neue Kyu-Prüfung ab 2022

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Julian
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Re: neue Kyu-Prüfung ab 2022

Beitrag von Julian »

Judo im Verein habe ich zwar nur von 1980-1986 und dann nochmal 2012/13 gemacht. Seit 1986 habe ich aber im TKD bis ca. 2005 die Veränderungen in der Prüfungsordnung verfolgt, und insgesamt auch in vielen anderen Kampfkünsten die Einführung und Änderungen von irgendwelchen Graduierungssystemen miterlebt.
Die Probleme sind m. M. n. immer die gleichen:

- In den großen Verbänden sind oftmals Funktionäre tätig, die sportlich/kampfkunst-mäßig eher im Mittelfeld anzusiedeln sind.
- Es wird vorrangig versucht, Mitglieder zu gewinnen.
- Man meint, man könne durch Prüfungsordnungen auch nur halbwegs so etwas wie einheitliche Befähigungen bei den Praktizierenden erzeugen.

Meiner Erfahrung ist die Kampfkunst-Realität einfach viel zu komplex. Es gibt den Leistungssport, der von den Organisationen im Hintergrund vor allem für nationalen Stolz und zum Geldverdienen herhalten muss. Es gibt die Masse der Menschen, die sich einfach ein bisschen bewegen will - wenn der Trainer nicht gerade aktiv gesundheitsschädigendes Zeugs macht, ist der Rest weitestgehend egal. Manche wollen Gewaltkompetenz erlernen. Wieder andere wollen die Geselligkeit. Das schöne an den ganzen Kampfkünsten ist ja, dass jede Kampfkunst all diese Bereiche abdecken kann. Aber alles gleichzeitig gelingt praktisch nie. Es gibt 30 oder 40 mal so viele (oder noch mehr) Sportangebote wie in den 80, 90er-Jahren. Und und und...

Die Prüfungsordnungen können noch hundertmal verändert werden, das ist doch den allermeisten Leuten völlig schnuppe. Oder gibt es seriöse Untersuchungen dazu, wie das Prüfungsverhalten und die Verweildauer der Mitglieder in einem Verband durch die Prüfungsordnungen beeinflusst werden?
(Wenn überhaupt hätte man sich überlegen sollen, ob man die Wettkampfregeln immer weiter vermurkst.)
tutor!
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Re: neue Kyu-Prüfung ab 2022

Beitrag von tutor! »

Julian hat geschrieben:
28.05.2023, 16:57
(....) Oder gibt es seriöse Untersuchungen dazu, wie das Prüfungsverhalten und die Verweildauer der Mitglieder in einem Verband durch die Prüfungsordnungen beeinflusst werden?
Die Mitgliederzahlen der Verbände sind nichts weiter als die summierten Mitgliederzahlen der Vereine. Deren Entwicklung verläuft jedoch individuell sehr unterschiedlich und ist von sehr vielen Faktoren abhängig. Korrelationen zwischen verschiedenen Items lassen sich vielleicht halbwegs seriös erfassen, aber mit Kausalitäten wird es dann schon schwieriger.

Ein Graduierungssystem ist im Rahmen der Vereinsentwicklung nichts weiter als ein Teil der Rahmenbedingungen für die Ausgestaltung der inhaltlichen Arbeit. Daneben gibt es weitere, wie die materiellen Bedingungen (Trainigszeiten und -orte) oder personelle Bedingungen (Anzahl und Qualifikation der Trainerinnen und Trainer) u.v.a.m. die einen deutlich unmittelbareren Einfluss auf die Mitgliederentwicklung der Vereine nehmen dürften.

