Sebastian Frey & Sei Kam Chow Vize-Weltmeister Katame-no-Kata

Berichte von Lehrgängen, Wettkämpfen sowie von aktuellen Wettkampfergebnisse
Jupp
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Sebastian Frey & Sei Kam Chow Vize-Weltmeister Katame-no-Kata

Beitrag von Jupp » 25.09.2012, 13:43

Bei den Kata-Weltmeisterschaften in Pordenone/Italien gab es die allererste Medaille für ein Kata-Paar des Deutschen-Judo Bundes seit Beginn dieser Wettbewerbe:

Sebastian Frey und Sei Kam Chow wurden Vize-Weltmeister in der Katame-no-kata!

Die beiden Doppel-Europameister der letzten Jahre profitierten dabei - neben ihrer außergewöhnlichen Klasse - auch von der Nichtteilnahme des mitfavorisierten Teams aus dem Iran. Den Iranern, die bei den letzten Weltmeisterschaften in Frankfurt sich als mit Abstand zweitbeste Nation erwiesen hatten, war die Einreise angeblich deshalb nicht gestattet worden, weil alle Mitglieder des Teams Militärangehörige waren.

Frey/Chow errangen damit nach ihrem vierten Platz 2009 die Silbermedaille hinter den japanischen Startern, die in allen ausgetragenen Klassen die Titel holten. Kata-Kollegen der beiden hatten sich schon im Vorfeld davon gesprochen, dass ihre Vorführung "einfach Weltklasse" sei, was ganz offensichtlich auch die Wertungsrichter so sahen.
Nach der Vorrunde, die in zwei Gruppen mit jeweils 12 Paaren aus insgesamt 14 Nationen ausgetragen wurden, standen Frey/Chow in Gruppe 1 mit 409 Punkten nur auf Platz drei, wobei jedoch die drei Paare aus Gruppe 2 alle höhere Punktwerte mit in die Finalrunde der besten sechs Paare brachten. Hier steigerten sich Sebastian und Sei Kam dann auf tolle 452 Punkte, einen Wert, den außer den beiden Japanern kein Paar in Vor- und Endrunde erreicht hatte.
In Pordenone waren in diesem Jahr nicht nur die größte Anzahl von Startern überhaupt angetreten, sondern hatten auch die meisten Nationen bisher gemeldet, darunter "Kata-Exoten" wie Thailand oder Liberia. Kata-Weltmeisterschaften scheinen sich allmählich wirklich auch zu einer "Weltklasse-veranstaltung" zu entwickeln.

Weniger "Weltklasse" ist dahingegen die Berichterstattung des DJB auf seiner Homepage über dieses "historische Ereignis" - ob dies im gesamten DJB Niemandem bewußt ist?

Neben den wirklich dürren zwei Zeilen hätte doch wenigstens ein Foto der Siegerehrung veröffentlicht werden können. In Zeiten des Internets dürfte die Kommunikation dafür doch kein Problem darstellen.

Es ist an der Zeit in dieser Hinsicht Versäumtes nachzuholen...

Jupp

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Re: Überblick über "Kata mit Schwerpunkt Randori"

Beitrag von LenDa » 25.09.2012, 14:32

Glückwunsch an unsere Vize-Weltmeister mit dem tollen Ergebnis.

Was die Öffentlichkeitsarbeit des DJB angeht… die ist generell stark Verbesserungswürdig…

Gruß
David
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Re: Sebastian Frey & Sei Kam Chow Vize-Weltmeister Katame-n

Beitrag von Jupp » 30.10.2012, 21:36

Sebastian und Sei Kam haben am vergangenen Wochenende in unserem Dojo ein Lehrgang durchgeführt, auf dem sie die in der Katame-no-kata zusammengefassten Katame-waza vermittelten.

Thema des Lehrgangs war das Studium der Katame-waza mit Hilfe der Katame-no-kata.

