., dem Scheidenden, scheint die Tür zum DJB ja eine Glastür zu sein. Man kennt das ja bei Sportlerinnen und Sportlern, die gesperrt wurden: Vollständig traut man denen nicht mehr.
- Was bedeutet das nun für andere Fälle, für das was unter der Oberfläche liegt? Soll das eine Warnung an alle anderen sein? Wenn ihr euch nicht im Griff habt, werdet ihr bestraft? Verliert euren Job? Kann das als Grund ausreichen, den Kodex einzuhalten bzw. sich ja letztlich verantwortungsvoll, sozial adäquat und integer d.h. erwachsen zu verhalten? Ist das der künftige Umgang mit Verfehlungen? Daneben würde mich interessieren, inwieweit die Reue des Trainers bei der Abwägung der Konsequenzen eine Rolle spielte.
- Treiben nun noch andere Dinge an die Oberfläche? Bekommt der Rechtsausschuss mehr Arbeit? Inwieweit kann dieser auch ethische Bewertungen vornehmen?
- Mich würde interessieren, was genau "Kontaktsperre" bedeutet. Theoretisch müsste das ja eine Art Opferschutzmaßnahme sein. Gilt diese auch im zivilen Leben?

Nun denn, es ist ja mit der kommenden MV eine gewisse Professionalisierung und "Umstrukturierung" vorgesehen. Man darf gespannt sein.
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Sollte nicht ein ordentliches Gericht ...

Beitrag von HBt. » 09.11.2019, 17:34

die Angelegenheit klären?

Sind fünf Jahre Arbeitslosigkeit vereinbar mit einer noch nicht exakt geklärten Tat :eusa_think ?.

Nachdenkliche Grüße,
HBt.
Der Tagesspiegel hat geschrieben:Möller habe die Strafe durch den Verband akzeptiert. „So wie er früher die Entscheidung des Kampfrichters hingenommen hat“, sagte der scheidende DJB-Präsident Peter Frese.
akzeptiert
vs.
hingenommen !

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Re: Die Judowerte, gelebt auf höchster Ebene

Beitrag von caesar » 10.11.2019, 08:03

Stellungnahme des Judo-Verband Berlin

https://www.judo-verband-berlin.eu/stel ... en-vorfall
Nach Abschluss des DJB-Rechtsausschussverfahrens am 08.11.2019 in Potsdam gegen den Landestrainer Frank Möller, beziehen wir als Judo-Verband Berlin e.V. (JVB) Stellung.

Der JVB spricht sich klar gegen jegliche Form der Diskriminierung und Gewalt aus. Von allen Trainern und Funktionären, die im Rahmen des JVB tätig sind, erwarten wir ein vorbildhaftes Verhalten, welches auf den Judowerten und dem DJB-Ehrenkodex basiert.

Das Rechtsausschussverfahren hat ergeben, dass sich die Rassismusvorwürfe gegen Frank Möller nicht bestätigt haben. Losgelöst davon wurde festgestellt, dass eine körperliche Auseinandersetzung mit einem Athleten stattgefunden hat.

Der Rechtsausschuss des DJB hat im Rahmen seiner Möglichkeiten verschiedene Sanktionen ausgesprochen.

Der JVB steht seit Bekanntwerden des Vorfalls in enger Verbindung mit dem Landessportbund Berlin e.V. (LSB), der Arbeitgeber von Frank Möller ist.

Weitere mögliche Konsequenzen durch den JVB erfolgen in enger Abstimmung mit dem LSB.

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Re: Die Judowerte, gelebt auf höchster Ebene

Beitrag von Fritz » 10.11.2019, 21:13

Schon interessant, wie die Darstellung des Tagesspiegel sich von der des Landesverbandes unterscheidet ...
Mit freundlichem Gruß

Fritz

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Re: Die Judowerte, gelebt auf höchster Ebene

Beitrag von nur_wazaari » 11.11.2019, 05:32

Fritz hat geschrieben:
10.11.2019, 21:13
Schon interessant, wie die Darstellung des Tagesspiegel sich von der des Landesverbandes unterscheidet ...
Der betreffende Sportler hat den Rassismus-Vorwurf ja auch vorab dementiert. Andererseits: Dass der Trainer von diesem frei gesprochen wurde, heißt nicht, dass er diese Äußerungen nicht getätigt hat. Liest sich für mich so, als glaube man an die Theorie der laxen Zunge. Es ist mir jedenfalls immer noch nicht klar, wie sich der Tathergang nun darstellt...in dubio pro reo, ich war nicht dabei und die Presse schreibt offensichtlich tlw. die Unwahrheit.

