Auswahl der Kata für den 3. Dan

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Fettzi
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Auswahl der Kata für den 3. Dan

Beitrag von Fettzi » 02.07.2018, 15:07

Hallo liebe Forenmitglieder,
ich spiele gerade, mehr oder weniger ernsthaft, mit dem Gedanken mich auf den 3. Dan vorzubereiten und dann hoffentlich erfolgreich die Prüfung abzulegen. In meinem Übermut habe ich einfach mal in das Programm geschaut und bisher sieht das zwar anspruchsvoll aus, wird aber wohl kein Hexenwerk darstellen. Dann bin ich allerdings auf die Kata gestoßen.
Ich kann ja offiziell zwischen zwei Varianten wählen (Kime-no-kata bzw. Gonosen-no-kata) allerdings ist es praktisch gesehen eine viel größere Auswahl, da es ja zig Varianten der Gonosen-no-kata gibt.
Meine bisherige Kata-Erfahrung ist allenfalls rudimentär und meine Leistung in der Katame-no-kata in der Prüfung zum 2. Dan war, naja, ausbaufähig.
Daher bin ich nun stark am überlegen, für welche Kata ich mich entscheiden soll.

Die Kime-no-kata als SV-Kata würde absolutes Neuland bedeuten, hat den Reiz wirklich nochmal über den Tellerrand hinaus zu blicken, hat jedoch auch den Nachteil, dass ich dafür einen "richtigen Lehrer" brauche. (die Verfügbarkeit eines solchen ist in meiner unmittelbaren Nähe nochmal ein anderes Thema...) Diese Kata im Selbststudium zu erarbeiten, dürfte nach meiner bisherigen Einschätzung sehr schwer bis unmöglich sein. Auch ist die Quellenlage hier extrem bescheiden. Ich habe schon mal den Faden dazu im Forum durchforstet, aber das waren alle keine Highlights, so wie ich sie mir erhofft hatte.

Die Gonosen-no-kata hingegen wäre natürlich auch Neuland. Da ich allerdings über ein leidliches Maß an Wettkampferfahrung verfüge, sollte der Schritt nicht so groß sein, wie bei der Kime-no-kata. Hier ist die Quellen-Lage auch deutlich besser. (z.B. das Arbeitsmaterial von Judoverband Sachsen, das Skript von Wolfgang Dax-Romswinkel, etc.) Auch hier wird ein Selbststudium schwierig, jedoch könnte ich mir vorstellen, dass wenigstens eine Grobform so erlernbar wäre. Auch einen Lehrer für diese Kata zu finden stelle ich mir einfacher vor (?!).

Nun wollte ich euch vlt. um den einen oder anderen Gedanken bitten, wie ich mit dem Problem umgehen soll. Natürlich erwarte ich keine Entscheidung, mir ist klar, dass ich die alleine treffen muss. Allerdings hat der eine oder andere bestimmt eine interessante Sicht auf die Dinge, schonmal vor dem selben Problem gestanden, oder, oder , oder und kann davon berichten.
Ich würde mich sehr darüber freuen.

Vielen Dank schon mal im Voraus.
LG Fettzi

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Fritz
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Re: Auswahl der Kata für den 3. Dan

Beitrag von Fritz » 02.07.2018, 17:26

Wenn es bei Euch Prüfer für die Kime-no-Kata gibt,

sollte es doch auch Leute geben, welche die Kata leeren können ...
Mit freundlichem Gruß

Fritz

caesar
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Re: Auswahl der Kata für den 3. Dan

Beitrag von caesar » 02.07.2018, 17:29

Fritz hat geschrieben:
02.07.2018, 17:26
sollte es doch auch Leute geben, welche die Kata leeren können ...
Sehr schöner Freudscher Verschreiber, aber wohl leider auch zu wahr.

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Fettzi
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Re: Auswahl der Kata für den 3. Dan

Beitrag von Fettzi » 02.07.2018, 17:39

Nun, das ist sicherlich richtig.
Aber ich würde die Entscheidung gern selbst treffen und nicht in Abhängigkeit eventuell (nicht-)vorhandener Prüfer.

caesar
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Re: Auswahl der Kata für den 3. Dan

Beitrag von caesar » 02.07.2018, 18:05

Die Aussage war eher die, dass, sofern es Prüfer für diese Kata gibt, auch jemand in der Lage sein sollte, diese Kata zu beizubringen, wie sonst sollte man diese bewerten, wenn man den Inhalt nicht kennt.
Einen wirklichen Lehrer zu finden, ist immer schwer, Anregungen bei jemandem holen, der die Abläufe kann, hingegen ist einfach. Zur Kime-no-kata gibt es das Kodokan-Video als Vorlage sowie unzählige Katawettkämpfe, zu den Formen der Gonosen-no-kata gibt es auch viele Vorlagen, am Material scheitert es in keinem Fall.

