Judo als Selbstverteidigung geeignet?

Hier geht es um das Thema Selbstverteidigung
leon0108
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Judo als Selbstverteidigung geeignet?

Beitrag von leon0108 » 14.02.2008, 19:53

Also ich wollte mal fragen, was ihr generell von Judo als Selbstverteidigung haltet.
Ob man das auch schon ein wenig anwenden kann, wenn man das nicht speziell trainiert hat?
Und hat man damit gegen jemanden eine Chance, der einfach nur draufhaut?

Der Hintergrund ist, daß meine Freunde gesagt haben, daß man ja in nem richtigen Kampf
nicht die Chance hat, so nah an den anderen ranzukommen, um den zu werfen.
Eigentlich muss ich denen da Recht geben, weil wenn einer richtig zuhaut, den zu werfen wird schwer.
Was sagt ihr dazu? Oder kann man das trainieren?

Noch eine Frage von mir selber. Wenn ihr euch verteidigen müsst, schlagt ihr dann auch schon mal?

Und wie schneidet Judo eurer Meinung nach im Thema Selbstverteidigung gegen andere Selbstverteidigungsarten ab?

paddy1989
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Re: Judo als Selbstverteidigung geeignet?

Beitrag von paddy1989 » 14.02.2008, 20:31

Das Judo nicht als Selbstverteidigung zu gebrauchen ist, ist ein weit verbreiteter Irrtum. Judo ist sehr wohl zu gebrauchen, man kann weitaus mehr machen als seinen Gegner nur zu werfen. Selbstverteidigung ist ein elementarer Bestandteil und dazu gehört ebenfalls Atemi und wenn man das beherrscht, hat der Angreifer nichts zu lachen.

Das Problem ist das in vielen Fällen nur Sportjudo unterrichtet wird, was weniger geeignet ist, sonder mehr in Richtung Wettkampf geht.
Aber in einem anderen Fall, bist du drin, kann der Angreifer nicht mehr vernünftig schlagen, es ist eh von Situation von Situation unterschiedlich ;)

Wenn ich mich verteidigen müsste, würde ich auch zuschlagen (Handkante, Faust, Knie, usw.). Das sollte man aber trainieren sonst geht das Ganze schnell in die Hose. ^^

MfG
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Re: Judo als Selbstverteidigung geeignet?

Beitrag von Lin Chung » 14.02.2008, 21:03

Wenn ich mich verteidigen müsste, würde ich auch zuschlagen (Handkante, Faust, Knie, usw.).
...dann solltest du schleunigst die Atemi trainieren.
Grüße
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Re: Judo als Selbstverteidigung geeignet?

Beitrag von paddy1989 » 14.02.2008, 21:19

Lin Chung hat geschrieben:
Wenn ich mich verteidigen müsste, würde ich auch zuschlagen (Handkante, Faust, Knie, usw.).
...dann solltest du schleunigst die Atemi trainieren.
Wenn du mich meinst.... ich trainier diese bereits seit Jahren.
Judo kann einem das Leben retten und damit mein ich nicht den Kampf

BadenIkkyu

Re: Judo als Selbstverteidigung geeignet?

Beitrag von BadenIkkyu » 14.02.2008, 22:37

Wenn man Judo so macht wie Tom & Co dann ja!

Der Müller
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Re: Judo als Selbstverteidigung geeignet?

Beitrag von Der Müller » 15.02.2008, 08:59

Desweiteren kann man stets (Handgelenk-)Hebel anbringen. Das geht auch aus der Schlagdistanz heraus.

Hab nur ich gerade ein Déjà-Vu?
Gruß
Jochen

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Re: Judo als Selbstverteidigung geeignet?

Beitrag von Lin Chung » 15.02.2008, 14:57

Desweiteren kann man stets (Handgelenk-)Hebel anbringen. Das geht auch aus der Schlagdistanz heraus.
...falls du den gegnerischen Arm erwischt. Meistens wird er nach dem Schlag schnell zurückgezogen. :D
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Re: Judo als Selbstverteidigung geeignet?

Beitrag von paddy1989 » 15.02.2008, 15:29

Lin Chung hat geschrieben:
Desweiteren kann man stets (Handgelenk-)Hebel anbringen. Das geht auch aus der Schlagdistanz heraus.
...falls du den gegnerischen Arm erwischt. Meistens wird er nach dem Schlag schnell zurückgezogen. :D
...man kann den Schlagarm auch packen und dann hebeln ...
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Re: Judo als Selbstverteidigung geeignet?

