Kriterien für Graduierungen

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Kriterien für Graduierungen

Beitrag von tutor! » 14.03.2012, 16:40

MOD: diese Diskussion wurde aus einem anderen Faden ausgelagert, nachdem dort einmal mehr das Grundverständnis einer Graduierung thematisiert wurde (ab etwa hier: http://dasjudoforum.de/forum/viewtopic. ... 737#p65737).
--------- Ende MOD ------


Mal zwischendrin zur Erinnerung die Graduierungsregeln des Kodokan von 1923 (zitiert und übersetzt aus Bennett, 2009, S. 116)

„Die Entscheidung über eine Graduierung basiert auf dem Charakter des Kandidaten, seinen Fertigkeiten in Kata und Randori, Wissen über Jūdō, Teilnahme am Jūdō-Training, Ergebnisse im Jūdō usw. Die Beurteilung der Kandidaten geschieht auf der Basis der folgenden Kriterien:
  • wenn ein Kandidat charakterliche Mängel aufweist, wird er nicht graduiert, auch wenn er andere Bedingungen erfüllt,
  • bei Kandidaten, die einen guten Charakter besitzen, fleißig trainieren, die das durch Jūdō Gelernte im täglichen Leben anwenden und durch Jūdō Fortschritte gemacht haben, können hierdurch bis zu einem gewissen Grade technische Defizite ausgeglichen werden,
  • die Bewertung der Jūdō-Techniken berücksichtigt besonders Haltung, Balance und Sicherheit bei der Ausführung,
  • In Bezug auf das Wissen über Jūdō müssen Kandidaten für den 1. Dan oder höher ein sicheres Verständnis der Theorie der Jūdō-Techniken nachweisen und demonstrieren, welche Bedeutung dies in ihrem Jūdō hat.“
[/i]

Die Sache mit dem Charakter, der geistigen Reife usw. waren also ganz zentrale Punkte zu Kanos Lebzeiten - so wichtig, dass sogar technische Defizite ausgeglichen werden konnten aber keines falls charakterliche Defizite durch technisches/kämpferisches Können ausgeglichen werden kann.

Dass dies in der Praxis große Probleme bereitet ist natürlich vollkommen unstrittig. Aber man muss erst einmal zur Kenntnis nehmen, wie Kanos Konzeption aussah.

Diese sah übrigens für Kinder separate Graduierungen vor. Ursprünglich gab es vor dem 1. Dan drei Ränge (hei, otsu und kô). Als dann aber immer mehr Kinder Judo machten, verdoppelte Kano deren Anzahl um schließlich ab 1923 zwischen Kindergraden und Erwachsenengraden zu unterscheiden.
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Re: Prüfstempel für Kyuprüfer

Beitrag von judoka50 » 14.03.2012, 16:47

@Tutor -
Die Sache mit dem Charakter, der geistigen Reife
Nicht dass früher alles anders war - aber allein dabei sehe ich bei der Mehrheit der Kinder- und Jugendlichen große Probleme.
Da hilft auch keine Volljährigkeit mit 18 und Braungurt steht dann bei vielen in den Sternen.
Mal so meine Judokindheit mit dem heutigen Klientel verglichen - und nun bin ich weg, genau um wieder mal zu versuchen, das beste aus dem mir heute wieder Gebotenen zu machen.
Viele Grüße
U d o

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Re: Prüfstempel für Kyuprüfer

Beitrag von Makikomi Kid » 14.03.2012, 16:47

Und hier bitte auch noch auflisten, dass das Mindestalter 14 ist, aber bei guten Leuten auch schon mit 13 der Shodan vergeben werden kann. Siehe Kodokan Webseite.
Der nächste Schritt wäre das Aufzählen von recht jungen Judoka mit Graduierungen im Bereich um den 4.Dan herum aus früheren Zeiten.. aber ich denke, das können wir uns sparen.