Generell rate ich aktiven oder ehemaligen guten Wettkämpfern zu einer Gonosen-no-kata, die Wahl hier abhängig von ihrem Stand der Nage-no-kata und allgemeinen Hobbysportlern zur Kime-no-kata, sofern es nur darum geht, die Prüfung zu bestehen. Oberhalb des zweiten Dans wird es in den kleinen Landesverbänden meinem Gefühl nach recht schwer, im Bereich Kata durchzufallen, da die Kenntnisse der Prüfer hier geringer sind und sie diese seltener sehen.

Das Programm zum 3. Dan ist aus meiner Sicht das schwächste des aktuellen Danprogramms. Das Programm ist sehr offen, wovon ich eigentlich ein Freund bin, aber die Vorgaben können sehr einfach erfüllt werden, sofern die Prüfer da nicht in der Vorbereitung eine höhere Schranke vorgeben.

tutor!
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Re: Auswahl der Kata für den 3. Dan

Beitrag von tutor! » 02.07.2018, 18:32

Ich finde die Quellenlage zur Kime-no-Kata deutlich umfassender als zu Gonosen-no-Kata (egal in welcher Variante, wobei ich mich innerlich und äußerlich weigere Nage-waza-ura-no-Kata als Gonosen-no-Kata zu bezeichnen).

Gonosen-no-Kata - wie sie in Europa in den vergangen Jahrzehnten üblich war und ist - bietet einige nette Kontertechniken, aber für einen Wettkämpfer keine echte Herausforderung und auch nicht wirklich neue Einblicke in Judo. Natürlich kann jeder an seinen Techniken arbeiten und diese verbessern, aber dafür bietet diese Kata nicht soooo großes Potential.

Nage-waza-ura-no-kata wird dann interessant, wenn man tiefere Kenntnisse der Nage-no-kata hat. Dann ist diese Kata ziemlich interessant - sonst eher weniger. Im Kontext von Dan-Prüfungen verbleibt es oft jedoch bei etwas "merkwürdigen" Kontertechniken, die man mal macht oder eben auch nicht.

Kime-no-Kata zu lernen dürfte am aufwändigsten für Dich sein - aber auch die meisten neuen Einblicke und Impulse geben. Wenn es Dir aber nur darum geht - wie bei den meisten Leuten - die Kata "prüfungstauglich" zu beherrschen, um sie dann nicht wieder zu machen, hast Du auch nicht wirklich etwas davon. Kime-no-Kata macht dann erst richtig Spaß, wenn die Aktionen automatisiert sind und dann wirklich mit "kime" ausgeführt werden. Der Kontrast zwischen Gelassenheit und urplötzlicher max. Intensität ist der eigentliche Reiz der Kata. Das zu erleben, setzt aber einige Jahre Training voraus.

Ist Deine Entscheidung. Vielleicht hilft es Dir ja, wenn Du Dich einmal ein paar Wochen an der Kime-no-Kata versuchst. Für einen Einblick sollte es reichen, dann bist Du schlauer.
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Welche Kata soll ich wählen?

Beitrag von HBt. » 03.07.2018, 10:51

NDS
https://www.njv.de/fileadmin/Dokumente/ ... 3_2017.pdf

DJB
https://www.judobund.de/fileadmin/_horu ... ai2011.pdf

Mecklenburg-Vorpommern
http://www.jvmv.de/
(Vorbereitungslehrgänge sind bei Euch ganz schön saftig, 2*150€ _plus 80€ _plus Fahrtkosten, etc. pp. ---> für den 1. und 2. Dan ... wie sieht es beim 3., 4. u. 5. Dan aus?)

Hallo Fettzi,
wenn Du gerne wirfst und /oder gerne geworfen wirst, dann ist Deine Frage leicht zu beantworten: die DJB-Variante der Gonosen no kata oder eine auf M. Kawaishi basierende, französische Form.
Spiele doch einfach einmal mit den unterschiedlichen Formen herum, dann sollte Dir und Deinem Partner (PartnerIn) die Wahl leicht fallen - je nachdem 'wo' Ihr euch wohler und sicherer fühlt.