Beitrag von Der Müller » 15.02.2008, 16:02

Lin Chung hat geschrieben:
Desweiteren kann man stets (Handgelenk-)Hebel anbringen. Das geht auch aus der Schlagdistanz heraus.
...falls du den gegnerischen Arm erwischt. Meistens wird er nach dem Schlag schnell zurückgezogen. :D
Irgendwo hatten wir dieses Thema doch schon. Und ich denke, dass Du weißt, dass es funktioniert ;)
Wahrscheinlich gegen einen Profi schwerer, aber dafür gibt es ja das Training.
Gruß
Jochen

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Re: Judo als Selbstverteidigung geeignet?

Beitrag von Patrick » 15.02.2008, 19:46

Die einzige richtige Antwort lautet: Es kommt darauf an... ;)
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Re: Judo als Selbstverteidigung geeignet?

Beitrag von Christian » 15.02.2008, 20:18

Hi,

etwas Lesestoff findest du hier:
http://www.dasjudoforum.de/forum/viewto ... =22&t=1226
schöne Grüße
Christian

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Re: Judo als Selbstverteidigung geeignet?

Beitrag von Abelaze » 17.03.2008, 19:49

Pauschal: ja, dafür eignet sich jede Kampfkunst/Kampfsport. Es kommt nämlich immer auf den Gegner an. :P

Sieh es mal so: jemand, der Judo kann, ist in einer SV Situation besser dran als jemand, der keinen Kampfsport macht.

Und an einen Gegner ranzukommen ist nicht so schwer, wie es vielleicht aussieht. Im Grunde enden doch alle Prügeleien in Rangeleien. Schon deine Absicht an den Gegner rankommen zu wollen, wird ihn ggf. irritieren... ;)

Mit Judo hast du mehr SV-Fähigkeiten als ohne, deswegen kann man es auch nicht pauschal als nicht-geeignet abstempeln.
Lass deine Freunde einfach quatschen...

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Re: Judo als Selbstverteidigung geeignet?

Beitrag von Lin Chung » 17.03.2008, 20:26

Sieh es mal so: jemand, der Judo kann, ist in einer SV Situation besser dran als jemand, der keinen Kampfsport macht.
...das du dich mal nicht irrst. Auf der Strasse herrschen andere Gepflogenheiten als im Dojo. Wenn man das nicht trainiert hat, kann es auch zum Nachteil sein.
Beispiel: Du hast deinen Gegner im Boden und hältst ihn. Was machst du wenn der andere dich dann kneift, in die Augen sticht, dir in die Genitalien greift usw.
Glaubst du, dass dein Gegenüber verwirrt ist, wenn du auf ihn zugehst? Glaub das nicht. Ein Tritt von ihm gegen dein Knie oder die Knieinnenseite oder zwischen die Beine blitzschnell ausgeführt. Weiter kommst du nicht, wenn du nicht gerade schmerzresistend bist. Im Kenpo gibt es ein Prinzip, das heisst: "Distance is your best friend"
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Re: Judo als Selbstverteidigung geeignet?

Beitrag von Abelaze » 17.03.2008, 22:43

Lin Chung hat geschrieben:
Sieh es mal so: jemand, der Judo kann, ist in einer SV Situation besser dran als jemand, der keinen Kampfsport macht.
...das du dich mal nicht irrst. Auf der Strasse herrschen andere Gepflogenheiten als im Dojo. Wenn man das nicht trainiert hat, kann es auch zum Nachteil sein.
Beispiel: Du hast deinen Gegner im Boden und hältst ihn. Was machst du wenn der andere dich dann kneift, in die Augen sticht, dir in die Genitalien greift usw.
Glaubst du, dass dein Gegenüber verwirrt ist, wenn du auf ihn zugehst? Glaub das nicht. Ein Tritt von ihm gegen dein Knie oder die Knieinnenseite oder zwischen die Beine blitzschnell ausgeführt. Weiter kommst du nicht, wenn du nicht gerade schmerzresistend bist. Im Kenpo gibt es ein Prinzip, das heisst: "Distance is your best friend"
Ich bleibe dabei. Du darfst nicht davon ausgehen, dass der Judoka auch nur bei seinem Judo bleibt. Das Straßenkämpfer-Argument ist doch Quatsch.

Ich drehe es mal um: Es ist also besser, keine Judoerfahrung zu haben? Wasn das fürn Blödsinn? Sorry... :irre

disputatio
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Re: Judo als Selbstverteidigung geeignet?

Beitrag von disputatio » 17.03.2008, 23:03

Abelaze du kannst da nicht Judoka mit Judoka gleichsetzen. Gerade die jüngeren und unerfahrerenen werden wohl so enden wie in Lin Chungs Beitrag beschrieben.
In anderen Worten: Du kannst nicht davon ausgehen, dass jeder seine "Judoerfahrung" effektiv in solchen Situationen anwenden kann. Schon gar nicht die des Sport-Judo. Du kannst da einfach nicht verallgemeinern.