Wir merken uns "Ein Shodan ist ein Meister, von gutem Charakter und sehr fleissig, der ein sicheres Verständnis für die Theorie hat und bereits ein eigenes Judo entwickelt hat."
:D
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Re: Prüfstempel für Kyuprüfer

Beitrag von caesar » 14.03.2012, 17:05

Wobei sich mir immer wieder die Frage stellt, wie Mifune zum 10.Dan kommen konnte, der hat sich doch häufiger mal in Bars rumgeprügelt. Das ist doch eindeutig ein Zeichen von charakterlichen Defiziten. Wie konnte er dann zum 10.Dan kommen, wenn der Charakter doch wichtiger als die Technik war?

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Re: Prüfstempel für Kyuprüfer

Beitrag von Makikomi Kid » 14.03.2012, 17:11

Evtl. ist "sich betrunken in Bars prügeln" gar kein charakterlicher Mangel? Sondern zeugt vom Fleiss immer und überall trainieren zu wollen?
Zuletzt geändert von Makikomi Kid am 14.03.2012, 17:33, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Prüfstempel für Kyuprüfer

Beitrag von caesar » 14.03.2012, 17:23

Immerhin wendet er das im Judo gelernte im täglichen Leben an. Er pflegte ausserdem Kontakt zum Meister, der musste ihn ja wieder ausm Knast holen.
Dann stellt sich auch immer die Frage, wer denn den Charakter beurteilt und nach welchem Maßstab? Wer ist die moralische Instanz um dies zu beurteilen und wer hat diese Instanz erhoben?

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Re: Prüfstempel für Kyuprüfer

Beitrag von Makikomi Kid » 14.03.2012, 17:35

Evtl. sollte man auch Dan Grade aberkennen, wenn die Moral arg vernachlässigt wird. Also z.B. beim Leben in "Wilder Ehe" oder so. Geh ja gar nicht.
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Re: Prüfstempel für Kyuprüfer

Beitrag von tutor! » 14.03.2012, 18:08

caesar hat geschrieben:Wobei sich mir immer wieder die Frage stellt, wie Mifune zum 10.Dan kommen konnte, der hat sich doch häufiger mal in Bars rumgeprügelt. Das ist doch eindeutig ein Zeichen von charakterlichen Defiziten. Wie konnte er dann zum 10.Dan kommen, wenn der Charakter doch wichtiger als die Technik war?
Irgendwas stimmt wohl nicht:
  • die Regelungen - obwohl der Wortlauf ja eindeutig ist und was diese Punkte betrifft immer noch Bestand hat.
  • die Handhabung dieser Regelungen: vielleicht haben sie sich selber nicht dran gehalten?
  • die Berichte über Mifune - vielleicht tut man dem Mann ja Unrecht?
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Re: Prüfstempel für Kyuprüfer

Beitrag von Fritz » 14.03.2012, 18:42

CasimirC hat geschrieben:Der Begriff "Meistergrad" mag vielleicht nur landläufig zutreffen und der eigentlichen Bedeutung des Dan nicht gerecht werden, doch muss es ja einen Unterschied zwischen Kyu- und Dan geben.

Ich vergleiche es für mich mit der beruflichen Ausbildung. Als Meister eines Berufszweigs hat man eine Meisterprüfung abgelegt und damit unter Beweis gestellt, dass man die Grundlagen des Berufs drauf hat und sich weiteres Wissen selber aneignen kann. In ungefähr diesem Rahmen sehe ich den Dan-Grad, und in diesem Sinne ist der Shodan der unterste Meistergrad und der Träger somit noch weit entfernt von einer Vervollkommung seines Wissen.
Auch wenn ich mich hier mal wiederhole, der Vergleich ist gut, nur geht er so:

Kyu (= Klasse) -> Schule, Lehrling

Shodan (初段 http://wadoku.de/index.jsp?search=searc ... D%E6%AE%B5
Das erste Zeichen ist auch das vom "Hajime" ) --> Gesellenprüfung bestanden.