Nach der Prüfung wirst Du diese Kata wahrscheinlich eh wieder abhaken, dann kommt der Zeitpunkt irgendwann ganz von alleine und Du wirst die Kime no kata wenigstens einmal ausprobieren wollen ;-).

Mich interessiert, was die Prüfer in Deinem LV von Dir wollen, sehen wollen. In Niedersachsen wird zum Beispiel gar keine Gonosen no kata mehr akzeptiert, sehen möchte man die Kime no kata oder die Nage waza ura no kata, aber keine Gonosen no kata (entgegen der DJB-Vorgabe).

Welche Kata passt zum restlichen Prüfungsprogramm?

Welche Kata passt zu Dir 'Fettzi'?

Material zum Selbststudium existiert in rauen Massen. Ein nicht zu vernachlässigender Punkt spricht für die Kime no kata ---> Ihr (das Paar) könntet erfolgreich im nächsten Jahr damit starten
und Erfahrungen im Bereich der Katameisterschaften sammeln:
DKM 2019, als Starter für Euren Landesverband.

Viel Erfolg bei Deiner Prüfung,
HBt.
tutor! hat geschrieben: Der Kontrast zwischen Gelassenheit und urplötzlicher max. Intensität ist der eigentliche Reiz der Kata. Das zu erleben, setzt aber einige Jahre Training voraus.
Aber das ist gerade der Punkt, der die Angelegenheit so geil macht -> alles beginnt mit der reinen Mechanik. Spürt man selbst schon den 'Kontrast', hat sich bereits ein neues Niveau eingestellt.

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Re: Auswahl der Kata für den 3. Dan

Beitrag von Fettzi » 03.07.2018, 11:35

Vielen Dank für die Antworten, Meinungen und Links. Da war beim ersten Sichten schon einiges dabei, was mir weiterhelfen wird.

Ja Hbt. ich denke du hast recht, wenn du sagst, dass ich mich nach dieser Prüfung nicht großartig weiter mit dieser Kata beschäftigen werde. Mein Hauptfokus im Judo liegt momentan noch woanders. Ich möchte die Dan-Prüfung vorrangig als Instrument dafür nutzen, mich mal wieder etwas abseits meiner Haupttätigkeit zu bewegen, etwas neues zu lernen und nicht einzurosten.
Ich hoffe, ihr könnt diese Einstellung nachvollziehen.

Ich werde erstmal noch zwei wichtige Prüfungen schreiben und ab nächster Woche werde ich mal etwas tiefer eintauchen und mich entscheiden.

HBt.
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Prüfung

Beitrag von HBt. » 03.07.2018, 11:43

Ich kann Deine Situation, Ansichten und Prioritäten voll und ganz nachvollziehen.

Stresse Dich nicht, berate Dich mit den möglichen Prüfern bzgl. der Gonosen no kata (und Deinem Partner). Das ist das vernünftigste (und sicherste) Vorgehen, anschließend machst Du einen Haken an
den Passeintrag -> sobald Deine Lebenssituation es zulässt, kannst Du bewusst NEULAND betreten und Dich voll und ganz auf eine andere Tiefe /Qualität konzentrieren.

Den 3. Dan muss man pragmatisch sehen, ruhig mit dem Anspruch guter Qualität ;-).

Gruß,
HBt.

caesar
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Re: Auswahl der Kata für den 3. Dan

Beitrag von caesar » 03.07.2018, 17:25

Fettzi hat geschrieben:
03.07.2018, 11:35
Mein Hauptfokus im Judo liegt momentan noch woanders
Abhängig vom aktuellen Hauptfokus dann als aktiver Wettkämpfer oder Wettkampftrainer eine Form der Gonosen-no-kata (Nage-waza-ura-no-kata einmal eingeschlossen) und als Trainer einer Hobbygruppe die Kime-no-kata.

Wie tutor! schon schrieb, werden die Kata, eigentlich alle Kata, erst nach den entsprechenden Prüfungen interessant. Der Zugang zu einer Form der Gonosen-no-kata ist deutlich leichter, für die Prüfer in dem Fall aber auch einfacher, mögliche Fehler zu sehen oder ausfindig zu machen, als bei Kata, die etwas exotischer im Prüfungsalltag sind und zu denen es weniger Vergleichsmaterial gibt.