Ein Teilnehmer brachte Stimmung und Atmosphäre auf den Punkt als er sagte: "Das Herumgerutsche bei der Katame-no-kata hätte mich fast abgehalten teilzunehmen. Aber jetzt bin ich froh gekommen zu sein, denn wie die beiden die Bodentechniken vermittelt haben, war einfach klasse."

Sei Kam und Sebastian, die von ihrem Trainer Kurt Teller begleitet und unterstützt wurden, verstanden es Haltegriffe mit den entsprechenden Befreiungen, Würgegriffe mit den Verteidigungsaktionen und Armhebel mit entsprechender Gegenwehr so klar und eindrucksvoll zu vermitteln, dass jeder der Teilnehmer die technischen Prinzipien dieser Katame-waza nachvollziehen konnte, ohne durch überflüssige Formalitäten vom Studium der Techniken abgehalten zu werden.

Die beiden ersten deutschen Kata-Europameister sind ganz offensichtlich nicht nur in der Lage die Katame-no-kata (formvollendet) auf Weltklasseniveau zu demonstrieren, sondern sie verstehen es auch mit sehr großem Sachverstand, viel persönlichem Engagement und einer freundlich zurückhaltenden Art die Teilnehmer bei der Vermittlung ihres Könnens und ihrer Erfahrungen zu begeistern.

Sebastian, Sei Kam und Kurt haben deutlich machen können, dass Kata mehr ist als eine "nur" zeremonielle Vorführung, sondern das Kata eine wirksame Unterrichtsmethode zur Vermittlung komplexer technisch-taktischer Sachverhalte sein kann.
So sollte die Vermittlung der Inhalte einer Kata häufiger präsentiert werden.

Jupp

Vielleicht lesen meine Anmerkungen ja auch andere Teilnehmer dieses Lehrgangs und stellen ihre Meinungen zu diesem Klasse-Lehrgang hier ebenfalls vor.

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Re: Sebastian Frey & Sei Kam Chow Vize-Weltmeister Katame-n

Beitrag von Ronin » 31.10.2012, 08:39

Zwei meiner Schüler waren auf diesem Lehrgang und haben mir gestern darüber ausführlich berichtet.
Sie waren sehr angetan und was ich so gehört habe, lässt sich das oben geschriebene voll und ganz bestätigen.

Ich halte alle meine Schüler an grundsätzlich nach dem "Warum" zu fragen, wenn ihnen jemand etwas erzählt. Eigentlich ist die Antwort auf solche Fragen fast ausnahmslos ein Schulterzucken (insbesonders beim Thema Kata).

Gestern habe ich gehört: "Die wussten sogar warum..."

Ich werde bei einer Wiederholung versuchen, mehr Leute zu schicken.

tutor!
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Re: Sebastian Frey & Sei Kam Chow Vize-Weltmeister Katame-n

Beitrag von tutor! » 31.10.2012, 09:52

Die nächste Gelegenheit ergibt sich in zwei Wochen - und das sogar noch deutlich weiter im Süden:
http://www.judoverbandpfalz.de/web/Info ... fault.aspx

Gute Kata-Lehrer wissen übrigens immer "warum". Und zwar ohne die eigene Phantasie bemühen zu müssen...
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Re: Sebastian Frey & Sei Kam Chow Vize-Weltmeister Katame-n

Beitrag von mifune10dan » 31.10.2012, 10:04

Hallo zusammen
tutor! hat geschrieben:Die nächste Gelegenheit ergibt sich in zwei Wochen - und das sogar noch deutlich weiter im Süden:
da werde ich auch anwesend sein, denn das sollte man sich nicht entgehen lassen wenn man schon in der Nähe wohnt und was lernen will.
Gruß
Reinhard

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Re: Sebastian Frey & Sei Kam Chow Vize-Weltmeister Katame-n

Beitrag von Ronin » 31.10.2012, 11:04

tutor! hat geschrieben:Gute Kata-Lehrer wissen übrigens immer "warum". Und zwar ohne die eigene Phantasie bemühen zu müssen...
Das sollte man meinen, passiert zumindest uns hier trotzdem eher selten...