Danach kommen die "Wanderjahre", also das selbständige Weiterbilden usw.

Als handwerkliche "Meister" würde ich dann Leute mit dem "Kohaku Obi",
also ab 6. Dan aufwärts ansehen.

Meister bilden aus.

Das Problem bei uns ist: Es gibt zu wenig Meister in diesem Sinne.

Also wird wie im Handwerk auch oft üblich,
die tatsächliche Ausbildung der Lehrlinge von älteren Lehrjahren und Gesellen übernommen.
Alles kein Problem, solange der Geselle nicht denkt, er wäre selbst ein Meister...
Mit freundlichem Gruß

Fritz

CasimirC
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Re: Prüfstempel für Kyuprüfer

Beitrag von CasimirC » 14.03.2012, 19:20

Fritz hat geschrieben:
CasimirC hat geschrieben:Der Begriff "Meistergrad" mag vielleicht nur landläufig zutreffen und der eigentlichen Bedeutung des Dan nicht gerecht werden, doch muss es ja einen Unterschied zwischen Kyu- und Dan geben.

Ich vergleiche es für mich mit der beruflichen Ausbildung. Als Meister eines Berufszweigs hat man eine Meisterprüfung abgelegt und damit unter Beweis gestellt, dass man die Grundlagen des Berufs drauf hat und sich weiteres Wissen selber aneignen kann. In ungefähr diesem Rahmen sehe ich den Dan-Grad, und in diesem Sinne ist der Shodan der unterste Meistergrad und der Träger somit noch weit entfernt von einer Vervollkommung seines Wissen.
Auch wenn ich mich hier mal wiederhole, der Vergleich ist gut, nur geht er so:

Kyu (= Klasse) -> Schule, Lehrling

Shodan (初段 http://wadoku.de/index.jsp?search=searc ... D%E6%AE%B5
Das erste Zeichen ist auch das vom "Hajime" ) --> Gesellenprüfung bestanden.

Danach kommen die "Wanderjahre", also das selbständige Weiterbilden usw.

Als handwerkliche "Meister" würde ich dann Leute mit dem "Kohaku Obi",
also ab 6. Dan aufwärts ansehen.

Meister bilden aus.

Das Problem bei uns ist: Es gibt zu wenig Meister in diesem Sinne.

Also wird wie im Handwerk auch oft üblich,
die tatsächliche Ausbildung der Lehrlinge von älteren Lehrjahren und Gesellen übernommen.
Alles kein Problem, solange der Geselle nicht denkt, er wäre selbst ein Meister...
Okay, diese Argumentation ist schlüssig, danke hierfür!

Die Außenwahrnehmung, ob sie nun zutrifft oder nicht, ist jedoch eine etwas andere: Dan-Träger werden als Meister wahrgenommen und sollen daher dieser Rolle auch gerecht werden (vgl. Begleitskript zur Dan-PO des DJB). Daraus lässt sich ableiten, dass Träger des 1. Kyu ebenfalls unter allen Kyu-Trägern eine etwas hervorstechende, ihrer Dan-Anwartschaft entsprechende Rolle einnehmen sollen, gerade im 'gewöhnlichen' Training in kleinen Judo-Vereinen oder Gruppen.
Ich bleibe der Meinung, dass ein Kind dieser Rolle nicht gerecht werden kann.
Theorie: Wenn alle wissen, wie es geht, und es geht nicht.
Praxis: Wenn es geht, und keiner weiß, warum.

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Re: Prüfstempel für Kyuprüfer

Beitrag von califax » 14.03.2012, 20:37

caesar hat geschrieben:Wobei sich mir immer wieder die Frage stellt, wie Mifune zum 10.Dan kommen konnte, der hat sich doch häufiger mal in Bars rumgeprügelt. Das ist doch eindeutig ein Zeichen von charakterlichen Defiziten.
Nö, ist es nicht. Zum einen gehören zu einer Schlägerei in der Regel mehr als einer und zum anderen gibt es durchaus unterschiedliche moralische Ansichten zum Kampf.
"To possess a high grade means nothing. Ever since martial arts were born, the grade of someone is what he can do in battle."
(Kacem Zoughari.)