Wie ich schon schrieb, stellt meiner Meinung nach das Programm zum Sandan überhaupt keine Hürde da, sofern es nur um das Bestehen der Prüfung geht. Allerdings kann man das Programm auch sehr anspruchsvoll gestalten, weil es so offen geschrieben ist.

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Re: Auswahl der Kata für den 3. Dan

Beitrag von Fettzi » 03.07.2018, 19:44

Hallo Caesar,
da du meinen Fokus aus dem echten Leben kennst, danke ich dir für deine Tipps.
Ich denke, meine Verbindung zum Wettkampf ist doch größer, als zur Selbstverteidigung. Ich werde mich ab nächste Woche mal an beiden Katas probieren, aber ich habe nun doch eine Tendenz.
Vielen Dank!

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Re: Auswahl der Kata für den 3. Dan

Beitrag von Lileu » 04.07.2018, 09:07

Wie sieht es eigentlich mit der Nanami no Kata aus? Meines Wissens nach kann auch diese gezeigt werden. Wird diese denn aktuell auf Prüfungen gezeigt?

tutor!
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Re: Auswahl der Kata für den 3. Dan

Beitrag von tutor! » 04.07.2018, 09:59

Lileu hat geschrieben:
04.07.2018, 09:07
Wie sieht es eigentlich mit der Nanami no Kata aus? Meines Wissens nach kann auch diese gezeigt werden. Wird diese denn aktuell auf Prüfungen gezeigt?
Oh, oh - ich hab Mist gebaut..... anstatt auf Zitat zu klicken, habe ich "Bearbeiten geklickt".. ich hoffe, ich konnt wieder alles korrigieren...

Irgendwann ist irgendwer - es wird sich wohl nicht mehr ermitteln lassen - auf die Idee gekommen, dass man doch dann, wenn ohnehin schon eine beliebige "Version" der Gonosen-no-Kata oder eine eigene Kata mit Kontertechniken zeigen durfte (das war ein einer älteren Form der Dan-PO verankert) man auch die "Hirano-Kata" zeigen durfte, da diese eine "Gonosen-no-Kata" sei. So landete sie in einer Klammerbemerkung in der PO...

Meines Wissens (und zum Glück) hat das wohl niemand so gemacht.

Mit der Neufassung der Dan-PO vor einigen Jahren sollte dann dem Wildwuchs an Nicht-Kodokan-Kata und eigenen Erfindungen/Varianten ein Ende gesetzt werden. Da aber eine Kata-mit Gegenwurftechniken erhalten bleiben sollte, kam der Vorschlag auf, Nage-waza-ura-no-Kata verbindlich für alle zu machen, da eine Nachfrage beim Kodokan ergeben hatte, dass dort eine Gonosen-no-Kata (nahezu vollkommen) unbekannt war, jedoch ab und zu im Kodokan (nicht durch den Kodokan, sondern in zur Verfügung gestellten Dojo) diese Kata geübt und vermittelt wurde. Eine weitere Anlaufstelle war ein kleines Dojo etwas 20 min Fußmarsch vom Kodokan. Zum damaligen Zeitpunkt hatten gerade einmal eine Handvoll deutscher Judoka ein paar Nachmittage/Abende mit dieser Kata unter Anleitung verbracht.

Die Idee, eine größere Klarheit über das zu Zeigende zu schaffen, war sicherlich richtig, jedoch war es äußerst fragwürdig, eine Form zu wählen, die außer einer Handvoll Leuten, die damit mit einem Schlag zu DEN Experten für diese Kata geworden wären. Aus diesem Dunstkreis war eine Veröffentlichung geplant, die sich aber zerschlagen hat, nachdem der Nachweis erbracht worden war, dass keinesfalls ein in der vermuteten Detailtiefe - man kannte letztlich nur einen Lehrer und übte dessen Interpretation - vorhanden war.

Näheres: http://www.zimm-er-mann.de/judo/_downlo ... o-Kata.pdf
https://www.researchgate.net/publicatio ... techniques

Zurück zur Ausgangsfrage: Das Ziel war eine Verbindlichmachung der Nage-waza-ura-no-Kata. jedoch scheiterte dies letztlich an..... der Rensa-no-Kata. Wie kann das? Man wollte ALLE Dan-Grade jeweils eine oder eine alternative Kodokan-Kata verbindlich machen, also auch die Katame-no-Kata für den 2. Dan. Dies scheiterte am Widerstand von Bayern, die ihre "Sonderkirsche" hätten aufgeben müssen. Von daher findet sich irgendwo in den Tiefen der Bestimmungen die Formulierung "nach den Vorgaben des Landesverbands" und damit eine Öffnungsklausel.