Beweis gefällig: viewtopic.php?p=40269#p40269 da hat z.B. ein (Mit-)Autor eine Buches über Nage-No Kata eine wenig referiert (und dabei dann auch - bemerkenswert ehrlich möchte ich positiv hervorheben - mal gesagt, dass er keine Ahnung hat warum - aber mal ein Buch (mit-)geschrieben).
Ist jetzt zwar nicht von einem Lehrgangsreferenten, aber dazu habe ich solche Statements auch noch nicht in schriftlicher Form bekommen, geht aber total in die gleiche Richtung.

Aber zurück zum Thema, ja, ein Katalehrer sollte das sagen können und dem war auch so. Insbesondere, wenn man es nicht so gewohnt ist, weiß man es dazu um so mehr zu schätzen.

HBt.

Re: Sebastian Frey & Sei Kam Chow Vize-Weltmeister Katame-n

Beitrag von HBt. » 31.10.2012, 11:08

Die WARUM-FRAGEN!


Jetzt wäre eine kurze, exemplarische Auflistung der gestellten W-Fragen sehr interessant.

tutor!
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Re: Sebastian Frey & Sei Kam Chow Vize-Weltmeister Katame-n

Beitrag von tutor! » 31.10.2012, 13:10

Ronin hat geschrieben:
tutor! hat geschrieben:Gute Kata-Lehrer wissen übrigens immer "warum". Und zwar ohne die eigene Phantasie bemühen zu müssen...
Das sollte ,man meinen, passiert zumindest uns hier trotzdem eher selten...

Beweis gefällig: viewtopic.php?p=40269#p40269 da hat z.B. ein (Mit-)Author eine Buches über Nage-No Kata eine wenig referiert (und dabei dann auch - bemerkenswert eherlich möchte ich positiv hervorheben - mal gesagt, dass er keine Ahnung hat warum (....)
An der Stelle war ich jetzt doch ein wenig zu pauschal, wie Dein Beispiel zeigt. Für manches gibt es auch einfach keine Quelle - und praktisch niemandem sind wirklich alle Quellen zu einer Kata bekannt und auch in allen Details gegenwärtig. In dem Fall sollte der Referent natürlich sagen, dass ihm keine Antwort bekannt ist.

Beispiel: Selbst Keiko Fukuda, die "Grand-Dame" der Ju-no-Kata schreibt in ihrem Buch, dass sie sich lange Zeit fragte und darüber spekulierte, woher Kano die Ideen für die inspirierenden Techniken der Ju-no-Kata genommen habe. Ihr selbst sei dann irgendwann klar geworden, dass die Quellen in Koshiki-no-Kata und in Itsutsu-no-Kata liegen würden. Auf deutsch heißt das ja nichts anderes, als dass die Herkunft der Techniken selbst zu Kanos Lebzeiten am Kodokan nicht thematisiert und gelehrt wurden.

Meine Anmerkung bezog sich aber auch mehr auf die technischen Abläufe. Diese sollten schon fundiert begründet werden können.
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Re: Sebastian Frey & Sei Kam Chow Vize-Weltmeister Katame-n

Beitrag von Ronin » 31.10.2012, 15:33

Auch bei den technischen Abläufen kann man solche Sache auf Lehrgängen sehr oft feststellen.

Eins meiner Lieblingsbeispiele ist immer bei den Nage-No-Kata-Lehrgängen der Eröffnungsschritt. Der muss nämlich genau einen Meter lang sein, als würde der Schüler über eine Matte treten wollen.....warum? Keine Ahnung, das macht man jetzt so...

