Kappo

Hier geht es um die Geschichte und um Traditionen des Judo
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uchimata
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Kappo

Beitrag von uchimata » 06.10.2018, 10:58

Guten Morgen,

habe eine Frage den Wiederbelebungstechniken Kappo!

Ich habe in einer Quelle gelesen, dass sie ursprünglich aus den Tenjenjin-ryo kommen bzw. dort entstanden sind und offiziell nicht als Kodokan-Techniken gelten. In dem Buch Kodokan Judo (von Dieter Born) sind sie allerdings mit aufgeführt, was dafür sprechen würde, dass sie als Kodokan-Techniken zählen würden.

Wer kann was dazu sagen?

UCHIMATA

tutor!
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Re: Kappo

Beitrag von tutor! » 06.10.2018, 12:58

Es ist ein Randgebiet und gehört nicht zu den offiziellen Techniken (diese sind nage-waza, katame-waza, ate-waza).

Sie wurden in der Tat aus dem Tenjin-shiinyo-ryu überliefert, was nicht weiter verwunderlich ist, weil es sehr enge Verbindungen zwischen Kodokan Judo und Tenjin-shinyo-ryu gibt. Letztlich sind das aber auch keine Erfindungen von Tenjinshinyo-ryu, sondern waren auch vorher schon bekannt.
I founded a new system for physical culture and mental training as well as for winning contests. I called this "Kodokan Judo",(J. Kano 1898)
Techniques are only the words of the language judo (Cichorei Kano, 24.12.2008)

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Heffalump
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Re: Kappo

Beitrag von Heffalump » 23.10.2018, 15:26

Im Buch "Judo Kompakt" wird auf Seite 14 Kappo erwähnt. Dieses Buch gliedert es im Judosystem mit auf.
Im Buch "Judo meistern" steht im Verzeichnis unter Kappo, dass es auch Kuatsu (Katsu, Kwatsu) genannt wird.
Diese Bücher werde vom DJB empfohlen.
柔道 Freundliche Grüße 柔道
________Manuel________

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Re: Kappo

Beitrag von Deshi » 24.10.2018, 09:45

Es gibt auch bei Kyuzo Mifune ("The Canon of Judo") eine Übersicht über Kappo und eine kleine handvoll Videos dazu auf Youtube.

Ich habe mir selbst nur eine der Techniken angeeignet, "Kogan Katsu", welche am häufigsten im Training benötigt wird und die einzige
ist, die ich auch je anwenden musste. Das allerdings öfter. Kogan Katsu kommt zum Einsatz, wenn ein Trainierender
versehentlich einen Stoß in die ... ähm ... den Unterleib erhalten hat.

Die übrigen Techniken haben allesamt mit Beatmung und Wiederbelebung zu tun und in solchen Situationen empfehle ich,
auf moderne erste Hilfe Techniken zurückzugreifen. Du willst ja nicht, falls es dazu kommen sollte, vor Gericht erklären müssen,
dass du in einem Notfall Techniken, die aus dem Japan des 17. Jh. (?; so habe ich das irgendwo gelesen) stammen, den Vorzug gegeben hast.

Hier sind zwei Videos, die diverse dieser Techniken demonstrieren. Die gespielten Elemente wirken ein wenig albern, die Qualität
der gezeigten Techniken kann ich leider nicht beurteilen:

(das Zweite zeigt Kogan Katsu)

Hier sieht man, wie Isao Okano einen Opponenten via Kappo aufweckt, den er gerade zuvor bewusstlos gewürgt hat:



Solcherlei Hilfestellung wäre im heutigen Wettkampf sicher nicht mehr erlaubt.

Früher übte man solche Wiederbelebungs-Techniken auch noch auf recht extreme Art und Weise, wie Syd Hoare hier schildert:

https://theolympians.co/2015/06/13/i-cant-breathe/

Man findet auch noch dies hier, 20 Minuten über Kuatsu mit Jaques Seguin 7. Dan. Er ist ein ganz hervorragender Judo-Techniker
(als Fan von Old School Judo hat man eine Menge "ja, so muss das sein"-Momente, wenn man seine Videos schaut). Leider ist
das Video auf Französisch und ich habe keine Ahnung, was er da erzählt und ob es so gut ist, wie das was er z.B. über Würfe zeigt:


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