In NRW gilt z.B. eindeutig, dass Nage-waza-ura-no-Kata und nichts anderes zu demonstrieren ist. Dazu gibt es aber auch entsprechendes Material, das erstellt wurde. Außerdem wurden die Dan-Prüfer regelmäßig geschult.
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Lileu

Beitrag von HBt. » 04.07.2018, 10:15

Alles richtig, aber was soll es?

Wenn 'Fettzi' unbedingt eine verbindliche Kodokan-Kata demonstrieren möchte, dann muss er die Kime no kata akzeptieren. Besser zum Programm und der Stufe (und auch zu 'Fettzi', wie er selbst schreibt) passt auf jeden Fall eine Gonosen no kata - letztendlich ist es egal, wenn die Stufe eh nur ein Sammelsurium darstellen sollte.

Was möchten denn die Prüfer in Mecklenburg-Vorpommern gerne sehen?

In NDS sieht das Ergebnis manchmal so aus (und das war für eine Prüfungssituation doch gar nicht so schlecht ;-) ):


Eine Gonosen no kata (nach französischem Vorbild) könnte so aussehen:


Oder so, eine niederländische Ausführung:


Die DJB-Variante aus der Bewegung, ähnlich der Nage no kata:




Man muss das Beste aus einer gegebenen Situation machen.

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Tokio Hirano

Beitrag von HBt. » 04.07.2018, 10:49

... steht für etwas ganz Anderes, Lileu!



Als Alternative zum tradierten Programm des 3. Dan, reichen alleine schon die Kaeshiwaza nicht aus - es sind zu wenig.
Hirano verdeutlicht und illustriert andere Prinzipien, seine Kata passt als Gonosen no kata einfach nicht in das gewachsene und häufig ausgebesserte Programm.

Will man alte Zöpfe abschneiden, dann ist die Nage waza ura no kata (sowie als alternativer Prüfungsposten die Kime no kata) dafür sehr gut geeignet.





Ich glaube, wir haben in diesem Forum schon häufiger Grundsatzdebatten zu diesen Ansichten geführt. In meinen Augen sollte der Prüfling ruhig die freie Wahl haben. Wünschen würde ich mir allerdings die Beidseitigkeit.

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Als Alternative ...

Beitrag von HBt. » 04.07.2018, 11:10

für die Katame no kata, stehe ich persönlich der Rensa no kata nicht mehr skeptisch gegenüber - im Gegenteil, heute gefällt sie mir gut:



Wie soll man mit dieser Vielfalt im Prüfungswesen umgehen? Der DJB hat sich das Kodokan-Judo auf die Fahne geschrieben, damit ist alles eindeutig festgelegt - wir orientieren uns an der Marschroute des Kodokan. Wesentlich sind derlei Fragestellungen eigentlich nur im Bereich des Breitensportes.

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Re: Auswahl der Kata für den 3. Dan

Beitrag von tutor! » 04.07.2018, 11:53

Danke für das Raussuchen und Posten der Videos.

Für mich ist an DIESER STELLE allerdings nicht die Frage, was es alles für Möglichkeiten gibt und ob man Prüflingen „Freiheiten“ lassen sollte. Gerade diese „Freiheiten“ werden aus meiner Sicht oft exterm unglücklich ins Spiel gebracht und diskutiert.

Wenn man ein Prüfungsprogramm erstellt, dann muss man in erster Line dafür Sorge tragen, dass zwischen Prüfern, Prüflingen und den Ausbildern der Prüflinge keine Missverständnisse bestehen, sondern dass zumindest die Ausbilder und die Prüfer dasselbe unter denselben Aufgaben/Begriffen verstehen.

„Freie“ Aufgabenstellungen bedingen naturgemäß das Problem, dass es unterschiedliche Vorstellungen darüber gibt, wie die Aufgabenerfüllung aussehen soll. Ober mit anderen Worten: es fehlen oft transparante Kriterien. Das spricht nicht vollkommen gegen freie Aufgabenstellungen, aber wenn man sie macht/zulässt, dann muss auch auf für die notwendige Transparenz sorgen.