Bislang - also seit Jahrzehnten - gibt es keine systematische Evaluation. Ich habe aber weiter oben die Ziele notiert, die mit der Neugestaltung des Kyu-Bereichs verfolgt werden:
tutor! hat geschrieben:
24.05.2023, 11:40
Es wird z.B. den Auftrag einer fortlaufenden Evaluation des Graduierungswesens geben. Dies setzt strategische Ziele voraus, die natürlich formuliert sind. Für den Kyubereich sind das z.B:

1. Neumitglieder auch außerhalb der Vereinsstrukturen abholen
2. Erleichterung der alltäglichen Trainingsarbeit durch flexiblere Inhaltsvorgaben bei Graduierungen
3. alltägliches Training soll zielgerichteter als bisher zur nächsten Graduierung führen
4. die Passung zum Nachwuchsleistungskonzept soll optimiert werden (GKKZ / IKKZ)
5. flexiblerer Einstieg in Kodokan Kata als bisher
6. Entfernung nationaler Sonderwege bei der Nomenklatur
7. Steigerung der Ausführungsqualität wichtiger Grundtechniken
8. verstärktes Denken in Situationslösungen anstatt in abschließenden Techniken
9. einfach zu handhabendes und verständliches Konzept für ehrenamtliche Trainer.
Zur Neugestaltung des Graduierungssystems gehört nicht nur das Verschieben und Neuformulieren von Prüfungsaufgaben, sondern auch das Aufsetzen verbindlicher Prozesse einer fortlaufenden Weiterentwicklung. Ausgangspunkt jeder seriösen Entwicklung muss daher eine solide Evaluation des IST-Stands und eine darauf aufbauende Formulierung von überprüfbaren Zielen sein. Die oben aufgeführten Ziele lassen sich ohne Zweifel mit geeigneten Werkzeugen evaluieren. Da das Kyu-Programm erst ab dem 1.1.2024 verbindlich im gesamten Bundesgebiet gilt, kann eine flächendeckende Evaluation etwa ab 2025 zu validen Ergebnissen führen.
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Die ersten validen Ergebnisse

Beitrag von HBt. »

"Da das Kyu-Programm erst ab dem 1.1.2024 verbindlich im gesamten Bundesgebiet gilt, kann eine flächendeckende Evaluation etwa ab 2025 zu validen Ergebnissen führen." [Zitat tutor!]

Zwei Jahre sollte der erste Zyklus schon betragen, also ab dem 01. Januar 2026 rechne ich mit richtungsweisenden Ergebnissen. Bleibt die Welt- u. Wetterlage stabil und treten keinerlei Störungen auf, zum Beispiel: Naturkatastrophen, weitere Kriege, neue Viren, politische Umwälzungen, neue Ordnungen ..., dann werden die ersten Evaluationsergebnisse zeigen, dass weiterhin die Ziele nicht erreicht wurden - eventuell wird dann bereits nachgesteuert.

Pfingstgrüße,
HBt.
(der heilige Geist wird ausgegossen)

#
Julian fragt:
(...) gibt es seriöse Untersuchungen dazu, wie das Prüfungsverhalten und die Verweildauer der Mitglieder in einem Verband durch die Prüfungsordnungen beeinflusst werden?
Mir ist keinerlei Analyse dieser Frage bekannt. Sie existiert einfach nicht - behaupte ich, aus dem Bauch heraus.
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Frage - Analyse - Ergebnisse - Maßnahme - Evaluierung

Beitrag von nur_wazaari »

Julian hat geschrieben:
28.05.2023, 16:57
Oder gibt es seriöse Untersuchungen dazu, wie das Prüfungsverhalten und die Verweildauer der Mitglieder in einem Verband durch die Prüfungsordnungen beeinflusst werden?
Offenbar mangelt es grundsätzlich an präsentierbaren Ergebnissen von Analysen, was, wie suggeriert, wird nicht an denjenigen lag, die nun ein neues Programm in den Ring werfen. Die Frage ist berechtigt, denn auf welcher Basis leitet man Maßnahmen von gewisser Tragweite ab? Die Antwort kam ja schon häufiger von "tutor!" - man etabliert eine Grundlage, experimentiert damit, sammelt, was man kriegen kann und leitet dann weiter ab, in der Hoffnung auf Ergebnisse und nachhaltige Verbesserungen. Allerdings bin ich in der Erwartungshaltung daran ganz bei "Hbt".