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Re: Sebastian Frey & Sei Kam Chow Vize-Weltmeister Katame-n

Beitrag von katana » 31.10.2012, 22:59

tutor hat geschrieben:Meine Anmerkung bezog sich aber auch mehr auf die technischen Abläufe. Diese sollten schon fundiert begründet werden können.
Das Problem dabei ist nur, daß so manches überhaupt nicht mehr als "technischer Ablauf" zu identifizieren, u. daher auch eine sinnvolle Interpretation weitläufig nicht bekannt ist.
In diesem Zusammenhang haperts dann natürlich auch mit der "fundierten Begründung".
Wobei ich unter "fundierter Begründung" Basiswissen über Technikgrundlagen verstehe.

KK

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Re: Sebastian Frey & Sei Kam Chow Vize-Weltmeister Katame-n

Beitrag von Jupp » 01.11.2012, 09:02

Ronin schreibt:
"Eins meiner Lieblingsbeispiele ist immer bei den Nage-No-Kata-Lehrgängen der Eröffnungsschritt. Der muss nämlich genau einen Meter lang sein, als würde der Schüler über eine Matte treten wollen.....warum? Keine Ahnung, das macht man jetzt so..."
Genau zu diesem Thema erläuterte Kurt Teller, der Trainer der beiden Europameister, der sich zu Technikstudien der kata oft in Japan aufhält und gehalten hat, in etwa folgendes (aus dem Kopf zitiert):
"Da in Japan die Matten nur etwa 80 cm (x 160 cm) breit sind, wurde der Schritt in Japan auch immer nur über "diese Mattenbreite" ausgeführt. Bei uns in Europa sind die Matten jedoch meist genau 1 x 1 m groß, so dass der Eröffnungsschritt bei uns jetzt plötzlich entsprechend größer ausfällt."
Kurt fand das auch amüsant, konnte es aber wohl so hinnehmen - "es ist eben so..."

katana schreibt:
"Das Problem dabei ist nur, daß so manches überhaupt nicht mehr als "technischer Ablauf" zu identifizieren, u. daher auch eine sinnvolle Interpretation weitläufig nicht bekannt ist.
In diesem Zusammenhang haperts dann natürlich auch mit der "fundierten Begründung".
Genau das war bei den Erläuterungen und Demonstrationen von Sebastian und Sei-Kam eben der Fall: sie zeigten exakt die jeweiligen technischen Abläufe. Zuerst den beabsichtigten Griff, dann die sinnvolle Verteidigung. Beides wurde dann intensiv geübt. Daran schloss sich dann die Reaktion von Tori auf die Verteidigung an. Diese Reaktion war dann Ausgangspunkt für die nächste Verteidigung (Befreiung), die dann wiederum intensiv geübt wurde. Dann wurde die Reaktion Toris auf Ukes zweiten Befreiungsversuch gezeigt und erläutert, was wiederum geübt wurde. Abschließend wurde dann die sich in der so entstandenen Situation sinnvoll anbietende dritte Befreiung gezeigt und erläutert und geübt und darauf dann wieder die Reaktion Toris auf den Befreiungsversuch.

Jede einzelne Aktion der beiden, die bei der Vorführung der Kata nur als z.B. Befreiungsversuche kraftvoll aber sehr kurz gezeigt und sofort verhindert werden, wurde als technischer Ablauf deutlich gemacht und intensiv geübt. Jede einzelne Aktion konnte von beiden auf Nachfrage ausführlich (inhaltlich) begründet werden, so dass ein sehr sinnvolles, sehr intensives Üben der technischen Abläufe möglich war.

So wurde für die Osae-komi-waza (bei denen ja immer drei verschiedene Befreiungsaktionen gezeigt werden müssen) mehr als die Hälfte des gesamten Lehrgangs verwendet, weil die einzelnen Befreiungsaktionen intensiv studiert wurden.

Es war eben so, wie schon weiter oben geurteilt: ein klasse Lehrgang von zwei (drei) sehr kompetenten Kata-Experten.

Jupp

HBt.

