Judo-WM in Aserbaidschan

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Franke
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Judo-WM in Aserbaidschan

Beitrag von Franke » 06.09.2018, 00:48

Die Fußballer des FC Arsenal spielen 2018/19 in der Europa-League mit und haben da ein Auswärtsspiel in Aserbaidschan. Diesbezüglich kann man lesen, der armenische Arsenal-Spieler Henrik Mkhitaryan dürfe an diesem Spiel nicht teilnehmen, weil Aserbaidschan generell keine Armenier einreisen lässt. Schon an dieser Stelle kann man fragen: Warum darf dann eine aserbaidschanische Mannschaft an einem internationalen Wettbewerb teilnehmen? Was kann es denn schlimmeres geben, als einen nur wegen seiner Abstammung nicht mitspielen zu lassen? Es könnte doch, um mal etwas rum zu spinnen, ein nicht unerheblicher Vorteil für eine englische gegen eine spanische Mannschaft sein, wenn Großbritannien, weil es Ärger wegen Gibraltar gibt, nur mal eine Woche lang keine Spanier einreisen lassen würde (andersrum nicht so sehr, weil kaum Engländer in englischen Mannschaften spielen).

Um das Ding noch zu steigern: Das Finale der Europa-League wird in Aserbaidschan stattfinden und auch da dürfte Mkhitaryan wohl nicht mitspielen, nur weil er Armenier ist.

Nun guck ich auf Eurosport Tennis aus New York und da läuft Werbung für die Judo-WM demnächst in Aserbaidschan. Wird die ohne armenische Teilnehmer stattfinden? Fließt da so viel Geld, dass man über solche "Kleinigkeiten" gro0zügig hinwegsieht?

caesar
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Re: Judo-WM in Aserbaidschan

Beitrag von caesar » 06.09.2018, 06:38

Die WM wird ohne armenische Teilnehmer stattfinden. Das armenische Judo hat wenige Judoka von Weltklasse, mit Ferdinand Karapetian allerdings den amtierenden Europameister -73 kg (und mit Vadzim Shoka den fünften in der gleichen Kategorie) welcher sicherlich gern teilgenommen hätte.
Manche Dinge in der Welt brauchen aber eine gewisse Zeit oder einen gewissen Druck. Im Fall des Abu Dhabi Grand Slam und Israel hat es ja auch funktioniert und nun findet dieser statt, aller Voraussicht nach mit isrealischen Teilnehmer samt Flagge und eventueller Hymne.
Allerdings ist dies ein ganz anderer Fall, der trotzdem Jahre gebraucht hat und unterschiedliche Ebenen hat. Im Fall des Armenien-Aserbaidschan Konflikts sieht man die Diskriminierung nicht so deutlich, da sie schon vor der Veranstaltung stattfindet. Nicht zu vergessen, dass es im Fall des UAE-Israel Konflikts auch drei Jahre gedauert hat und einen Tal Flicker, der seine Gewichtsklasse gewinnt und dann zur IJF Hymne auf dem Podium steht. Ohne diesen Sieg von Tal Flicker wäre es vielleicht mit Business as usual weitergegangen, aber so gab es Medienübertragung auch außerhalb des Judozirkuses.
Israel hat in solchen Fällen auch immer eine spezielle Position, da wird Diskriminierung schneller nicht geduldet als bei anderen Nationen.
Armenien ist da leider nicht in der gleichen Aufmerksamkeit und ein amtierender Europameister produziert auch nicht genug Medienaufmerksamkeit, als dass hier Druck von außen entstehen könnte. Die IJF wird bei einem sehr großen Geldgeber da ähnlich wie bei der UAE so lange es geht die Scheuklappen sehr weit zu machen und hoffen dass es niemand anderes merkt.

edit: Fehler unterlaufen, Vadzim Shoka ist Weißrusse, ich meinte eigentlich Arsen Ghazaryan. Beide waren Fünfte bei der diesjährigen EM.

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