Bei den Wettkampfregeln sind Änderungen meistens nachvollziehbar*, wenngleich die Vorstellungen davon, wie ein Judokampf aussehen soll und was erlaubt sein soll, meilenweit auseinanderklaffen - hier geht es um Deutungshoheit bestimmter Gremien. ;)

*Verstehen muss man das dann aber ganz gewiss nicht.
.
Julian
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Re: neue Kyu-Prüfung ab 2022

Beitrag von Julian »

Für echte Studien ist das ganze vermutlich viel zu aufwändig. Bei meiner Frage bin ich ja auch gar nicht davon ausgegangen, dass es solche Untersuchungen gibt. Sondern wollte darauf hinweisen, dass es m. M. n. kaum möglich ist, wirklich flächendeckend noch mehr Leute in die Vereine zu bringen.
(Außer man vergibt Prämien für die Mitgliedschaft und es kostet nichts mehr, dann könnte es vielleicht klappen...)

Das Thema, wie man Leute in (Sport)Vereine und andere Gruppierungen bringt und dort hält, ist ja für alle Bereiche höchst spannend.

Vielleicht kann man über diesen generellen Ansatz ein bisschen was Interessantes herausfinden. Wobei mein Eindruck ist, dass allerorten geklagt wird - von der freiwilligen Feuerwehr über den Sportverein bis zur Rotary. Vermutlich ist das Angebot einfach zu groß, und wer schon lange dabei ist, muss halt jetzt zwangsläufig Federn lassen...

Hier könnte man auch mal ein bisschen stöbern, vielleicht finden sich da Anregungen:
https://www.sportwissenschaft.de/kkk/ka ... ommission/
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nur_wazaari
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Re: neue Kyu-Prüfung ab 2022

Beitrag von nur_wazaari »

Julian hat geschrieben:
29.05.2023, 20:45
Für echte Studien ist das ganze vermutlich viel zu aufwändig. Bei meiner Frage bin ich ja auch gar nicht davon ausgegangen, dass es solche Untersuchungen gibt. Sondern wollte darauf hinweisen, dass es m. M. n. kaum möglich ist, wirklich flächendeckend noch mehr Leute in die Vereine zu bringen.
(Außer man vergibt Prämien für die Mitgliedschaft und es kostet nichts mehr, dann könnte es vielleicht klappen...)
Da habe ich andere Beobachtungen gemacht und irgendwo hier im Forum schon mal etwas ausführlicher dazu berichtet. Es ist von mehreren Faktoren abhängig, ob die Leute in Vereine kommen und explizit beim Judo bleiben. Das Kyu-Programm an sich aber hat wohl in der Tat eher geringen Einfluss darauf. Es gibt auch nicht wenige, denen die Gürtelfarbe völlig schnurz ist und die trotzdem regelmäßig dabei sind. Andersherum habe ich auch schon Leute mit dem Tag der bestandenen ersten Dan-Prüfung den Judopass liegenlassen sehen.

Man kann die Leute schon gewinnen und halten, man darf aber nicht einfach im Trüben fischen. Klare Angebote und Strukturen sind gefragt, was bieten wir an und warum passt ihr hierher? Darüber hinaus könnte man versuchen, möglichst viele Bedürfnisse und Zielstellungen abzudecken, Gruppen zu binden, Leute zusammenzuhalten - vom Wettkampf bis hin zur Altersfitness (mit Judo). Allerdings sind die Erwartungen wohl gestiegen, das ist richtig - aber das ist auch eine Chance.
.
Julian
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Re: neue Kyu-Prüfung ab 2022

Beitrag von Julian »

