Wie hättet ihr entschieden?

Hier geht es um die Wettkampforganisation und um Fragen zu den Wettkampfregeln
caesar
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Re: Wie hättet ihr entschieden?

Beitrag von caesar » 05.12.2017, 23:53

Werfen mit einem gleichzeitigen Hebel ist verboten.

Für mich ist das hier:
der Fall. Wie seht ihr das?
Kann man sich in dieser Situation so uneinig sein, dass man auf gar nichts entscheidet?

PS: Wie sieht es eigentlich mit Würgen und gleichzeitigem Werfen aus?

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kastow
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Re: Wie hättet ihr entschieden?

Beitrag von kastow » 06.12.2017, 07:28

Ich sehe es so: Hebel sauber im Übergang Stand zu Boden ohne fahrlässige Gefährdung Ukes, wie sie beispielsweise bei Waki-gatame entstehen könnte - regelkonform.
Uke ist auf dem Bauch gelandet - kein Waza-ari.
>> keine Strafe für den Hebel, Waza-ari zurück genommen, Kampf geht weiter - alle in Ordnung.

@caesar: vielen Dank übrigens für deine vielen hier geposteten Videos! Ich bin momentan unheimlich eingespannt und habe deshalb keine Zeit, selbst im Netz groß etwas zu suchen. Da ist es sehr angenehm, wenn von dir immer wieder interessante Videos kommen.
:danke
Herzliche Grüße,

kastow

Since the establishment of Kôdôkan jûdô, jûdô has become something that should be studied not only as a method of self-defence but also as a way of training the body and cultivating the mind. (Jigorô Kanô: MIND OVER MUSCLE)

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Re: Wie hättet ihr entschieden?

Beitrag von Jupp » 06.12.2017, 11:12

kastow schreibt: ">> keine Strafe für den Hebel, Waza-ari zurück genommen, Kampf geht weiter - alle in Ordnung"

Nein! Nicht in Ordnung! Ogawa hätte bei einer sofortigen, richtigen Entscheidung (Kein Wazaari!) die Möglichkeit gehabt, entweder den Hebel fortzusetzen oder mit einem Haltegriff zu gewinnen - beides wurde ihm durch den "scheinbaren" Wazaari im "Golden-score" genommen. Wir alle müssen als Trainer lernen, unsere Athleten darauf zu "trimmen", den Kampfrichterentscheidungen nicht sofort zu trauen, sondern IMMER am Boden mit einem möglichen Haltegriff fortfahren - so lange bis eine TATSÄCHLICHE Entscheidung sicher ist.

Jupp

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Uwe 23
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Re: Wie hättet ihr entschieden?

Beitrag von Uwe 23 » 06.12.2017, 14:54

Ich würde sagen, die Landung war durchaus ausreichend für Waza-ari, allerdings werden Hebel nicht als Wurf bewertet, sondern sind nur, wenn sie - wie hier - kontrolliert ausgeführt werden, als Übergang Stand-Boden erlaubt.

Da hat der Kampfrichter leider in dem Moment falsch entschieden, eventuell, weil es aus seiner Position den Hebel nicht gesehen hat.
Der Athlet hätte natürlich auch cleverer sein sollen und hätte die endgültige Entscheidung abwarten sollen, bevor er seinen Vorteil im Boden aufgibt. Ein Athlet der in der Weltspitze, solle eigentlich auch solche selten angewendeten Regeln kennen.

Die Aktion hat den beiden Athleten einen verdammt anstrengenden Kampf beschert. Die Entscheidung am Ende finde ich ok, auch ohne die unglückliche Situation im Hinterkopf.

Zum PS: Würgen ist, in Verbindung mit Würfen erlaubt, da gibt es auch keine Einschränkungen wie beim Hebeln.

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Fritz
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Re: Wie hättet ihr entschieden?

Beitrag von Fritz » 06.12.2017, 16:08

Uwe 23 hat geschrieben:
06.12.2017, 14:54
Ich würde sagen, die Landung war durchaus ausreichend für Waza-ari, allerdings werden Hebel nicht als Wurf bewertet, sondern sind nur, wenn sie - wie hier - kontrolliert ausgeführt werden, als Übergang Stand-Boden erlaubt.

Da hat der Kampfrichter leider in dem Moment falsch entschieden, eventuell, weil es aus seiner Position den Hebel nicht gesehen hat.
Der Athlet hätte natürlich auch cleverer sein sollen und hätte die endgültige Entscheidung abwarten sollen, bevor er seinen Vorteil im Boden aufgibt. Ein Athlet der in der Weltspitze, solle eigentlich auch solche selten angewendeten Regeln kennen.

Die Aktion hat den beiden Athleten einen verdammt anstrengenden Kampf beschert. Die Entscheidung am Ende finde ich ok, auch ohne die unglückliche Situation im Hinterkopf.

Zum PS: Würgen ist, in Verbindung mit Würfen erlaubt, da gibt es auch keine Einschränkungen wie beim Hebeln.
Ich wüßte auch nicht, was außer den Einschränkungen rund um Waki-Gatame (und aktuell "Schläge auf den Ellbogen") es für generelle Verbote bzgl. verhebelten Würfen geben sollte...
Oder haben sie inzwischen auch Gyaku-Ude-Garami-Ansatz im Stand mit gleichzeitiger Sumi-Gaeshi / Hikkomi-Gaeshi-Bewegung verboten?

Was sein kann, ist, daß bei im Stand angesetzten Bodentechniken der zugehörige Wurf nicht bewertet werden muß, bin mir da aber nicht ganz sicher ...
Mit freundlichem Gruß

Fritz

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Re: Wie hättet ihr entschieden?

Beitrag von Uwe 23 » 06.12.2017, 17:15

Verboten sind die unkontrollierten verletzungsgefährlichen Hebel im Stand und im Stand zum Boden; Paradebeispiel: Waki-katame.

Sämtliche andere Hebel vom Stand zum Boden, und Hebel mit verbundenen Würfen sind erlaubt, allerdings werden sie nicht als Wurf bewertet; Paradebeispiel: Ude-gaeshi mit eingeklemmtem Arm.
Hintergrund ist wohl, weil bei den Techniken nicht zu unterscheiden ist, ob Uke durch den Wurf fällt, oder weil er durch den Hebel zum Mitfallen gezwungen wird.
Das sind natürlich wunderschöne Judotechniken, man kann darüber diskutieren, ob man sie bewerten möchte oder nicht, aber aktuell ist der Stand, dass sie nicht bewertet werden.

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Re: Wie hättet ihr entschieden?

Beitrag von caesar » 09.12.2017, 01:49

Mein "Problem" in der Szene ist bei dem kurzen Fußwurfansatz. Ogawa drückt gegen den Ellenbogen und stoppt Krpaleks Ausweichbewegung mit Fuß. Was wenn es hier knack macht? Krpalek hat keine Möglichkeit aufzugeben, wenn der Fußstopp etwas besser kommt, eventuell nicht einmal die Möglichkeit zu fallen.

Ich finde diese Idee des Übergang Stand-Boden gut, nur betrachte ich die Explosivität am Ellenbogen als etwas kritisch.

Ogawa hat diese Aktion vorher schon einmal versucht und insgesamt ist der Kampf nicht einfach für die Kampfrichter mit einem aus meiner Sicht unglücklichen Ende.

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