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Re: Prüfstempel für Kyuprüfer

Beitrag von Makikomi Kid » 14.03.2012, 23:04

CasimirC hat geschrieben: Okay, diese Argumentation ist schlüssig, danke hierfür!

Die Außenwahrnehmung, ob sie nun zutrifft oder nicht, ist jedoch eine etwas andere: Dan-Träger werden als Meister wahrgenommen und sollen daher dieser Rolle auch gerecht werden
Wenn ich das recht verstehe, planst du eine Tätigkeit als Lehrer anzunehmen.
Solltest Du dann nicht bestrebt sein, Wissen zu verbreiten? Und falsche Annahmen durch Fakten zu ersetzen?
Oder gilt das nur dann, wenn diese Fakten nicht in irgendeiner Form deine Eitelkeit ankratzen können (sehet her, mich schmücket das gar dunkle Band der Meisterschaft!)?

Wenn du aus Eitelkeit den Irrglauben, dass ein schwarzer Gürtel ein Meistergrad wäre unterstützt, spricht dir das dann nicht genau diese Reife ab, die du von Dan-Trägern forderst?

Als Judo-Shodan hast du ja auch ein immenses Wissen über Judo angesammelt (wie oben ja auch klar durch die Anforderungen belegt), solltest du dann nicht mal... um... die Homepage eures Vereins ansehen, und die ganzen unhaltbaren Legenden durch belegbare Fakten ersetzen? Das Wissen selbst hast du ja bereits (bist ja Shodan), hast die entsprechenden Bücher über Judo gelesen (Judo Memoirs und Mind over Muscle als Grundlage) und kannst daher auch dem Verfasser des "Know-Hows" auf eurer Webseite gegenüber klar argumentieren, wo die Fehler stecken.

Geh als strahlendes Beispiel voran!
Klär die Leute auf!

Wenn du vorher evtl. noch etwas Wissen auffrischen oder vertiefen möchtest, dann gebe ich dir gerne die eine oder andere Empfehlung.
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Re: Prüfstempel für Kyuprüfer

Beitrag von CasimirC » 14.03.2012, 23:25

Ich antworte auf das Posting per PN, da es den Faden verlässt.
Theorie: Wenn alle wissen, wie es geht, und es geht nicht.
Praxis: Wenn es geht, und keiner weiß, warum.

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Re: Prüfstempel für Kyuprüfer

Beitrag von Fritz » 14.03.2012, 23:32

CasimirC hat geschrieben:Die Außenwahrnehmung, ob sie nun zutrifft oder nicht, ist jedoch eine etwas andere: Dan-Träger werden als Meister wahrgenommen und sollen daher dieser Rolle auch gerecht werden (vgl. Begleitskript zur Dan-PO des DJB).
Naja, ich glaub, da nehmen wir Judoka uns viel zu wichtig...
Außerdem ist die "Außenwahrnehmung" sehr marginal, ich meine, wer rennt schon mit 'nem Schwarzgurt auf der Straße rum ;-)
- im Ernst, den meisten Nicht-Judoka ist doch Kampfsport/Kampfkunst allgemein und Judo im besonderen völlig schnuppe...