nur_wazaari hat geschrieben:
29.05.2023, 21:18
Julian hat geschrieben:
29.05.2023, 20:45
Für echte Studien ist das ganze vermutlich viel zu aufwändig. Bei meiner Frage bin ich ja auch gar nicht davon ausgegangen, dass es solche Untersuchungen gibt. Sondern wollte darauf hinweisen, dass es m. M. n. kaum möglich ist, wirklich flächendeckend noch mehr Leute in die Vereine zu bringen.
(Außer man vergibt Prämien für die Mitgliedschaft und es kostet nichts mehr, dann könnte es vielleicht klappen...)
Da habe ich andere Beobachtungen gemacht und irgendwo hier im Forum schon mal etwas ausführlicher dazu berichtet. Es ist von mehreren Faktoren abhängig, ob die Leute in Vereine kommen und explizit beim Judo bleiben. Das Kyu-Programm an sich aber hat wohl in der Tat eher geringen Einfluss darauf. Es gibt auch nicht wenige, denen die Gürtelfarbe völlig schnurz ist und die trotzdem regelmäßig dabei sind. Andersherum habe ich auch schon Leute mit dem Tag der bestandenen ersten Dan-Prüfung den Judopass liegenlassen sehen.

Man kann die Leute schon gewinnen und halten, man darf aber nicht einfach im Trüben fischen. Klare Angebote und Strukturen sind gefragt, was bieten wir an und warum passt ihr hierher? Darüber hinaus könnte man versuchen, möglichst viele Bedürfnisse und Zielstellungen abzudecken, Gruppen zu binden, Leute zusammenzuhalten - vom Wettkampf bis hin zur Altersfitness (mit Judo). Allerdings sind die Erwartungen wohl gestiegen, das ist richtig - aber das ist auch eine Chance.
Hmm, flächendeckend wohl schon, zumindest wenn die Zahlen halbwegs stimmen:
Im DJB von 267K (2002) auf 116K (2022). (https://de.statista.com/statistik/daten ... Mitglieder.)
Beim Karate und Taekwondo sieht es, soweit ich es ergoogeln konnte, auch nicht viel besser aus.

Ich kenne auch einzelne Verbände oder Vereine, die florieren. Manche schon länger, manche noch nicht so lange. Zeit ist dabei ja entscheidendes Element, immer weiterwachsen wird halt immer schwerer. Und entspricht ja auch nicht dem Dao, wie ja eigentlich gerade die Betreiber von solchen Verbänden wissen sollten :D

Ergänzung: Gerade wenn es um das Prosperieren z. B. nur eines einzigen Vereins oder Clubs geht, ist das ja in der Regel dem Engagement des jeweiligen Leiters, der Trainer, und der weiteren Mitwirkenden geschuldet (Helfer für Feiern, jemand der bisschen Pressearbeit macht usw.). Eine bestimmte Prüfungsordnung dürfte da der geringste Grund sein. Das lässt sich aber halt auch nicht für andere Vereine verordnen.
M. Olinero
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Re: neue Kyu-Prüfung ab 2022

Beitrag von M. Olinero »

Der NWJV hat, ohne viel Aufhebens oder gut sichtbare Hinweise, die neue Grundsatzordnung (nebst NRW-Ausführungsbestimmungen) jüngst auf seiner Homepage veröffentlicht:

https://www.nwjv.de/fileadmin/nwjv/doku ... .06.24.pdf

Den allgemeinen Trend zur Lockerung begrüße ich sehr, z.B. die automatische Graduierungsberechtigung für Personen, die den 1. Dan und mindestens die Trainer-C-Lizenz haben. Gleichwohl habe ich den Eindruck, dass man hier der NRW-Doppelstruktur mit NWJV und NWDK (für alle nicht-NRWler: fragt lieber nicht...) Rechnung tragen musste, so schienen sich die Altvorderen bspw. weiterhin eine Art "zeremonielle Abschlussprüfung" zu wünschen, was die freie Ausgestaltung der modularen Form der Dan-Graduierungen einschränkt.

Verwundert hat mich, dass im Kyu-Bereich die Vorgabe besteht, dass mit dem 8. Kyu zu beginnen ist. Eigentlich hatte ich das so verstanden, dass innerhalb der Vereine der 8. Kyu übersprungen werden kann und Weißgurte direkt den 7. Kyu anstreben können? Müssen hier wirklich allen Anfängern die paar Euro für den 8. Kyu abgeluchst werden?

Unter Punkt 4.6 findet sich der Passus: "Trainingsbegleitende Graduierungen vom 3. bis 1. Kyu können von den Landesverbänden
eingeführt werden." Da sich hierzu nichts in blauer Schrift findet vermute ich, dass dies in NRW nicht gewünscht ist.