Sei es drum: Er behält seinen Job wohl, bekommt evtl. noch weitere Disziplinarmaßnahmen, von den Konsequenzen her und von den Verbänden bisher gezogenen Schlüssen heraus gedacht bleibt festzuhalten, dass einfach versucht wurde, frisches Gras zu säen.

Offensichtlich müssen auch so manche Trainer noch erzogen werden. ;)
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Re: Die Judowerte, gelebt auf höchster Ebene

Beitrag von caesar » 11.11.2019, 09:00

Der Reporter des Tagesspiegel scheint sich hier eine klare Agenda gesetzt zu haben, leider ohne interne Quellen befragt zu haben, wie es scheint.

https://www.tagesspiegel.de/sport/judo- ... 09534.html

Das Opfer selbst sagte ja, dass es kein Rassismus ist, sondern ein persönliches Problem. Danach klingt es auch aus anderen Quellen.
Aber warum auf Fakten stützen, wenn man eine Meinung haben kann?
Ist die Wortwahl geschmacklos und völlig falsch? Ja.
Ist es Rassismus? Anscheinend nein.
nur_wazaari hat geschrieben:
11.11.2019, 05:32
Sei es drum: Er behält seinen Job wohl, bekommt evtl. noch weitere Disziplinarmaßnahmen, von den Konsequenzen her und von den Verbänden bisher gezogenen Schlüssen heraus gedacht bleibt festzuhalten, das einfach versucht wurde frisches Gras zu säen.
Er ist erst einmal vom LSB Berlin freigestellt. Mehr wird sich zeigen.

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Die mediale Aufbereitung ...

Beitrag von HBt. » 11.11.2019, 12:43

kam mir gleich sehr spanisch vor!

Wenn, ja wenn -> dann ist der Sachverhalt exakt zu klären -> für jede beteiligte Person. Ein ordentlicher Rüffel (interne Aufarbeitung) wird ja wohl ausreichend sein.
Irgendwie kann ich mir bei Frank M. eine derartige Entgleisung (und Konstruktion) gar nicht vorstellen: warum sollte er???

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Re: Die Judowerte, gelebt auf höchster Ebene

Beitrag von caesar » 11.11.2019, 17:14

Der DJB hat die Sanktionen mit Begründung und rechtlicher Würdigung veröffentlicht.

https://www.judobund.de/aktuelles/detai ... ller-3861/

Die Sanktionen:
  1. auf die Dauer von 5 Jahren für DJB-Tätigkeit als Trainer und Betreuer gesperrt wird (Lehrtätigkeitsverbot). Hinweis: Von diesem Verbot nicht erfasst ist jede andere Tätigkeit z.B. als Landes- oder Vereinstrainer, die sich als immer tadellos dargestellt hat.
  2. der Kontakt zu dem Athleten untersagt wird.
  3. innerhalb eines Jahres (2020) eine 40-stündige Schulung im Bereich Deeskalation zu besuchen hat.
  4. nicht positiv für den DJB im Sinne der Ehrenordnung des DJB (§§ 1.1/ 4 c) Ehrenordnung) gehandelt hat. Eine Weitergraduierung ist damit ausgesetzt.
  5. die Kosten des Verfahrens zu tragen hat.

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Re: Die Judowerte, gelebt auf höchster Ebene

Beitrag von tutor! » 11.11.2019, 17:25

Ich war nicht dabei, habe mit niemandem gesprochen, der dabei war und kenne auch die Details nur so weit, wie sie veröffentlicht wurden. Insofern kann und will ich nichts inhaltliches sagen - weder zum Sachverhalt selbst, noch zum Umfang der Sanktionen.