Katame no kata

Beitrag von HBt. » 01.11.2012, 09:51

Danke Jupp,
für Deine ausführlichen Ausführungen.

Ich glaube allerdings, wir reden hier aneinander vorbei. Hauptsache es war für alle TLN ein interessanter und lehrreicher Tag, bei der Troika (Kurt, Sebastian & Sei Kam)
kann man auch davon ausgehen. Und offensichtlich hat sich der LG sehr positiv von anderen abgehoben ...

:D

Möglicherweise schreibt ja noch ein anderer TLN einen kleinen Bericht!? Mich motiviert dieser Faden (auf jeden Fall) wieder zum Katame no kata-Studium.

Glückwunsch zum gelungenen Lehrgang,
HBt.

katana
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Re: Sebastian Frey & Sei Kam Chow Vize-Weltmeister Katame-n

Beitrag von katana » 01.11.2012, 12:13

Jupp hat geschrieben:katana schreibt:
Zitat:
"Das Problem dabei ist nur, daß so manches überhaupt nicht mehr als "technischer Ablauf" zu identifizieren, u. daher auch eine sinnvolle Interpretation weitläufig nicht bekannt ist.
In diesem Zusammenhang haperts dann natürlich auch mit der "fundierten Begründung".
Genau das war bei den Erläuterungen und Demonstrationen von Sebastian und Sei-Kam eben der Fall: sie zeigten exakt die jeweiligen technischen Abläufe. Zuerst den beabsichtigten Griff, dann die sinnvolle Verteidigung. Beides wurde dann intensiv geübt. Daran schloss sich dann die Reaktion von Tori auf die Verteidigung an. Diese Reaktion war dann Ausgangspunkt für die nächste Verteidigung (Befreiung), die dann wiederum intensiv geübt wurde. Dann wurde die Reaktion Toris auf Ukes zweiten Befreiungsversuch gezeigt und erläutert, was wiederum geübt wurde. Abschließend wurde dann die sich in der so entstandenen Situation sinnvoll anbietende dritte Befreiung gezeigt und erläutert und geübt und darauf dann wieder die Reaktion Toris auf den Befreiungsversuch
Ich dachte dabei allerdings nicht an die Griffe und Verteidigungen,...
welche ... ich unterstelle einmal keß, ... jedem Graduierten spätestens ab 2.Dan geläufig sein sollten, ...
sondern an die technischen Grundlagen, welche du etwas salopp ( ;) ) als...
" überflüssige Formalitäten " bezeichnet hast, die für gewöhnlich "vom Studium der Techniken abhalten".
Denn ein tieferes Verständnis genau dieser "Belanglosigkeiten" würde ich von herausragenden Katalehrern der Weltspitze erwarten.

KK

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Re: Sebastian Frey & Sei Kam Chow Vize-Weltmeister Katame-n