Am besten an das von Lin Chung erwähnte Prinzip des Kenpo halten: "Distance is your best friend"
In meinen Worten: Lauft! (In ganzen schlimmen Fällen Feueralarm schlagen)

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Re: Judo als Selbstverteidigung geeignet?

Beitrag von Abelaze » 17.03.2008, 23:05

Bisher sagte ich doch immer nur was von einem untrainierten und einem Judoka. Dass der jetzt dem Untrainierten nicht im Vorteil sein soll, halte ich weiterhin für ein Gerücht.

disputatio
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Re: Judo als Selbstverteidigung geeignet?

Beitrag von disputatio » 17.03.2008, 23:06

Dann wünsche ich dir, nie in eine ernsthafte SV-Situation zu kommen...

--EDIT--
Es sei denn natürlich, dass du zu denen gehörst, die in der Lage sind, das Gelernte effektiv umzusetzen. Aber man kann es meiner Meinung nach nicht verallgemeinern. Es gibt wie ich finde viele, wo es so endet wie Lin Chung ziemlich gut beschrieb.

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Re: Judo als Selbstverteidigung geeignet?

Beitrag von Abelaze » 17.03.2008, 23:14

disputatio hat geschrieben:Dann wünsche ich dir, nie in eine ernsthafte SV-Situation zu kommen...
man wäre also ohne Judoerfahrung besser dran. Aha... :eusa_doh

Also Leute, kein Judo trainieren, wenn ihr in ernsthaften SV-Situationen die besseren Karten haben wollt. Besser gar nichts, als Judo.


Nee, also ich kann mich echt nicht dazu überwinden, hier Einsicht zu heucheln.
Ich kann mir eher vorstellen, dass du die ganze Zeit von völlig anderen Voraussetzungen ausgehst.

Du antwortest auf ie Frage:

Sollte ich in einer SV-Situation primär und ausschliesslich auf mein Wettkampfjudo setzen (und nach Judoregeln kämpfen)?

Diese Frage stand aber nicht zur Debatte.

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Re: Judo als Selbstverteidigung geeignet?

Beitrag von disputatio » 17.03.2008, 23:27

Es steht viel eher zur Debatte, dass du von Judoka zu Judoka unterscheiden musst. Und dass du nicht von dir oder uns auf andere Judoka schließen kannst.
Bsp.: Ich habe neulich Judoka kennengelernt, die das Prinzip des Hebelns nicht wirklich verstanden haben... wie sollen solche in einer SV-Situation, einen Vorteil haben, wenn sie z.B. krampfhaft versuchen, einen Wurf anzusetzen?
Zu mal die vielleicht mit der Einstellung "Oh ich kann Judo. Den mach ich platt!" rangehen.

Jemand der gar keinen Kampfsport macht rennt vielleicht weg oder schlägt wild um sich, was beides durchaus besser sein kann als ein krampfhaft versuchter Wurft.

Ich schrieb vielleicht... Denn man muss, wie ich nun mehrmals sagte: Da auch von Judoka zu Judoka differenzieren.

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Re: Judo als Selbstverteidigung geeignet?

Beitrag von Abelaze » 17.03.2008, 23:38

Ach, ich kann mir sowieso nicht vorstellen, dass unsere Meinungen so weit auseinander gehen sollen. Natürlich muss man differenzieren, halte ich aber auch für irrelevant. In welchem System ist das nicht so? Wenn du etwas nicht kannst oder nicht verstanden hast, kannst du es auch nicht effektiv einsetzen. Was hat das mit Judo zu tun?
Und was ist eine SV-Situation bei dir? Es kann auch mal sein, dass ein angetrunkener Typ plötzlich auf dich losgeht, so dass du z.B. gar nicht mehr losspurten kannst. Wenn ein Orangegurt so einen Kerl plötzlich an seiner Seite zu hängen hat, ist ein schöner Wurf schon aus "Reflex" heraus gar nicht so unmöglich. Und schwupps haste hier mit Judo einfach mal die besseren Karten gehabt.
Dass ein Strassenkämpfer gegen einen Judoanfänger die allerbesten Karten hat, ist ja nicht bestritten. Und dass ein Judoka immer den Kampf vermeiden sollte ebenfalls nicht. Und wenn man angegriffen wird, kommt der Gegner zu dir, du musst meistens gar nicht selbst an ihn herantreten. Was ich so gesehen habe, war immer wild und unkontrolliert. Da sind Reflexe aus dem Training niemals hinderlich.
Wenn ich verteidige, greife ich nicht an. Versuch als Angreifer mal die Distanz zu halten...
Und kein Judoka wird so blöd sein und den Gegner 25 Sek. am Boden halten wollen, weil er dann gewonnen hat..

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