Was mich zudem brennend interessieren würde: Werden alle bisherigen Dan-Prüfer automatisch Dan-Graduierungsberechtigte im neuen System? Hier lassen die NRW-Ausführungsbestimmungen anklingen, dass es nun, im Gegensatz zur bisherigen Praxis, Vorgaben vom DJB geben soll. Wie diese aussehen, scheint noch unbekannt zu sein?
tutor!
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Re: neue Kyu-Prüfung ab 2022

Beitrag von tutor! »

M. Olinero hat geschrieben:
05.06.2024, 20:23
(....) Was mich zudem brennend interessieren würde: Werden alle bisherigen Dan-Prüfer automatisch Dan-Graduierungsberechtigte im neuen System? Hier lassen die NRW-Ausführungsbestimmungen anklingen, dass es nun, im Gegensatz zur bisherigen Praxis, Vorgaben vom DJB geben soll. Wie diese aussehen, scheint noch unbekannt zu sein?
Die neue Graduierungsordnung des DJB gilt als "vorrangiges Recht" in allen Landesverbänden. Das ist in dieser klaren Form neu, denn die bisherige Grundsatzordnung verstand sich als "Rahmen" für die Ordnungen der Länder.

Der DJB hat laut Artikel 2.1 Graduierungsordnung den Auftrag, Konzepte für die Ausbildung von Multiplikatoren - zu denen auch die Graduierungsberechtigten gehören - zu erarbeiten, die wiederum von den Landesverbänden umzusetzen sind (Artikel 2.2). Die bisherige Praxis in NRW ist, dass der Prüfungsbeauftragte des NWDK die Zahl der benötigten Danprüfer bestimmt, die Personen auswählt und eine Lizenz vergibt und die Prüfer einsetzt. Dies wurde auf Nachfrage bei der letzten Delegiertenversammlung des NWDK ausdrücklich bestätigt. Nunmehr haben sich NWJV und NWDK auf ein anderes Verfahren geeinigt. Wann und wie dies dann auch tatsächlich umgesetzt wird, wird sicherlich spannend bleiben und vor allem davon abhängen, welche Personen zur Umsetzung zur Verfügung stehen werden.
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Bodnus Carlsen
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Re: neue Kyu-Prüfung ab 2022

Beitrag von Bodnus Carlsen »

Beim Lesen der "NWDK/NWJV-Ausführungsbestimmungen" entsteht bei mir der Eindruck, dass die meisten Neuerungen nicht gewünscht sind:
- Trainingsbegleitende Graduierungen wurden vorher schon stiefmüttlerlich behandelt, dies hat sich eigentlich kaum geändert. (Die Listen eine Woche nach Graduierung beim KDV einzureichen ist nicht sonderlich praktisch, wenn nicht doch ein zentraler Graduierungsmoment vorgesehen ist.)
- Bei Modulprüfungen für Dan-Prüfungen wird von einem "Abschlussmodul" gesprochen, bei dem Kata und Theorie abgeprüft werden sollen. Dies verbietet streng genommen nicht das verteilte Absolvieren aller Module, aber es liest sich dahingehend abschreckend.
- Fast amüsant finde ich, dass es keine NWDK-Mitgliedspflicht mehr für Prüfer gibt. Stattdessen kann man auch prüfen, wenn man nicht NWDK-Mitglied ist, dafür aber eine jährliche Lizenzgebühr bezahlt.
M. Olinero
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Re: neue Kyu-Prüfung ab 2022

Beitrag von M. Olinero »

@Bodnus Carlsen: Ich stimme dir zu. Eigentlich hatte ich es so verstanden, dass mehr ermöglicht und weniger eingeschränkt werden solle, warum nun das NWDK offenbar doch auf, anscheinend willkürliche, Einschränkungen nach eigenem Gutdünken pocht, bzw. erfolgreich pochen kann, erschließt sich mir nicht.
Auf Anhieb fallen mir diverse Konstellationen ein, in denen z.B. die Beschränkung der modularen Dan-Graduierung ein Ärgernis darstellen. Wenn bspw. jemand den 3. Dan anstrebt und sich in Bezug auf seine Kata bereits sicher fühlt, darf er das "Abschlussmodul Kata" noch nicht ablegen, wenn er z.B. plant, die Trainer-B-Lizenz zu erwerben und damit den Wahlbereich abzudecken, aber der Lehrgang erst später im Jahr stattfindet, sodass er die B-Lizenz noch nicht hat? Das macht doch keinen Sinn.