Zu dem Begleitskript zur Dan-PO gab bei uns im Forum auch schon Diskussionen, nur weil da etwas drin steht, heißt
es ja nicht, daß es auch tatsächlich so sein muß ;-)
Mit freundlichem Gruß

Fritz

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Re: Prüfstempel für Kyuprüfer

Beitrag von caesar » 15.03.2012, 01:04

Der Faden läuft ja mittlerweile zweigleisig, ob man das trennen kann, müssen die Moderatoren entscheiden.
@tutor!:
Der Bericht über Mifune stammt von Feldenkrais, m.M.n eine vertrauenswürdige Quelle. Sind Regeln nicht da. um gebrochen zu werden? ;)
Ich möchte meine konkrete Frage hier noch einmal stellen: Wer erhebt die charakterliche Reife?
Als Zusatzfragen: Wie sind die Kriterien? Wie werden diese überprüft?
Dies scheint die wichtige Frage zu sein, die man klären muss, wenn schon 1923 die Regeln charakterliche Defizite als Grund anführten, jemanden nicht zu graduieren, dies aber doch getan wurde. (Zählt starker Alkoholkonsum auch dazu? Dann
wäre Kimura ja auch raus)

@CasimirC:
Nicht alles was kundgetan wird, stimmt auch. Bestes Beispiel:"Jigoro Kano wurde von Erwin Bälz dazu angehalten, alle gefährlichen Techniken aus dem Ju-jitsu zu entfernen und so die moderne Zweikampfsportart Judo zu erfinden." Häufig zu lesen, aber erwiesenermaßen falsch.
Auch im DJB-Skript stimmt nicht alles. Speziell auf die Kyu-PO bezogen das Prinzip Otoshi zum Beispiel, oder wie Ulrich Klocke im neuen Judomagazin nebenbei auch erwähnte, der Seoi-otoshi, der gar keiner ist. Es ist zu hoffen, dass immer häufiger die Fakten bekannt werden und auch verbreitet werden. Das passiert aber nicht, wenn gesagt wird: "Naja das war schon immer so und im allgemeinen wird das auch so gesehen"

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Re: Prüfstempel für Kyuprüfer

Beitrag von judoka50 » 15.03.2012, 06:38

Dann könnte man ja auch gleich noch Hirano dazu nehmen. Und wenn dann noch jeder mal noch ein wenig über seine Vorbilder nachdenkt ..... Alle makellos?
Da will ich mich bestimmt bei meinen Kid's u. U. auch nicht ausschließen, obwohl die Verhalten und Vorbild bestimmt noch anders definieren
Viele Grüße
U d o

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Re: Prüfstempel für Kyuprüfer