Zum Thema Kodokan-Judo: Der DJB hat sich zwar das Kodokan-Judo auf die Fahnen geschrieben, im Prüfungswesen sind wir davon aber meilenweit entfernt....
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Kata (und Programme) für den 3. Dan

Beitrag von HBt. » 04.07.2018, 12:05

^
Ich verstehe und unterstütze Deine Argumentation voll und ganz. An diesem Arbeitspaket muss weiterhin mit viel Engagement gearbeitet werden. Ein abschließendes Video möchte ich noch zum Thema Gonosen und
dem Werkzeug sowie der Hausaufgabe KATA verlinken:



Auch noch ein Satz zu modularen Prüfungen; denkt man nämlich den modularen Ansatz einmal zu Ende, dann sprechen alle Argumente für eine schrittweise, bzw. paketweise Bearbeitung und Prüfung - und nicht dagegen.
Viele Jahre war ich ein überzeugter Gegner von Modulprüfungen; heute nicht mehr, denn mit dem richtigen Konzept ist diese Umsetzung qualitativ unschlagbar.


In meinen Augen benötigen wir mehr Stützpunkte, offen für freies Training und dem gegenseitigen Austausch.


HBt.

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Als Orientierungshilfe ...

Beitrag von HBt. » 04.07.2018, 12:43

tutor! hat geschrieben:Wenn man ein Prüfungsprogramm erstellt, dann muss man in erster Line dafür Sorge tragen, dass zwischen Prüfern, Prüflingen und den Ausbildern der Prüflinge keine Missverständnisse bestehen, sondern dass zumindest die Ausbilder und die Prüfer dasselbe unter denselben Aufgaben/Begriffen verstehen. (...)
wünschte ich uns allen eine DJB-Beispielprüfung als umfangreiches Videomaterial. Je verkopfter und freier die offiziellen Formulierungen sind, desto weniger schnallt der Prüfling was man von ihm verlangt. "PRINZIPIEN der Bodentechniken" mag man doch gerne einmal eindeutig formuliert wissen, klipp & klar ;-).

#
Zehn Minuten referiere ich über das Halten, das Hebeln, das Würgen, das Befreien ganz allgemein und speziell, in der Summe mit zwölf Aufhängern, wirklich :eusa_think. Die Erläuterungen zur Anwendungsaufgabe lesen sich ebenfalls nicht
besser, weitere zehn Minuten sind gefordert - so etwas kann man sehr gut einmal nebenbei abprüfen ...

Im Grunde genommen könnte man Dan-Prüfungen /Graduierungen als einen periodischen Prozess auffassen und im Jahresverlauf ebenso handhaben /verankern wie Trainerausbildungen - mit festen Ausbildungsterminen, nicht nur an drei Wochenenden sondern ganzjährig mit festen Übungs, Ausbildungs - u. Prüfungszeiten.

„Freie“ Aufgabenstellungen bedingen naturgemäß das Problem, dass es unterschiedliche Vorstellungen darüber gibt, wie die Aufgabenerfüllung aussehen soll. Ober mit anderen Worten: es fehlen oft transparante Kriterien. Das spricht nicht vollkommen gegen freie Aufgabenstellungen, aber wenn man sie macht/zulässt, dann muss auch auf für die notwendige Transparenz sorgen.
Unbedingt.

Blöd bei alledem ist die Tatsache das man die Lösung der Aufgabe(nstellung) gleich mitliefert. Die Frage ist und bleibt: was prüfe ich eigentlich? Prüfen möchte ich die individuelle Entwicklung und den derzeitigen Stand, abgleichend mit dem Stufenmodell. Als Alternative könnte man auch LIZENZEN vergeben, wenn man darüber nachdenkt was man als Lizenzgeber (DJB -> LV -> Nutzer /Nehmer) denn nun wirklich möchte.

Wir machen Kodokan-Judo, also sind wir an das Klassen- u. Stufenmodell gebunden. Was auch immer dieses (im Einzelfall) bedeutet /bedeuten kann?


Einigkeit wird man niemals erzielen können. Für Transparenz kann man allerdings sorgen - die meisten Referenten werden dieses bundesweit auch tun.



##
Hier noch das Skript /Handout von Stefan Franke zur DJB-Version:
http://www.sfranke.net/docs/Gonosen-No-Kata.pdf

Das DJB-Lehrvideo (auch als DVD) gab es früher bei http://www.judo-lehrmedien.de/ käuflich zu erwerben.


###
Der DJB hat sich zwar das Kodokan-Judo auf die Fahnen geschrieben, im Prüfungswesen sind wir davon aber meilenweit entfernt....
Magst Du für diese Feststellung kurz einige Beispiele (aus Japan) geben?

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