Auch hinsichtlich der trainingsbegleitenden Kyu-Graduierung stimme ich dir zu, wobei hier eigentlich eine Erleichterung durch den digitalen Judopass zu erwarten sein dürfte (bloß wann?).

Was ich zunächst überlesen habe (da offenbar nicht mehr vorhanden): Es scheint keine Pflicht mehr zu existieren, einen Dan-Vorbereitungslehrgang zu besuchen? Zumindest ist dies an keiner Stelle erwähnt. Das wäre aus meiner Sicht eine sehr begrüßenswerte Lockerung.
Bodnus Carlsen
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Re: neue Kyu-Prüfung ab 2022

Beitrag von Bodnus Carlsen »

Der Graduierung über die Features des digitalen Judopasses muss meines Wissens nach der Landesverband zustimmen. Es bleibt abzuwarten, was da passiert.

Zu den NRW-Regeln: Nach meiner Lesart sind das alles "Soll"-Bestimmungen ("sollte", "in der Regel", ...), da eine Verschärfung gegenüber den DJB-Regeln diesen widerspricht. Ich gehe davon aus, dass auch mit diesen Bestimmungen folgendes Beispielszenario möglich sein sollte, auch wenn es vermutlich nicht erwünscht ist: Direkt nach Erwerb des 1. Dan absolviert man die Module zum 2. Dan, und wenn ein Jahr nach dem 1. Dan rum ist, lässt man sich die neue Graduierung in den Pass eintragen.

Den Sinn von Dan-Vorbereitungslehrgängen habe ich noch nie verstanden: Einige können schon alles und müssen nur die Stunden abreißen, andere noch nicht und dann helfen vermutlich auch ein paar Pflichtstunden nichts. Außerdem hat man da meistens eins, zwei oder maximal drei Referenten, die dann ja im Grunde für alles (Kata, SV, IKKZ, alle Würfe, alle Katame-waza) verantwortlich sind. Lehrgänge, auf denen man Judo-Teilbereiche lernt bei jemandem, der/die diesen Bereich beherrscht, machen da meines Erachtens nach viel mehr Sinn.
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Re: neue Kyu-Prüfung ab 2022

Beitrag von kastow »

Auch müssen einfache Vereinsprüfungen beim KDV nur noch angezeigt aber nicht mehr genehmigt werden. Eine Frist für diese Anzeige scheint es auch nicht mehr zu geben.

Und da die Pflichtlehrgänge wegfallen ist das NWDK jetzt deutlich darauf angewiesen, attraktive Lehrgangsangebote zu machen. Sonst besuchen die Judoka in NRW andere Praxis-Angebote auf der Matte. Dieser 'Qualitätswettbewerb' könnte sich durchaus positiv für uns Judoka auswirken. ;)
Herzliche Grüße,

kastow

Since the establishment of Kôdôkan jûdô, jûdô has become something that should be studied not only as a method of self-defence but also as a way of training the body and cultivating the mind. (Jigorô Kanô: MIND OVER MUSCLE)
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Re: neue Kyu-Prüfung ab 2022

Beitrag von tutor! »

Nur zur kurzen Erläuterung. Die Landesverbände sind für die Organisation der (genauer: ihrer) Graduierungsmaßnahmen (aka Prüfungen) zuständig. Der DJB führt selbst auch eigene Maßnahmen durch. Wie die Landesverbände ihre Maßnahmen organisieren, verbleibt in deren Entscheidung. Die Graduierungsordnung, die ja nahezu einstimmig beschlossen wurde, beinhaltet eine maximale Offenheit und Flexibilität.