Beitrag von tutor! » 15.03.2012, 08:55

caesar hat geschrieben:Der Faden läuft ja mittlerweile zweigleisig, ob man das trennen kann, müssen die Moderatoren entscheiden.
Das habe ich ohnehin vor. Die Splittung sollte möglich sein.
caesar hat geschrieben:@tutor!:
Der Bericht über Mifune stammt von Feldenkrais, m.M.n eine vertrauenswürdige Quelle. Sind Regeln nicht da, um gebrochen zu werden? ;)
Feldenkrais ist als Wissenschaftler sicherlich eine Persönlichkeit, die man ernst nehmen sollte. Das schließt aber nicht aus, dass die ein oder andere Information von ihm oder die ihm zugeschrieben wird, falsch sein kann. Von daher stellen sich zwei Fragen: Wo, wann und wie ist es veröffentlicht und sind die Angaben in einen glaubwürdigen Kontext eingebettet? Und zweitens: Gibt es noch weitere, davon unabhängige Quellen, die dasselbe aussagen? Eine Quelle, auf die Du Dich mutmaßlich beziehst, kenne ich natürlich, aber es enthält sehr viele Ungereimtheiten, angefangen von der Jahresangabe (seines Treffens mit Kano) 1932, ein Jahr, an dem Kano gar nicht in Paris war. Dann soll Kano seine Stellung als Untersekretär im Erziehungsministerium genutzt haben, Mifune "aus der Patsche" zu helfen. Kano war zwar kurze Zeit im Erziehungsministerium tätig, aber das war bevor Mifune in den Kodokan eingetreten ist. Mein Vorschlag wäre den vollständigen Text von Feldenkrais in einem neuen Faden im Geschichtsforum zu posten und die angegebenen Fakten kritisch zu betrachten. M.W. gibt es auch von Kano Anmerkungen zu Feldenkrais, diese könnte man ebenfalls einfließen lassen.
caesar hat geschrieben:Ich möchte meine konkrete Frage hier noch einmal stellen: Wer erhebt die charakterliche Reife?
Als Zusatzfragen: Wie sind die Kriterien? Wie werden diese überprüft?
Dies scheint die wichtige Frage zu sein, die man klären muss, wenn schon 1923 die Regeln charakterliche Defizite als Grund anführten, jemanden nicht zu graduieren, dies aber doch getan wurde. (Zählt starker Alkoholkonsum auch dazu? Dann wäre Kimura ja auch raus)
Diese Frage folgt zwar aus dieser Regelung, es gibt aber keine mir bekannte Konkretisierung des Kodokan. Ich finde es allerdings vollkommen logisch und folgerichtig, die Graduierungen in einem System der u.a. geistig-moralischen Erziehung - das diesen Aspekt als seinen Wesenskern sieht - an diesen Punkten festmachen zu wollen. 1923 ist auch der Zeitraum, in dem seiryoku-zenyo / jita-kyo´ei als oberste Maximen und Kern des Kodokan-Judo definiert wurden. Wer das Konzept des Kodokan-Judo verstehen will, muss dies bei allen Fragen der Praktikabilität - Du sprichst die Probleme ja treffend an - erst einmal annehmen. Deine Fragen müsste man Kano stellen und ich persönlich wäre auf eine Antwort gespannt. Ich kann sie aber nicht für ihn geben.

Für Deutschland ist es aber so, dass die "charakterliche Seite" kein Graduierungskriterium ist, sonst stünde es ja in den betreffenden Ordnungen.
caesar hat geschrieben:@CasimirC:
Nicht alles was kundgetan wird, stimmt auch. Bestes Beispiel:"Jigoro Kano wurde von Erwin Bälz dazu angehalten alle gefährlichen Techniken aus dem Ju-jitsu zu entfernen und so die moderne Zweikampfsportart Judo zu erfinden." Häufig zu lesen, aber erwiesenermaßen falsch.
Auch im DJB-Skript stimmt nicht alles. Speziell auf die Kyu-PO bezogen das Prinzip Otoshi zum Beispiel, oder wie Ulrich Klocke im neuen Judomagazin nebenbei auch erwähnte, der Seoi-otoshi, der gar keiner ist. Es ist zu hoffen, dass immer häufiger die Fakten bekannt werden und auch verbreitet werden. Das passiert aber nicht, wenn gesagt wird: "Naja das war schon immer so und im allgemeinen wird das auch so gesehen"
Einige Beispiele von vielen. Es gibt innerhalb des DJB große Anstrengungen, Dinge, die früher unglücklich oder falsch gelehrt wurden, zu korrigieren. Das dauert seine Zeit, aber es passiert. Die zu beklagende Tendenz, an den Dingen festhalten zu wollen, die man glauben möchte, gibt es innerhalb wie außerhalb des DJB. Ich sehe aber gerade in "CasinirC" jemanden, der hier sehr aufgeschlossen ist.

Von daher ist eine umfassende Quellenkritik erforderlich, die aber alle Quellen - unabhängig woher sie stammen und für wie glaubwürdig man die Personen halten möchte - einschließen muss. Das ist dann noch einmal die Kurve zu den Angaben von Feldenkrais über Mifune.
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Sekundärquellen

Beitrag von HBt. » 15.03.2012, 09:36

Nicht alleine Feldenkrais (im Überblick, das Interview) muss kritisch betrachtet werden, sondern auch Harrison (the fighting spirit of...).