Beitrag von Jupp » 01.11.2012, 20:01

Nun muss ich zuerst mich selbst zitieren. Ich schrieb:
"Genau zu diesem Thema erläuterte Kurt Teller, der Trainer der beiden Europameister, der sich zu Technikstudien der kata oft in Japan aufhält und gehalten hat, in etwa folgendes (aus dem Kopf zitiert):
"Da in Japan die Matten nur etwa 80 cm (x 160 cm) breit sind, wurde der Schritt in Japan auch immer nur über "diese Mattenbreite" ausgeführt. Bei uns in Europa sind die Matten jedoch meist genau 1 x 1 m groß, so dass der Eröffnungsschritt bei uns jetzt plötzlich entsprechend größer ausfällt."
Kurt fand das auch amüsant, konnte es aber wohl so hinnehmen - "es ist eben so..."
Mittlerweile wurde ich jedoch schlauer gemacht und muss diese Angaben korrigieren:
In meinem Beitrag von heute habe ich Kurt Teller nicht ganz richtig zitiert. Auf dem Lehrgang hat Kurt zu den "Formalien" gesagt, dass Kata (bei Wettbewerben) auf einer Matte von 10 x 10 m ohne Warnfläche (1 m -Streifen) gemacht wird. Markiert sind dort nur die Mitte der Kata-Achse und die Positionen von Uke und Tori zu Beginn der Kata, (also mit 6 m Abstand von einander). In diesem Zusammenhang hat Kurt darauf hingewiesen, dass bei Lehrgängen, bei denen eine "normale" 6 x 6 Matte liegt, und bei der es häufig dann auch eine 1 m (rote) Warnfläche gibt, fälschlicherweise oft erklärt wird, man müsse diese (1 m) mit einem Schritt überschreiten. Als richtig hat er dargestellt, dass man nur einen Schritt (Eröffnungsschritt) zu machen hat. In dem Zusammenhang hat er dann erläutert, dass das Maß für japanische Tatami (Größe 90 x 180 cm) beträgt [ also nicht wie von mir angegeben 80 x 160 ] und dass man bei einem selbstbewussten, aber natürlichen Eröffungsschritt etwa diese Entfernung erreicht. Um die weit verbreitete Annahme, man müsse einen 1 m Schritt machen um eine 1 x 1 m Matte zu überschreiten, hat er zudem versucht, das körpersprachlich mit einem übertriebenen 1 m Schritt im Vergleich zu einem "normalen" und natürlichen Eröffnungsschritt darzustellen.

Ich hoffe, diese Klarstellung hilft auch bei der Frage weiter, wie groß der Eröffnungsschritt denn nun tatsächlich sein muss...

Jupp

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Prüferweiterbildung mit Sebastian Frey

Beitrag von Fritz » 05.12.2016, 12:28

Habe Sebastian Frey auf der Brandenburger Prüfer-Weiterbildung als Referenten für Katame-no-Kata erleben können und
war sehr positiv überrascht. Im Gegensatz zu Iura-Sensei ein paar Wochen zu vor in Berlin mußte Sebastian
nicht auf Notizen schauen, das Referat war aber ähnlich aufgebaut, erst ein paar allg. Boden-Übungen
zur Erwärmung (Hüftwechsel, Überrollen, Krebs u. alles in Verkettung), die sich dann in den Befreiungs-Aktionen
wiederfanden.
Sebastian stellte auch recht deutlich (doch wohl zum Erstaunen einiger Prüferkollegen, die vorher schon etwas
"blubberten" von, "ich nehm ja auch soviele 2.Dan ab" ;-) ) klar, daß Kata eigentlich Technik-Erwerbstraining ist
und hat konsequenterweise auf den formellen Schnickschnack komplett verzichtet und sich nur um die Techniken gekümmert.

Auf die Tatsache angesprochen, daß der Kodokan irgendwann die Kata geändert hatte (siehe Otaki / Draeger), mußte er leider
bestätigen, daß es recht schwierig ist, an Informationen zum Original zu kommen, da der Kodokan
hier sich bedeckt hält und er immer nur Bruchstücke dazu einsammeln kann, die er oft nur "hinter vorgehaltener Hand", meist
von Leuten außerhalb des Kodokan erhält ...

Ich hoffe jedenfalls, daß er da dran bleibt und er mal einen Lehrgang anbietet, wo er auf diese Thematik eingeht.
Mit freundlichem Gruß

Fritz

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Re: Sebastian Frey & Sei Kam Chow Vize-Weltmeister Katame-no-Kata

Beitrag von Baumstamm » 05.12.2016, 14:01

Frage: Was hat sich den an der Katame-no-kata geändert? Nur rein interessehalber. Ich mache die Kata um im Boden fit zu bleiben. Die Befreiungen und die Vermeidung der Befreiungen haben mich schon öfter im Wettkampf weitergebracht.
Ein Baumstamm wird nicht gefällt, indem Mann dagegen läuft, dazu braucht Mann Kuzushi, Tsukuri, Kake, oder notfalls eine Axt.