Jedoch möchte ich schon sagen, dass ich das Verhalten und die Abwicklung des DJB in diesem Fall wirklich beispielhaft finde. Die öffentliche Stellungnahme von Peter Frese war sehr vage. Das hatte seinen Grund. Bevor man sich öffentlich äußert, sollte man sehr genau die Fakten prüfen. Genau das hat der DJB getan. Und es war angekündigt worden, dass man sich (erst) nach Abschluss des Rechtsausschussverfahrens wieder äußern werde.

Aus der Veröffentlichung ist ersichtlich, wie seriös mit diesem Fall umgegangen wurde. Letztich gab es überhaupt keinen Versuch, irgend etwas unter der Decke zu halten, aber es fand eben auch keine Vorverurteilung statt.
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Die Stellungnahme des DJB ist sehr gut, ...

Beitrag von HBt. » 11.11.2019, 18:39

sie gefällt mir.

Eine unmissverständliche Signalwirkung - auf jeden Fall, und (möglicherweise) auch ziemlich hart.

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Re: Die Judowerte, gelebt auf höchster Ebene

Beitrag von nur_wazaari » 11.11.2019, 19:30

Ich schließe mich den Vorrednern an; die Aufarbeitung seitens des DJB war diesmal wirklich gut. Ich finde die Sanktionen dann nicht zu hart, wenn die Arbeitsstelle beim LSB erhalten bleibt. Wie sich schon vorher schrieb, halte ich den Vorfall bzgl. der konkreten Person für eine bedauerliche Momentaufnahme - eine mit Konsequenzen, welche ich auch für richtig halte. Ich hoffe auch, dass in Zukunft auch Aversionen, Kleinkämpfe, menschliche Differenzen etc. besser auskommuniziert und nötigenfalls über Mediationen geklärt werden. Völlig unabhängig davon in welcher Beziehung die Beteiligten zueinander stehen. Dasselbe gilt für evtl. Probleme der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des DJB und der LSBs - ich könnte mir vorstellen, dass diese großen Belastungen ausgesetzt sind. Nein, ich weiß es sogar.

Die Fragen, welche sich mir stellen: Wie kam das überhaupt an die Medien? Weshalb in dieser mehr oder minder verzerrten Qualität?...

Werte...ich glaube, dass dieser wunde Punkt weiterhin existieren wird. Hoffentlich geht der Vorfall auch mit einer tieferen Auseinandersetzung mit diesen und derer Bedeutung einher.
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Re: Die Judowerte, gelebt auf höchster Ebene

Beitrag von Cichorei Kano » 12.11.2019, 01:07

I do not know if there are any more detailed proceedings publicly available, but if the DJB Statement contains the full reasoning, then the whole disciplinary verdict is likely to be thrown out if the accused decides to take the case to court, because the published DJB document judicially is full of legal holes. This is unfortunately often the case when private organizations and NGB take it up on themselves to play tribunal. It's not up to me to publicly identify all those legal holes, but any decent attorney experienced in sports law will promptly notice them, that I can guarantee you.

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Re: Die Judowerte, gelebt auf höchster Ebene

Beitrag von tutor! » 12.11.2019, 07:38

In diesem Fall ist das schon sauber, denn die Sanktionen haben nur Wirkung innerhalb zweifellos vorhandener Entscheidungsspielräume des DJB selbst:

Der DJB entscheidet selbst, wen er als Trainer, Betreuer, Referent usw. einsetzt. Es ist sogar explizit betont, dass diese Einschränkung nicht für die Tätigkeit im Auftrag anderer (Vereine oder Landesverbände) gilt.

Der DJB entscheidet auch selbst über Graduierungen oberhalb des 5. Dan. Bis dahin wäre es in der Entscheidung der Landesverbände. Frank Möller ist m.W. derzeit 6. Dan - nun wird halt seine Graduierung für mindestens fünf Jahre eingefroren.

Die Teilnahme an einem Deeskalationskurs und eine Kontaktsperre lassen sich zwar rechtlich nicht durchsetzen, sind jedoch als Auflagen zu verstehen, um - nach der 5-jährigen Sperrfrist - wieder graduiert bzw. im Auftrag des DJB arbeiten zu können.

Letztlich sind also die Sanktionen Beschlüsse, die die derzeitigen und künftigen DJB-Gremien binden. Und das kann nicht von außen angefochten werden...
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