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Re: Prüfstempel für Kyuprüfer

Beitrag von Olaf » 16.03.2012, 19:45

CasimirC hat geschrieben:Die Außenwahrnehmung, ob sie nun zutrifft oder nicht, ist jedoch eine etwas andere: Dan-Träger werden als Meister wahrgenommen und sollen daher dieser Rolle auch gerecht werden (vgl. Begleitskript zur Dan-PO des DJB).
Die Außenwahrnehmung von verschiedenen Aspekten des Judo ist, wie wir alle wissen, extrem fehlerhaft. So kommt es sehr häufig vor, dass man nur erwähnt das man Judo betreibt und das Gegenüber unwillkürlich eine Art selbstgestalteter Schlaghaltung annimmt oder Handkantentechniken nachahmt. Man ist dann stets bemüht, diesen Eindruck zu korrigieren und erklärt dem Gegenüber, was Judo wirklich ist (sein sollte).

Wenn aber das Gegenüber bei der Erwähnung einer Dan-Graduierung ehrfurchtsvoll wird, dann scheint es sich schon lange eingebürgert zu haben, den Eindruck dieser fälschlich wahrgenommenen Meisterschaft eben nicht zu korrigieren, sondern dies so hinzunehmen (vielleicht auch weil es der eigenen Eitelkeit schmeichelt).

Und mittlerweile hat sich dieser Eindruck der "Meisterschaft" bei Erreichen der Dan-Graduierung auch innerhalb der Gemeinschaft der Judotreibenden so sehr verselbständigt, dass dies eben nicht nur von außen, sondern auch von innen so wahrgenommen wird. Nach meiner Ansicht ist dies jedoch eine Fehlentwicklung und sollte von uns Judotreibenden auch entsprechend kommuniziert werden.

Ich zumindest bemühe mich darum, dies meinen Trainingsteilnehmern und auch Laien im Gespräch ebenso zu vermitteln, wie es mit der Kette Kyu-Grade (Lehrling) => 1. bis 5. Dan (Geselle) => ab 6. Dan (Meister) anschaulich zu machen ist.

Olaf
Immer wieder muß das Unmögliche versucht werden,
um das Mögliche zu erreichen

Derjenige, der sagt „Es geht nicht“, soll denjenigen nicht stören, der es gerade tut.

Jeder kann unter http://www.obernkirchenraptors.de mehr über uns erfahren.

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Re: Kriterien für Graduierungen

Beitrag von kastow » 17.03.2012, 09:38

Im Unterschied zum Handwerk kann im DJB der sechste Grad aber nicht durch Prüfung erworben werden. Ich persönlich nutze, wenn ich mich überhaupt durch mein Gegenüber auf die Bezeichnung "Meister" einlassen muss, diesen bereits ab fünftem Dan, da dann alle im DJB möglichen Prüfungen bestanden sind. Damit kämen wir aber wieder zur Diskussion, ob nicht doch die Dan-PO überarbeitet werden muss und eine Prüfung bis (mindestens) zum sechsten Dan Sinn macht.

Im Übrigen benutze ich persönlich lieber den Vergleich mit dem Schul- und Studienwesen als dem Handwerk, was Jûdô als Erziehungssystem meines Erachtens besser beschreibt:
  • Grundschule: achter bis fünfter Kyu
  • Sekundarstufe 1: vierter bis erster Kyu
  • Abitur / Sekundarstufe 2: erster bis zweiter Dan
  • Bachelor: dritter bis vierter Dan
  • Master: fünfter Dan
Die höheren Grade entsprächen dann Doktoren- und Professoren-Titeln.

EDIT: Rechtschreibung
Zuletzt geändert von kastow am 17.03.2012, 10:15, insgesamt 1-mal geändert.
Herzliche Grüße,

kastow

Since the establishment of Kôdôkan jûdô, jûdô has become something that should be studied not only as a method of self-defence but also as a way of training the body and cultivating the mind. (Jigorô Kanô: MIND OVER MUSCLE)

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