Das NWDK hatte ohne seriöse Abstimmung mit dem NWJV eigene Vorstellungen zur Umsetzung entwickelt, die auf Veranlassung des NWJV vom DJB auf Konformität mit den geltenden Bestimmungen geprüft wurden. Daraus entstand eine Mängelliste, die abzuarbeiten war. Dies hat der PRäsident des NWDK auf der Delegiertenversammlung am 14. April ausdrücklich bekannt gemacht. Das Ergebnis liegt nun vor und wurde auch vom DJB in dieser Form als regelkonform abgesegnet.

Die wohl bemerkenswerteste Formulierung findet sich für alle, die zwischen den Zeilen lesen, bereits ganz am Anfang:

"Die operative Umsetzung des Graduierungswesens hat der NWJV an das Nordrhein-Westfälische Dan-Kollegium e.V. (NWDK) delegiert." (https://www.nwjv.de/fileadmin/nwjv/doku ... .06.24.pdf)

Nicht mehr das gesamte Prüfungswesen oder mit neuerer Terminologie das Graduierungswesen wurde beauftragt, sondern nur noch die operative Umsetzung delegiert. Oder mit anderen Worten: die Steuerung, alle strategischen Entscheidungen und die Aufsicht verbleiben beim NWJV. Das NWDK wird jetzt liefern müssen - oder der NWJV wird stärker steuern.
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Re: neue Kyu-Prüfung ab 2022

Beitrag von Holger König »

Es wäre sinnvoll, wenn die einzelnen Landesverbände die Prüferlizenzen gegenseitig anerkennen würden. Dann könnten Vereine in "Grenznähe" Prüfungen gemeinsam mit Partnervereinen in einem anderen Bundesland organisieren bzw. es wäre in Trainingslagern bei Partnervereinen grundsätzlich möglich, gemeinsam zu prüfen.
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Re: neue Kyu-Prüfung ab 2022

Beitrag von Bodnus Carlsen »

Holger König hat geschrieben:
07.06.2024, 20:47
Es wäre sinnvoll, wenn die einzelnen Landesverbände die Prüferlizenzen gegenseitig anerkennen würden. [...]
Dem stimme ich zu. Grundsätzlich sollte dem nichts im Wege stehen (DJB-Graduierungsordnung): "Für die Erteilung von Graduierungslizenzen sind allein fachlich-inhaltliche Kompetenzen und personale Kompetenzen im Umgang mit Kandidainnen und Kandidaten maßgeblich." Ich weiß nicht, inwieweit das in anderen Bundesländern problemlos möglich ist. Auf NRW bezogen kommt noch die Mitgliedschaft im NWDK oder eine (meines Wissens nach noch nicht näher spezifizierte) Lizenzgebühr hinzu...
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Re: neue Kyu-Prüfung ab 2022

Beitrag von Fritz »

Holger König hat geschrieben:
07.06.2024, 20:47
Es wäre sinnvoll, wenn die einzelnen Landesverbände die Prüferlizenzen gegenseitig anerkennen würden. Dann könnten Vereine in "Grenznähe" Prüfungen gemeinsam mit Partnervereinen in einem anderen Bundesland organisieren bzw. es wäre in Trainingslagern bei Partnervereinen grundsätzlich möglich, gemeinsam zu prüfen.
So ist es, wenn jemand in einem Bundesland eine Prüferlizenz bzw. jetzt die Graduierungsberechtigungs-Lizenz erworben hat und dann in ein anderes Bundesland wechselt,
kann er dort auch sofort eine Prüferlizenz erhalten (ohne Neuausbildung usw. usf.)
Und in der Regel muß bei Prüfungen außerhalb des eigenen Vereins der eigene Verein zustimmen, bei Prüfungen außerhalb des eigenen Landesverbandes muß auch der eigene LV zustimmen und
schon kann jemand in einem Trainingslager in einem anderen Bundesland graduiert werden.
Wie unbürokratisch jetzt die LVs mit diesen Sachen umgehen, ist natürlich Sache der LVs ... ;-)
Mit freundlichem Gruß

Fritz
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