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Re: Sebastian Frey & Sei Kam Chow Vize-Weltmeister Katame-no-Kata

Beitrag von Baumstamm » 05.12.2016, 14:04

Oder anders gefragt. Wo kann man die Bruchstücke der Original-Kata herbekommen? Auch wieder nur interessehalber. :o
Ein Baumstamm wird nicht gefällt, indem Mann dagegen läuft, dazu braucht Mann Kuzushi, Tsukuri, Kake, oder notfalls eine Axt.

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Re: Prüferweiterbildung mit Sebastian Frey

Beitrag von tutor! » 05.12.2016, 14:26

Fritz hat geschrieben:Habe Sebastian Frey auf der Brandenburger Prüfer-Weiterbildung als Referenten für Katame-no-Kata erleben können und
war sehr positiv überrascht. (...) Sebastian stellte auch recht deutlich (...) klar, daß Kata eigentlich Technik-Erwerbstraining ist
und hat konsequenterweise auf den formellen Schnickschnack komplett verzichtet und sich nur um die Techniken gekümmert.
Ach was.... und das ist auch noch jemand, der bei Kata-Meisterschaften wirklich erfolgreich war (2x Europameister, Vize-Weltmeister). Diese Haltung und Klarheit ist BTW unter den Kata-Top-Leuten in Deutschland eine Selbstverständlichkeit. Nur gibt es davon nicht so sehr viele.... aber es gibt in Deutschland mittlerweile zu allen Kata entsprechendes Know-How, auf das allerdings nicht in allen Landesverbänden zurückgegriffen wird.

Zur Katame-no-Kata. Dadurch, dass die Befreiungen gegen die angesetzten Techniken nicht festgelegt sind, ergeben sich auch keine großartigen Änderungen, wenn andere Befreiungen und/oder andere Reaktionen gelehrt werden. Insofern gibt es hier zwar einen Wandel, der aber nicht als solcher gesehen wird.

Auch wenn - und das gilt für alle Kata - bestimmte Abläufe biomechanisch optimiert und daher die Techniken etwas anders ausgeführt werden, wird das keiner so einfach sagen, denn das heißt ja im Umkehrschluss, dass die Altforderen etwas gelehrt haben, was nicht optimal war. Also wird darüber geschwiegen und es wird die "neue" neue Form gemacht.
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Re: Sebastian Frey & Sei Kam Chow Vize-Weltmeister Katame-no-Kata

Beitrag von Fritz » 05.12.2016, 14:35

Im Buch von Otaki/Draeger stehen ein paar Hinweise, so als Einstieg.

Es geht wohl schon mit dem Bewegen am Boden los, ursprünglich war das Kniegerutsche wohl genau andersrum und auch mehr wie der typische Sitz auf der Hacke,
der beim Bodenkampf sinnvoll ist, von wegen Schwerpunkt unten ...
(Damit ergeben sich _meiner_ (!) Meinung nach dann Möglichkeiten, bei den typischen "Arm-zu-Seite-Lege-Aktionen" durch Runterklappen des aufgestellten (linken) Beines den Arm zu belasten ...
zur Zeit ja kaum einsehbar, warum Griffansätze gezeigt werden, wo Ukes Arm schön brav nutzlos, weitestgehend unkontrolliert rumgammelt ... ;-) )

Ude-Hishigi-Ude-Gatame wurde (auch?) als Ude-Hishigi-Zenpaku-Gatame (also schön mit der Speiche Ukes Aduktor am Ellbgen stimulieren ;-) ) gemacht,
beim Gyaku-Juji-Jime wurden die Arme genau andersrum gekreuzt (wodurch das typische "Einstechen" perfekt Sinn ergeben würde).
Mehr fällt mir auf die Schnelle nicht jetzt erstmal nicht ein ...
Ich wette aber, da ist durchaus noch mehr ...
Mit freundlichem Gruß

Fritz

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